Kommst du über den Empfehlungslink einer Partnerin oder eines Partners zu uns, möchten wir dessen Kurzkennung 60 Tage lang im Cookie „ll_ref" speichern, damit eine spätere Registrierung richtig zugeordnet werden kann. Für die Nutzung von LageLuchs ist das nicht erforderlich — du kannst ohne Nachteil ablehnen und deine Entscheidung jederzeit über „Cookie-Einstellungen" im Seitenfuß ändern.
Andernach hatte am 31.12.2025 29.920 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 57 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Andernach
Alle zwei Stunden passiert auf einer Rheininsel vor Andernach etwas, das man kaum glaubt, wenn man es zum ersten Mal sieht: Aus einem Bohrloch schießt eine Fontäne kalten Wassers bis zu sechzig Meter in die Luft, getrieben allein von Kohlendioxid aus dem Untergrund. Der Geysir Andernach ist kein heißer Quelltopf, sondern ein Nebeneffekt des Vulkanismus der Eifel. Er springt, weil sich das Gas im aufsteigenden Wasser entspannt.
Die Stadt liegt am linken Rheinufer im Neuwieder Becken, auf 60 Meter Höhe; ihr Gebiet umfasst 53,34 Quadratkilometer. Zum 31. Dezember 2025 zählte sie 29.920 Einwohner. Sie ist eine römische Gründung, heute industriell geprägt — Weißblech, Pharmazie, Chemie — und zugleich touristisch bedeutend. Was sie von den Nachbarstädten unterscheidet, steckt im Boden: Vulkangestein, das man hier seit zweitausend Jahren verkauft.

Der Name ist älter als die Stadt. Antunnacum stammt wahrscheinlich aus dem Keltischen und taucht am Ende des 3. Jahrhunderts auf einem römischen Meilenstein im heutigen belgischen Tongern auf. 1988 beging die Stadt ihr zweitausendjähriges Bestehen. Die Lage erklärt alles Weitere. Zwischen dem Geiersberg auf der linken und dem Engwetter auf der rechten Seite verengt sich das Tal zu einem Durchlass, der seit römischer Zeit Andernacher Pforte heißt — Porta Antunnacensis. Wer hier Zoll nahm, saß an einer Stelle, an der niemand vorbeikam.
Gehandelt wurde vor allem mit Stein. Schon in der Römerzeit und in der Spätantike war der Ort für seinen Fernhandel mit Tuffstein, Basalt und Mühlsteinen bekannt; davon erzählt auch der erhaltene Grabstein des Austroaldus aus der Zeit um 600. Das Marktrecht besaß die Stadt spätestens 1167; damals ging sie als Schenkung an Rainald von Dassel, den Erzbischof von Köln.
Für diesen Handel baute man Technik. Der Alte Krahnen, ein steinerner Turmdrehkran am alten Hafen, wurde 1561 fertig und löste einen um 1400 errichteten Schwimmkran ab. Dreihundertfünfzig Jahre lang verlud er Weinfässer sowie Mühl- und Tuffsteine aus der Eifel, bis 1911 der Betrieb endete; seine Mechanik ist bis heute intakt. Nach diesem Kran, der damals schon hundert Jahre alt war, heißt seit etwa 1650 der Berg über ihm Krahnenberg.
Von der Befestigung stehen noch ansehnliche Teile. Das Rheintor entstand um 1200 als Hauptzugang vom Ufer her und ist eine Doppeltoranlage; der Runde Turm, 1440 bis 1453 als Wartturm errichtet, misst 56 Meter bis zur Spitze und hat bis zu 5 Meter dicke Mauern. 1689 widerstand er einem Sprengversuch der abziehenden französischen Truppen — geblieben ist ein Ausbruch von etwa 1,20 Metern Tiefe an seiner Feldseite. Dazu kommen die Ruine der kurkölnischen Stadtburg, ein Pulverturm und mehrere Halbrundtürme der Stadtmauer.
Das kirchliche Erbe liegt am Westrand der Altstadt. Die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt, eine Emporenbasilika mit vier Türmen, entstand zwischen 1196 und 1220 an der Westseite des römischen Kastells und heißt wegen ihrer früheren Bindung an den Trierer Erzbischof auch Mariendom; die evangelische Christuskirche war bis 1802 die Klosterkirche der Minoriten.
Aus der Stadt des Steinhandels wurde später ein Industrieort. Am Rhein produziert ein Werk Weißblech, dazu kommen Pharmazie und Chemie; die Stadt ist an die linke Rheinstrecke angeschlossen, an der auch Fernzüge halten. Zwischen 1895 und 1941 gab es sogar eine Standseilbahn auf den Krahnenberg.
Andernach liegt am östlichen Rand der Vulkaneifel. Diese Landschaft ist erdgeschichtlich jung, ihr Untergrund führt Kohlendioxid, und genau dieses Gas macht den Geysir auf dem Namedyer Werth möglich.
Seine Geschichte ist eine Geschichte des Bohrens. Er sprang zum ersten Mal 1903, nachdem man gebohrt hatte, und wurde kommerziell als Mineralquelle genutzt; 1957 wurde die Bohrung verschlossen. 2001 bohrte man erneut an, seit 2006 ist der Geysir wieder zugänglich, und am 30. Mai 2009 wurde er gemeinsam mit einem Infozentrum eröffnet.
Derselbe vulkanische Untergrund lieferte schon den Stein, den der Alte Krahnen verlud. Auch die Heilquellen bei Bad Tönisstein im Stadtteil Kell gehören zu dieser Geologie: Sie wurden 1501 in den Andernacher Annalen erstmals urkundlich erwähnt und um 1540 von dem aus Andernach stammenden Arzt Johann Winter empfohlen; vom ausgehenden 16. bis ins 18. Jahrhundert war der Ort Heilbad und Sommerresidenz der Kölner Kurfürsten.
Wasser hat die Stadt außerdem angetrieben. Am Kennelbach liefen bis teilweise ins 20. Jahrhundert vier Wassermühlen, deren Namen bis heute in Straßennamen stecken. Eine Stadt, die sich über Jahrhunderte aus Stein, Gas und Wasser bedient hat, lässt sich ohne ihren Untergrund nicht erklären.
Seit einigen Jahren fällt Andernach aus einem anderen Grund auf. Die Stadt bepflanzt ihre Grünflächen nicht mit Zierrasen, sondern mit Gemüse, Obst und Getreide, und jeder darf ernten: Das Motto lautet Pflücken erlaubt. Aus einem Verwaltungsbeschluss ist damit ein Stadtbild geworden, das man abgehen kann.
Ausgezeichnet wurde das Konzept mehrfach, zum ersten Mal 2010 bei der ersten Teilnahme am Bundeswettbewerb Entente Florale. In den Folgejahren dehnte die Stadt die Flächen aus, entlang der alten Stadtmauer und unweit des Bahnhofs. Wer heute am mittelalterlichen Mauerring entlanggeht, läuft an Bohnenstangen vorbei.

Eine ältere Form von Gemeinschaft hat sich neben solchen neuen Ideen gehalten. Die Andernacher Nachbarschaften waren dazu da, sich bei Krankheit, Unglück oder Tod gegenseitig beizustehen, und bis heute bestehen Sterbekassen, die aus Mitgliedsbeiträgen Zuschüsse zu den Kosten einer Beisetzung zahlen. Abordnungen dieser Nachbarschaften begleiten mit ihrer Fahne die Beerdigungen verdienter Mitglieder.

Und dann gibt es noch ein Haus in der Aktienstraße, in dem 1920 Charles Bukowski zur Welt kam, bevor seine Eltern mit ihm in die Vereinigten Staaten gingen. Heute zeigt darin ein Museum die Geschichte des Andernacher Karnevals, dessen erste urkundliche Erwähnungen bis ins Jahr 1416 zurückreichen. Der Dichter, der später über Absturz und Hinterhöfe schrieb, ist damit ausgerechnet im Geburtshaus zum Nachbarn von Prinzenpaaren und Elferräten geworden.






Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.






