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Freinsheim hatte am 31.12.2025 4.854 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 52 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Freinsheim
In den meisten pfälzischen Städten sind die Mauern längst abgeräumt, weil sie im Weg standen. In Freinsheim nicht. Die spätgotische Stadtmauer mit Türmen und Toren ist fast vollständig erhalten, rund 1000 Meter lang und prägt das Stadtbild; sie steht in ihrem gesamten Umfang als Kulturdenkmal unter Schutz.
Weil der Ortskern dazu außerordentlich gut restauriert ist, trägt Freinsheim den Beinamen pfälzisches Rothenburg — eine Anleihe bei jenem fränkischen Städtchen, das als Sinnbild des romantischen deutschen Stadtbilds gilt. Der Vergleich hinkt in einer Hinsicht: Freinsheim ist erst seit 1979 wieder Stadt.
Der Ort liegt in der vorderpfälzischen Rheinebene auf 100 Metern über dem Meeresspiegel, ungefähr zwölf Kilometer westlich von Ludwigshafen zwischen Bad Dürkheim und Grünstadt. Zum 31. Dezember 2025 zählte er 4.854 Einwohner. Zur Gemarkung gehört außerdem eine Waldexklave im Pfälzerwald rund um das ehemalige Forsthaus Lindemannsruhe, in dem heute ein Waldgasthaus sitzt.
Gebaut wurde die Befestigung im Auftrag der Kurpfalz, an die Freinsheim im 15. Jahrhundert gefallen war; vorhandene Anlagen wurden dabei ausgebaut. Zuletzt fertig wurde 1514 das Eisentor; sein Name geht auf den pfälzischen Dialektausdruck für Äußeres Tor zurück. Bemerkenswert ist vor allem sein Vortor mit Flankierungstürmen und kurpfälzischem Wappen.

Ein Schloss gab es auch, aber es lag draußen. Die seit 1471 in kurpfälzischem Besitz stehende Wasserburg ist heute nur noch an ihrem Graben zu erkennen, der weiterhin Wasser führt; der jetzige Hauptbau ist ein Wohnhaus vom Anfang des 19. Jahrhunderts.
Vor der Stadt liegen zwei Bauwerke, die älter sind als die Mauer. Auf dem Bergfriedhof südlich des Ortes ist ein romanischer Westturm stehen geblieben; er war einmal der Eingangsturm zur Kapelle Zu unserer lieben Frau auf dem Berge, und nach den Formen seines Westportals dürfte er aus der Mitte des 11. Jahrhunderts stammen. Draußen an der Straße nach Ungstein, mitten zwischen den Reben, steht ein Bildstock aus spätgotischer Zeit; in seinem spitzbogigen Gehäuse sitzt eine Kreuzigungsgruppe. Er heißt Schwarzes Kreuz, und nach ihm ist auch eine Freinsheimer Weinlage benannt.

Innerhalb der Mauern trägt die alte Hauptkirche am Markt die längste Geschichte; sie ist seit dem 16. Jahrhundert protestantisch.
Gesiedelt wird auf der Gemarkung seit etwa 5000 Jahren, wie archäologische Grabungen belegen. 2006 wurden auf der Freinsheimer Höhe sieben römische Bestattungen des 4. Jahrhunderts ausgegraben, die auf zwei vermutete Gutshöfe nördlich des heutigen Ortes verweisen; ein merowingerzeitlicher Reihengräberfriedhof spricht dafür, dass ab dem 6. Jahrhundert ein geordnetes Gemeinwesen bestand. Aus dem Jahr 773 stammt die früheste erhaltene Urkunde, in der Freinsheim vorkommt; sie liegt in den Aufzeichnungen des elsässischen Klosters Weißenburg. 985 wurde Freinsheim Opfer des Salischen Kirchenraubs.
Im Pfälzischen Erbfolgekrieg traf es den Ort hart: 1689 wurde Freinsheim stark zerstört, es blieben nur noch Grundmauern stehen. Der Wiederaufbau erfolgte im frühen 18. Jahrhundert, und Verwaltungsfunktionen innerhalb der Kurpfalz — vor allem ein Unteramt — förderten den wirtschaftlichen Aufschwung.
Die merkwürdigste Episode der Ortsgeschichte beginnt 1712. In diesem Jahr erwarb der kurpfälzische General Johann Wilhelm von Efferen das 300 Morgen umfassende jungkennsche Gut mit dem heutigen Retzerhaus als Adelssitz. 1724, in seinem Todesjahr, vermachte er die Liegenschaft einem Kölner Karmelitinnenkloster, damit dieses in Heidelberg einen Filialkonvent errichten könne; Hintergrund war, dass dort seit 1714 Prinzessin Maria Anna von Pfalz-Sulzbach als Nonne lebte.
Das Heidelberger Kloster kam nie zustande, weil die Regierung nicht zustimmte — die Kölner Nonnen erbten aber trotzdem das große Freinsheimer Gut mit dem schlossartigen Retzerhaus. Für die Katholiken des Ortes, die seit der Reformation weder Kirche noch Pfarrer hatten, war das folgenreich: 1728 entsandte Köln den Priester Johann Jacob Creuzberg als Gutsverwalter, und die Karmelitinnen ließen den großen unteren Saal ihres neuen Hauses als katholische Ortskirche einrichten. Bis 1745 übte der Geistliche dort mit Einverständnis des Wormser Bischofs die reguläre Seelsorge aus; erst von 1771 bis 1773 wurde eine eigene Kirche gebaut.
Verwaltungsgeschichtlich wanderte Freinsheim danach von Instanz zu Instanz. Von 1798 bis 1814 gehörte es zum Kanton Dürkheim und war Sitz einer eigenen Mairie; 1815 hatte der Ort 1568 Einwohner und wurde Österreich zugeschlagen, ein Jahr später kam er mit der Region an das Königreich Bayern. Später öffnete die Bahn die alte Stadt nach außen. Freinsheim wurde zum Schienenkreuz, an dem die 1873 auf voller Länge eröffnete Pfälzische Nordbahn von Neustadt nach Monsheim und die Bahnstrecke nach Frankenthal aufeinandertreffen; der Bahnhof ist heute Kulturdenkmal. Am 7. Juni 1969 wechselte er in den neu geschaffenen Landkreis Bad Dürkheim, seit 1972 ist er Verbandsgemeindesitz — und mit Wirkung vom 23. Juni 1979 erkannte die Landesregierung ihm wegen seiner historischen Bedeutung den Titel Stadt zu.
Freinsheim hatte eine jüdische Gemeinde, an die heute der Straßenname Judengasse erinnert. Eine Synagoge wurde 1846 gebaut und bis 1894 genutzt; das Gebäude überstand das Dritte Reich. Der Jurist und Autor Hermann Sinsheimer wurde 1883 in Freinsheim geboren und in der Zeit des Nationalsozialismus wegen seiner jüdischen Glaubenstradition verfolgt. Nach seiner Emigration schrieb er unter anderem Erinnerungen an seine Kindheit hier auf. Auch sein Bruder Ludwig Sinsheimer war Jurist; er starb nach der Deportation in einem französischen Internierungslager.
Seit 1983 verleiht die Stadt zur Erinnerung an ihn den Hermann-Sinsheimer-Preis für Literatur und Publizistik, seit dem Jahr 2000 ergänzt um die Hermann-Sinsheimer-Plakette. Die Liste der Ausgezeichneten ist für einen Ort dieser Größe erstaunlich: Ausgezeichnet wurden unter anderen Marion Gräfin Dönhoff, Marcel Reich-Ranicki, Carola Stern, Hilde Domin und Siegfried Lenz.
Seit 2010 kommt die Literarische Lese hinzu, ein Festival, das der Autor Hasan Özdemir angestoßen hat und das gemeinsam mit Partnern veranstaltet wird; zu Gast waren dort unter anderem Dimitré Dinev, Nora Iuga, Karl-Heinz Ott und Sibylle Lewitscharoff.
Heute ist das religiöse Leben der Stadt vielfältiger geworden. Seit 1993 steht in Freinsheim mit dem Bait us-Salam, übersetzt Haus des Friedens, ein Gebäude der islamischen Ahmadiyya-Gemeinschaft.
Freinsheim zählt zu den größeren Weinbaugemeinden der Pfalz. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts haben die Reben, und zwar überwiegend die roten, den Obstanbau verdrängt, der hier vorher vorherrschte. Die Einzellagen der Gemarkung heißen Schwarzes Kreuz, Oschelskopf, Musikantenbuckel und Goldberg; darüber liegt die Großlage Rosenbühl. Von 1956 bis Anfang 2010 saß hier außerdem ein großer deutscher Obstsäfte-Hersteller. Aus Freinsheim stammt auch jemand, der zum Weinbau eine Amtskette trug: Ruth Kröther trug den Titel Deutsche Weinkönigin 1971/72.
Der rote Schwerpunkt hat ein eigenes Fest hervorgebracht. Die Rotweinwanderung findet am vierten Januarwochenende statt; zur Eröffnung geht freitags bei Einbruch der Dunkelheit ein Fackelzug, an dessen Weg Schwedenfeuer brennen, samstags und sonntags läuft die Wanderung bei Tag. Entlang des Wegs durch die Weinberge schenken die örtlichen Winzer ausgesuchte Rotweine aus.
Die übrigen drei Termine des Jahres liegen an oder in der Altstadt. Das Altstadtfest am ersten Juniwochenende steht unter dem Motto Wein und Kultur auf historischen Plätzen und spielt auf dem Marktplatz sowie im Retzer- und im Saarhof. Das Stadtmauerfest am dritten Juliwochenende zählt zu den bedeutenderen Weinfesten der Region. Am vierten Septemberwochenende führt der Kulinarische Weinwanderweg durch die Weinberge, und im Advent wirbt der Weihnachtsmarkt mit einem Krippenspiel, bei dem lebende Tiere mitwirken.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT
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