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Borkum hatte am 31.12.2025 4.295 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 41 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Borkum
Borkum liegt zwischen den beiden Mündungsarmen der Ems, 30,98 Quadratkilometer groß, im Mittel 6 Meter über dem Meeresspiegel. Ende 2025 zählte die Stadt 4295 Einwohner. Die Lage hat alles bestimmt, was hier geschah: Wer in die Ems will, muss an Borkum vorbei, und deshalb stehen auf der Insel drei Leuchttürme, mehrere Baken und, seit dem Jahr 1900, eine Funkstation.
Der Name taucht schon in der Antike auf, wenn auch unsicher zugeordnet. Der Geograph Strabon nennt eine Insel Byrchanis, Plinius der Ältere führt Burcana unter den bekannten Inseln vor der Nordseeküste; die moderne Forschung bringt Letztere allerdings mit der um 1743 untergegangenen Insel Bant in Verbindung. Sicher belegt ist die heutige Insel ab 1227 als Borkna.
Borkum ist die ostfriesische Insel, deren Geschichte am schwersten zu erzählen ist. Sie hat Walfangkapitäne hervorgebracht und früh den Funk an die Küste geholt — und sie hat über Jahrzehnte mit ihrer Judenfeindschaft geworben.
Im Mittelalter war Borkum ein Ankerplatz. In den Jahren 1227 und 1270 lagen hier Kreuzfahrerflotten vor Anker und warteten auf Wetterbesserung; von Bewohnern spricht erstmals ein Friedensvertrag mit der Hanse um 1406. Ab 1464 herrschten die Grafen von Ostfriesland; mit Ostfriesland wechselte die Insel danach mehrfach den Landesherrn, bis sie 1866 endgültig an Preußen kam.

Der Wohlstand kam vom Wal. Anfang des 18. Jahrhunderts fuhren jährlich zwischen 150 und 300 Borkumer Männer nach Grönland und in die Davisstraße; für 1747 sind zwölf Borkumer Kapitäne überliefert, für 1782 etwa dreißig. Auftraggeber waren meist niederländische, hamburgische, Altonaer oder Emder Reeder. Der Englisch-Niederländische Seekrieg von 1780 bis 1784 beendete das: 1782 gerieten sämtliche Borkumer Grönlandfahrer für ein Jahr in britische Gefangenschaft und kamen ohne ihre Schiffe frei; im selben Jahr verunglückten drei Schiffe, sodass allein dadurch über 50 Witwen und Waisen ohne Ernährer zurückblieben. Sichtbar ist das bis heute an Zäunen aus Walkinnladen, etwa am Grundstück des Kapitäns Roelof Gerritz Meyer, und an den beiden Kinnladen, die das Tor zum Heimatmuseum Dykhus bilden.
Auch die Insel selbst musste erst zusammenwachsen: Ab 1830 verengte sich der Priel Tüskendör zwischen Westland und Ostland durch Sand und Schlick; die Bewohner beschleunigten das mit Strohbündeln und Anpflanzungen, und von 1863 bis 1864 schloss ein Damm die Lücke endgültig.
Das Seebad folgte dem Norderneyer Vorbild: 1843 gründete sich in Emden die Dampfschifffahrtsgesellschaft Concordia, die einen regelmäßigen Fährbetrieb aufnahm; seither ist Emden der deutsche Fährhafen für Borkum. Am 15. Juni 1888 gingen die Borkumer Kleinbahn und ein neuer Hafen in Betrieb; erst mit dieser bequemen Anbindung wurde der Aufstieg zum Seebad möglich. Ihre Trasse, eine Lokomotive und ein Schienenbus stehen heute unter Denkmalschutz.
Von der Rolle als Tor zur Ems zeugen die Seezeichen. Der Alte Leuchtturm von 1576 steht auf dem Fundament des alten Kirchturms, ist 45 Meter hoch und bekam erst 1817 eine Leuchtquelle mit Parabolspiegeln und 27 Öllampen; im Februar 1879 zerstörte ein Brand das Feuer. Der Neue Leuchtturm entstand daraufhin in sechs Monaten, misst 60,3 Meter, besteht aus rund 1,5 Millionen Ziegelsteinen und leuchtet seit dem 15. November 1879 mit einer Nennreichweite von 40 Kilometer. Der Kleine Leuchtturm von 1888 und 1889 war ein Prototyp in Fertigbauweise aus Gusseisen und hieß der Elektrische; 2003 wurde er außer Dienst gestellt, weil sich die Fahrwasser verlagert hatten. Dazu kommen das Große Kaap von 1872, das Quermarkenfeuer Düne von 1928 und die Leuchtbake Fischerbalje. Im Schutzhafen liegt seit 1989 das Feuerschiff Borkumriff, das am 15. Juli 1988 außer Dienst gestellt wurde und heute über den Nationalpark informiert. Zu Licht und Baken kam der Funk. Im Jahr 1900 nahm die von der Reichspost betriebene Küstenfunkstelle Borkum den Dienst auf; die erste Übertragung lief zwischen ihr und dem Norddeutschen-Lloyd-Dampfer Kaiser Wilhelm der Große, wobei das Feuerschiff Borkumriff die Telegramme vermittelte.
Ab 1902 verlieh Kaiser Wilhelm II. der Insel wegen ihrer Lage den Status einer Seefestung. Geschützstellungen und Bunker entstanden, eine Marinebahn wurde an die Kleinbahn angeschlossen, und die Streckenlänge wuchs auf über 40 Kilometer; die Stammstrecke wurde zweigleisig. Nach Kriegsbeginn im August 1914 verließen 575 Einwohner die Insel, teils freiwillig, teils auf Anweisung. Am 7. Januar 1918 strandeten bei Sturm fünf Vorpostenboote der Ems-Flottille auf dem Borkumriff; das Borkumer Rettungsboot kam gegen die Brandung nicht durch, und trotz des Einsatzes eines niederländischen Motorrettungsboots starben 21 Besatzungsmitglieder. Militärisch blieb die Insel auch danach von Bedeutung, zeitweise sogar als Versuchsgelände: Am 19. und 20. Dezember 1934 starteten in der Nähe der Ostbake zwei Exemplare der A2-Rakete mit den Namen Max und Moritz; die von Wernher von Braun entwickelten Triebwerke erreichten über zwei Kilometer Höhe, danach zog die Raketenforschung nach Peenemünde.

Der dunkelste Teil der Inselgeschichte ist kein Kriegsereignis, sondern eine Werbestrategie. Schon der Inselführer von 1897 warb damit, judenfrei zu sein. Man ersann das Borkumlied, das die Kurkapelle täglich spielte und die Gäste mitsangen. An Hotels hingen Schilder, die Juden und Hunde den Zutritt verwehrten, drinnen lag ein spöttischer Fahrplan zwischen Borkum und Jerusalem aus. Ein Reiseführer über die Nordseebäder riet 1910 israelitischen Reisenden ausdrücklich vom Besuch Borkums ab, weil sie sonst mit rücksichtslosen Belästigungen rechnen müssten. Als die Bezirksregierung Aurich 1924 das Spielen des Liedes verbot und dafür Polizei einsetzte, hoben das Amtsgericht Emden und danach das preußische Oberverwaltungsgericht das Verbot wieder auf: Da sich das Verbot gegen die Kurkapelle richte und die Melodie auch anderen Texten diene, mache das Abspielen nicht für den Inhalt verantwortlich.
In der Weimarer Republik wurden die Liedfassungen noch direkter und hetzten offen gegen Juden. Mit diesem Antisemitismus warb die Insel um völkisch-nationale Gäste und setzte ihn im Wettbewerb gegen Norderney ein. Ab 1920 verschärfte der Borkum-Pastor und spätere Reichsredner der NSDAP Ludwig Münchmeyer die Lage mit Hetzreden. Eine Hochburg des Bäder-Antisemitismus blieb Borkum bis in die NS-Zeit. Heute erinnert auf der Insel ein Mahnmal an die Judenverfolgung.
Borkums Festkalender ist eigen und teils vorchristlich. Am Abend vor Ostersonntag brennt das Osterfür oder Paaskefür, und auf der Paaskedelle, der Osterwiese, wird mit Eiern gekullert und geschleudert — mit dem Ziel, sie möglichst lange heil zu halten. Ein Strohpuppenwinter wird dabei verbrannt.
Der Maibaum wird hier nicht in der Nacht zum 1. Mai aufgestellt, sondern am Samstag vor Pfingsten, beim Pinkster-Fest. Ursprünglich war er ein Mast mit weit ausladenden Rahen und Schiffszubehör, ohne jedes Grün, weil auf der Insel kaum Bäume wuchsen. Heute schmücken ihn grüne Zweige, sodass er wie ein Mast mit geblähtem Segel aussieht. Am Baum hängt traditionell ein Korb mit einem gestohlenen Hahn, dessen Krähen bei Sonnenaufgang einen fruchtbaren Sommer ankündigen soll.
Der Nikolausbrauch weicht am stärksten ab. In der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember ziehen sechs als Klaasohm verkleidete junge Männer des Vereins Borkumer Jungens über die Insel, begleitet von einer Figur namens Wiefke. Sie tragen bis zu einen Meter hohe tonnenförmige Helme, mit Schafspelz bezogen und mit Federn und Möwenflügeln beklebt. In der Betriebshalle der Kleinbahn entscheiden sie zuvor in ritualisierten Kämpfen, wer die Führung übernimmt; Zutritt haben dabei weder Frauen noch Fremde, sondern nur auf der Insel geborene Männer. Zum Abschluss springen alle Klaasohms und zuletzt das Wiefke von einer Säule auf dem Platz in der Ortsmitte in die Menge, wo sie aufgefangen werden. Der Brauch geht wahrscheinlich auf die Zeit der Walfänger zurück.
Bis 2023 gehörte zum Umzug jedoch etwas, das sich nicht folkloristisch wegerzählen lässt: Junge Frauen wurden, teils gegen ihren Willen, eingefangen, festgehalten und mit einem Kuhhorn auf das Hinterteil geschlagen, oft bis zu großflächigen Hämatomen. Reporter, die darüber berichten wollten, hat man mehrfach unter Gewaltandrohung an der Arbeit gehindert. Im November 2024 wurde der Brauch bundesweit zum Thema. Daraufhin kündigte der Verein Borkumer Jungens an, das Schlagen vollständig abzuschaffen, und entschuldigte sich für die Gewalt der vergangenen Jahre.
Auf der Insel blieb die Kritik umstritten: Am 1. Dezember 2024 demonstrierten etwa 200 Borkumerinnen für den Erhalt des Festes. Das folgende Klaasohm-Fest verlief nach Angaben der Polizei ohne Zwischenfälle.






Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: SPA, WH
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.

Während des Krieges gab es auf der Insel Kriegsgefangenen- und Arbeitslager: am Hafen das Lager Reede 2 mit 80 Insassen, am Oppermannspad ein Lager der Organisation Todt mit 80 bis 150 Menschen und ab Mitte 1944 zusätzlich 450 Niederländern aus Amersfoort. Am 4. August 1944 musste eine amerikanische B-17 am Nordstrand notlanden. Die sieben überlebenden Besatzungsmitglieder wurden gefangen genommen, entgegen den internationalen Abkommen schwer misshandelt und dann ermordet; die deutsche Wachmannschaft griff nicht ein. Anfang 1946 wurde fünfzehn Beteiligten in Ludwigsburg der Prozess gemacht, mit mehreren Todesurteilen und Haftstrafen. Seit dem 4. August 2003 steht am Kriegerdenkmal ein Gedenkstein für die sieben Getöteten.
Nach Kriegsende schleiften die Besatzungstruppen die Bunker, und die weitgehend erwerbslosen Insulaner bauten in Handarbeit Armierungen und Kupfer daraus aus. Die Niederlande forderten als Kriegsentschädigung die gesamte Emsmündung samt Borkum; die Westalliierten lehnten ab. Weil die Insel kaum zerstört war, nahm sie viele Vertriebene auf: 1946 waren von 6120 Einwohnern 1093 Flüchtlinge, 1950 von 6215 bereits 1404. Auffällig war der hohe Anteil katholischer Vertriebener, meist aus Schlesien. 1954 erhielt Borkum das Stadtrecht. Ab 1958 war die Insel erneut Marinestandort; als 1996 die Seemannschaftslehrgruppe abzog, endete die Zeit als bedeutender Stützpunkt.






