Kommst du über den Empfehlungslink einer Partnerin oder eines Partners zu uns, möchten wir dessen Kurzkennung 60 Tage lang im Cookie „ll_ref" speichern, damit eine spätere Registrierung richtig zugeordnet werden kann. Für die Nutzung von LageLuchs ist das nicht erforderlich — du kannst ohne Nachteil ablehnen und deine Entscheidung jederzeit über „Cookie-Einstellungen" im Seitenfuß ändern.
Bautzen / Budyšin hatte am 31.12.2025 37.306 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 44 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Bautzen / Budyšin
Wer von der Friedensbrücke aus zur Altstadt hinaufschaut, sieht Bautzen so, wie es auf die Ansichtskarten gekommen ist: ein Felsplateau über der Spree, darauf eine Reihe von Türmen und die weißen Renaissancegiebel der Ortenburg. Die Stadt sitzt dort, wo das Lausitzer Bergland ins Tiefland übergeht, und an einem Spreeübergang der Via Regia, der alten Verkehrsverbindung zwischen dem Rhein und Schlesien.
Das Bild erzählt aber nur die Hälfte. Die Straßenschilder tragen zwei Namen, den deutschen und den obersorbischen, denn Bautzen heißt eben auch Budyšin. Bautzen ist eine alte Grenzstadt, die zwischen Polen, Böhmen und Sachsen hin und her wechselte, und zugleich der Ort, an dem die Einrichtungen der sorbischen Minderheit zusammensitzen. Zum 31. Dezember 2025 zählte Bautzen 37.306 Einwohner auf 66,67 Quadratkilometern.
Die Gegend war schon in der Steinzeit besiedelt; eine ostgermanische Siedlung ist für das 3. Jahrhundert bezeugt. Vom 6. Jahrhundert an zogen slawische Gruppen zu; auf sie geht die sorbische Bevölkerung zurück, und um Bautzen entstand der Gau Milzane. Für das Jahr 1002 nennt Thietmar von Merseburg die Ortenburg als budusin civitatem und damit als Stammesmittelpunkt der Milzener — das ist die erste Erwähnung des Ortes.
Die Herrschaft wechselte danach oft. Noch im selben Jahr griff der polnische Fürst Bolesław Chrobry nach der Burg, die bis 1031 polnisch blieb; auf der Ortenburg unterzeichneten das Heilige Römische Reich und Polen 1018 den Frieden von Bautzen. 1081 gab König Heinrich IV. das Land Bautzen als Reichslehen an den böhmischen Herzog Vratislav II., und zwischen 1158 und 1243 beherrschten die böhmischen Könige es erneut. Spätestens 1213 erhielt die Stadt ihre Rechte, um 1240 entstand das Franziskanerkloster.
1346 wurde in Löbau der Oberlausitzer Sechsstädtebund gegründet, und Bautzen war dessen Hauptstadt. In den ersten Jahren des 15. Jahrhunderts revoltierten die Handwerker: 1405 bildeten die Aufständischen einen eigenen Rat, bis König Wenzel IV. im Jahr 1408 nach Bautzen kam und 18 Rädelsführer enthaupten ließ. 1429 und 1431 belagerten die Hussiten die Stadt, ohne sie zu nehmen; dem Erzengel Michael, der die Bürger gerettet haben soll, wurde dafür die Michaeliskirche errichtet. Von 1483 bis 1486 ließ der Gegenkönig Matthias Corvinus die Ortenburg weitgehend abreißen und das dreiflügelige Hauptgebäude mit dem Matthiasturm neu bauen.

Aus dem frühen 16. Jahrhundert stammt der Sorbische Bürgereid, der Burger Eydt Wendisch — das früheste bekannte Schriftstück in obersorbischer Sprache. In den Jahren von 1520 bis 1525 fasste die Reformation Fuß, katholisch blieb allein das Kollegiatkapitel St. Petri. Von 1599 bis 1604 wurden in Bautzen Hexenprozesse geführt, in die drei Personen gerieten; zwei Frauen wurden enthauptet. Im Dreißigjährigen Krieg war die Stadt mehrfach belagert, und am 2. Mai 1634 ließ der kaiserliche Oberst von der Goltz die Reste der Vorstädte niederbrennen; und weil das Feuer auf die Stadt übersprang, starben 700 Bewohner. Gemeinsam mit dem Markgraftum Oberlausitz fiel Bautzen 1635 an Sachsen.
Auf einem Felsplateau hoch über der Spree breitet sich die alte Stadt aus, an dessen Spitze die Ortenburg sitzt; begrenzt wird sie von der Stadtmauer. Diese Lage ist der Grund für die Silhouette, die Bautzen seit dem 19. Jahrhundert den Beinamen sächsisches Nürnberg eingetragen hat. Ein zweiter Beiname lautet Stadt der Türme; einer von ihnen, der Reichenturm, heißt wegen seiner Neigung auch Schiefer Turm von Bautzen.

Über der Stadt steht die Ortenburg mit ihren weißen Renaissancegiebeln, die heute das Sächsische Oberverwaltungsgericht nutzt. In den Nebengebäuden im Burghof sitzen das Sorbische Museum und das Puppenspieltheater, an der nördlichen Stadtmauer steht das Hofrichterhaus mit einem filigranen Schornstein aus der Renaissance, und am Rand des Plateaus der Burgwasserturm. An der südwestlichen Ecke der Altstadt bilden Alte Wasserkunst und Michaeliskirche jenes Ensemble, das von der Friedensbrücke aus gut zu sehen ist.
Die kirchliche Mitte ist der Petridom. Er dient seit der Reformation Katholiken und Lutheranern gemeinsam; im Innenraum trennt ein Gitter die beiden Konfessionen. Nördlich davon liegt das Domstift, dessen heutige Grundzüge um 1500 entstanden; die Südschließung und das prachtvolle barocke Portal kamen Mitte des 18. Jahrhunderts dazu. Untergebracht sind dort heute das Diözesanarchiv und die Bibliothek des Bistums Dresden-Meißen sowie die Domschatzkammer St. Petri.
Südlich des Doms steht das barocke Rathaus, an dessen Turm mehrere Uhren hängen. Rund um den Hauptmarkt haben ganze Straßenzüge mit reich verzierten Fassaden überdauert, in der Inneren Lauenstraße und in der Reichenstraße im Stil des sächsischen Hochbarock. Für das Haus Innere Lauenstraße 6 mit seinen vier allegorischen Figuren ist nach 1720 der gestalterische Einfluss Balthasar Permosers belegt. Am Hauptmarkt steht außerdem das Gewandhaus: Unter dem historisierenden Neubau von 1882 hat sich der spätgotische Ratskeller erhalten, dessen Sterngewölbe auf einem granitenen Mittelpfeiler ruht.
Östlich der Altstadt steht die Taucherkirche, deren Inneres protestantisch schlicht ausgeführt ist, und daneben der Taucherfriedhof mit seiner barocken Gruftstraße, wie man sie nördlich der Alpen selten antrifft. Weiter südlich, in einem Villenviertel, ließ der Großindustrielle Eduard Weigang 1902/03 die Villa Weigang mit Jugendstilfassaden errichten. Nahe dabei steht in der Lessingstraße ein weiteres Gebäude im Jugendstil, das heute Amtsgericht, Landgericht und Staatsanwaltschaft beherbergt.
Die Stadt liegt im Süden des sorbischen Siedlungsgebiets und gilt als politisches und kulturelles Zentrum der Sorben. Der Name Budyšin ist der ältere: 1002 steht der Ort als civitas Budusin in den Quellen, und bis ins 15. Jahrhundert schreiben die Urkunden fast ausschließlich Varianten dieses sorbischen Namens. Erst ab der Mitte des 15. Jahrhunderts tauchen germanisierte Formen auf, 1523 zum ersten Mal Bautzen; amtlich wurde dieser Name am 3. Juni 1868.
Die sorbischen Einrichtungen sitzen hier zusammen, und es sind mehr, als man einer Stadt dieser Größe zutrauen würde. Die Domowina am Postplatz ist der Dachverband der sorbischen Vereine und betreibt das Witaj-Sprachzentrum. Fast alle sorbischen Bücher, Zeitungen und Zeitschriften kommen aus dem Domowina-Verlag. Das Sorbische Institut in der Bahnhofstraße betreibt sorabistische Forschung; im selben Gebäude stehen die Sorbische Zentralbibliothek mit 110.000 Medien und das Sorbische Kulturarchiv. Der Mitteldeutsche Rundfunk sendet aus dem Studio Bautzen täglich vier Stunden Programm in sorbischer Sprache. Getragen wird vieles davon von der Stiftung für das sorbische Volk, einem gemeinsamen Instrument des Bundes sowie der Länder Brandenburg und Sachsen. Der sorbische Jugendverein Pawk, 1995 gegründet, vertritt die Sorben in der Organisation Jugend Europäischer Volksgruppen.
Auch auf der Bühne ist die Zweisprachigkeit Programm: Das Deutsch-Sorbische Volkstheater spielt in beiden Sprachen und hat seit 2003 mit dem Burgtheater im Hof der Ortenburg eine zweite Spielstätte. Das Sorbische National-Ensemble wurde 1952 gegründet und pflegt mit Ballett, Chor und Orchester die kulturelle Tradition der Sorben. Im Sorbischen Künstlerbund, gegründet 1990, sind fast 100 Schriftsteller, Komponisten, Schauspieler, Tänzer, Musiker und Maler zusammengeschlossen. Sichtbar wird das im Jahreslauf: Zu Ostern gehört Bautzen zu den Ausgangspunkten des Osterreitens, und auf dem Protschenberg am westlichen Stadtrand findet das Ostereierschieben statt. Im Dezember kommt der Bautzener Wenzelsmarkt dazu.
Ein Teil der jüngeren Stadtgeschichte ist schwer: Die Landesstrafanstalt wurde im Mai 1945 zum sowjetischen Speziallager Nr. 4, und bei einer Gesamtbelegung von 27.300 Gefangenen kamen dort zwischen 1945 und 1950 nach den Lagerkarteien mindestens 3.000 Menschen ums Leben. Ihre Namen verzeichnet das Totenbuch Bautzen, das die heutige Gedenkstätte Bautzen herausgegeben hat. Ab 1950 führte die DDR die Gefängnisse Bautzen I und Bautzen II weiter und belegte sie teilweise mit politischen Gefangenen; von 1956 bis 1989 stand Bautzen II unter der Kontrolle des Ministeriums für Staatssicherheit. Inhaftiert waren hier unter anderem die Schriftsteller Walter Kempowski und Erich Loest. 1992 wurde Bautzen II geschlossen; heute ist dort die Gedenkstätte Bautzen untergebracht. Sie liegt im hinteren Trakt des Jugendstilgebäudes an der Lessingstraße, in dem heute Amtsgericht, Landgericht und Staatsanwaltschaft sitzen.
Wirtschaftlich wurde Bautzen in der DDR eine Wissenschafts- und Industriestadt. Zu den Großbetrieben gehörten der VEB Waggonbau Bautzen, heute Alstom, das Schneidmaschinenwerk Perfecta, ein Fernmeldewerk und ein Baustoffkombinat. Nach der Wende ging die Einwohnerzahl deutlich zurück: von rund 52.000 im Jahr 1989 auf etwa 38.000, wobei sich der Rückgang seit etwa 2000 merklich verlangsamt hat.
Schon Ende 2015 hatte der sächsische Verfassungsschutz den Landkreis Bautzen als einen Schwerpunkt rechtsextremer Betätigung in Sachsen bezeichnet. 2016 erregte Bautzen bundesweite Aufmerksamkeit durch rechte Gewalt gegen Geflüchtete: Am 21. Februar 2016 steckten Unbekannte das als Asylbewerberunterkunft vorgesehene ehemalige Hotel Husarenhof in Brand, und in der Nacht zum 15. September kam es zum Zusammenstoß zwischen einer Gruppe jugendlicher Asylbewerber und etwa 80 gewaltbereiten Personen aus dem rechten Spektrum. Beim Brand des Husarenhofs äußerten Schaulustige teils unverhohlene Freude, und am 13. Dezember 2016 flogen fünf Molotowcocktails auf das Gelände einer Asylbewerberunterkunft.
Zur Stadt gehört auch ein Gewürz: den Bautzner Senf, dessen Geschichte das Senfmuseum nachzeichnet. Wer mit Kindern kommt, fährt fünf Kilometer aus dem Zentrum in den Ortsteil Kleinwelka, wo Saurierpark, Miniaturenpark und ein Irrgarten liegen; den Saurierpark hat der Großwelkaer Franz Gruß ab 1981 gestaltet, und seit seiner Gründung haben ihn rund fünf Millionen Menschen besucht.





Stand des Portraittextes: 2026-09-18.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.
Unter sächsischer Herrschaft blieb der Ort Hauptstadt des Markgraftums: 1678 bekam er ein kurfürstliches Postamt, ein Privileg, über das sonst nur Leipzig verfügte. Am 22. April 1709 zerstörte der zweite große Stadtbrand große Teile Bautzens und veränderte das Stadtbild nachhaltig. Während der Befreiungskriege endete 1813 die Schlacht bei Bautzen mit einem Sieg der napoleonischen Truppen. 1868 wurde Budissin amtlich in Bautzen umbenannt, 1904 war der Bau der Sächsischen Landesstrafanstalt fertig, die im Volksmund wegen ihrer gelben Klinker Gelbes Elend heißt, und 1921 wurde die Stadt Bischofssitz des Bistums Meißen. Luftangriffe blieben Bautzen im Zweiten Weltkrieg weitgehend erspart, doch die Kämpfe zwischen dem 19. und 26. April 1945 richteten große Schäden an: Die Kuppeln von Lauenturm und Michaeliskirche wurden zerstört, fast alle Brücken gesprengt.








