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Bad Kreuznach hatte am 31.12.2025 54.347 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 58 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Bad Kreuznach
Es gibt Orte, an denen Menschen über dem Wasser wohnen, und Bad Kreuznach ist einer davon. Auf der Alten Nahebrücke stehen Häuser aus dem 15. Jahrhundert, schmal, mit überkragenden Obergeschossen, die Fenster nach beiden Seiten über den Fluss gerichtet. Sie gelten als Wahrzeichen der Stadt und sind zugleich ein Nutzbau: Wer im Mittelalter auf einer Brücke baute, sparte Grund und saß am Zoll.

Die Kurstadt liegt dort, wo der Ellerbach in den Unterlauf der Nahe mündet, auf 104 Meter Höhe; das Stadtgebiet umfasst 55,56 Quadratkilometer. Zum 31. Dezember 2025 zählte sie 54.347 Einwohner. Sie ist Sitz der Kreisverwaltung, Mittelzentrum für ihr Umland und einer der Orte, an denen man den Untergrund riechen kann: In den Quellen unter der Stadt steckt Salz, und daraus hat Kreuznach nacheinander zwei Wirtschaftszweige gemacht.
Die Römer hinterließen hier mehr als eine Straßenstation. Um das Jahr 234 entstand eine luxuriöse Palastvilla nach Art einer Peristylvilla, 81 mal 71 Meter groß, mit 50 Räumen allein im Erdgeschoss; die Funde stehen heute im Museum Römerhalle, darunter zwei großflächige Mosaikböden. Etwa hundertvierzig Jahre später, um 370, kam unter Kaiser Valentinian ein Auxiliarkastell hinzu, als die Grenze gegen einfallende Alemannen gesichert werden musste.
Als Stadt erscheint Crucenache erstmals 1203 in einer Schenkungsurkunde. Zur selben Zeit bauten die Grafen von Sponheim über dem Ellerbach die Kauzenburg, und in ihrem Schatten entstand auf dem nördlichen Naheufer die Neustadt. Stadt-, Markt-, Steuer- und Zollrechte kamen 1235 beziehungsweise 1270 hinzu; 1290 bestätigte König Rudolf I. sie und verlieh den Bürgern das Oppenheimer Stadtrecht.
Zwei Namen von überregionalem Rang tauchen in den Akten auf. 1507 trat Magister Faust — jener Wunderheiler und Astrologe, an dem sich später die Literatur abarbeitete — eine Stelle als Rektor der Kreuznacher Lateinschule an; er musste die Stadt bald darauf fluchtartig verlassen. Und 1843 heiratete Karl Marx hier Jenny von Westphalen und schrieb in derselben Zeit wesentliche Teile seiner Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie.
Später wurde die Kurstadt zweimal zum Ort großer Politik. Im Ersten Weltkrieg wurde sie für Monate zum Machtzentrum. Seit dem 2. Januar 1917 diente das Kurhaus als Sitz des Großen Hauptquartiers, der Kaiser wohnte darin, und in den Räumen fanden die Kreuznacher Kriegszielkonferenzen statt. Ein Hochwasser der Nahe im Januar 1918 trieb die Oberste Heeresleitung schließlich weiter ins belgische Spa. Der Namenszusatz kam spät und die europäische Nachkriegspolitik früh: Seit 1924 darf sich die Stadt Bad nennen, und 1958 verabredeten hier Charles de Gaulle und Konrad Adenauer jene Institutionalisierung der deutsch-französischen Beziehungen, die 1963 in den Élysée-Vertrag mündete. Ein Gedenkstein vor dem früheren Kurhaus erinnert daran.
Die Sole war zuerst ein Rohstoff. Die salzhaltigen Quellen wurden wahrscheinlich 1478 entdeckt, im Salinental hatte es schon vorher einen Hof dieses Namens gegeben. Unter den pfälzischen Kurfürsten entstanden dann zwei Salinen: 1729 die Karlshalle und 1743 die Theodorshalle. Die Technik dieser Salinen steht bis heute im Tal und arbeitet weiter — nur für ein anderes Publikum. Sechs Gradierwerke von 9 Meter Höhe reihen sich auf 1100 Meter Länge aneinander und bilden ein Freiluftinhalatorium, in dem die verdunstende Sole die Luft mit Salz sättigt. Wer dort spazieren geht, nutzt eine Anlage, die zur Salzgewinnung gebaut wurde.
Den Wechsel vom Salz zur Kur leitete ein einzelner Mann ein. Eine erste Badestube mit solehaltigem Wasser richtete Johann Erhard Prieger 1817 ein; daraus wuchs binnen weniger Jahrzehnte ein Kurbetrieb, der Gäste wie Clara Schumann anzog.
Der zweite Schritt kam aus der Apotheke. 1904 wies Karl Aschoff nach, dass die Kreuznacher Sole Radon enthält, und führte die Radontherapie ein. 1912 ging ein Radon-Inhalatorium in Betrieb, in das man Luft aus einem alten Bergwerksstollen im Kauzenberg leitete; 1945 wurde es zerstört, 1974 baute man den Stollen selbst zum Therapieraum aus. Radoninhalation dient bis heute als natürliches Schmerzmittel bei rheumatischen Erkrankungen.
Der Kurbetrieb trägt einen beachtlichen Teil der Wirtschaft, und er ist messbar: Von den Übernachtungen eines Jahres entfiel der überwiegende Teil auf Gäste in Rehakliniken, nicht auf Urlauber.
Die zweite Wirtschaftslinie der Stadt wächst nicht aus der Sole, sondern an den Hängen über der Nahe. Bad Kreuznach hat 777 Hektar Rebfläche, davon 77 Prozent Weißwein- und 23 Prozent Rotweinsorten, und gehört damit zu den gewichtigen Weinbaugemeinden an der Nahe.
Die Brückenhäuser sind das eine Bild der Stadt, die Ruine über ihr das andere. Die Kauzenburg auf dem Kauzenberg war Residenz der vorderen Grafschaft Sponheim; im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde sie mit der Stadtbefestigung geschleift, und was blieb, steht als Denkmal über den Dächern. In der Nachbarschaft der Brückenhäuser liegt die Pauluskirche mit der gotischen Pauluskapelle, in der die Sponheimer Grafen und die Rheingrafen begraben wurden.

Unterhalb der Brücke beginnt ein Viertel, das man Klein Venedig nennt. Es war das Gerberquartier und liegt dort, wo Ellerbach und Nahe zusammenfließen; die beiden Wasserarme und die kleinen alten Häuser geben ihm sein Bild. Das Gerberhandwerk brauchte fließendes Wasser, und die Stadt hat diese Adresse behalten, auch als das Handwerk längst weg war.
Die Kurzeit hat eine eigene Bauschicht hinterlassen. Das Kurhaus entstand von 1912 bis 1913 nach Plänen von Emanuel von Seidl als vierflügelige Hotelanlage mit Kurpark; dazu kamen Villen, ein Parkhotel und die Anlagen des Salinentals. Dieser Baubestand steht heute in der Denkmalliste — und gehört zu einer Kur, die nicht mehr jene der Kaiserzeit ist.

Vor der Stadt beginnt die Landschaft der Nahe. Der Rheingrafenstein und der Affenstein sind Felsformationen über dem Fluss, auf dem einen steht die Ruine der Burg Rheingrafenstein; im Stadtteil Bad Münster am Stein reicht der Blick von der Aussichtsplattform weit über das Tal. Wer von dort zurück in die Stadt fährt, sieht auf der Brücke Fenster leuchten — in Wohnungen, unter denen das Wasser durchläuft.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: SPA
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