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Berchtesgaden hatte am 31.12.2025 7.697 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 58 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Berchtesgaden
Berchtesgaden liegt in einem Talkessel, der von den Berchtesgadener Alpen fast vollständig umschlossen ist; im Osten, Süden und Südwesten grenzt das österreichische Bundesland Salzburg an. Zum 31. Dezember 2024 zählte der Markt 7.697 Einwohner auf 35,63 Quadratkilometern. Der Ort selbst ist ein Markt, und doch trägt er einen Hauptbahnhof, den Verwaltungssitz eines Nationalparks, ein Salzbergwerk und eine Dokumentationsstätte zur Zeit des Nationalsozialismus.
Diese Häufung hat zwei Gründe. Der erste ist das Salz: Seit 1156 durfte das hiesige Klosterstift danach schürfen, und daraus wurde ein kleines eigenes Fürstentum, das bis 1803 bestand. Der zweite ist der Obersalzberg, ein Gemeindeteil, den das Regime nach der Machtergreifung zum Führersperrgebiet erklärte und dessen Nachwirkung den Ort bis heute begleitet.
Vor- und frühgeschichtlich ist die Gegend dünn belegt; es gibt Streufunde aus der Jungsteinzeit, vorwiegend Lochäxte, die auf Fischer und Jäger vor 4000 Jahren deuten. Die Besiedlung beginnt mit einem Gelübde: Nach einem Jagdunfall ihres Mannes wollte Gräfin Irmgard von Sulzbach ein Kloster stiften, und nach ihrem Tod am 14. Juni 1101 setzten ihre Söhne das Vorhaben um. Zwischen 1102 und 1105 bestätigte Papst Paschalis II. die Klosterstiftung und stellte das gräfliche Eigenkloster berthercatmen unter seinen Schutz — das ist zugleich die erste urkundliche Erwähnung des Ortes.

Die Augustiner-Chorherren empfanden die Gegend zunächst als unwirtlich und zogen wieder ab; erst um 1112 kehrte Propst Eberwin aus eigenem Antrieb zurück, veranlasste die ersten größeren Rodungen, und die Chorherren ließen sich endgültig nieder. 1122 weihte der Salzburger Erzbischof Konrad zumindest einen ersten Bauabschnitt der Stiftskirche St. Peter und Johannes der Täufer; die Jahreszahl steht als Inschrift an der Kirche. 1156 bestätigte Kaiser Friedrich Barbarossa in einer Goldenen Bulle die Gebietsgröße des Stifts und gewährte ihm Forsthoheit sowie Schürffreiheit auf Salz und Metall. Diese Regalien brachten den wirtschaftlichen Aufschwung: 1201 wurde der Ort Pfarrei, und 1328 ist die Bezeichnung Markt erstmals beurkundet.
Von 1294 bis 1380 stieg der Einfluss der Stiftspröpste stetig an, und sie erlangten den Status von Reichsprälaten. Das nahe Erzstift Salzburg griff mehrfach zu: Von 1393 bis 1404 verleibte es sich die Ländereien der Propstei ganz ein, und in jenen Jahren unterstand auch der Markt seiner Herrschaft. 1559 wurde das Stift unter Kaiser Ferdinand I. zur Fürstpropstei Berchtesgaden erhoben; von 1594 bis 1723 lag ihre Verwaltung beim kurkölnischen Zweig des Hauses Wittelsbach. Der Dreißigjährige Krieg ging an Berchtesgaden vorbei, die Rechnung dafür nicht: Die Propstei wurde wiederholt zur Kasse gebeten, um Kriegsschäden in Köln wiedergutzumachen.
1803 endete mit der Säkularisation die Herrschaft der Fürstpröpste, und danach wechselte Berchtesgaden binnen sieben Jahren viermal die Zugehörigkeit: erst zum Kurfürstentum Salzburg, nach dem Frieden von Pressburg 1805 zum Kaisertum Österreich, ab 1809 für kurze Zeit zum napoleonischen Frankreich und 1810 schließlich zum Königreich Bayern. Die bayerischen Könige nutzten den Ort als Sommerresidenz und bauten das Chorherrenstift zu einem königlichen Schloss aus; besonders Prinzregent Luitpold kam jeden Herbst zur Jagd. 1842 hätte ein Brandstifter fast das ganze Marktzentrum vernichtet: Er legte Feuer in der Schrannenhalle, und der Turm der gegenüberliegenden Pfarrkirche St. Andreas geriet mit in Brand. Auf dem Platz der Schrannenhalle entstand von 1873 bis 1875 das Rathaus, dem bis 1972 die Doppelfunktion als Magistrats- und Schulgebäude zugedacht war.
Das salzführende Gestein im Raum Berchtesgaden und Bad Reichenhall ist ein Haselgebirge, dessen Salzgehalt im Mittel um die 50 Prozent liegt und zwischen 0 und 90 Prozent schwanken kann. Aus diesem Gestein lebte der Ort jahrhundertelang. Die Grundlage legte das kaiserliche Privileg von 1156, das dem Stift die Schürffreiheit auf Salz und Metall zusprach — wobei die jüngere Geschichtsforschung das Salzregal in dieser Urkunde für eine nachträglich verfälschende Erweiterung durch die Empfänger hält.
Das Salzbergwerk ist bis heute in Betrieb und zugleich eine Sehenswürdigkeit: Ein Teil der Stollen lässt sich in Führungen begehen, und für die Speläotherapie steht dort ein großer Salzheilstollen bereit. Anfang der 1980er Jahre zählte das Bergwerk 135 Arbeitnehmer, die Kurdirektion 100 und das Hofbrauhaus Berchtesgaden 65. Industrielle Großbetriebe gibt es in Berchtesgaden nicht, nur kleinere Einheiten. Das Salz hat auch die Verkehrswege bestimmt: Eine Soleleitung führte von Berchtesgaden nach Rosenheim.
Aus dem Bergbau stammt auch ein Fest: Das Bergfest, der Bergknappenjahrtag, geht auf den Freiheitsbrief der Knappenzunft zurück, war bis 1627 nur ein Lob- und Dankgottesdienst in der Stiftskirche und bekam nach der Verleihung einer Fahne im Jahr 1628 einen Aufzug mit Trommlern und Pfeifern dazu. Zu Pfingsten marschieren die Bergknappen noch heute nach dem Gottesdienst im Festzug durch die Straßen des Marktes.
Neben dem Salz stand lange das Holzhandwerk, der Vertrieb der sogenannten Berchtesgadener War; als er an Bedeutung verlor, trat der Tourismus an seine Stelle. Geblieben ist die Ausbildung: Die Berufsfachschule für Holzschnitzerei und Schreinerei des Landkreises, vor Ort nur Schnitzschule genannt, bildet Holzbildhauer und Schreiner in drei Jahren aus.
Der Ort liegt inmitten der Berchtesgadener Alpen, deren Basis meist Ramsaudolomit bildet; auf dem Dolomit folgt häufig Dachsteinkalk in einer Mächtigkeit von bis zu 1000 Metern. Dessen Bänke enthalten Muschelschalen, die man wegen ihrer Halbmondform Kuhtritte nennt, und dünne Dolomitschichten mit eingelagerten Algenmatten deuten auf ein tropisches Flachmeer hin. Die Höhenlagen im Gemeindegebiet gehen weit auseinander: Der Hauptbahnhof liegt auf 520 Metern über Normalnull, Obersalzberg auf 1000 und das Kehlsteinhaus auf 1834 Metern.
1978 wurde der Nationalpark Berchtesgaden gegründet; seine Verwaltung saß zunächst im Rathaus und zog 1982 in das frühere Wohnhaus des Bezirksamtmanns am Doktorberg. Einen zweiten Nationalpark in den Alpen hat Deutschland nicht, und hier finden zahlreiche seltene Tiere und Pflanzen ein Zuhause. Der Park erstreckt sich über 210 Quadratkilometer und über Höhen von 603,3 Metern am Königssee bis 2713 Meter am Watzmann.
1990 erklärte die UNESCO den Alpenpark zum Biosphärenreservat Berchtesgaden; im Juni 2010 wurde es zum Biosphärenreservat Berchtesgadener Land erweitert und umfasst seither 840 Quadratkilometer. Die Biosphärenregion reicht von den Gipfeln der Berchtesgadener Alpen bis in die Auwälder der Salzach und deckt damit alle Ökosysteme der nördlichen Kalkalpen und des Voralpenlandes ab. Seit 2013 hat der Nationalpark in der Hanielstraße mit dem Haus der Berge ein eigenes Umweltbildungs- und Informationszentrum. Als Mitglied der Kooperation Alpine Pearls versucht der Markt außerdem, den Tourismus umweltverträglicher zu gestalten.
Mit dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges und dem 1888 eröffneten Bahnhof setzte der Fremdenverkehr ein, und die Gästezahlen stiegen rasch. Maler kamen wegen des Blicks auf das Watzmann-Massiv: Carl Rottmann hatte schon in den 1820ern Gemälde der Berchtesgadener Alpen geschaffen, und davon inspiriert entstand 1824 das Watzmann-Gemälde von Caspar David Friedrich. Stammgäste waren Ludwig Ganghofer, der eine ganze Reihe seiner Romane hier spielen ließ, sowie die norwegischen Schriftsteller Jonas Lie und Henrik Ibsen. Das erste Quartier für zahlende Gäste eröffnete Mauritia Mayer 1877 auf dem Obersalzberg, die Pension Moritz.

Genau diese Pension wurde zum Angelpunkt der dunkelsten Jahre. Adolf Hitler besuchte den Obersalzberg erstmals im Mai 1923, um dort seinen Mentor Dietrich Eckart zu treffen; die NSDAP-Ortsgruppe Berchtesgaden war schon am 14. Februar 1922 gegründet worden. Nach der Machtergreifung erklärte das Regime den Obersalzberg zum Führersperrgebiet mit dem Berghof im Zentrum, ließ Grundstücke auf Betreiben Martin Bormanns zum Teil abpressen und richtete 1937 im benachbarten Stanggaß die Reichskanzlei Dienststelle Berchtesgaden als zweiten Regierungssitz ein. Das zwischen 1937 und 1938 auf dem Gipfel errichtete Kehlsteinhaus und der von 1938 bis 1940 repräsentativ umgestaltete Hauptbahnhof sind weitere Zeugnisse dieser Zeit.

Widerstand gab es auch: Die Berchtesgadener Weihnachtsschützen wehrten sich gegen die Vereinnahmung ihres Brauchs und gegen die Auflösung des Franziskanerklosters, und ihr späterer Ehrenvorsitzender Rudolf Kriß wurde vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt, später jedoch zu lebenslanger Haft begnadigt. Bei der Entnazifizierung wurden die Weihnachtsschützen als widerstandsähnliche Gruppe anerkannt, und die Berchtesgadener Poststraße hieß ab 1945 Weihnachtsschützenplatz. Der Luftangriff vom 25. April 1945 beschränkte sich auf den Obersalzberg; Infrastruktur und Gebäude des Ortes blieben nahezu unbeschädigt, und der Markt wurde kampflos an die Amerikaner übergeben.
Wer die Liste der in Berchtesgaden geborenen Menschen durchgeht, stößt fast durchgehend auf Wintersport. Der Rodelclub Berchtesgaden wurde 1923 gegründet und weist einen Medaillenspiegel aus, den man einer Gemeinde dieser Größe nicht zutrauen würde: siebenmal Gold, sechsmal Silber und fünfmal Bronze bei Olympischen Winterspielen, dazu 30-mal Gold bei Weltmeisterschaften. Zu den Clubmitgliedern gehören Georg Hackl, Felix Loch, Hans Stanggassinger und Franz Wembacher.
Die Infrastruktur dazu liegt gleich nebenan: Mannschaftshaus und Sporthalle des Bundesleistungszentrums Rennrodel stehen in Berchtesgaden, die zugehörige Kunsteisbahn am benachbarten Königssee. Seit 2000 hat der Bob- und Schlittenverband für Deutschland hier seine Geschäftsstelle; sein Präsident, der Berchtesgadener Josef Fendt, war in den 1970er Jahren selbst Rennrodler.






Stand des Portraittextes: 2026-09-18.
Belege der kuratierten Auswahl: NNL, BIO
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.

Nach dem Krieg wurden die Hinterlassenschaften am Obersalzberg selbst zum Anziehungspunkt — keineswegs nur als Wallfahrtsstätte für Ewiggestrige, sondern regelmäßig auch im Besuchsprogramm amerikanischer Salzburg-Touristen. Die Amerikaner blieben bis 1996 und richteten ab 1953 eines der Armed Forces Recreation Center in Bayern ein. Nach ihrem Abzug entschied sich der Freistaat für ein Zweisäulenkonzept: die 1999 eröffnete Dokumentation Obersalzberg und ein 2005 eröffnetes Hotel. Heute liegen drei der 2005 als Big Five bezeichneten touristischen Schwerpunkte des südlichen Landkreises in der Gemeinde: das Kehlsteinhaus, das Salzbergwerk und die Watzmann Therme.
Die Dokumentation Obersalzberg ist ein Lern- und Erinnerungsort zur NS-Zeit am früheren Täterort und verbindet die Geschichte des Ortes mit der des Nationalsozialismus insgesamt. Ihr Gebäude steht auf den Grundmauern des früheren Gästehauses Hoher Göll. Seit ihrer Eröffnung kommen merklich weniger unerwünschte Besucher wie Rechtsextreme auf den Berg. Am 27. September 2023 wurde sie mit einer Erweiterung wiedereröffnet.





