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Bad Ems hatte am 31.12.2025 10.048 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 53 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Bad Ems
Am 13. Juli 1870 sprach ein französischer Botschafter einen preußischen König auf einer Kurpromenade an. Was daraus wurde, steht in jedem Schulbuch; wo es geschah, wissen die wenigsten. Bad Ems liegt auf beiden Seiten der Lahn, die hier die Grenze zwischen Taunus und Westerwald bildet, rund acht Kilometer Luftlinie südöstlich von Koblenz. Seit 2021 steht ihr Kurviertel auf der Welterbeliste. Heute hat Bad Ems 10.048 Einwohner — deutlich weniger als zu Zeiten des großen Kurbetriebs.
Vor dem Bad waren die Römer da. Im heutigen Innenstadtbereich lagen zwei Militärlager, das Kastell Ems und das Kleinkastell Auf der Schanz, in denen Auxiliartruppen zum Schutz des Obergermanisch-Raetischen Limes stationiert waren; erhalten ist davon nichts. Der Limes querte im Bereich der Grabenstraße, unmittelbar östlich des heutigen Kurhauses, die Lahn. In den Wäldern um die Stadt liegen deutliche Spuren der Grenzanlage, darunter auf dem Wintersberg eine der frühen Turmrekonstruktionen.
Das Dorf Ems geht vermutlich auf eine fränkische Gründung des 6. Jahrhunderts zurück und wurde im Jahr 880 erstmals urkundlich erwähnt. Es entwickelte sich am Unterlauf des Emsbachs als ländliche Siedlung mit vielen Weingärten. Die Stadtrechte kamen 1324 von König Ludwig dem Bayern. Wo die Thermalquellen östlich des Dorfes zutage treten, entstand vermutlich im 14. Jahrhundert das Emser Bad, 1352 als das warm bayt by Eumetze belegt; 1382 stand ein Thurne ubir dem bade, und 1474 und 1479 bauten die beiden Landesherren, die Grafen von Nassau und die Grafen von Katzenelnbogen, umfangreich weiter.
Ort und Bad waren zunächst zwei Dinge. Erst 1822 wurden sie zu einer Gemeinde vereinigt, 1863 wurde Ems Stadt, und seit 1913 trägt sie den Zusatz Bad. Dazwischen liegt der Wechsel der Herrschaft: Seit 1806 gehörte Ems zum Herzogtum Nassau, das 1866 von Preußen annektiert wurde.
Der Welterbetitel kam spät und nicht allein. Elf Kurstädte in sieben europäischen Ländern wurden 2021 gemeinsam in die Liste aufgenommen, nach den Kriterien zwei und drei; drei davon liegen in Deutschland, neben Bad Ems noch Baden-Baden und Bad Kissingen. Begründet wird das mit einem eigenen städtebaulichen Typ: Rund um die Heilquellen sei in Europa die Kurstadt entstanden, deren Architektur bis heute von der Bäderkultur zeugt. Leicht war der Weg dorthin nicht: Die Bewerbung lief unter Federführung Tschechiens, jede Stadt der Gruppe musste die Kriterien für sich genommen erfüllen, und im Jahr 2016 wurde die Zahl der beteiligten Kurorte von 16 auf 11 reduziert.
Die Zahlen sind überschaubar und liegen dicht beieinander. Bad Ems hat aktuell 15 Thermalquellen, alle nah am Fluss; allein fünf von ihnen sprudeln in und unter der Brunnenhalle, die heute zum Grand-Hotel gehört. Das Wasser gilt vor allem als heilsam für Atemwegserkrankungen, und aus ihm werden die bekannten Emser Salz-Pastillen hergestellt. Der langjährige Leiter des städtischen Museums fasst das Besondere so zusammen: dass hier seit dem Mittelalter eine ungebrochene Badetradition an derselben Stelle bestehe.
Gebaut wurde entsprechend. Zwischen 1709 und etwa 1725 entstand das Fürstlich Oranien-Nassauische Badehaus, dessen Brunnenhalle im Ostteil des heutigen Kurhauses erhalten ist. Wo heute das Grand-Hotel steht, standen davor mittelalterliche Badetürme und dann die Paläste der Landgrafen von Hessen-Darmstadt und der Fürsten von Oranien-Nassau — die beiden Häuser regierten den Ort gemeinsam und badeten Seite an Seite. Die Spielbank im Kurhaus arbeitete von 1720 bis 1872 und wieder ab 1987.
Im 19. Jahrhundert wuchs der Ort zum Weltbad und zur Sommerresidenz europäischer Monarchen und Künstler. Die Gästeliste reicht von Kaiser Wilhelm I. über die russischen Zaren Nikolaus I. und Alexander II. bis zu Richard Wagner, dem Maler Wassili Wereschtschagin und dem Schriftsteller Fjodor Michailowitsch Dostojewski. Das internationale Publikum ist bis heute ein Merkmal der Bedeutenden Kurstädte Europas — und in Bad Ems zeigte sich der spätere deutsche Kaiser bürgerlich ohne Uniform.
Der Kurbetrieb hat sich danach zweimal gewandelt. Seit den 1950er Jahren verschob er sich zur Sozialkur; die höchste Einwohnerzahl erreichte die Stadt im Jahr 1977 mit 10.332 Einwohnern. An das historische Kurviertel schließen sich bis heute ehemalige Hotels, Logierhäuser und Villenviertel an, und die Landschaft ringsum wurde früh durch Promenaden und Spazierwege zu Aussichtspunkten erschlossen.
Politische Geschichte wurde in Ems mehrfach geschrieben, und immer ging es um ein Papier. Schon 1786 hatte im Mainzer Haus auf der linken Lahnseite der Emser Kongress der Deputierten der geistlichen Kurfürsten getagt und die Emser Punktation verabschiedet.
Der Vorgang, für den die Stadt bekannt ist, dauerte einen Vormittag. Am 13. Juli 1870 suchte der französische Botschafter Vincent de Benedetti den preußischen König Wilhelm auf der Kurpromenade in Ems, sprach ihn direkt an und trug ihm die Forderung vor, eine erneute Hohenzollern-Kandidatur für den spanischen Thron für alle Zukunft auszuschließen. Der König bestätigte später am Tag den bereits erklärten Verzicht, lehnte die weitergehende Garantie aber ab und verweigerte eine weitere Audienz.
Das Telegramm darüber ist die eigentliche Emser Depesche. Heinrich Abeken, ein Mitarbeiter des norddeutschen Auswärtigen Amtes, der den König begleitete, notierte dessen mündlichen Bericht und telegrafierte ihn an Bundeskanzler Otto von Bismarck. Bismarck informierte daraufhin die Presse über die französischen Forderungen und Wilhelms Ablehnung; für diesen redigierten Text verwendete er Teile des Wortlauts wieder, weshalb die Pressemitteilung bis heute mit der nie veröffentlichten Depesche verwechselt wird. Am 19. Juli 1870 erklärte Frankreich Preußen den Krieg.
Sechs Jahre später wurde in Bad Ems ein weiteres Papier unterzeichnet, das in Deutschland kaum jemand kennt und in der Ukraine sehr wohl. Zar Alexander II. setzte 1876 im Haus Vier Türme seine Unterschrift unter den Emser Erlass; er stellte es unter Strafe, Literatur auf Ukrainisch zu verbreiten. Eine Gedenkinschrift erinnert heute an der Stelle daran.
Die Verwaltungsgeschichte des 20. Jahrhunderts ist ruhiger. Seit 1947 hat das Statistische Landesamt für Rheinland-Pfalz seinen Sitz in der Stadt; mit der Gebietsreform von 1969 kam der Verwaltungssitz des damals neu zugeschnittenen Rhein-Lahn-Kreises hinzu, 1972 der der Verbandsgemeinde.
Am Ufer der Lahn reihen sich Kurhaus, Kolonnaden, Kursaal, Kasino und Kurpark aneinander, die Insignien der Kurstadt. Dass sie so dicht stehen, liegt an den Quellen, die alle in Flussnähe liegen. Zur Kurarchitektur gehören auch das Mainzer Haus von 1696 und das Haus Vier Türme aus demselben Jahr sowie die katholische Kapelle Maria Königin, die 1661 auf damals kurmainzischem Gebiet errichtet wurde. Dazu kommt das spätklassizistische Künstlerhaus Schloss Balmoral, 1867/68 erbaut und heute von der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur genutzt.
Die Kirchen erzählen, wer hier zu Gast war. Die Russisch-Orthodoxe Kirche, eine Kreuzkuppelkirche mit vergoldeter Zentralkuppel und vier Nebenkuppeln, steht neben der katholischen St.-Martins-Kirche, einer neugotischen dreischiffigen Hallenkirche. Die evangelische Martinskirche war ursprünglich eine romanische Basilika und wurde im 18. Jahrhundert restauriert.
Über der Stadt steht auf der Bäderlei ein Aussichtsturm. Der Concordiaturm auf der Bäderlei wurde 1861 errichtet, ist 15,1 m hoch und hat zwei Aussichtsplattformen.
Der Kurort war im 19. und 20. Jahrhundert zugleich Bergbauort. Gefördert wurden Blei, Silber, Zink und Kupfer. Die erste urkundliche Nennung des Bergbaus stammt aus dem Jahr 1158; im Spätmittelalter war der Abbau unterbrochen, und zwischen 1595 und 1605 ist im Ort ein Eisenwerk belegt, das gegenüber Nassau-Oranien abgabepflichtig war. In römischer Zeit gab es womöglich schon Erzgewinnung im Tagebau, wovon die Pingen am Blöskopf zeugen.
Die Industrialisierung machte daraus einen Betrieb mit Namen. Ab 1871 firmierte er als Emser Blei- und Silberwerk AG, 1909 übernahm ihn die spätere Stolberger Zink AG. Das Ende kam mit dem Krieg: Am 19. März 1945 fiel durch Bombardierung das öffentliche Stromnetz aus, damit standen die Pumpen, und die Gruben liefen mit Grundwasser voll. Zur Wiederaufnahme der Förderung kam es nicht; bis 1959 wurden in der Zentralaufbereitung Silberau noch Haldenbestände und Fremderz geschieden, und die letzte Grube auf dem Emser Gangzug stellte 1963 ihren Betrieb ein.
Sichtbar ist davon mehr, als man denkt. Auf der linken Lahnseite lagen die Gruben Malberg und Bergmannstrost, rechts der Lahn die Gruben Neuhoffnung, Fahnenberg und Pfingstwiese, aus der die Emser Tönnchen stammen. Geblieben sind alte Bahndämme, Halden und verschlossene Stolleneingänge im Ortsteil Emser Hütte, das Steigerhaus der ehemaligen Blei- und Silberhütte, in dem heute das Emser Bergbaumuseum sitzt, und das 1905 fertiggestellte Elektrizitätswerk in der Lindenbach, dessen neogotische Backsteinfassade heute einen Supermarkt beherbergt.
Im Jahr 1872 beschloss die Stadt, auf dem 350 m hohen Hohen Malberg ein Hotel zu bauen — ausdrücklich, um das Fernbleiben zahlreicher ausländischer Kurgäste zu kompensieren. Erschlossen werden sollte es durch eine Standseilbahn mit Wasserübergewichtsantrieb; dafür wurde 1885 die Malbergbahn AG gegründet, die Bauarbeiten begannen im November 1886, und am 5. Juni 1887 ging die Bahn feierlich in Betrieb.
Die Technik ist der Grund, warum sie erhalten blieb. Die Malbergbahn war eine Wasserballastbahn mit Leiterzahnstange nach System Riggenbach, die zugleich als Brems- und Feststellbremse diente. Die zweigleisige Strecke hatte Meterspur, war 520 Meter lang und überwand bei einer maximalen Steigung von 54,5 Prozent einen Höhenunterschied von 260 Meter. Die Höchstgeschwindigkeit lag bis 1963 bei 7 km/h und danach bei 12 km/h. Angetrieben wurde die Bahn durch Wasserkraft: Das Betriebswasser wurde vom Tal in ein Vorratsbassin auf dem Berg hochgepumpt.
Das Ende kam nicht durch fehlende Fahrgäste. Als der TÜV Rheinland 1979 wegen des Alters der Bahn schwere Mängel feststellte und die Stadt die Sanierung nicht bezahlen konnte, wurde der Betrieb eingestellt — vorläufig, wie es hieß. Am 7. Dezember 1981 wurde die Bahn zum technischen Denkmal erklärt; sie war bis zu ihrem letzten Betriebstag ohne Unfall gefahren. Am 20. Juni 2000 beschloss der Stadtrat, sie nicht wieder in Betrieb zu nehmen. Seit 1982 bemüht sich ein Förderverein mit rund 150 Mitgliedern um ihren Erhalt, seit 2014 sind Talstation und der dort stehende Wagen renoviert und werden als Café genutzt.
Ersetzt wurde sie im selben Jahr ihrer Stilllegung: Am gegenüberliegenden, nördlichen Lahnufer fährt seit 1979 die Kurwaldbahn.




Stand des Portraittextes: 2026-09-17.
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