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Esslingen am Neckar hatte am 31.12.2025 95.419 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 60 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Esslingen am Neckar
In Esslingen lässt sich das Alter von Häusern nicht schätzen, sondern messen. Die Jahresringe des Bauholzes datieren die Heugasse 3 auf 1262, die Webergasse 8 auf 1266 und die Webergasse 7 auf 1267; vor 1200 ist mit Fachwerk ohnehin nicht zu rechnen. Sämtliche Entwicklungsstufen des alemannischen Fachwerks lassen sich allein an Esslinger Beispielen belegen, und der baden-württembergische Abschnitt der Deutschen Fachwerkstraße führt durch die Stadt.

Die Stadt liegt 241 Meter über dem Meeresspiegel am Neckar, mit einer Gemarkung von 4643 Hektar, davon 1193 Hektar Wald und 93 Hektar Rebfläche. Zum 31. Dezember 2025 zählte sie 95.419 Einwohner.
Am Anfang steht ein Reliquientransport. Urkundlich taucht Esslingen 777 zum ersten Mal auf, und zwar in einem Testament: Abt Fulrad von Saint-Denis bestimmte, dass die Cella über dem Neckar nach seinem Tod an sein Pariser Reichskloster fallen solle, samt den Gebeinen des Märtyrers Vitalis. Bekommen hatte er sie zuvor von einem alemannischen Adeligen namens Hafti. Nach Fulrads Tod ließ das Kloster die sterblichen Überreste aus Italien herbringen, und der Ort wurde zu einem stark besuchten Pilgerziel.
Pilger brauchen Versorgung, und daraus wurde ein Markt. Unter dem Namen Hetsilinga steht der Ort erstmals 866 in einer Urkunde Ludwigs des Deutschen, die ihm sein Marktrecht bestätigt; verliehen worden war dieses Recht vermutlich schon um 800, damit Kloster und Pilger versorgt waren. Günstig war die Lage an einer alten Fernstraße von Flandern nach Oberitalien, die hier den Neckar querte. Zwischen etwa 950 und 1050 war Esslingen außerdem Münzprägestätte.
Dem Stellvertreter des Kaisers in Esslingen gab Friedrich I. Barbarossa 1181 politische und rechtliche Zuständigkeiten für das Umland; spätestens damit war der Ort eine Freie Reichsstadt. Zum ersten Mal genannt werden das Esslinger Stadtrecht und das Amt des Schultheißen 1229, in einer Schenkung an das Kloster Salem; 1284 gab Rudolf von Habsburg der Stadt eine Verfassung, die Patriziat und Zünfte an der Verwaltung beteiligte.

Damit begann ein Konflikt, der Jahrhunderte hielt. 1246 kämpfte Esslingen, anders als Graf Ulrich I. von Württemberg, auf der Seite der Staufer; 1312 mussten sich Stuttgart und weitere württembergische Städte dem Reich und der Stadt Esslingen unterwerfen, ehe der Friedensschluss von 1316 sie wieder entließ. 1356 nutzte Karl IV. den Zwist und ließ Esslingen infolge eines Zunftstreits belagern. Nach der Schlacht bei Döffingen 1388 klangen die Feindseligkeiten ab; von 1448 bis 1454 führten Zollstreitigkeiten mit Graf Ulrich V. zum großen Städtekrieg, den die Württemberger gewannen.

Der Weinbau hat hier eine lange Tradition und exportierte im Hoch- und Spätmittelalter bis ins Elsass und nach Bayern; 1901 entstand die erste Genossenschaft der Stadt, und 1970 schlossen sich die drei Genossenschaften Esslingen, Sulzgries und Mettingen zusammen, die heute 167 Mitglieder hat. Am 1. Juli 1826 kam die Sektkellerei Kessler hinzu.
Am Beginn des 19. Jahrhunderts war Esslingen industriell ein leeres Blatt: eine Metallwarenfabrik, eine Windenfabrik. Dann ging es schnell. In den 1830er Jahren nahm die Stadt, gemessen an Arbeiterzahl und Betriebsgröße, die erste Stelle unter den württembergischen Städten ein; 1842 arbeiteten in 18 Fabriken rund 1500 Menschen. Die frühen Betriebe gehörten der Textil- und Lederindustrie an, darunter eine Tuchfabrik und eine Handschuhfabrik.
Den Schub brachte die Eisenbahn. Esslingen war Endstation des ersten württembergischen Bahnbauprojekts, der Zentralbahn von Ludwigsburg über Stuttgart; der erste Zug der Württembergischen Staatseisenbahnen erreichte die Stadt am 20. November 1845 von Cannstatt aus, und am 14. Dezember 1846 wurde das Teilstück nach Plochingen eingeweiht. Aus dem Ausbau der Eisenbahn durch das Königreich entstand die Maschinenfabrik Esslingen; bis etwa 1860 führte die Metallindustrie am Ort. Das veränderte die Stadt baulich. Schon von 1805 bis 1811 waren die Stadtmauern und -tore zum großen Teil gefallen, dazu das alte Katharinenhospital; ab 1838 kam eine zweite Welle, der die alte Heiligkreuzkapelle, die alten Pliensaumühlen und das Schiff der Hinteren Kirche zum Opfer fielen. An ihre Stelle traten Fabriken, eine Gasanstalt und eine Telegraphenstation. 1865 kam am linken Neckarufer die Pliensauvorstadt hinzu.
Mit der Industrie kam die Arbeiterbewegung, und auch hier war Esslingen früh dran. In der Märzrevolution gründete August Hochberger 1848 den ersten Arbeiterverein der Stadt; er hielt vier Jahre, wurde 1862 als Arbeiterbildungsverein neu gegründet und war mit 250 Mitgliedern bald der zweitgrößte seiner Art in Württemberg. 1869 entstand hier der erste gewerkschaftliche Verband der Textilarbeiter in Württemberg, und bis zum Ersten Weltkrieg galt die Stadt als Hochburg der württembergischen Arbeiterbewegung. 1894 wurde in Esslingen das erste Arbeitsamt Deutschlands gebaut.
Geblieben ist die Industrie als Verwaltungssitz. Festo, ein Hersteller von Produkten und Lösungen der Automatisierung, hat hier seinen Hauptsitz; Eberspächer, tätig in Abgastechnik, Fahrzeugheizungen und Glasbau, hat hier seinen Stammsitz, verlagerte aber die Produktion von Standheizungen nach Polen, so dass am Ort die Konzernzentrale mit Verwaltungsfunktionen verbleibt. Das Stadtentwicklungsprojekt der letzten Jahrzehnte ist die Neue Weststadt auf dem früheren Güterbahnhof — rund zehn Hektar, deren Investitionsvolumen 2009 auf etwa 400 Millionen Euro geschätzt wurde und von denen bislang ein Studentenwohnheim und kleinere Umnutzungen verwirklicht sind.
Warum so viel steht, hat mit Statik zu tun. Bis in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts grub man die tragenden Pfosten in die Erde, wo sie nach 30 bis 50 Jahren in Höhe der Erdoberfläche verfaulten. Erst als man sie auf Steine oder Mauersockel stellte, hielten die Häuser Jahrhunderte.
Das Alte Rathaus, kurz vor 1430 errichtet, ist ein Hauptwerk jenes Fachwerkstils, der durch zwei kurze Streben an Kopf oder Fuß des Ständers gekennzeichnet ist und nur zwischen etwa 1415 und 1435 gebaut wurde; man könnte ihn Esslinger Rathausstil nennen. Wie es weiterging, mit nur noch einer Strebe am Ständer — dem sogenannten Schwäbischen Mann —, sieht man am Rathaus in Markgröningen und am Alten Bau in Geislingen von 1445.
Der Bestand ist teuer erkauft. Beim Abriss des Hauses Hafenmarkt 2 kamen ungewöhnlich altertümliche Baukonstruktionen zutage; die dendrochronologische Untersuchung ergab für Nummer 2 das Baujahr 1328 und zeigte außerdem, dass die gesamte Zeile Nummer 2 bis 10 bis 1333 errichtet worden war. Der Abriss hat diese Zeile angebrochen.

Neben dem Holz steht viel Stein. Zum Denkmalbestand gehören die Stadtkirche St. Dionys, die Frauenkirche, die Innere Brücke und die Pfleghöfe der Klöster Bebenhausen, Salem und Blaubeuren — Wirtschaftshöfe auswärtiger Klöster mitten in der Reichsstadt.
Auch die Stadtgeschichte des 18. Jahrhunderts steht in Stein. Der Obere Palmsche Bau wurde 1747 begonnen, in den 1760er Jahren fertiggestellt und 1840 zum Rathaus gemacht; sein Name erinnert an die Familie Palm, die innerhalb von drei Generationen vom Esslinger Bürgertum in den Reichsfürstenstand aufgestiegen war und wenig später wieder erlosch.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: FW
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Zwischendurch war die Stadt Bühne des Reichs: 1488 wurde hier ein Reichstag abgehalten, auf dem unter anderem der Schwäbische Bund gegründet wurde. Das Ende kam still. Noch vor dem Reichsdeputationshauptschluss erschien am 6. September 1802 der württembergische Regierungsrat Wächter mit Militär in Esslingen, um die Stadt für das Herzogtum in Besitz zu nehmen; am 23. November desselben Jahres folgte die zivile Inbesitznahme.






