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Dinkelsbühl hatte am 31.12.2025 12.398 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 61 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Dinkelsbühl
Dinkelsbühl liegt an der Wörnitz im Südosten der Frankenhöhe, nahe der Grenze zu Baden-Württemberg. Eine Burgsandsteinkuppe drängte den Fluss nach Westen ab; dabei entstand eine flache, dreieckige Talmulde, die von der Altstadt nahezu komplett ausgefüllt wird. Im nördlichen Taleinschnitt fließt der Sauwasenbach, dessen angeschwemmte Sande eine bei Niedrigwasser noch heute sichtbare Furt entstehen ließen — wohl der Anreiz für eine Ortsgründung an dieser Stelle. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 12.398 Einwohner auf 75,16 Quadratkilometern.

Auch sprachlich sitzt der Ort an einer Grenze. Dinkelsbühl liegt im Übergangsgebiet zwischen Ostfränkisch und Schwäbisch, und von Osten stößt, wenn auch schwächer ausgeprägt, das Mittelbairische hinzu. Daraus entstand eine Übergangsmundart mit Mischungsphänomenen der drei Großdialekträume und Wechselerscheinungen zwischen ihnen.
Am Übergang über die Wörnitz kreuzten sich zwei Handelswege: der eine von der Ostsee über Mitteldeutschland nach Italien, der andere von Worms über Prag nach Krakau. Im 10. Jahrhundert wurde die Kreuzung nahe der Furt mit einer Turmhügelbefestigung versehen; man geht davon aus, dass hier zuvor ein karolingischer Königshof stand, gegründet um 730. Diese Lage und die gute Verteidigbarkeit waren die Gründe für die staufische Befestigung Dinkelsbühls um 1130. Die erste urkundliche Nennung als burgum tinkelspuhel erfolgte 1188, und zwar in einer Heiratsurkunde Kaiser Barbarossas für seinen Sohn Konrad von Rothenburg.
Nach der Stauferzeit und der kaiserlosen Zeit begann die Reichsstadtzeit. Das Staufererbe Dinkelsbühl, das zwischenzeitlich an die Herzöge von Baiern gefallen war, übernahm König Rudolf der Erste 1274 als Stadt des Reiches; damit erhielt der Ort die Reichsunmittelbarkeit und stieg zum Stadtstaat auf. Bürgermeister und Rat erkämpften Schritt für Schritt die Wehrhoheit, die Finanz- und Gerichtshoheit und die Autonomie. Ab 1360 belebte eine achttägige Messe das Handwerk; überregional zählten das Wollgewerbe und das Gewerbe der Sensenschmiede, dazu die Fischzucht und das Schmalzgeschäft.

1387 erzwangen die Handwerker im Fastnachtsaufstand die Mitherrschaft und wandelten die Oligarchie einiger wohlhabender Familien in eine Stadtrepublik um. Die Meister und Sechser der sechs Zünfte besaßen von da an die Regierungsmehrheit, bis der Kaiser sie 1552 abschaffte. Im Umkreis von etwa 15 Kilometern wohnten ebenso viele Landuntertanen wie Stadteinwohner; der Stadtstaat setzte sich gegen die Begehrlichkeiten der angrenzenden Herrschaften Oettingen und Hohenzollern zur Wehr und zerstörte deren benachbarte Städte Feuchtwangen, Herrieden und Wassertrüdingen.
Die Reformation setzte sich früh durch, wurde aber von der Gegenreformation beendet: Von 1552 bis zum Friedensschluss des Dreißigjährigen Kriegs regierte ein katholischer Magistrat eine stark mehrheitlich evangelische Bürgerschaft. Erst 1649 wurde Dinkelsbühl paritätische Reichsstadt mit gleichberechtigten Religionen, und Bürgermeister, Ratsherren und alle Ämter wurden fortan konfessionell zahlengleich oder abwechselnd besetzt. 1802 verlor die Stadt die reichsstädtische Selbständigkeit an das Kurfürstentum Bayern, kam 1804 durch Tausch an das preußische Ansbach-Bayreuth und wurde 1806 gemeinsam mit diesem von Bayern annektiert.
Nach 1372 begann der Bau der erweiterten Stadtbefestigung. Der heutige Mauerring misst 2,5 km in der Länge und legt sich um rund 33 Hektar Fläche. Zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs besaß die Reichsstadt nahezu 60 Türme, Basteien und Tore; erhalten ist heute ein geschlossener Mauerring mit 16 Türmen, Basteien und 4 Stadttoren.
Dass davon so viel steht, verdankt die Stadt der denkmalpflegerischen Gesetzgebung König Ludwigs des Ersten von Bayern aus dem Jahr 1826. Strikte Bauvorschriften sichern das Erscheinungsbild bis heute: das Verbot von Leuchtreklame, eine vorgegebene Fenstergestaltung, die zwingende Verwendung roter Dacheindeckungen. Die Altstadt umfasst 780 Häuser. Welterbe ist Dinkelsbühl allerdings nicht. Von 1984 bis 1993 stand die Stadt zusammen mit Rothenburg ob der Tauber und Nördlingen als Kandidatin auf der Tentativliste der UNESCO; eingeschrieben wurde keine der drei.
Über der Stadt steht das Münster St. Georg, eine spätgotische Hallenkirche. Der Grundstein wurde am 5. März 1448 nach Plänen von Niclaus Eseler gelegt; 1488 weihte der Augsburger Weihbischof Ulrich die Kirche, und nach 51 Jahren Bauzeit galt sie 1499 als vollendet. Vom Vorgängerbau blieb der um 1227 errichtete freistehende Glockenturm mit seinem romanischen Rundbogenportal erhalten, aufgestockt bis ins Jahr 1550. An einem Chormittelpfeiler außen sitzt zwischen Bauinschrift und Baumeisterbüste eine Doppelsonnenuhr aus der Zeit um 1450. 2018 wurde das Gebäude zum Denkmal nationaler Bedeutung erklärt.

Der Grundriss der Altstadt erzählt von Handel, nicht von Planung. Anders als im planmäßig angelegten Rothenburg gibt es hier keinen zentralen, rechteckigen Marktplatz, sondern Marktstraßen mit trichterförmigen Erweiterungen; am Weinmarkt verbreitert sich die Straße auf 36 m. Einzelne Abschnitte waren dem Handel mit bestimmten Waren vorbehalten — Brettermarkt, Hafenmarkt, Brotmarkt und Schmalzmarkt in der heutigen Segringer Straße, der Viehmarkt am heutigen Altrathausplatz, der Ledermarkt in der inneren Nördlinger Straße. Das Alte Rathaus, 1361 als Steinhaus genannt, besteht aus zwei im Kern staufischen Gebäuden. Beim Nördlinger Tor steht die Historische Stadtmühle, eine Wehrmühle, die mit dem Wehrgang Teil der Stadtbefestigung war und von 1378 bis 1600 errichtet wurde.
Das Heimatfest heißt Kinderzeche und wird an den Wochenenden vor und nach dem dritten Montag im Juli gefeiert. Sein Festspiel erzählt, wie ein Kindermädchen namens Lore mit einer Schar Kinder die schwedischen Eroberer davon abbrachte, die Stadt zu plündern und zu zerstören — was den Ratsherren nicht gelungen war. Diese Geschichte ist historisch unbelegt. Belegt ist etwas anderes: Dinkelsbühl wurde am 11. Mai 1632 kampflos an die Schweden übergeben, und die mehrheitlich protestantische Bürgerschaft begrüßte das.
Das Fest selbst ist weit älter als seine Sage, und es stammt aus dem Schulwesen. Aus der Belohnung der katholischen Lateinschüler entwickelte sich ab 1629 das Zechgeld und ihr Schulauszug zum Ferienbeginn in eine Dorfwirtschaft — die Katholische Schulzeche. Eine evangelische Lateinschule war verboten, weil der Magistrat damals rein katholisch war; erst drei Jahre nach der paritätischen Ratsverfassung von 1649 durfte eine eigene evangelische Lateinschule öffnen, so dass ab 1654 eine Evangelische Kinderzeche stattfand. Ab 1666 zahlte die Stadtkammer den Kindern an ihrer jeweiligen Zeche vier Gulden aus.
Bis zum Reichsstadtende 1802 wurden die beiden Schulfeiern konfessionell und zeitlich getrennt abgehalten. Erst ab 1848 setzte die Historisierung ein: Die Evangelische Kinderzeche wurde mit den Ereignissen von 1632 verknüpft, die Kinder erhielten Schwedenuniformen, und der Spruch des Kleinen Obristen wurde gedichtet. Ab 1865 zogen vereinzelt auch katholische Kinder mit. Die Kinderlore als Gegenspielerin des Obristen Sperreuth erdachte Ludwig Stark erst für sein historisches Festspiel, das am 12. Juli 1897 uraufgeführt wurde.
Die Knabenkapelle entstand 1868, war zwanzig Mann stark und trug ebenfalls Schwedenuniformen, weshalb man sie Schwedenmusik nannte. Heute zählt sie 120 Mitglieder und kleidet sich wie das Knabenbataillon in Rokokouniformen jenes Regiments Baden-Durlach, dem die Reichsstadt Dinkelsbühl einst angehörte. Mehr als 1100 Aktive wirken jedes Jahr mit; finanziert wird das Fest überwiegend aus Festabzeichenverkauf, Eintrittsgeldern und Spenden der Bevölkerung. Seit Dezember 2014 steht die Kinderzeche im Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes des Freistaates Bayern, seit Dezember 2016 in dem der Bundesrepublik Deutschland.
Zwei Zuwanderungsgeschichten prägen die Stadt bis heute. 1952 übernahm Dinkelsbühl die Patenschaft für jene Menschen, die 1946 infolge der Beneš-Dekrete aus Stadt und Kreis Mies im Sudetenland hatten fortziehen müssen; das Mies-Pilsner-Heimatmuseum erinnert daran.
Mit dem Verband der Siebenbürger Sachsen besteht seit dem 25. Mai 1985 eine Partnerschaft, die sich auf dessen Angehörige in aller Welt erstreckt; eine der Partnerstädte ist Schäßburg. Der Verband, damals noch als Landsmannschaft firmierend, veranstaltete 1951 den ersten Heimattag in der Stadt, und das Treffen findet seitdem alljährlich zu Pfingsten im gesamten Altstadtkern statt. 1997 wurde Dinkelsbühl dafür mit der Goldenen Plakette beim Bundeswettbewerb Vorbildliche Integration der Aussiedler geehrt.
Die industrielle Revolution ging an Dinkelsbühl vorbei, und das erwies sich später als Vorteil. Die Hauptstrecke der Eisenbahn von Augsburg nach Würzburg lief über Nördlingen und Gunzenhausen beziehungsweise über Ansbach; Dinkelsbühl bekam nur eine langsame, eingleisige Nebenstrecke entlang der bayerisch-württembergischen Grenze. Mit dem Bau der Strecke Nördlingen–Dinkelsbühl wurde 1875 begonnen, der Betrieb am 2. Juli 1876 eröffnet; für den 31 km langen Abschnitt brauchte der Zug damals eine Fahrzeit von einer Stunde und 35 Minuten. Am 1. Juni 1985 wurde der Personenverkehr zwischen Nördlingen und Dombühl eingestellt.
Der Fremdenverkehr kam über die Malerei. Alle Stadterweiterungen des 19. und 20. Jahrhunderts fanden außerhalb der Altstadt statt, so dass die Silhouette von der Wörnitzseite noch heute so wirkt wie auf Matthäus Merians Stich von 1643. 1893 gründete sich unter Bürgermeister Ludwig Sternecker der Historische Verein Alt-Dinkelsbühl; 1894 richtete er im Alten Rathaus ein erstes Museum ein, und ab 1899 setzte er sich aktiv für die Erhaltung der Altstadt ein.
1950 taufte der Augsburger Bürgermeister Wegele den Abschnitt der Bundesstraße 25 durch Dinkelsbühl aus Gründen der Fremdenverkehrsförderung Romantische Straße. Die Route verbindet 29 Orte auf 460 Kilometern; seit 1985 sitzt die Geschäftsstelle der Arbeitsgemeinschaft in Dinkelsbühl. Im Tal der Wörnitz liegt damit eine ehemalige Reichsstadt, deren Stadtbild die Route mitträgt.





Stand des Portraittextes: 2026-09-18.
Belege der kuratierten Auswahl: ROM
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.
Ein dunkles Kapitel gehört ebenfalls dazu. Zwischen 1550 und 1700 sind sieben Hexenprozesse mit insgesamt zwölf Todesurteilen bekannt; im Ratsgericht wurden zwischen 1649 und 1709 weitere vierzig Fälle von Hexenbezichtigung verhandelt, die zu keiner Hinrichtung führten. Eine Dauerausstellung dazu wurde 2006 im Rothenburger Tor eröffnet, wo über der Tordurchfahrt im Drudengewölbe die peinliche Befragung stattgefunden hatte. Seit Mai 2012 steht sie im Haus der Geschichte im Alten Rathaus.







