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Bad Kissingen hatte am 31.12.2025 23.191 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 61 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Bad Kissingen
Bad Kissingen liegt im Tal der Fränkischen Saale, am südöstlichen Rand der Rhön, und hat die für mitteleuropäische Kurbäder klassische Randlage am Mittelgebirge. Die amtliche Ortshöhe beträgt 202 m, die Stadtfläche 69,92 Quadratkilometer. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 23.191 Einwohner.
Am 21. Juni 801 taucht der Ort zum ersten Mal in einer Urkunde auf, geschrieben als chizzicha: ein Adeliger namens Hunger überschrieb darin seinen hiesigen Besitz dem Kloster Fulda. Das Original ist verschollen, ebenso die Abschrift, die Abt Rabanus Maurus im 9. Jahrhundert anfertigen ließ; erhalten hat sich der Inhalt nur, weil der Fuldaer Mönch Eberhardus ihn in seinen Codex Eberhardi übernahm. Ein zweites Mal erscheint der Ort 907 als Kizicha, diesmal in einer Urkunde des ostfränkischen Königs Ludwig das Kind, die einen Gütertausch zwischen den Klöstern Echternach und Fulda bestätigt — der Kissinger Besitz wechselte dabei zu Fulda. Im Mittelalter blieb Kissingen unbedeutend und war kleiner als die benachbarten Städte Münnerstadt und Hammelburg. Der Aufstieg zur Behördenstadt kam erst sehr viel später. Wie langsam sich der städtische Charakter verfestigte, zeigen die Bezeichnungen in den Urkunden: 1279 erscheint der Ort als oppidum, 1293 als castrum cum oppido, erst 1317 schlicht als stat. Das Stadtrecht selbst verlieh 1296 der spätere Kaiser Ludwig der Vierte; 1396 bestätigte es der Würzburger Bischof Gerhard von Schwarzburg. Nach Konflikten zwischen den Hennebergern und der Kirche waren 1309 und 1319 Wiederaufbauklauseln nötig, und das Stadtbild von 1319 blieb über Jahrhunderte, wie es war. 1394 verkaufte Herzog Swantibor der Dritte von Pommern den Ort an das Hochstift Würzburg; seine Gemahlin Anna hatte ihn 1374 von ihren Eltern geerbt.
Die frühe Neuzeit brachte Aufruhr, Seuchen und Einquartierung. Im Bauernkrieg von 1525 sammelten sich auch hier aufgebrachte Bauern, unterstützt vom Ortspfarrer Johannes Wüst; ihr Zorn galt Fürstbischof Konrad dem Zweiten von Thüngen, der zeitweilig nach Heidelberg ausweichen musste. Verwüstet wurden die Klöster Hausen, Aura und Frauenroth sowie Schloss Aschach, und die Burg Botenlauben wurde zur Ruine; nach der Niederschlagung ließ Konrad ein Strafgericht abhalten, in dessen Verlauf auch Pfarrer Wüst enthauptet wurde. 1611 starb ein Drittel der Einwohner an der Pest, 284 Menschen. Im Dreißigjährigen Krieg standen die Schweden 1636 vor der Stadt und ließen sich nur durch 3000 Reichstaler von ihrer Zerstörung abbringen; ein Verzeichnis der gesamten Bürgerschaft führte 1650 nur noch 110 Namen auf, und bis 1682 erholte sich die Zahl auf 152 Bürger.
Der Name, unter dem die Stadt heute bekannt ist, wurde beantragt und genehmigt. 1883 baten Stadtmagistrat und Curcommission das Bezirksamt darum, Kissingen zum Bad zu erheben — damit die Hauptbedeutung des Ortes ansprechend hervortrete und damit die häufigen Verwechslungen mit dem fränkischen Kitzingen und dem niederländischen Vlissingen aufhörten. König Ludwig der Zweite gab dem Antrag am 24. April 1883 statt. Von 1890 an war Bad Kissingen die erste bayerische Stadt, in der sämtliche Häuser an die Kanalisation angeschlossen waren, und 1908 wurde sie kreisunmittelbar; diesen Status verlor sie am 1. April 1940 und bekam ihn am 1. April 1948 zurück.
Das Kriegsende verlief hier ohne Kampf. 1945 lagen 3000 Verwundete in 30 Lazaretten in der Stadt, doch zur Lazarettstadt im Sinne der Genfer Konventionen wurde sie nicht erklärt; Oberst Karl Kreutzberg leitete daraufhin mit Rückendeckung von General Hans von Obstfelder die kampflose Übergabe ein, die am 7. April 1945 vollzogen wurde. Größere Kriegsschäden blieben aus — der schwerste war die teilweise Sprengung der Ludwigsbrücke wenige Stunden vor der Übergabe, die später wieder aufgebaut wurde.
Die Nachkriegszeit verlief politisch ruhig. Am 27. Januar 1947 fand die erste freie Kommunalwahl statt, aus der die CSU mit zwölf Sitzen im Stadtrat hervorging; ab 1952 stellte sie mit Hans Weiß über Jahrzehnte den Oberbürgermeister. Bei der bayerischen Gebietsreform kamen am 1. Juli 1972 acht Gemeinden hinzu: Arnshausen, Garitz, Hausen, Reiterswiesen und Winkels, die teilweise schon mit der Kernstadt verwachsen waren, sowie die entfernteren Orte Albertshausen, Kleinbrach und Poppenroth.
Der Untergrund liefert den Stoff: Mineral- und Salzablagerungen des Zechsteinmeers sind die Grundlage der Mineralquellen in der Südrhön. Ursprünglich ging es dabei allein um Salz; therapeutisch genutzt werden die Quellen mindestens seit der frühen Neuzeit. Bekannt wurde der Ort durch die bereits 823 nachgewiesenen Heilquellen, und ein erster Kurgast ist für 1520 verzeichnet. Aus demselben Jahr stammt die erste Erwähnung des Maxbrunnens, der seinen heutigen Namen erst 1815 erhielt, als König Max der Erste Joseph von Bayern ihn neu fassen ließ; der Pandur-Brunnen ist seit 1616 als Kurbrunnen bekannt und trägt seinen Namen nach einem Panduren-Korps, über das die Kurgäste des 18. Jahrhunderts redeten.
Der Einschnitt, von dem alles Weitere abhängt, war eine Flussverlegung. Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim, der Würzburg und Bamberg von 1729 bis 1746 regierte, wollte einen Kurort, der sich mit Karlsbad messen konnte. 1737 beauftragte er seinen Baumeister Balthasar Neumann damit, die Fränkische Saale nach Südwesten umzulegen, weil das Ostufer dem Pandur-Brunnen bedrohlich nahe gekommen war. Im alten Flussbett stieß man dabei auf die Rakoczy-Quelle, legte sie frei und fasste sie; der Apotheker und zeitweilige Bürgermeister Georg Anton Boxberger analysierte das Wasser und beschrieb seine Wirkung. Das gewonnene Gelände schüttete man gegen Hochwasser um zwei Meter auf und fasste es mit Stützmauern ein — dieses 1738 fertiggestellte Fundament trägt alles, was danach an Kurbauten entstand.

Gemessen an Gästezahlen liest sich der Aufstieg so: 173 Kurgäste im Jahr 1814, 2200 im Jahr 1836, 28.000 im Jahr 1907 — bei damals 5000 Einwohnern. Der Erste Weltkrieg beendete das Publikum aus Adel und Bourgeoisie, doch es kamen mehr Gäste als zuvor, nun aus der Mittelschicht, und 1922 wurde mit 36.486 ein neuer Höchststand erreicht. Heute gehören sieben Heilquellen zur Stadt, alle im Saaletal gelegen. Der Runde Brunnen am Gradierwerk ist eine Solequelle, 1788 entdeckt, zunächst für die Salzgewinnung erschlossen und seit 1841 auch therapeutisch genutzt; er intermittiert, wallt also von Zeit zu Zeit auf und sinkt wieder zusammen.
Das Kurviertel entstand in drei Etappen, und jede gehört zu einem anderen Landesherrn und einem anderen Architekten: zuerst Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim mit Balthasar Neumann, dann König Ludwig der Erste von Bayern, der von 1825 bis 1848 regierte, mit Friedrich von Gärtner, zuletzt Prinzregent Luitpold von Bayern, der das Land von 1886 bis 1912 führte, mit Max Littmann. Von der ersten Etappe steht das Wichtigste nicht als Gebäude, sondern als Gelände: die aufgeschüttete Plattform von 1738. Neumanns eigenes Kurhaus wurde von Zeitgenossen scharf kritisiert und später ersetzt.
Die zweite Etappe gab dem Viertel sein Rückgrat. Weil der neue Kurgarten die alte Saalebrücke überflüssig machte, entstand von 1836 bis 1837 weiter nördlich die Ludwigsbrücke. Von 1834 bis 1838 errichtete Friedrich von Gärtner den Arkadenbau im Stil der florentinischen Frührenaissance, mit dem dazugehörigen Rossinisaal und einer abgewickelten Länge von 200 Metern; 1839 folgte das Krugmagazin, von dem aus Tonkrüge mit Heilwasser in alle Welt verschickt wurden, und 1842 die offene Brunnenhalle, die am südlichen Ende des Arkadenbaus in scharfem Kontrast dazu steht.

Die dritte Etappe fiel in nur vier Jahre. Von 1910 bis 1911 baute Max Littmann südlich des Arkadenbaus die Wandelhalle im klassizierenden Jugendstil: 90 Meter lang, 2.640 Quadratmeter groß, kreuzförmig angelegt und durch Säulenreihen in drei Schiffe geteilt wie eine Basilika. Gebaut wurde sie in acht Monaten in Stahlbeton, mit einer Drehbühne, die das Kurorchester sowohl zum Innenraum als auch zum Kurgarten hin spielen ließ; in den Westflügel kam die neue Brunnenhalle, nachdem die erste 1909 abgerissen worden war. Von 1911 bis 1913 folgte nördlich des Arkadenbaus der neoklassizistische Regentenbau mit Vestibül, Max-Littmann-Saal, Grünem und Weißem Saal — in dessen offene Vorhalle können Fahrzeuge bis heute vorfahren. Insgesamt umfasst ein Rundgang durch Arkaden, Hallen, Lese- und Spielsäle, Kurgartencafé, Wandel- und Brunnenhalle einen Kilometer, und alle Bauten sind durchgehend miteinander verbunden — die Baumeister planten für schlechtes Wetter, weil ein Kurviertel bei schönem ohnehin funktioniert.
Der Kurort war immer wieder Schauplatz großer Politik, und nicht immer ging es gut aus. Am 10. Juli 1866 tobte im Mainfeldzug des Deutschen Krieges die Schlacht bei Kissingen zwischen bayerischen und preußischen Truppen, teilweise mitten im Kurviertel; Gräber und Denkmäler erinnern daran. Die bayerische Armee litt dabei unter erheblichen logistischen Mängeln, und die Kissinger Geschäftsleute machten sich das zunutze: Sie überzeugten König Ludwig den Zweiten davon, dass der Ort einen Bahnhof brauche. 1871 ging die Strecke zwischen Schweinfurt und Kissingen in Betrieb.
Reichskanzler Otto von Bismarck kam über Jahrzehnte hierher. Bei seinem ersten Kuraufenthalt 1874 verfehlte ihn in der heutigen Bismarckstraße um ein Haar ein Attentat, dessen Motiv im Kulturkampf lag, also in Bismarcks Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche. Abgehalten hat ihn das nicht: Von 1876 bis 1893 kam er noch vierzehnmal zur Kur, wohnte dabei allerdings in der Oberen Saline im heutigen Stadtteil Hausen, wo heute das Museum Obere Saline mit der Abteilung Bismarck-Museum untergebracht ist. 1877 verfasste er hier das Kissinger Diktat, in dem er sein außenpolitisches Konzept darlegte; 1885, zu seinem 70. Geburtstag, wurde er Ehrenbürger der Stadt.
1911 suchte auch die Diplomatie des Kaiserreichs die Stadt auf. Alfred von Kiderlen-Waechter, der Leiter des Auswärtigen Amtes, verhandelte hier mit dem französischen Botschafter Jules Cambon über eine Lösung der Zweiten Marokkokrise. Die Gespräche blieben ohne Ergebnis, und was folgte, ging als Panthersprung nach Agadir in die Geschichtsbücher ein; 1912 traf Kiderlen-Waechter hier erneut mit Cambon sowie den Botschaftern Italiens und Österreich-Ungarns zusammen.
Auch die Bundesrepublik hat hier verhandelt. Bundespräsident Heinrich Lübke kam insgesamt zehnmal in die Kurstadt; 1964 einigte er sich hier mit Herbert Wehner von der SPD auf seine Wiederwahl, und beide sprachen sich für eine Große Koalition aus. 1966 empfing er mit seiner Frau Wilhelmine Lübke das thailändische Königspaar Bhumibol Adulyadej und Sirikit.
Wo Gäste wochenlang bleiben, braucht es Musik, und zwar täglich. Die Anfänge der hiesigen Kurmusik sind erstmals im 17. Jahrhundert bezeugt: Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn hielt sich ab 1642 ein eigenes Ensemble und reiste mit ihm auch hierher. Einen Einschnitt brachte 1899 die Verpflichtung des Kaim-Orchesters, aus dem später die Münchner Philharmoniker wurden; es stellte in den Sommermonaten mit 45 Mitgliedern das Kurorchester. Als das bayerische Finanzministerium 1905 erklärte, die Musiker nicht länger bezahlen zu können, übernahm ab 1906 der Wiener Konzertverein, das Vorgängerorchester der heutigen Wiener Symphoniker, diese Aufgabe; 1919 kehrten die Münchner zurück, und von 1952 bis 1979 führten die Hofer Symphoniker den Kurorchesterbetrieb.
Der Betrieb läuft bis heute. Dreizehn Musiker stehen ganzjährig fest im Dienst; 2012 brachten dem Orchester 727 Auftritte in einem Jahr einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde ein, und 2018 wurde es in Staatsbad Philharmonie Kissingen umbenannt. Daneben besteht das Jugendmusikkorps der Stadt aus über 80 Jugendlichen zwischen zehn und zwanzig Jahren; es marschierte mehrfach beim Oktoberfestumzug in München mit und führte diesen 2014 sogar an.
Seit 1986 kommt im Sommer ein Festival hinzu. Der Kissinger Sommer findet jährlich von Mitte Juni bis Mitte Juli statt. Weil die Stadt damals dicht an der Grenze zur DDR lag, legte er in den ersten Jahren den Schwerpunkt darauf, die kulturellen Verbindungen zwischen Ost- und Westeuropa zu festigen: Jedes Jahr war ein osteuropäisches Land Partner, den Anfang machte 1986 Ungarn, es folgten Polen, die Tschechoslowakei und die Sowjetunion. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kamen die Partnerländer aus ganz Europa, später auch aus Nordamerika und China. Gespielt wird in den Sälen des Regentenbaus und im Kurtheater sowie an Spielorten der Umgebung; 2015 kamen zu rund 50 Konzerten mehr als 25.000 Besucher.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: WH, SPA
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Am 24. Juli 2021 setzte die UNESCO die Stadt als Teil der Bedeutenden Kurstädte Europas auf die Welterbeliste. Begründet wird der Titel mit einem eigenen Städtebautyp: Rund um die Heilquellen sei in Europa die Kurstadt entstanden, und in den elf beteiligten Städten bezeuge die Architektur bis heute die Bäderkultur; drei davon liegen in Deutschland, neben Bad Kissingen noch Baden-Baden und Bad Ems. Wie das konkret aussieht, beschreibt die Deutsche UNESCO-Kommission an der hiesigen Brunnenhalle: Wasser sprudelt aus blankgeputzten Bronzehähnen, lange Rohre führen es aus den unmittelbar darunter liegenden Quellen Rakoczy und Pandur herauf, und wie im 19. Jahrhundert schenken Brunnenfrauen es morgens und nachmittags aus — je nach Beschwerden mit Kohlensäure oder still, angewärmt oder kalt. Die Site Managerin des hiesigen Welterbes, Anna-Maria Boll, fasst zusammen, was die Konkurrenz der Bäder untereinander bewirkte: In den Kurstädten seien immer schon technische und architektonische Neuerungen ausprobiert worden.


Auf der anderen Saaleseite steht der vierte Komplex. Das Luitpoldbad, anfangs Aktienbad genannt, entstand von 1868 bis 1871 nach Entwürfen von Albert Geul in Neorenaissance und misst 130 mal 80 Meter; der Nordflügel kam von 1878 bis 1880 durch Heinrich von Hügel und Wilhelm Carl von Doderer hinzu, aufgestockt wurde von 1902 bis 1906. Um 1900 hatte das Haus 236 Badekabinen; 2018 wurde eine Generalsanierung für 39 Millionen Euro abgeschlossen, seither nutzt der Freistaat den Bau als Veranstaltungsort und Behördenzentrum. Von der älteren Stadt ist weniger übrig: Von der um 1350 errichteten Stadtmauer stehen ein Abschnitt am Eisenstädter Platz und der Feuerturm aus dem 15. Jahrhundert, am Marktplatz das Alte Rathaus von 1577, ein Renaissancebau. Die Obere Saline ließ Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim 1763 zur Salzgewinnung errichten.






