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Deidesheim hatte am 31.12.2025 3.622 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 51 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Deidesheim
Im Jahr 1802 schrieb ein Deidesheimer Gutsbesitzer etwas auf ein Fass, was vorher niemand so notiert hatte: neben Jahrgang und Rebsorte auch die Lage, aus der die Trauben stammten. Der Mann hieß Andreas Jordan, die Lage hieß Deidesheimer Geheu, und was danach kam, ist die Geschichte des deutschen Qualitätsweinbaus. Anfang des 19. Jahrhunderts war Deidesheim der erste Ort in der Pfalz, dessen Weingüter Qualitätsweinbau betrieben.

Der Ort selbst ist deutlich älter als diese Idee und deutlich jünger als sein Nachbardorf. Deidesheim entstand wahrscheinlich im 9. oder 10. Jahrhundert als Tochtersiedlung von Niederkirchen, auf dessen Gemarkung. Erst der Bau einer fürstbischöflichen Burg drehte das Verhältnis um. Seit 770 wird hier Weinbau betrieben.
Heute liegt Deidesheim auf 120 Metern über dem Meeresspiegel am Haardtrand, einen halben Kilometer östlich des Pfälzerwalds. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 3.622 Einwohner. Von den 2654 Hektar Gemarkung sind 1784 Hektar Wald und 626 Hektar landwirtschaftliche Fläche.
Was Andreas Jordan tat, war eine Übertragung. Auf Schloss Johannisberg hatte man 1775 erkannt, welchen Vorteil die Spätlese edelfauler Trauben bringt; Jordan kannte das und wandte dieses Ausleseprinzip auf sein eigenes Gut an. Die übrigen Winzer des Ortes übernahmen seine Qualitätsbestrebungen; um 1820 war der Qualitätsweinbau an der Mittelhaardt dann allgemein üblich.

Weil sich damit Qualitätsweinpreise erzielen ließen, kam Jordan zu großem Wohlstand und vergrößerte sein Gut beträchtlich. Als er 1848 starb, wurde sein Nachlass aufgeteilt — die sogenannte Jordansche Teilung. Aus dieser einen Erbschaft gingen drei Weingüter hervor, die es bis heute gibt: von Winning, Reichsrat von Buhl und Geheimer Rat Dr. von Bassermann-Jordan. Alle drei stehen heute unter Denkmalschutz, ebenso wie die Güter Georg Siben Erben, Julius Ferdinand Kimich, Mehling und Josef Biffar.
Diese fünf Häuser waren Gründungsmitglieder des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter, und bis auf eines gehören sie ihm noch an. Die Rebfläche der Gemarkung belief sich 2013 auf 490 Hektar; 84,2 Prozent davon waren Weißweinsorten und 15,8 Prozent Rotweinsorten, wobei der rote Anteil 1976 noch deutlich unter 4 Prozent gelegen hatte. Mengenmäßig führt der Riesling.
Neben dem Weinbau gab es nur einen nennenswerten Erwerbszweig, und auch der hing an Obst: das Konservieren von Früchten. Den Anfang machte damit ein Weingutsbesitzer, Franz Peter Buhl, weil er erkannt hatte, was das Edelobst der Pfalz wert war; das später unter dem Namen Biffar geführte Unternehmen beteiligte sich 1873 an der Weltausstellung in Wien. Am 31. Juli 2016 musste der Betrieb wegen Preisdrucks schließen.
Aus dem Wein wurde eine Gastronomie und aus der Gastronomie ein Politikum. Zwischen 1989 und 1997 lud Bundeskanzler Helmut Kohl bei Staatsbesuchen hohe ausländische Gäste nach Deidesheim ein, wo ihnen im Deidesheimer Hof häufig Pfälzer Saumagen serviert wurde, unter ihnen am 30. April 1989 Margaret Thatcher und am 10. November 1990 Michail Gorbatschow.
Die zweite Geschichte des Ortes ist die einer Herrschaft. Deidesheim gehörte zum Hochstift Speyer. Durch Schenkungen Johannes I. kam der Ort um das Jahr 1100 endgültig in dessen Besitz, und seit etwa 1300 war er Sitz des Amts Deidesheim, also des nordwestlichen Teils dieses geistlichen Territoriums. Wie finanzkräftig die Stadt war, zeigt ein unfreundliches Detail: Der Speyerer Bischof verpfändete sie von 1430 bis 1439 und von 1465 bis 1472 an die Herren von Handschuhsheim, weil er große Geldbeträge aufbringen musste.

Der Weg zur Stadt dauerte 35 Jahre. 1360 erteilte Bischof Gerhard von Ehrenberg das Befestigungsrecht, womit bereits das Ziel verfolgt wurde, einen Zentralort im nördlichen Hochstift zu schaffen. Die Stadtrechte selbst verlieh König Wenzel am Valentinstag des Jahres 1395 auf Initiative des Speyerer Bischofs Nikolaus von Wiesbaden.
Für die Bewohner war das mehr als ein Titel. Anders als in den Dörfern der Umgebung wurde auf ihre Leibeigenschaft faktisch verzichtet — sie trat erst bei einem Wegzug wieder in Kraft —, und die Frondienste waren der Höhe nach beschränkt. Diese Privilegierung hielt bis ins 18. Jahrhundert, als die Bischöfe die städtischen Rechte wieder beschnitten; erst 1798 befreite der letzte Fürstbischof die Stadt von der Leibeigenschaft.
Kriegsglück hatte der Ort selten. Im Dreißigjährigen Krieg wurde er dreimal von protestantischen Truppen eingenommen und geplündert. Am 6. September 1689 brannten französische Truppen unter Ezéchiel de Mélac Deidesheim beinahe vollständig nieder, so dass es zu großen Teilen von Grund auf neu aufgebaut werden musste.
Und einmal verlor der Ort seinen Status. 1819 wurde Niederkirchen, das nach dem Wiener Kongress kurz ein Ortsteil Deidesheims gewesen war, wieder eigenständige Gemeinde; Deidesheim verlor dadurch beinahe ein Drittel seiner Einwohner und wurde von einer Stadt zu einer Gemeinde herabgestuft. Erst am 20. März 1838 reichte die Einwohnerzahl wieder aus, um es nach bayerischem Recht erneut zur Stadt zu erheben.
Das Fest, für das Deidesheim über die Pfalz hinaus bekannt ist, ist die Abrechnung eines mittelalterlichen Vertrags. Die Geißbockversteigerung wird jedes Jahr am Dienstag nach Pfingsten als Historienspiel gefeiert. Grundlage ist ein altes Abkommen mit der Nachbargemeinde Lambrecht, nach dem diese für Holz- und Weiderechte auf Deidesheimer Gemarkung jährlich einen Geißbock zu liefern hat; das Tier wird in Deidesheim versteigert, und der Erlös kommt der Stadt zugute.
Dass daraus ein Volksfest geworden ist, zeigt der Brunnen am Stadtplatz. Der Geißbockbrunnen aus dem Jahr 1985 gegenüber der Stadthalle stammt von dem Bildhauer Gernot Rumpf, und seine Bronzefiguren haben die Geißbocktradition zwischen Lambrecht und Deidesheim zum Gegenstand. Wie ernst die Sache genommen wird, sieht man daran, dass 2010 die Schweizer Partnergemeinde Buochs den Tributbock ersteigerte.

Der zweite Brunnen am Marktplatz erzählt die Weingeschichte. Der Andreasbrunnen von 1851 wurde von Ludwig Andreas Jordan und dessen Verwandten gestiftet und trägt den Namen von dessen Vater Andreas Jordan; gegossen wurde er von der Gienanthschen Hütte in Eisenberg, nach italienischen Vorbildern der Renaissance.
Neben dem Weinbau ist der Tourismus heute die wichtigste Erwerbsquelle der Stadt; 2000 brachte er 30 Prozent des städtischen Haushalts ein und mehr als 300 Arbeitsplätze. 2013 wurden 110.036 Übernachtungen von 60.886 Gästen gezählt. Seit 2009 ist Deidesheim Mitglied der Cittàslow-Bewegung, die eine Abkehr vom Massentourismus hin zum Individualtourismus anstrebt.






Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.





