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Blieskastel hatte am 31.12.2025 19.935 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 53 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Blieskastel
Blieskastel ist der Hauptort des Bliesgaus und liegt mitten im Biosphärenreservat Bliesgau, etwa 15 km südwestlich von Homburg und 25 km östlich von Saarbrücken. Durch das Stadtgebiet fließt die Blies; im Süden und Westen grenzt es an französische Gemeinden im Département Moselle. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 19.935 Einwohner. Der Menhir Gollenstein gilt mit 6,5 m als Wahrzeichen der Stadt und ist rund 4.000 Jahre alt, weit älter also als die Stadt selbst.
Der Name klingt nach Burg und Fluss, und tatsächlich steckt beides darin: Das Bestimmungswort liefert die Blies, das Grundwort Castel, das im Volksmund noch als Kastel weiterlebt. Bis 1904 schrieb man Bliescastel.
Blieskastel besteht aus dem Stadtteil Mitte mit der Innenstadt, Alschbach und Lautzkirchen sowie 14 weiteren Stadtteilen. Sie wurden überwiegend 1974 eingegliedert, als die Stadt auch dem neuen Saarpfalz-Kreis zugeordnet wurde. Damit verbindet sich ein städtischer Kern, dessen Gestalt vom Barock stammt, mit einem Gürtel ländlicher Orte.

Die Urkunde von 1098 nennt einen Gottfried, comes de Castele, und damit zum ersten Mal den Ort. Später saßen die Grafen von Blieskastel auf einer Burg über dem Tal; das Geschlecht starb 1237 aus. Schon 1234 hatte die Tochter des letzten Grafen, Elisabeth, das Kloster Gräfinthal gestiftet. Seit 1337 gehörte der Ort zu Kurtrier, und 1522 zerstörte Franz von Sickingen in einer Fehde mit dem Trierer Kurfürsten die Burg.
Den Aufschwung brachten die Reichsfreiherren von der Leyen. Sie erwarben um 1660 das Amt Blieskastel, bauten von 1661 bis 1676 anstelle der Burg ein neues Schloss und verlegten 1773 ihren Wohnsitz von Koblenz hierher. Der Flecken wurde zur Residenzstadt ausgebaut. Unter der Gräfin Marianne von der Leyen entstand ein kulturelles Zentrum, auf dem Schlossberg errichtete man Palais und Häuser für die Hofbeamten.

Das Ende kam schnell. Die Französische Revolution vertrieb die von der Leyen 1793, das Residenzschloss wurde geplündert und danach zerstört, und 1802 trug man seine Reste ab. Nach dem Sturz Napoleons unterstand der Kanton zunächst Österreich und Bayern gemeinsam; am 1. Mai 1816 fiel er an die bayerische Kreisdirektion Zweibrücken.
Die Stadt liegt an der Barockstraße SaarPfalz, und der Kern ist bis heute vom Barock geprägt. Das Ensemble Alt-Blieskastel umfasst 133 Einzeldenkmale, hinzu kommen 65 Gebäude unter Ensembleschutz. Zum Stadtkern gehören das Rathaus, das im 18. Jahrhundert als Oberamts- und Waisenhaus erbaut wurde, der Herkulesbrunnen von 1691 und der Napoleonsbrunnen von 1804, den man Schlangenbrunnen nennt.
Am Schlossberg stehen die Hofratshäuser, unter ihnen das Schlößchen von 1776/77, das dem Zweibrücker Baudirektor Christian Ludwig Hautt zugeschrieben wird. Vom Schloss selbst blieb nur der Lange Bau, die frühere Orangerie, erhalten; er wurde von 1982 bis 1986 restauriert und dient Vorträgen, Ausstellungen und Konzerten. Westlich davon liegt die zwischen 1776 und 1778 erbaute frühere Franziskanerkirche, die von 1778 bis 1793 als Schlosskirche diente und heute katholische Pfarrkirche ist.

Weiter nördlich betreuen Franziskaner-Minoriten seit 2005 das Wallfahrtskloster. Die Heilig-Kreuz-Kapelle von 1682/83 beherbergt seit 1827 das Gnadenbild Unsere Liebe Frau mit den Pfeilen. Diese Pietà aus dem 14. Jahrhundert wurde 1786 von Gräfinthal nach Blieskastel gebracht; in ihr stecken fünf eiserne mittelalterliche Pfeilspitzen, von denen die Überlieferung erzählt, Frevler hätten sie hineingeschossen. Aus dem Ort stammt ein Kirchenmann von Rang: Joseph Wendel, der von 1901 bis 1960 lebte, wurde 1953 Kardinal und war Bischof von Speyer und später Erzbischof von München und Freising.
Eine neobarocke protestantische Kirche von 1912 steht auf einer südlichen Anhöhe. Im Uhrenmuseum La Pendule sind vor allem Uhren aus der Barockzeit zu sehen, gezeigt werden Stücke vom Ende des 17. Jahrhunderts bis ins 20. Jahrhundert.
Auch später wechselte die Zugehörigkeit mehrfach. Von 1920 bis 1935 gehörte die Stadt zum Saargebiet unter Völkerbundmandat und französischer Verwaltung, von 1947 bis 1956 zum teilautonomen Saarland, und seit dem 1. Januar 1957 ist sie Teil der Bundesrepublik. Am 1. Januar 1974 kam der Ort im Zuge einer Gebiets- und Verwaltungsreform in den neuen Saar-Pfalz-Kreis, und seit 1978 ist Blieskastel staatlich anerkannter Kneippkurort.
Seit April 2012 gehört Blieskastel der Cittàslow an, einem 1999 in Italien gegründeten Zusammenschluss von Städten, die sich regionaler Kultur, heimischem Essen und sanfter Entwicklung verschrieben haben. Das passt zu einer Stadt, die im Zentrum des Biosphärenreservats liegt und deren Gebiet zu knapp 60 % landwirtschaftlich genutzt wird.
Partnerschaften bestehen mit Le Creusot im Burgund seit 1989 und mit Castellabate in Kampanien seit 2008. Im Jahreslauf gibt es das Webenheimer Bauernfest im Juli, den Cittaslow-Markt im September und ein Oktoberfest im Oktober; im Sommer bietet die Freie Kunstschule Saarpfalz in der Orangerie Kurse an.
Wirtschaftlich tragen ein Klinikum und ein Konzern die Stadt. Das Reha-Klinikum Bliestal-Kliniken hat 500 Betten und gilt als bedeutender Arbeitgeber der Stadt; unter den Industriebetrieben sticht die Hager Group hervor, die weltweit etwa 11.000 Beschäftigte zählt. Blieskastel ist außerdem ein Schulstandort mit neun Grundschulen, dem Von der Leyen-Gymnasium und einer Gemeinschaftsschule.
Beim Verkehr fehlt die Schiene im Hauptort: Seit dem Fahrplanwechsel am 23. Mai 1991 gibt es hier keinen Personenzugverkehr mehr. Die Bliestalbahn wurde Ende der 1990er Jahre auf knapp 15 km Länge in einen Radweg verwandelt. Bahnhöfe bestehen dagegen in den Stadtteilen Lautzkirchen, Niederwürzbach und Bierbach; durch das Stadtgebiet verläuft die Bundesstraße 423.
Der Ort selbst bleibt eine Stadt der kurzen Wege zwischen Schlossberg, Blies und Dörfern: Wer hier wohnt, lebt in einem Ensemble, dessen Bauten heute einen Bruchteil der einstigen Residenz zeigen, und in einem Stadtgebiet, das seit den Neunzehnhundertsiebzigern auf fünfzehn Ortsteile gewachsen ist.






Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: BIO
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