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Celle hatte am 31.12.2025 66.930 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 48 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Celle
Celle liegt im Urstromtal der Aller, rund 40 Kilometer nordöstlich von Hannover, und gilt als südliches Tor zur Lüneburger Heide. Dass die Altstadt heute so aussieht, wie sie aussieht, ist auch ein Zufall der Kriegsgeschichte: Die zwei alliierten Luftangriffe vom 22. Februar und vom 8. April 1945 galten den Bahnhofsanlagen, Altstadt und Schloss blieben unzerstört, und am 12. April wurde die Stadt ohne Widerstand übergeben.
Ende 2025 zählte die Stadt 66.930 Einwohner auf 176,02 Quadratkilometern. Ihre heutige Ausdehnung hat sie seit dem 1. Januar 1973, als eine Reihe umliegender Dörfer eingemeindet wurde und Celle zugleich den Status einer kreisfreien Stadt verlor.
Dieses Porträt nimmt vier Stränge auf: die Residenzgeschichte, die 1705 endete; den Baubestand, der daraus geblieben ist; die Behörden, mit denen der Verlust ausgeglichen wurde und aus denen die Juristenstadt wurde; und eine Industrie, die man im Heiderand nicht vermutet — Tiefbohrtechnik für Erdöl und Erdgas.
Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort 993 als Kellu, in der Grenzbeschreibung des Bistums Hildesheim; der Name bedeutet Siedlung am Fluss. Er lag im Bereich des heutigen Stadtteils Altencelle an der Brunonenburg und stieg als Zoll- und Umschlagplatz für die Handelsschiffe auf der Aller auf. Im 11. Jahrhundert verfügte er über das Münzrecht, und eine Münze von hier steckt im Münzfund von Sandur auf den Färöern. 1249 wird Kellu zum ersten Mal als Stadt genannt. Herzog Otto der Strenge rief die Bewohner 1292 dazu auf, in das neue Celle umzusiedeln, das rund drei Kilometer nordwestlich an einer Furt durch die Aller entstanden war; dort stand schon im 12. Jahrhundert ein befestigter Turm, aus dem später das Schloss wurde. 1301 wurde das Stadtrecht gewährt, und etwa gleichzeitig begann der Bau der Stadtkirche. Zur Residenz der Herzöge von Sachsen-Wittenberg erhob Herzog Albrecht die Stadt 1378; ab 1433 saßen die Fürsten von Lüneburg im Celler Schloss. Ein Franziskanerkloster stiftete Herzog Friedrich der Fromme 1453 vor den Toren; Papst Nikolaus V. erlaubte am 3. Oktober desselben Jahres, es in die Stadt zu verlegen, und 1464 brachte das Kornschifffahrtsmonopol wirtschaftlichen Aufschwung.
1524 führte Herzog Ernst I. die Reformation ein; Celle war damit die erste Stadt nach Wittenberg, die sich ihr vollständig anschloss; 2017 verlieh die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa der Stadt dafür den Ehrentitel Reformationsstadt Europas. 1570 ließ sein Sohn Wilhelm die Schlosskapelle bauen, die 1585 eingeweiht wurde. Im Jahr 1660 zählte man in Celle 3750 Einwohner. Von 1665 bis 1705 folgte unter Herzog Georg Wilhelm eine kulturelle Blüte, in der das noch mittelalterlich geprägte Schloss zum vierflügeligen Barockschloss umgebaut wurde; in dieser Zeit entstanden auch der Französische und der Italienische Garten sowie das barocke Schlosstheater.
Kulturell prägend wirkte Eleonore d’Olbreuse, die französische Gattin Georg Wilhelms: sie zog Glaubensgenossen aus dem Hugenottentum und Baumeister aus Italien in die Stadt. Im Jahr 1700 bekamen die Hugenotten eine eigene Kirche. Etwa 300 von ihnen ließen sich nieder; viele arbeiteten im Schloss als Köche oder Diener, einige eröffneten Handwerksbetriebe als Schneider, Tischler, Handschuh- oder Perückenmacher und machten die französische Mode hier bekannt. Da die Stadtmauern so viele Neubürger nicht fassten, entstand ab 1680 der Plan einer Erweiterung westlich der Altstadt, rund 75 Hektar groß und etwa 1,5 Kilometer lang; gebaut wurde davon nur ein Anfang, die Westceller Vorstadt. 1705 starb mit Georg Wilhelm der letzte Celler Herzog und vererbte das Fürstentum Lüneburg an seinen Neffen Georg Ludwig nach Hannover, der später den englischen Thron bestieg.
Im 19. Jahrhundert wurde Celle Garnisonsstadt: 1842 entstand die Cambridge-Dragoner-Kaserne, von 1869 bis 1872 die Große Infanteriekaserne, in deren Backsteinbau seit 1999 das Neue Rathaus sitzt. 1892 wurde mit zahlreichen Bürgerspenden das Bomann-Museum gegründet.
Die Fachwerkhäuser reihen sich wie Perlen auf einer Schnur an den Altstadtstraßen, vor allem an der Schuhstraße, der Zöllnerstraße und der Neuen Straße. Mehr als 500 davon sind meist aufwendig restauriert und denkmalgeschützt und ergeben ein geschlossenes Stadtbild. Auffällig sind weniger die Verzierungen als die zahlreichen Inschriften; anders als in süddeutschen Fachwerkstädten ist der Schmuck hier zurückhaltend. Besonders alte Häuser haben noch eine Durchfahrt zum Hof, durch die die Ackerbürger einst ihre Ernte einbrachten. Heraus sticht das mit Fabelwesen und figürlichen Schnitzereien verzierte Hoppener Haus von 1532 an der Poststraße, dazu die Alte Lateinschule in der Kalandgasse.

Dass so viel steht, ist nicht nur Glück. Celle bemüht sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts um Pflege und Freilegung der Fachwerkbauten und gab sich 1907 als eine der ersten deutschen Städte ein Ortsstatut zur Fachwerkerhaltung; bis vor wenigen Jahren waren die Celler Oberbürgermeister Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte.
Das Schloss geht auf eine Wasserburg des frühen 14. Jahrhunderts über der Allerfurt zurück. Bis auf den Ostflügel geht die Bausubstanz auf die Barockzeit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück; hervor sticht die Schlosskapelle, deren frühreformatorische Ausstattung aus dem 16. Jahrhundert stammt. Im 19. Jahrhundert baute der hannoversche Hofbaumeister Georg Ludwig Friedrich Laves um und setzte das repräsentative Treppenhaus in den Innenhof. Heute sind darin das Schlosstheater, das Residenzmuseum und eine Managementakademie untergebracht. Besucher kommen meist über den benachbarten Französischen Garten. Rund um die geschleiften Befestigungsanlagen liegt heute der Schlosspark mit seinem Schlossgraben, den der Stadtgraben speist.
Die evangelische Stadtkirche St. Marien an der Stechbahn ist mittelalterlichen Ursprungs, bekam ihr Inneres aber zwischen 1676 und 1698 hochbarock neu gestaltet, samt erhöhtem Mittelschiff und hölzernem Tonnengewölbe. An den Innenseiten des Chorraums stehen die Grabmäler der Celler Herzöge; darunter liegt die selten geöffnete Fürstengruft. Der neubarocke Turm kam erst 1913 bis 1914 nach einem Entwurf von Karl Börgemann dazu und lässt sich im Sommer über 235 Stufen bis auf 52 Meter besteigen. Die katholische St.-Ludwigs-Kirche von 1835 bis 1839 ist klassizistisch, mit dorischen Säulen und kassettiertem Tonnengewölbe; ihre Doppeltürme stammen von 1880 bis 1881. Die Synagoge von 1740 liegt etwas außerhalb der Altstadt am Platz Im Kreise, in typisch rückwärtiger, versteckter Lage.
Der Verlust der Residenz 1705 wurde mit Verwaltung ausgeglichen. In den folgenden Jahrzehnten kamen drei Einrichtungen in die Stadt: Oberappellationsgericht, Zuchthaus und Landgestüt — so begann der Weg zur Beamten- und Juristenstadt. Heute sitzen hier das Oberlandesgericht, das für weite Teile Niedersachsens zuständig ist, das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen und das Landesjustizprüfungsamt des niedersächsischen Justizministeriums.
Zum Justizbestand gehört auch ein Gebäude, das eher nach Schloss aussieht: der Bau des Zuchthauses an der Trift, ab 1711 nach Plänen des Oberhofbaumeisters Johann Caspar Borchmann errichtet und heute Justizvollzugsanstalt. Ihre Außenstelle Salinenmoor, elf Kilometer nördlich der Innenstadt, wurde 2014 geschlossen.
An genau dieser Anstalt geschah, was Celle bundesweit bekannt gemacht hat. Am 25. Juli 1978 verübte der niedersächsische Verfassungsschutz einen fingierten Sprengstoffanschlag an der Außenmauer der Justizvollzugsanstalt. Der Vorgang wurde als Celler Loch bekannt.
Wer die Fachwerkkulisse für das ganze Bild hält, übersieht den zweiten Wirtschaftszweig. In Celle sitzen Betriebe des Maschinenbaus und vor allem der Tiefbohr- und Erdöl-Erdgas-Technik: Baker Hughes, Halliburton, ITAG und die Bohrmeisterschule. In der Erdölförderbranche waren 2015 etwa 9600 Menschen beschäftigt. Seit demselben Jahr betreibt die Technische Universität Clausthal hier den Drilling Simulator Celle, ein Forschungszentrum für Hochleistungsbohrtechnik und Automatisierung, und jährlich läuft die Fachtagung Celle Drilling.
Zwei ältere Industriekapitel zeigen, wie wechselhaft die Celler Wirtschaftsgeschichte verlief. 1928 wurde im Ortsteil Hehlentor die Spinnhütte gegründet, eine Seidenspinnerei und Weberei. Ihr Hauptprodukt war Fallschirmseide für die seit 1936 aufgestellte Fallschirmjägertruppe. Gegen Kriegsende liefen in einem Nebengebäude im Rahmen des Uranvereins Versuche zur Urananreicherung. Ab 1964 baute Telefunken im Ortsteil Klein Hehlen ein Werk für Farbfernsehempfänger, das im Mai 1966 den Betrieb aufnahm. In den siebziger Jahren arbeiteten dort bis zu 2800 Menschen. Ab 1984 gehörte das Werk zum französischen Konzern Thomson-Brandt, 1997 wurde es geschlossen.






Stand des Portraittextes: 2026-09-18.
Belege der kuratierten Auswahl: FW, DZT_FW
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Im Zweiten Weltkrieg blieb die Bausubstanz weitgehend verschont. Der zweite Luftangriff auf die Bahnanlagen, am 8. April 1945, traf jedoch mehrere wartende Züge, in denen sich etwa 4000 KZ-Häftlinge befanden; Hunderte Menschen kamen dabei ums Leben. Einem Teil der Häftlinge gelang die Flucht ins nahe Neustädter Holz. In den folgenden zwei Tagen erschossen SS-Wachmannschaften und Celler Bürger einen Großteil der Geflüchteten; die Opferzahl wird mit mindestens 170 Personen angenommen. Die Täter nannten das Massaker zynisch Celler Hasenjagd. An die Opfer erinnert heute ein Mahnmal in der Triftanlage, eine Station des historischen Rundgangs „Celle im Nationalsozialismus“.

Und dann gibt es die Moderne, die man in Celle nicht erwartet: Der hier ansässige Architekt Otto Haesler errichtete zwischen 1924 und 1932 etwa ein Dutzend Einzelbauten und Siedlungen des Neuen Bauens, die in der Weimarer Republik weithin Aufmerksamkeit fanden. Dazu gehören die Siedlungen Italienischer Garten, Georgsgarten und Blumläger Feld sowie die Altstädter Schule, die Wohnhausgruppe Waack, das Rektorwohnhaus und das Direktorenwohnhaus.






