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Duderstadt hatte am 31.12.2025 20.173 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 44 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Duderstadt
Duderstadt ist eine Stadt, die zweimal an den Rand geraten ist und beide Male überlebt hat. Sie liegt im Untereichsfeld, im südlichen Harzvorland, dicht an der Grenze zu Thüringen; das fruchtbare Umland heißt seit dem Mittelalter Goldene Mark. Durch die Stadt fließen die Hahle und die Brehme. Ende 2025 zählte sie 20.173 Einwohner, knapp 9.000 davon in der Kernstadt und knapp 12.000 in den übrigen Stadtteilen.
Dass ihr mittelalterliches Stadtbild so vollständig erhalten ist, hat einen unbequemen Grund: Der wirtschaftliche Abstieg kam so früh, dass wenig abgerissen und neu gebaut wurde. Rund 600 Bürgerhäuser stehen heute in der Altstadt, überwiegend Fachwerk, dazu zwei große Stadtkirchen, ein Rathaus und ein Turm mit gedrehter Spitze.

Als erste urkundliche Erwähnung gilt eine Urkunde König Heinrichs des Voglers vom 16. September 929, in der er seiner Frau Mathilde mehrere Orte als Wittum vermachte — darunter Quedlinburg, Nordhausen und eben Duderstadt, damals in der Schreibung Tutersteti. Ausgestellt wurde sie in Quedlinburg. 974 kam der Ort an das dortige Stift, das ihn 262 Jahre verwaltete. Danach wechselte er rasch die Hand. 1237 ging Duderstadt als Lehen an Landgraf Heinrich Raspe von Thüringen, zehn Jahre später an Otto das Kind, einen Enkel Heinrichs des Löwen. Unter welfischer Herrschaft wurde der Ort um 1250 zur Stadt. Ihren Aufschwung verdankte sie zwei Fernstraßen, die sich hier kreuzten: die eine führte von Italien nordwärts zu den Hansestädten, die andere aus Belgien über Köln und Leipzig weiter nach Osten. Duderstädter Kaufleute reisten nachweislich bis Nowgorod.
Zwischen 1334 und 1366 traten die welfischen Herzöge der Linie Grubenhagen die Stadt aus Geldmangel schrittweise an die Erzbischöfe von Mainz ab. Damit begann eine Zeit von etwa 450 Jahren mainzischer Herrschaft — und der Aufstieg ging zunächst weiter. Um 1400 erwarb Duderstadt ein Territorium von etwa 115 km² mit 16 Dörfern; mit rund 4.000 Einwohnern war die Stadt damals fast so groß wie Hamburg. Zum Schutz der Feldflur entstanden Wälle, Knicks und Warttürme.
Dann kippte es. Mit der Verlagerung der Handelsstraßen und dem Niedergang der Hanse im 15. Jahrhundert kam die Stagnation; seit 1450 ging die Einwohnerzahl spürbar zurück. Trotzdem entstanden noch ein neuer Befestigungsring und die vollendeten Kirchen. Genau deshalb gehört das heutige Stadtbild fast vollständig in eine Zeit des wirtschaftlichen Rückgangs — und ist in dieser Geschlossenheit selten geworden.
Die Neuzeit brachte Fremdherrschaft und Feuer. Im Bauernkrieg besetzte Herzog Heinrich der Jüngere 1525 die Stadt und übergab sie an Erzbischof Albrecht; durch die Albertinische Ordnung von 1526 verlor sie ihre Autonomierechte. Vom Selbstbewusstsein der Bürger zeugt trotzdem der Erweiterungsbau des Rathauses von 1536. Ab 1660 beendete der Tabakanbau die wirtschaftliche Talfahrt, und 1802 fiel das mainzische Eichsfeld nach dem Frieden von Lunéville an Preußen.
In der Altstadt stehen mehr als 600 Fachwerkhäuser. Anlässlich der niedersächsischen Landesausstellung Natur im Städtebau wurden 1994 große Teile davon saniert. Hervorzuheben sind das historische Rathaus, die beiden großen Kirchen St. Cyriakus und St. Servatius, die etwa 3,5 km lange Ringwallanlage und der Westerturm, der für seine gedrehte Spitze bekannt ist.

Die Stadt hat ihre Bauten mehrfach verloren und wieder aufgebaut. Der schwerste Brand ereignete sich 1424 und legte fast den ganzen nördlichen Teil zwischen Obertor und Westertor in Asche; neben dem Westertor mussten 340 Häuser neu errichtet werden, und eine Inschrift am Tor berichtet davon. 1852 zerstörten Brände zwischen Jüdenstraße und Obertor 108 Häuser und 162 Scheunen — dabei wurde auch St. Cyriakus beschädigt und erhielt beim Wiederaufbau die beiden gleich hohen Türme. 1915 brannte es zum letzten Mal in diesem Ausmaß: 39 Wohnhäuser, 68 Nebengebäude und die Servatiuskirche, die dabei völlig ausbrannte.
Außerhalb der Mauern steht die Sulbergwarte, ein Wartturm aus dem 14. Jahrhundert und einer von einst 16 solchen Türmen rund um die Stadt. 1998 wurde sie renoviert und wieder mit einem spitzen Dach versehen, mit dem sie etwa 14,5 m erreicht; heute dient sie als Aussichtsturm. Ein zweiter Turm dieser Art steht auf dem Pferdeberg.
Die dritte große Kirche gehört einem Kloster. Die Liebfrauenkirche ist die Kirche des seit 1700 in Duderstadt bestehenden Ursulinenklosters; der Grundstein des neuromanischen Baus wurde 1889 gelegt, 1890 folgte die Weihe. Betrieben wurde der Bau von Kardinal Georg Kopp, der aus Duderstadt stammt. Älter ist die Kapelle St. Martin, die auf das Jahr 1443 zurückgeht und damals zum Hospital vor dem Westertor gehörte; zwischenzeitlich diente sie als Viehstall und Tabaklager.

Im Nationalsozialismus war das Eichsfeld keine Hochburg der Bewegung: Bei der Reichstagswahl im März 1933 bekam die NSDAP im Kreis Duderstadt 26 % und in der Stadt 33,9 % der Stimmen, während der Reichsdurchschnitt bei 44 % lag. Das schützte niemanden. In der Reichspogromnacht wurde am 10. November 1938 die Synagoge in der Christian-Blank-Straße zerstört. Von November 1944 an unterhielt das KZ Buchenwald hier bis April 1945 ein Außenkommando, in dem 755 jüdische Ungarinnen Zwangsarbeit leisten mussten.
Duderstadt hat mit Grenzen mehr Erfahrung als die meisten deutschen Städte. Von 1816 bis 1866 verlief die Grenze zwischen Hannover und Preußen mitten durch das Eichsfeld und damit direkt an der Stadt. Erst nach dem Zusammenschluss der deutschen Staaten fielen Zölle und Handelshemmnisse weg, und ein später Aufschwung setzte ein — den die Eisenbahn allerdings zunächst umging. Erst 1887 kam über die Strecke Wulften–Leinefelde ein Anschluss an die Hauptbahnen.
Nach dem Krieg wurde aus der Grenzlage eine Sackgasse. Die Schließung der Grenze zwischen der Bundesrepublik und der DDR rückte Duderstadt in eine äußerste Randlage; die Bahnstrecke nach Leinefelde wurde stillgelegt, der Abschnitt nach Wulften folgte am 26. Juli 1974. Was der Stadt blieb, war der Staat als Arbeitgeber: Am 14. August 1956 wurde sie Standort einer Abteilung des Bundesgrenzschutzes, aus dem 2005 die Bundespolizei wurde; seit einer Neustrukturierung im Jahr 2008 arbeiten dort etwa 600 Bedienstete.
Der 10. November 1989 hat in dieser Stadt deshalb ein eigenes Gewicht. Um 0:35 Uhr öffnete sich der Schlagbaum am Grenzübergang Duderstadt/Worbis nach Westen. Noch am selben Nachmittag waren mehr als 6000 DDR-Bürger da, angereist in über 1500 Fahrzeugen; bis zum Jahresende zählte man 700.000 Menschen. Aus der Randlage wurde über Nacht wieder eine Mitte.
Seit dem Ende der Randlage liegt Duderstadt wieder in der Mitte Deutschlands. Die Stadt ist Sitz von Ottobock, einem Hersteller von Prothesen und Orthesen, dessen Inhaber Hans Georg Näder aus der Stadt stammt.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: FW
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