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Boppard hatte am 31.12.2025 15.665 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 48 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Boppard
Mitten in Boppard steht eine römische Mauer, und sie ist kein Fundstück in einer Vitrine. Im Römerpark nahe dem Marktplatz stehen Reste der Kastellbefestigung aus dem 4. Jahrhundert; 2009 wurden bei der Sanierung der Innenstadt Teile der westlichen Römermauer freigelegt. Wer hier steht, sieht die Grundrisslinie, an der sich die Stadt bis ins Mittelalter orientiert hat.

Die Stadt liegt am oberen Mittelrhein auf 74 Meter Höhe; ihr Gebiet umfasst 74,88 Quadratkilometer und reicht vom Ufer bis auf die Höhen des Hunsrücks. Zum 31. Dezember 2025 zählte sie 15.665 Einwohner. Der Rhein bildet auf siebzehn Kilometern die östliche Grenze der Gemeinde, und direkt nördlich der Kernstadt legt er eine weite Schleife, den Bopparder Hamm. Seit 2002 gehört das Tal zum Welterbe Oberes Mittelrheintal.
Die Besiedlung reicht weiter zurück, als die Römer denken ließen. 2001 stieß ein Verein in einer Baugrube unweit des Hauptbahnhofs auf Steingeräte der Federmesser-Kultur; spätere Grabungen brachten eine Feuerstelle, Knochen vom Rothirsch und Pfeilspitzen zutage. Der Lagerplatz liegt unter einer Bimsschicht des Laacher-See-Ausbruchs und ist rund 13000 Jahre alt.
Der römische Ort hieß Baudobriga, und der Name ist keltisch. Er ist in dieser Lautung in zwei lateinischen Inschriften belegt und bedeutet so viel wie Ruhm-Burg oder Sieg-Burg. Seine Blütezeit als Fischer- und Händlerdorf hatte der Vicus zwischen dem 1. und dem 3. Jahrhundert.
Als der Rhein wieder Grenze wurde, kam die Festung. Kaiser Julian stoppte 355 eine germanische Invasion, sein Nachfolger Valentinian führte die Sicherung des Mittelrheins zu Ende, und in dieser Zeit entstand das spätrömische Kastell Baudobriga an der Rheintalstraße. Die Zivilbevölkerung wohnte nach dem Abzug der Truppen einfach im intakten Kastell weiter; aus dem ausgebrannten Militärbad wurde im 6. Jahrhundert der erste Vorgängerbau der heutigen Severuskirche, und aus dem Kastell im 5. Jahrhundert ein merowingischer Königssitz.
Aus dem Königshof wurde eine Reichsstadt. 1050 erhielt der Ort unter Kaiser Heinrich dem Dritten Marktrechte, unter Heinrich dem Vierten auch einen Zoll; Münzstätte war er schon unter den Merowingern gewesen. Das große Stadtsiegel von 1236 nennt Boppard freie Stadt des Reiches. Als Wilhelm von Holland die Staufer am Mittelrhein angriff, hielt die Stadt zu den Staufern: 1247, 1249 und 1250 scheiterte er vor ihren Mauern, erst nach einer Belagerung im Herbst 1251 nahm er sie ein.
Das Ende der Reichsfreiheit war ein Krieg gegen den eigenen Landesherrn. 1495 erreichten Bopparder Abgesandte beim römisch-deutschen König Maximilian die Befreiung von kurfürstlicher Gerichtsbarkeit und Zoll; weil er damit seine Befugnisse überschritt, musste er die Entscheidung im selben Jahr widerrufen. Es folgte 1497 der Bopparder Krieg: Die Bürger stürmten die kurfürstliche Burg, der Trierer Kurfürst rückte mit Verbündeten und 12.000 Soldaten an, und nach wenigen Wochen Belagerung musste die Stadt am 1. Juli wieder huldigen.

Der Wein ist das ältere Gewerbe. Urkundlich erwähnt wird er hier bereits 643, und die bestockte Rebfläche von 75 Hektar liegt im Wesentlichen in der Rheinschleife des Bopparder Hamm; kultiviert werden vor allem Riesling, Müller-Thurgau und Spätburgunder. Zusammen mit den Weinfesten und den historischen Bauten trägt der Weinbau den Tourismus.

Das jüngere Gewerbe verbindet sich mit einem Namen, dessen Möbel heute in vielen Cafés stehen. Michael Thonet, 1796 hier geboren, war Tischlermeister und Industrieller und gilt als Pionier des Möbeldesigns; sein Verfahren, Buchenholz unter Dampf zu biegen, machte Stühle leicht, stapelbar und in Serie herstellbar.
Die Stadt hält diese Geschichte in ihren Mauern. In der kurfürstlichen Burg am Rhein, die der Trierer Kurfürst Balduin von Luxemburg errichten ließ, wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts das städtische Museum untergebracht, mit Dauerausstellungen zur Stadtgeschichte, zu Thonet und seinen Bugholzmöbeln und zum Komponisten Engelbert Humperdinck. Seit 2010 wurde die Anlage für rund 13,5 Millionen Euro von Grund auf saniert; ein großer Teil der Ausstellungsfläche gehört seither Thonet. Auch die Brunnenanlage auf dem Oberen Marktplatz soll an seine gebogenen Möbel erinnern.
Die Stadt hat im Lauf ihrer Entwicklung zweimal kräftig in ihr eigenes Bild geschnitten. Um 1903 wurde der Bahnhof an die Hunsrückbahn angeschlossen; weil der Säuerlingsturm der mittelalterlichen Befestigung im Weg stand, wurde er von 1906 bis 1908 abgebrochen und nördlich seines alten Standorts mit dünnerer Mauer wieder aufgebaut. Und der Ausbau der Bundesstraße 9 nördlich des Bahnkörpers, 1991 endgültig fertig, griff massiv in das Stadtbild ein — eine Trassenführung entlang der Rheinallee hatte man von vornherein abgelehnt.

Der Bopparder Hamm ist die auffälligste Landschaftsform der Gemeinde. Der Rhein legt hier eine weite Schleife, und von den Höhen darüber sieht das Tal aus, als bestünde es aus vier einzelnen Seen — daher heißt einer der Aussichtspunkte Vierseenblick. Tatsächlich verdeckt die Landschaft an bestimmten Stellen den Flusslauf. Vom nahen Gedeonseck überblickt man die ganze Schleife; hinauf führt die Sesselbahn.
In der Schleife wächst eine Pflanze, die es sonst nirgends gibt. Die Bopparder Schleifenblume kommt allein hier vor, und im selben Gebiet liegt eines der nördlichsten Vorkommen der Westlichen Smaragdeidechse in Mitteleuropa. Das Stadtgebiet gehört zum FFH-Gebiet Mittelrhein und zum europäischen Vogelschutzgebiet Mittelrheintal; im Ortsteil Buchenau liegt ein Naturschutzgebiet von 54,63 Hektar.
Der Wald ist der zweite große Posten. Der Bopparder Stadtwald umfasst 43,6 Quadratkilometer und wird nach ökologischen Maßstäben bewirtschaftet; er trägt eine Naturland- und eine FSC-Zertifizierung, und rund 300 Hektar bleiben ganz unbewirtschaftet. Damit gehört die Stadt bundesweit zu den größeren kommunalen Waldbesitzern.
Erschlossen ist all das zu Fuß. Durch Boppard laufen der Rheinburgenweg und der Welterbesteig Oberes Mittelrheintal, der Saar-Hunsrück-Steig beginnt hier und führt über mehr als 400 Kilometer bis nach Perl an der Mosel; zwischen 2012 und 2013 kamen mehrere Rundwege dazu, die Traumschleifen heißen. Über die Fähre erreicht man den rechtsrheinischen Rheinsteig. Wer von der Sesselbahn ins Tal blickt, sieht Reben, Wald und einen Fluss, der aussieht wie vier Seen.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT_ROM, WH
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