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Dachau hatte am 31.12.2025 47.461 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 69 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Dachau
Wer den Namen hört, denkt meist an das Konzentrationslager, doch die Geschichte des Ortes ist länger und vielschichtiger: ein Sommersitz bayerischer Fürsten mit Schloss, eine Malerkolonie, ein Standort der Papier- und Pulverindustrie. Die Stadt versteht sich heute als Lern- und Erinnerungsort.
Dachau liegt nordwestlich von München an der Amper, auf 480 m Höhe, und das Stadtgebiet umfasst 34,96 Quadratkilometer. Am 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 47.461 Einwohner.

Die erste Erwähnung des Ortes steht in einer Urkunde, mit der die Edle Erchana von Dahauua dem Bischof von Freising Besitz schenkte. Darin überschrieb sie im Jahr 805 fünf Kolonenhöfe samt Leibeigenen nach ihrem Tod dem Bischof. Der Name geht wahrscheinlich auf althochdeutsche Wörter für Lehm und für von Wasser umflossenes Land zurück, was auf den lehmigen Boden des Hügellandes verweist.
Auf dem etwa 500 Meter hohen Schlossberg stand einst die Burg der Grafen von Dachau. Im Jahr 1182 erwarb Otto von den Wittelsbachern Burg und Grafschaft, die 1398 und 1403 zerstört wurden. Als Sommersitz zahlreicher bayerischer Fürsten diente Dachau ab dem 12. Jahrhundert; das Marktrecht erhielt es zwischen 1240 und 1270. Von 1467 bis 1501 war Dachau Domäne des abgedankten Herzogs Siegmund, so entstand das kurzlebige Herzogtum Bayern-Dachau.

Die schlimmste Zeit erlebte die Bevölkerung im Dreißigjährigen Krieg, als Schweden den Markt belagerten und plünderten. Am 5. Oktober 1648 wurde bei Dachau die letzte größere Schlacht dieses Krieges geschlagen.
Um 1840 begannen Industrialisierung, Eisenbahnbau und die Trockenlegung des Dachauer Mooses den Ort tiefgreifend zu verändern; im Moos siedelten neue Bevölkerungsgruppen. Am 14. November 1867 wurde die Strecke von München nach Ingolstadt mit dem Bahnhof Dachau eröffnet. Zwischen 1914 und 1918 fielen 160 Soldaten aus Dachau, und danach galt der Ort bis in die 1930er Jahre wegen hoher Arbeitslosigkeit als Notstandsgemeinde. Am 15. November 1933 wurde der frühere Markt zur Stadt erhoben.
Zwischen 1546 und 1577 bauten die Wittelsbacher, zuerst Herzog Wilhelm und dann sein Sohn Albrecht, das Schloss Dachau im Stil der Renaissance um. Es entstand ein vierflügeliges Renaissanceschloss mit Hofgarten. In den Jahren 1715 bis 1717 wurde es von Joseph Effner nach neuester französischer Mode barockisiert, und Dachau war für einige Zeit wieder ein bevorzugter Landsitz des Münchner Hofes.

Dann verfiel die Anlage, weil der Hof immer seltener kam. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden Nord-, Ost- und Südflügel wegen Baufälligkeit abgebrochen, denn dem ersten bayerischen König fehlte das Geld für eine Instandsetzung. Erhalten blieb der Tanz- oder Gartensaaltrakt, in dessen erstem Stock die originale hölzerne Renaissancekassettendecke des Kistlers Hans Wisreutter zu sehen ist. Reste der Terrassierung am Schlossberg belegen den Obstanbau für die Hofküche.

Weniger prunkvoll ist das Zollhäusl in der Altstadt, das um 1820 für den seit der Mitte des 16. Jahrhunderts erhobenen Pflasterzoll gebaut wurde. Es misst nur 18 Quadratmeter, und heute liegt darin das Informationsbüro für die Naherholung im Dachauer Land.
Die Paunsche Papiermühle in der Brunngartenstraße kaufte 1859 der Münchner Papierfabrikant Gustav Medicus auf. 1862 gründete er die München-Dachauer Aktiengesellschaft für Maschinenpapierfabrikation, die zu einer der großen Papierfabriken Deutschlands wurde. 1865 kam eine Malzfabrik hinzu. Aus der Königlich Bayerischen Pulverfabrik, im Volksmund Pumpf genannt, ging ab 1915 die Pulver- und Munitionsfabrik hervor, die Tausende Arbeiter nach Dachau zog und den Ort vom Handels- und Agrarraum zum Standort einer Industriearbeiterschaft machte. Mit dem Kriegsende 1918 musste die Fabrik den Betrieb einstellen, ab 1920 verfiel sie — und auf ihrem Gelände entstand später das Lager, von dem ein eigenes Kapitel erzählt.
Im Juni 2007 wurde die MD-Papierfabrik mit 350 Arbeitsplätzen nach einer letzten Schicht geschlossen. Die Übernahme durch die finnische Gruppe Myllykoski war zum 1. Februar 1996 vorausgegangen, die Schließung wurde mit schlechter Marktlage und Überkapazitäten begründet. Im Januar 2019 begann der Abbruch, die Fläche der ehemaligen Betriebsstätten liegt bei 17 Hektar. Aus dieser Industriebrache in Zentrumsnähe soll das Mühlenquartier als Viertel für Kultur, Arbeit, Wohnen und Geschäfte entstehen.
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zog der Ort viele Künstler an und wurde ihre Heimat. Die Künstlerkolonie Dachau gilt neben Worpswede als bedeutende Malerkolonie in Deutschland außerhalb der großen Städte, und sie brachte dem Ort auch neue Einwohner. Die Freilichtmaler liebten besonders den Blick von der Langen Gasse, einem Feldweg in Etzenhausen, über Steinkirchen hinweg auf die Altstadt.
Mit den Künstlerkolonien Renkum in den Niederlanden und Tervuren in Belgien verbindet Dachau seit 2005 eine Kulturpartnerschaft, und jeden September öffnen Ateliers und Galerien zu einer Langen Nacht, auch in Erinnerung an die Kolonie. Moderne und zeitgenössische Kunst zeigt die Neue Galerie. Um dem Ruf der Künstlerkolonie gerecht zu werden, eröffnete man bei der verspäteten Feier zum 1100-jährigen Marktjubiläum 1908 im Schloss eine städtische Gemäldegalerie.
Dachau war eine Arbeiterstadt und in der Zeit der Münchner Räterepublik eine Hochburg von SPD, USPD und KPD. Bei der Reichstagswahl im März 1933 kam die NSDAP in Dachau auf nur 23,9 Prozent der Stimmen, in Bayern auf 43,1. Trotzdem wurde der Ort durch das Konzentrationslager bekannt, das die Nationalsozialisten 1933 errichteten und das zum Inbegriff solcher Lager wurde.
Heinrich Himmler ließ es östlich der Stadt auf dem Gelände der früheren Königlichen Pulver- und Munitionsfabrik errichten, die seit 1920 verfiel. Der Dachauer Gemeinderat wurde darüber nicht informiert. Schon am 22. März desselben Jahres brachte man etwa 150 Häftlinge aus den Gefängnissen Landsberg am Lech, Neudeck und Stadelheim auf das Gelände. In seinen Anfangsjahren diente das Lager der Inhaftierung und Abschreckung politisch Andersdenkender. Seit dem 1. April 1939 gehörte es zum Stadtgebiet, es war Ausbildungsstätte der SS-Wachmannschaften und ist heute eine Gedenkstätte.
Auf dem Schießplatz bei Hebertshausen erschossen SS-Mannschaften zwischen Oktober 1941 und April 1942 Tausende sowjetische Kriegsgefangene. Am 28. April 1945 fand der Dachauer Aufstand statt, bei dem eine Widerstandsgruppe aus geflohenen Häftlingen, Bürgern und Angehörigen des Volkssturms das NS-Regime in der Stadt beenden wollte.
Auf dem Waldfriedhof im Gemeindeteil Etzenhausen wurden 1945 vor allem Häftlinge begraben, die nach der Befreiung noch an den Folgen der Haft starben, und ein weiterer Gedenkort ist seit 1959 der Ehrenfriedhof Leitenberg. Seit 2005 hat die Stadt außerdem 15 Stolpersteine verlegen lassen.
Nach dem Krieg führten Militärgerichte der US Army von 1945 bis 1948 auf dem Gelände des ehemaligen Lagers 489 Dachauer Prozesse gegen Kriegsverbrecher, darunter 1947 den Dachauer Dora-Prozess. Heimatvertriebene wurden angesiedelt, was die Bevölkerung um etwa 30 bis 40 Prozent wachsen ließ, und der Ort wandelte sich zu einem Wohnort mit vielen Pendlern. Seit dem 1. Februar 1973 ist Dachau Große Kreisstadt.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT
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