Kommst du über den Empfehlungslink einer Partnerin oder eines Partners zu uns, möchten wir dessen Kurzkennung 60 Tage lang im Cookie „ll_ref" speichern, damit eine spätere Registrierung richtig zugeordnet werden kann. Für die Nutzung von LageLuchs ist das nicht erforderlich — du kannst ohne Nachteil ablehnen und deine Entscheidung jederzeit über „Cookie-Einstellungen" im Seitenfuß ändern.
Alsfeld hatte am 31.12.2025 15.279 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 46 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Alsfeld
Alsfeld liegt im Norden des Vogelsbergkreises, am Südwestrand des Knüllgebirges und am Westhang des Alsfelder Beckens, westlich der Stelle, an der die Eifa in die obere Schwalm mündet. Ende 2025 zählte die Stadt 15.279 Einwohner in der Kernstadt und sechzehn Ortsteilen.

Der Ruf der Stadt beruht auf einem Paradox. Sie war vom Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit durch ihre Lage an einer Handelsstraße ein bedeutender Handelsplatz; die Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges und die Verlagerung der Handelsrouten kosteten sie diese Stellung. Genau dieser wirtschaftliche Bedeutungsverlust hat das Stadtbild erhalten.
Was übrig blieb, wurde früh geschützt und spät gefeiert: 1975 erklärte der Europarat Alsfeld zur Europäischen Modellstadt. Wer heute Bilder sucht, mit denen im Ausland für Deutschland geworben wird, findet oft das Alsfelder Rathaus.
Wann Alsfeld zum ersten Mal genannt wird, ist strittig, und die Quellenlage widerspricht sich. Der Codex Eberhardi enthält einen Eintrag zu einem Ort Adelesfelt, der in einer Darstellung auf 1069 und in einer anderen auf 1076 datiert wird; ob damit Alsfeld gemeint ist, gilt als umstritten. Gesichert ist erst das Jahr 1222, in dem ein Sifridus scabinus de Adelsfelt, also ein Schöffe dieses Ortes, urkundlich erscheint. Ausgrabungen in der Walpurgiskirche haben ergeben, dass dort bereits im 9. oder 10. Jahrhundert eine romanische Kirche stand; der Ort dürfte also in karolingischer Zeit entstanden sein.

Den Aufstieg verdankte die Stadt einer Burg und einer Straße. Zwischen 1180 und 1190 bauten die Landgrafen von Thüringen an der Handelsstraße der Kurzen Hessen eine Burg; ab 1222 ist Alsfeld als Stadt bezeugt, seit 1247 gehörte es zur Landgrafschaft Hessen, und 1254 trat es dem Rheinischen Städtebund bei. Es folgte eine Blütezeit mit regem Bauen: Walpurgiskirche, ein Kloster, eine Lateinschule und zahlreiche Burgmannenhäuser entstanden, 1350 wurde die Liederbach durch die Stadt geleitet, und für 1359 ist eine Synagoge belegt. Mit dem Bau des Schlosses 1395 wurde Alsfeld Residenzstadt.
Die Reformation kam über einen Freund Luthers. Martin Luther selbst nahm auf dem Hin- und Rückweg nach Worms hier Quartier, und der Augustinermönch Tilemann Schnabel begann 1522 in Alsfeld im Sinne der neuen Lehre zu wirken. Ein Ratsbeschluss folgte darauf zunächst nicht; Alsfeld war also nicht die erste hessische Stadt, die lutherisch wurde, auch wenn ältere Darstellungen das behaupten. Mit einer Predigt von der Stadtmauer herab zog sich Schnabel den Zorn des Landgrafen zu, musste die Stadt verlassen und konnte 1525 auf Votum der Bürgerschaft zurückkehren. Mit dem Übergang zur Reformation endete die Tradition des Alsfelder Passionsspiels, das auf dem Marktplatz aufgeführt worden war.
Dann kam der Bruch. Ab 1567 gehörte Alsfeld zu Hessen-Marburg, ab 1604 zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, und bis 1628 war die Bürgerzahl auf 428 gewachsen, was ungefähr zweitausend Einwohnern entsprach. Der Dreißigjährige Krieg brachte durchziehende Heere — 1622 unter Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel, 1640 unter Johan Banér —, Einquartierungen und Plünderungen; im Hessenkrieg von 1645 bis 1648 lag die Stadt an der Grenze zwischen Hessen-Darmstadt und Hessen-Kassel. Nach zwanzig Kriegsjahren hatte Alsfeld fast die Hälfte seiner Einwohner und seine Bedeutung als Handelsstadt verloren. An die Stelle von Handwerk und Tuchproduktion trat die Landwirtschaft.
Der Grundriss der Altstadt ist der einer mittelalterlichen Stadt: der Marktplatz in der Mitte, in einigem Abstand die nahezu kreisförmige Stadtmauer, von deren Toren die Hauptstraßen meist geradewegs zum Zentrum führten. In Alsfeld lässt sich der Verlauf der Mauer heute noch an jenen Gassen ablesen, die nie dem überregionalen Verkehr dienten. Bemerkenswert ist dabei die Handelsstraße von Leipzig und Kassel nach Frankfurt: Sie führt als Straßenzug über Hersfelder Straße, Untergasse, Obere Fulder Gasse und Markt innerhalb der Stadt ebenso verwinkelt wie außerhalb — anders als in vielen mittelalterlichen Städten, wo Fernstraßen geradliniger auf den Marktplatz zulaufen.
Von den über 400 Kulturdenkmälern stammen 24 aus dem Mittelalter. Am Ende des 15. und im 16. Jahrhundert vollzog sich hier der Übergang vom Ständerbau zum Stockwerkbau. Das Rathaus ist ein früher Rähmbau und entstand von 1512 bis 1516, wobei zuerst der steinerne Unterbau und anschließend der Fachwerkaufbau errichtet wurde; der Unterbau diente früher als Markthalle.

Nebenan steht das Weinhaus, an dessen Ecke bis heute der Pranger sitzt, ein schließbarer Eisenring mit Trittstein und deutlichen Benutzungsspuren. Hans von Frankfurt errichtete das Weinhaus 1538 mit einem Staffelgiebel, als städtisches Weinlager und als Ausschank; 1840 wurden die alten Vorhangbogenfenster verändert. Heute sitzt dort die Stadtverwaltung. Angebaut ist ein Fachwerkhaus in Ständerbauweise, dessen Kern von 1350 stammt und das nach Zerstörungen 1403 und 1464 aus- und umgebaut wurde; darunter liegen zwei Keller mit Tonnengewölbe aus der Zeit der Stadtgründung.

Politisch war die Stadt früh braun. Bei der Reichstagswahl 1930 erhielt die NSDAP in Alsfeld 33,5 %, bei der Wahl von 1932 dann 66,3 %. Die jüdische Gemeinde bestand seit dem 14. Jahrhundert; 1910 waren 5 % der Bevölkerung jüdisch, was 252 Menschen bei rund 5000 Einwohnern entsprach. Von 25 jüdischen Alsfeldern, die im Ersten Weltkrieg dienten, kehrten acht nicht zurück. Die Familie Wallach gehörte zu den vier vermögendsten der Stadt; Leopold Wallach produzierte Tuche, Bier und Ziegel und betrieb ein Sägewerk.
Das Ende ging schnell. 1933 lebten noch 220 Juden in Alsfeld, viele mit kleinen Geschäften für Bekleidung, Spirituosen und Haushaltswaren oder im Viehhandel; Max Rothschild war der jüdische Arzt der Stadt. Viele Geschäfte in der Untergasse wurden arisiert, und der Druck wuchs so weit, dass 1939 nur noch 33 jüdische Einwohner da waren und 1940 gerade vier. Der Gemeindevorsteher Adolf Steinberger überzeugte viele zur Auswanderung nach Haifa, wozu der Lehrer schon 1933 aufgerufen hatte. Wer in größere Städte geflohen war, wurde vielfach 1942 deportiert; rund 100 dieser Menschen wurden ermordet. Nach dem Novemberpogrom von 1938 bargen Bürger rituelle Gegenstände aus der Synagoge und versteckten sie im Museum, darunter bis 1953 eine Torarolle, die nach Haifa geflohene Gemeindemitglieder abholten. Seit dem 24. Oktober 2009 liegen Stolpersteine im Pflaster.
Vom Zweiten Weltkrieg blieb die Stadt weitgehend verschont. Am 22. Februar 1945 traf sie ein Bombenangriff, dessen eigentliches Ziel der strategisch wichtige Bahnhof war; getroffen wurden durch eine Verwechslung stattdessen Privathäuser am Schützenrain, die später abgerissen werden mussten.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: FW
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.
Der Niedergang zog sich bis ins 19. Jahrhundert. 1817 kam es zu einer Hungersnot und einer Auswanderungswelle nach Amerika; zugleich bildeten sich revolutionäre Tendenzen, sodass Alsfeld ein wichtiger Ort der Revolution von 1848 wurde, und deren Scheitern löste eine zweite Auswanderungswelle aus. Beim Eisenbahnbau wurde der Vogelsberg umfahren. Erst 1870 bekam Alsfeld einen Anschluss, und zwar nicht an eine wichtige Nord-Süd-Trasse, sondern an die Oberhessische Eisenbahn, die heutige Vogelsbergbahn. Das hemmte die Industrialisierung — und begünstigte die Erhaltung des Ortsbildes.
Hinter diesen Häusern steht die Walpurgiskirche aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Ihr Chor wurde 1393 neu errichtet, ihr Turm nach dem Einsturz von 1394 ebenfalls, dann allerdings erst 1543 vollendet und 1836 um ein Geschoss gekürzt; ab 1472 wurde das gotische Langhaus zur Hallenkirche umgebaut. Die Gesamtverglasung schuf Charles Crodel 1963 in einer zu den Architekturformen passenden Bildsprache. Seit dem 3. Dezember 2006 hat die Kirche ein Glockenspiel, das täglich mittags erklingt. Ganz in der Nähe steht das spätgotische Beinhaus, 1368 erstmals erwähnt und 1510 erweitert, in dem die Gebeine vom Friedhof aufbewahrt wurden. Am südlichen Ende der Altstadt liegt die Dreifaltigkeitskirche, die frühere Klosterkirche der Augustiner aus dem 14. Jahrhundert, ein zweischiffiger asymmetrischer Hallenbau um 1435, der wie bei Bettelorden üblich keinen Kirchturm hat. Bei den Ruinen der Klosterbauten hat sich ein Stück Stadtmauer mit dem 1386 erbauten Leonhardsturm erhalten. An besonders interessanten Gebäuden, den Alsfelder Perlen, hängen zweisprachige nummerierte Erläuterungen, sodass sich mit einem Faltblatt ein thematischer Rundgang gehen lässt.
Dass so viel steht, ist auch einer frühen Entscheidung zu verdanken. Der Denkmalschutz begann in Alsfeld, als anderswo abgerissen wurde. Während in der Gründerzeit überall jahrhundertealte Gebäude historistischen Neubauten weichen mussten, führte das hier zu heftiger Kritik. Am 8. August 1900 erließ die Stadt ein Ortsbau-Statut, das den Umgang mit Bauten und die Errichtung von Neubauten regelte; 1902 kam ein Denkmalschutzgesetz hinzu. 1897 hatte sich bereits ein Geschichts- und Museumsverein gegründet, 1905 folgte das Stadtarchiv. Nach dem Krieg ging die Denkmalpflege weiter: In den Jahren von 1947 bis 1974 legte man 57 Fachwerkhäuser frei und brachte 65 weitere in Stand. Eine Ortssatzung der Stadtverordneten von 1963 nennt den historischen Stadtkern ein vortreffliches Denkmal der Baukunst aus Mittelalter und Renaissance, das ein glückliches Geschick bis heute überliefert habe. Ganz konsequent war dieser Schutz nicht: Das Scheunenviertel wurde trotzdem abgerissen, weil man Parkplätze wollte. 1975 erklärte der Europarat Alsfeld neben Trier, Xanten, Rothenburg ob der Tauber und Berlin zur Europäischen Modellstadt, 1990 folgte der Denkmalschutzpreis.






