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Bad Münstereifel hatte am 31.12.2025 18.375 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 44 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Bad Münstereifel
Die Erft ist hier oben noch ein kleiner Fluss, und sie fließt mitten durch die Stadt. Das war jahrhundertelang praktisch — Wasser für Gerber, Wollweber und Brauer — und im Juli 2021 war es eine Katastrophe. Wer heute durch Bad Münstereifel geht, sieht beides gleichzeitig: einen fast geschlossenen mittelalterlichen Mauerring und die Spuren einer sehr jungen Zerstörung.
Der Ort liegt rund 280 Meter hoch im Münstereifeler Wald; das Stadtgebiet umfasst 150,83 Quadratkilometer und reicht über Höhenlagen von 200 bis 586,1 Meter über dem Meeresspiegel. Die Stadt selbst ist klein, ihr Gemeindegebiet groß und dünn besiedelt — eine Eifel-Kombination, die den Alltag prägt. Ende 2025 zählte die Stadt 18.375 Einwohner, verteilt auf die Kernstadt und über fünfzig Stadtteile und Weiler.
Am Anfang steht ein Ableger. Um 830 gründete Markward, der dritte Abt von Prüm, hier ein Tochterkloster der Benediktiner und nannte es Novum Monasterium, Neumünster; daraus wurde der Ortsname. Ein Kloster allein zog allerdings noch niemanden an.
Das änderte sich 844. In diesem Jahr schenkte Papst Sergius II. dem Abt die Gebeine des römischen Märtyrerpaares Chrysanthus und Daria sowie Reliquien von 46 weiteren Heiligen. Von da an kamen Pilger, und mit den Pilgern kam Geld. Die Stiftskirche St. Chrysanthus und Daria trägt die beiden Namen bis heute. Wie ernst die Sache genommen wurde, zeigt ein Vorgang von 898: In jenem Jahr verlieh König Zwentibold dem Kloster Markt-, Zoll- und Münzrechte — Privilegien, die einen Ort zu einem Handelsplatz machten, lange bevor andere Städte der Gegend überhaupt existierten.

Nach der Reformation wurde Münstereifel zu einem Ort der Gegenreformation umgebaut, und das hieß: noch mehr Orden. 1618 kamen die Kapuziner, die in ihrem Klosterbezirk auch eine Tuchmanufaktur betrieben und damit Arbeit für die in Not geratenen Wollweber schufen. 1625 nahmen die Jesuiten den Unterricht am St.-Michael-Gymnasium auf; ihre Niederlassung wurde 1649 zum Kolleg erhoben, die Jesuitenkirche entstand von 1659 bis 1668. Ab 1657 ließen sich zusätzlich die Karmelitinnen nieder.
Diese Häufung endete abrupt. Die Säkularisation um 1802 löste Klöster und Stift auf und traf das Wirtschaftsleben der Stadt hart — zuletzt hatten sieben Klöster und Kirchen mit rund hundert Ordensleuten und Priestern den Ort getragen. Was blieb, sind Gebäude: das Kapuzinerkloster, das Karmeliterinnenkloster, die Jesuitenniederlassung und das Gymnasium, das den Unterricht überlebte und bis heute unterrichtet.
Um 1300 ließ der Graf von Jülich hier die Burg bauen und die Stadt befestigen; 1356 wurde Münstereifel Sitz eines Gerichts und der städtischen Selbstverwaltung, 1454 gab der Herzog von Jülich ihr eine Ratsverfassung. Was aus dieser Zeit stammt, steht immer noch: die Burg Münstereifel über der Stadt, die Alte Burg und das Burghaus im Ort.
Bemerkenswerter als die einzelnen Bauten ist ihr Zusammenhang. Die Stadtumwehrung ist nahezu vollständig erhalten, mit vier Stadttoren, die alle rechteckige Tortürme mit Satteldach sind und bis ins 18. Jahrhundert hinein Zugbrücke, Fallgatter und Torflügel trugen. Wer von außen kommt, betritt die Stadt also noch so, wie man sie im Mittelalter betrat — durch ein Tor, nicht über eine Umgehungsstraße.
Innerhalb des Rings steht Fachwerk in dichter Reihung, und dazwischen einzelne Häuser, die nicht ins Bild passen. Das Romanische Haus von 1167 ist eines davon: aus Naturstein gebaut, mit Fenstersäulen aus dem Kalksinter der römischen Eifelwasserleitung; seit 1975 beherbergt es das Hürten-Museum mit Fossiliensammlung und Weberwerkstatt. Diese Wasserleitung hat hier überhaupt Spuren hinterlassen — im Stadtteil Iversheim liegt eine römische Kalkbrennerei, die den Mörtel für solche Bauten lieferte.

Außerhalb der Mauern trägt das Umland seine eigenen Steine. Burg Arloff und Burg Kirspenich stehen in den Dörfern, auf dem Michelsberg die Wallfahrtskirche St. Michael, dazu Kapellen wie die Hubertuskapelle.

Im 19. Jahrhundert verlor Münstereifel politisch und wirtschaftlich an Gewicht; erst gegen dessen Ende brachte der Fremdenverkehr wieder Bewegung. 1926 wurde der Ort Kneippkurort, seit 1967 trägt er das Bad im Namen, und seit dem 12. September 1974 ist er staatlich anerkanntes Kneipp-Heilbad. Damit war der Kurs gesetzt: Die Stadt lebt davon, dass andere Leute hierherkommen.
Der Zweite Weltkrieg traf die Stadt spät, aber schwer. Am 25. Dezember 1944 traf die Stadt der schwerste Bombenangriff; am stärksten betroffen waren Marktstraße und Wertherstraße, zerstört wurden unter anderem das Postamt und das frühere Gerichtsgebäude Haus Best, und auch der Südflügel des gotischen Rathauses wurde getroffen. Insgesamt gab es 25 alliierte Luftangriffe, bei denen 53 Menschen aus der Zivilbevölkerung starben. Von der jüdischen Gemeinde, die es in Münstereifel gab, zeugen heute der jüdische Friedhof der Stadt und der untergegangene jüdische Friedhof in Kirspenich.
Ein zweites Mal wurde die Innenstadt zum Wirtschaftsprojekt erklärt. Am 14. August 2014 eröffnete das City Outlet Bad Münstereifel — Markenläden nicht auf der grünen Wiese, sondern in leerstehenden historischen Ladenlokalen innerhalb der Mauern, ergänzt durch Neubauten vor dem Orchheimer Tor. Das Modell galt als Vorbild dafür, wie man eine kleine Altstadt wirtschaftlich wiederbelebt, ohne sie zu verlassen.

Sieben Jahre später stand genau diese Ladenzeile im Wasser. Am 15. und 16. Juli 2021 stieg die Erft über ihre Ufer und richtete in der Innenstadt schwere Schäden an; getroffen wurden ebenso Arloff, Eicherscheid, Iversheim, Kirspenich und Schönau. Der Wiederaufbau ist seither die bestimmende Aufgabe der Stadt — und die Frage, wie man in einem engen Flusstal weiterbaut, ist damit nicht beantwortet, sondern gestellt.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: FW
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.
Zum weitläufigen Gemeindegebiet gehört auch etwas Jüngeres, das man von weitem sieht: das große Radioteleskop im Stadtteil Effelsberg, eine Schüssel von hundert Metern Durchmesser mitten in einem Eifeltal — hingestellt genau deshalb, weil hier wenig Funkverkehr stört.






