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Brühl, Stadt hatte am 31.12.2025 45.653 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 55 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Brühl, Stadt
Der Name dieser Stadt kommt von einem Schweinepferch. Zwischen dem Villerücken im Westen und der Rheinebene im Osten lag ein nasses, bewaldetes Stück Land, das man einzäunte, um Vieh darin zu mästen; aus dem galloromanischen Wort dafür wurde über mehrere Zwischenstufen der Ortsname. Dass auf genau diesem Gelände zweihundert Jahre später eines der prächtigsten Schlösser des Rheinlands stehen würde, war so wenig absehbar wie heute, dass dort Achterbahnen fahren.
Brühl hat mit 36,12 Quadratkilometern nicht viel Platz, zählte Ende 2025 aber 45.653 Einwohner — und es liegt zwischen Köln und Bonn, und das hat in jedem Jahrhundert etwas anderes bedeutet: Rückzugsort der Erzbischöfe, Ausflugsziel der Städter, Kohlerevier, Wohnstandort.
Der Name Brühl taucht 1180 in einer Urkunde auf, als der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg zwei Höfe zu einem Burghof zusammenfasste. Das war kein Zufall: Die Kölner Erzbischöfe waren in ihrer eigenen Bischofsstadt zunehmend unerwünscht und brauchten Orte, an denen sie unangefochten Herr waren.
Daraus wurde eine Festung. Ab 1284 ließ Erzbischof Siegfried von Westerburg hier eine Wasserburg gegen die Stadt Köln bauen, und am 27. April 1285 verlieh er dem Ort die Stadtrechte samt Selbstverwaltung durch einen siebenköpfigen Schöffenrat. Diese Sieben stehen bis heute im Stadtwappen. Am 24. Mai 1469 erhob Kurfürst Ruprecht von der Pfalz Brühl offiziell zur Landeshauptstadt von Kurköln.
Die Stadt hat für diese Nähe zur Macht bezahlt. Am 14. September 1530 brannte sie fast vollständig nieder. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg verschanzten sich französische Truppen im kurfürstlichen Schloss, das am 21. April 1689 gesprengt wurde; danach schleiften Hannoveraner die Stadtmauern, und Brühl war keine befestigte Stadt mehr. Reste der Mauer stecken noch in den Kellern an der Kempishofstraße, und die Wasserburg Schallenburg im Süden erinnert daran, wie dicht befestigte Sitze hier standen. Als das Rheinland nach dem Wiener Kongress an Preußen fiel, war Brühl durch die Kriege völlig verarmt: 1826 zählte man 260 Häuser mit 711 männlichen und 783 weiblichen Bewohnern, viele davon Tagelöhner, und ab 1831 hatte die einstige Residenzstadt nur noch den Status einer Landgemeinde.

Ein ganz anderes Kapitel begann im Umland, mit der Braunkohle. 1876 begann die Gewerkschaft Roddergrube mit Förderung und Brikettfabrikation, Zuckerfabrik, Eisenwerk und Elektrizitätswerk folgten. Am 1. Oktober 1932 kamen vier Landgemeinden hinzu, und das Stadtgebiet verdoppelte sich. Von der Kohle ist heute eine Seenlandschaft geblieben: rekultivierte Tagebauflächen im Naturpark Rheinland, auf denen im Sommer gebadet wird. Zwischen dem früheren Grubenrand und dem Schlosspark liegen keine zehn Minuten Fahrt — eine Nachbarschaft, die man dem Ort von außen nicht ansieht.
An der Stelle der gesprengten Wasserburg legte Kurfürst Clemens August von Bayern 1725 den Grundstein für ein neues Schloss: Augustusburg. Es wurde kein Verteidigungsbau mehr, sondern eine Bühne — mit einem Treppenhaus, das Besucher zwingt, langsam und in aller Öffentlichkeit nach oben zu gehen. Wenige hundert Meter entfernt entstand mit Falkenlust ein zweites, kleineres Schloss, ein Jagdhaus für die Beizjagd auf Reiher.
Dazu gehört eine Kirche. 1735 wurde das Gotteshaus des benachbarten Franziskanerklosters von 1493 barock umgebaut, zur Schlosskirche erklärt und über eine Orangerie mit dem Schloss verbunden; die Innengestaltung stammt von Balthasar Neumann. Auf der Orgel dieser Kirche spielte 1763 ein siebenjähriger Junge namens Wolfgang Amadeus Mozart, als seine Familie auf ihrer großen Reise durch Brühl kam.

Beide Schlösser gehören heute zum Weltkulturerbe der UNESCO, und bis zum Umzug der Bundesregierung nach Berlin dienten sie offiziell als Empfangsstätten für Staatsgäste. Dass eine Stadt von der Größe Brühls diese Aufgabe hatte, lag nur an der Nachbarschaft zu Bonn — ein zweites Mal in der Geschichte zog fremde Macht hier ein und wieder aus.
Auch die Eisenbahn wurde auf das Schloss hin gebaut: Der Kaiserbahnhof Kierberg wurde 1877 an der Eifelstrecke fertiggestellt und über die Kaiserstraße direkt ans Schloss angebunden. Die preußischen Monarchen nutzten die Schlösser als Quartier bei ihren Herbstmanövern in der Eifel, und am 18. Juli 1897 übernachteten Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria im Brühler Schloss.

Am 15. Februar 1844 fuhr der erste Zug der Bonn-Cölner Eisenbahn quer über die Allee zwischen den beiden Barockschlössern. Damit war Brühl in einer Stunde von Köln aus erreichbar, und die Stadt wurde zum Ausflugsziel. Im selben Jahr eröffnete der Brühler Pavillon als Vergnügungsetablissement — derselbe Bau beherbergt heute das Max Ernst Museum Brühl des LVR.
Der Maler, dem dieses Museum gilt, wurde hier geboren. Max Ernst wuchs in Brühl auf, und der Rundgang durch sein Werk findet in einem Gebäude statt, das ursprünglich als Tanzsaal für Tagesbesucher gebaut wurde — eine Pointe, die zu einem Künstler passt, der aus Vorgefundenem Neues zusammensetzte. Eröffnet hat das Museum am 3. September 2005 Bundespräsident Horst Köhler, und schon am 30. September wurde der 15.000. Gast begrüßt.
Den stärksten Besucherstrom bringt heute etwas ganz anderes. Am 30. April 1967 öffnete im Westen der Stadt das Phantasialand, zunächst als beschaulicher Märchenpark, inzwischen als Freizeitpark mit eigenen Hotels. Dazu kommen die Badeseen auf den rekultivierten Tagebauflächen, etwa Heider Bergsee und Bleibtreusee, auf dem es seit Juli 2007 eine Wasserskianlage gibt. Damit hat Brühl einen Tagestourismus, der nicht von der Altstadt abhängt.






Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: WH
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.

Die NS-Zeit und der Krieg trafen die Stadt schwer. Insgesamt 65 Brühler Juden fielen dem Holocaust zum Opfer; an sie erinnert unter anderem der Jüdische Friedhof. Am 28. Dezember 1944 verwüstete ein Luftangriff den südlichen Stadtbereich und hinterließ 180 Tote.
Zuletzt wirkte das Schloss auf die Stadt selbst zurück. Nach einem Bebauungsplan von 1905 baute Josef Blied im Südwesten zahlreiche Verwaltungsbauten und Wohnhäuser, die sich an die barocken Formen des Schlosses anlehnen — so dass der Barock hier nicht am Schlosstor endet.





