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Bernkastel-Kues hatte am 31.12.2025 6.682 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 57 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Bernkastel-Kues
Unterhalb der Burg biegt die Mosel nach Nordwesten ab, und genau an dieser Biegung stehen sich zwei Orte gegenüber, die jahrhundertelang nichts miteinander zu tun hatten. Rechts des Flusses liegt Bernkastel mit Markt, Rathaus und Burgruine, links liegt Kues, wo 1401 ein Schifferssohn namens Nikolaus Cryfftz zur Welt kam — der Mann, den die Nachwelt Nikolaus von Kues nennt.
Erst am 1. April 1905 wurden beide zu einer Stadt zusammengeschlossen, Andel und Wehlen kamen am 7. November 1970 dazu. Vom Moselufer auf 107 Meter steigt das Stadtgebiet bis zum Olymp auf 415 Meter, und Trier liegt etwa 50 Kilometer flussaufwärts. Zum 31. Dezember 2025 zählte Bernkastel-Kues 6.682 Einwohner auf 23,71 Quadratkilometern.
Die frühesten Zeugnisse menschlicher Besiedlung, die Archäologen hier gefunden haben, liegen auf der Kueser Seite und stammen aus der Zeit um 3000 vor Christus. Um 370 beschrieb der römische Dichter Ausonius den Fluss in seinem Gedicht Mosella. Im 4. Jahrhundert stand oberhalb des heutigen Bernkastel ein spätrömisches Kastell, das den Nachschub entlang der Mosel zur Rheingrenze sicherte; die rechteckige Anlage maß 60 mal 30 Meter und war durch sechs bis sieben Türme verstärkt. An der Wende vom siebten zum achten Jahrhundert taucht bei einem Geographen ein Ort Princastellum auf, und die erste urkundliche Nennung Bernkastels fällt in die erste Hälfte des elften Jahrhunderts.
Die Burg, die heute auf den römischen Fundamenten steht, ließ der Trierer Erzbischof Heinrich von Finstingen gegen Ende des 13. Jahrhunderts errichten; 1280 hatten die Grafen von Salm Burg und Vogtei an Kurtrier verkauft. Am 29. Mai 1291 verlieh König Rudolf von Habsburg dem Ort die Stadtrechte, und 1332 bestätigte sie ein Sammelprivileg Kaiser Ludwigs des Bayern erneut. Den Namen Landshut trägt die Burg erst, seit er 1505 in einer landesherrlichen Verordnung zum ersten Mal auftaucht. Am 8. Januar 1692 brannte sie nieder und wurde nie wieder aufgebaut.
Das kurtrierische Amt Berncastel kam 1787 auf 4.743 Einwohner. Unter französischer Herrschaft war Bernkastel von 1794 bis 1814 ein Kantonsort; 1815 schlug der Wiener Kongress Bernkastel und Kues dem Königreich Preußen zu, und 1821 wurde der Ort Sitz des Kreises. 1848 wehte die schwarz-rot-goldene Fahne am Rathaus, und eine Bürgerwehr bildete sich. 1926 stürmten aufgebrachte Winzer das Finanzamt in Bernkastel und das Zollamt in Kues.
Am 9. November 1938, in der Pogromnacht, verwüsteten die Täter das Innere der Synagoge, die 1852 eingeweiht worden war; 1939 ging das Gebäude in Privatbesitz über, und Mitte Oktober 1941 deportierte man die vier letzten jüdischen Einwohner ins Ghetto Lodz. Seit 1988 erinnert eine Gedenktafel am Graacher Tor an sie. Gegen Kriegsende traf die Stadt mehrfach Bombenbeschuss: am 19. Februar 1945 wurden zahlreiche Häuser um den Marktplatz zerstört, am 2. März große Teile des alten Rathauses, am 11. März sprengte man die Moselbrücke, und am 15. und 16. März rückten die Amerikaner in Kues und Bernkastel ein. 1946 wurde nach dem Krieg erstmals wieder demokratisch gewählt.
Der Marktplatz von Bernkastel ist von Giebelfachwerkhäusern des 15. bis 17. Jahrhunderts umstellt, und das schmalste davon stammt aus dem Jahr 1416: das Spitzhäuschen, dessen Obergeschoss weiter ausladet als sein Erdgeschoss. Der St. Michaelsbrunnen von 1606 steht zwischen gut erhaltenen Bauten, unter ihnen das Renaissance-Rathaus von 1608; an einer seiner Ecken hängt der historische Pranger. Neben dem mittelalterlichen Markt hat die Stadt weitere Plätze, darunter den Platz am Bärenbrunnen. Vier Stadtteile hat die Stadt: rechts der Mosel Andel und Bernkastel, links Kues und Wehlen.
Am rechten Ufer steht die katholische Pfarrkirche St. Michael und St. Sebastian, deren wuchtiger Glockenturm ursprünglich ein Wehrturm war. Von der Stadtbefestigung ist das Graacher Tor übrig geblieben. Über den Dächern liegt die Burgruine Landshut, eine ehemalige Sommerresidenz der Trierer Erzbischöfe; seit dem Feuer ist sie Ruine und dient heute als Aussichtspunkt über das Moseltal. Bei Wartungsarbeiten wurden dort 2012 Reste gefunden, die aus dem fünften oder sechsten Jahrhundert stammen könnten.
Auf der Kueser Seite bestimmt eine spätgotische Stiftsanlage das Bild, das St. Nikolaus-Hospital. Die Gebäude liegen abseits des alten Ortskerns direkt am Moselufer. Der Baubeginn lag um 1460, eine Bauinschrift am Ostflügel des Kreuzgangs nennt 1458, und die Kapelle wurde wahrscheinlich 1465 geweiht; zwischen 1748 und 1778 wurde die Anlage teilweise umgebaut. Die Kapelle mit ihrem achteckigen Mittelpfeiler und dem Sterngewölbe wurde selbst zum Vorbild für zahlreiche Einstützenkirchen an Mosel und Eifel.
Kues hat außerdem eine 1881 im Stil des Historismus erbaute evangelische Kirche. Nahe Wehlen liegt das ehemalige Kloster Machern, in dessen Räumen heute unter anderem ein Weingut, eine Hausbrauerei und ein Restaurant sitzen; in Andel steht die evangelische Kirche mit Glocken aus dem 15. Jahrhundert. Westlich von Wehlen trägt der Grainskopf seit 1896 einen stählernen Aussichtsturm von zwölf Metern Höhe.
Der historisch tragende Wirtschaftszweig ist der Weinbau. Im Bereich Bernkastel werden Rebstöcke auf 5.844 Hektar bewirtschaftet, überwiegend im Steilhang, und im Stadtgebiet selbst gibt es bis heute zahlreiche Güter. Riesling ist die übliche Rebsorte; daneben werden in geringen Mengen Burgunder, Rivaner, Kerner und Dornfelder erzeugt. Im Stadtgebiet treffen die Großlagen Münzlay im Ortsteil Wehlen, Badstube in Bernkastel und Kurfürstlay in Bernkastel, Kues und Andel aufeinander.
Die Legende vom Berncastler Doctor fängt mit einem Kurfürsten an. Erzbischof Boemund II. soll, so erzählt es die Sage, durch ein Glas Wein von einer schweren Krankheit geheilt worden sein — und damit war der Lagenname in der Welt. Dass die Geschichte bis heute erzählt wird, hat einen handfesten Grund: Sie verkauft eine Steillage, die ohne Handarbeit nicht zu bewirtschaften wäre. Wer hier Wein macht, arbeitet im Schiefer, und die Hänge lassen keine Maschine zu — genau deshalb trägt am Ende jede einzelne Parzelle ihren eigenen Namen.
Wie sehr der Wein den Jahreslauf bestimmt, zeigt der Veranstaltungskalender. Das Weinfest der Mittelmosel fällt auf das erste Septemberwochenende und endet mit Umzug und Feuerwerk, das Mosel Musikfestival läuft von Mitte Juli bis zum 3. Oktober, und am letzten Samstag im September rudern die Mannschaften um den Grünen Moselpokal. Zu den ansässigen Unternehmen gehören die Weinkellerei Peter Mertes und die Winzergenossenschaft Moselland.
Nikolaus von Kues kam 1401 als Nikolaus Cryfftz in Kues an der Mosel zur Welt; sein Vater Johann war Schiffer und ein wohlhabender Kaufmann. 1416 schrieb er sich in Heidelberg an der Artistenfakultät ein, ging spätestens 1420 nach Padua und schloss dort 1423 das Studium des Kirchenrechts mit der Promotion ab. Er wurde Kardinal und Bischof von Brixen und starb am 11. August 1464 in Todi in Umbrien. Sein Geburtshaus, das Haus des Moselschiffers Henne Cryfftz, steht in Kues und kann besichtigt werden.
Was von ihm im Ort geblieben ist, ist keine Gedenkstätte, sondern ein arbeitender Betrieb. Das St. Nikolaus-Hospital, das er 1458 stiftete, nahm genau 33 alleinstehende Männer auf — sechs Adlige, sechs Priester und 21 gemeine Leute, die Zahl nach den Lebensjahren Jesu. Seit Ende der sechziger Jahre werden auch Frauen aufgenommen, und das Stift erfüllt seine Aufgabe bis heute als Altenheim. Wissenschaftlichen Rang hat seine Bibliothek.
Der Name ist im Ort allgegenwärtig: Das Nikolaus-von-Kues-Gymnasium trägt ihn, die Grundschule in Kues heißt Cusanusschule, das Krankenhaus Cusanus-Krankenhaus, und die Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte arbeitet an seinem Werk weiter. Die 2014 in Bernkastel-Kues gegründete Cusanus Hochschule zog allerdings 2021 nach Koblenz um. Selbst das Stadtwappen erinnert an ihn: Der rote Krebs im dritten Feld steht für den Familiennamen Cryfftz, der nichts anderes als Krebs bedeutet, während der schwarze Bär das alte Wappentier Bernkastels ist.
Bis zum 31. Dezember 1962 fuhr durch den Ort die Moseltalbahn, die im Volksmund Saufbähnchen hieß. Vom Kopfbahnhof im Stadtteil Kues führte außerdem eine Strecke über Wengerohr zur Moselstrecke. Beide Trassen sind stillgelegt und die Gleise entfernt; das Bahnhofsgebäude aus Schieferbruchstein in Kues steht noch, und aus dem früheren Gleisbereich wurde erst ein unbefestigter Parkplatz und dann das Forum Alter Bahnhof mit Tiefgarage. Die Trasse selbst ist heute Radweg: zunächst bis Lieser als Moselradweg, später über Wittlich bis nach Daun in der Eifel als Maare-Mosel-Radweg.
Der Tourismus ist der zweite tragende Wirtschaftsfaktor, und neben Wein- und Aktivtourismus zählt vor allem der Gesundheitstourismus. Seit 2005 trägt das Kueser Plateau die Bezeichnung Heilklimatischer Kurort. Trotz der Umbrüche im traditionellen Kur- und Bäderwesen der neunziger Jahre gewinnt dieses Angebot mit dem demographischen Wandel wieder an Gewicht. Seit 2008 führt der Mosel-Camino als Teil des Jakobswegs nach Santiago de Compostela durch den Ort, seit 2014 der Moselsteig, und 2017 kam das Automuseum Zylinderhaus dazu. Für Rhein-Mosel-Flusskreuzfahrten gibt es einen eigenen Anleger, und vom Gestade starten mehrmals täglich Rundfahrten. Zu den größeren Arbeitgebern gehört neben dem Wein deshalb das Gesundheitswesen: die Median Kliniken mit ihrem Rehazentrum und das Cusanus-Krankenhaus.




Stand des Portraittextes: 2026-09-18.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT
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