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Friedrichstadt hatte am 31.12.2025 2.527 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 48 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Friedrichstadt
Es gibt wenige Orte in Deutschland, an denen man sich so eindeutig in den Niederlanden wähnt wie hier. Friedrichstadt liegt dort, wo die Treene in die Eider mündet, und die Altstadt wird von zwei Grachten durchzogen, über die Brücken führen. Die Häuser haben Treppengiebel aus schmalem Backstein, an den Türen sitzen farbige Reliefs, und der Marktplatz ist zur Hälfte gepflastert und zur Hälfte grün.
Das ist kein Zufall und keine Nachahmung. Die Stadt wurde 1621 von einem Herzog gegründet, der niederländische Kaufleute ins Land holen wollte und ihnen dafür etwas anbot, was damals selten war: die Freiheit, ihren Glauben auszuüben. Wer heute durch die Prinzenstraße geht, läuft durch ein Stadtexperiment des 17. Jahrhunderts, das wirtschaftlich scheiterte und baulich gelang. Zum 31. Dezember 2025 zählte Friedrichstadt 2.527 Einwohner — weniger, als der Herzog je erwartet hatte. Wie sich dieser Ort wirtschaftlich entwickelt, zeigen die Kennzahlen auf der Datenseite.
Bewohnbar wurde die Marsch an dieser Stelle erst 1573, nachdem Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf die Treene hatte durchdämmen lassen. Ein halbes Jahrhundert später fasste sein Nachfahre Friedrich III. einen ehrgeizigen Plan: Sein kleines Territorium sollte zum Mittelpunkt einer Handelslinie werden, die von Spanien über Russland bis nach Ostindien reichte. Dafür brauchte er einen starken Hafen an der Nordseeküste und Menschen, die Wasserbau und Fernhandel beherrschten.

Beides fand er in den Niederlanden. 1620 erließ der Herzog zwei Oktroys, die den verfolgten Remonstranten Land, Glaubensfreiheit, wirtschaftliche Vorrechte und Niederländisch als Amtssprache zusicherten; verwaltet werden sollte der Ort nach dem Vorbild von Amsterdam und Leiden. Am 24. September 1621 begann der Bau des ersten Hauses. Bis 1625 stand die südliche Stadthälfte, die Vorderstadt mit dem Marktplatz. Das Vorbild für diesen Schritt lag flussabwärts: Sein Onkel und Konkurrent Christian IV. hatte 1617 an der Elbe Glückstadt aus ähnlichen Motiven gegründet.
Der erhoffte Aufschwung blieb aus. Der Dreißigjährige Krieg zog ab 1626 auch Südschleswig in Mitleidenschaft, und ab 1630 durften die Remonstranten ihren Glauben wieder in der Heimat ausüben, weshalb viele zurückgingen. Das Münzprivileg, das dem Speicher des Kaufmanns Adolph van Wael den Namen Alte Münze eintrug, bekam die Stadt nie. Immerhin: 1633 erhielt Friedrichstadt das Stadtrecht.
Das heutige Stadtbild verdankt sich aber nicht allein der Gründung. Zum Verhängnis wurde der Stadt der Nationalismus des 19. Jahrhunderts. Vom 29. September bis zum 4. Oktober 1850 versuchten schleswig-holsteinische Truppen, den von dänischen Einheiten gehaltenen Ort zurückzuerobern. Die Beschießung traf 31 Einwohner, die dabei starben oder verletzt wurden; auf dänischer Seite fielen 53 Soldaten. Zerstört wurden 285 Häuser, unter ihnen die Remonstrantenkirche und das Rathaus. Auch das Stadtarchiv verbrannte. Was danach entstand, fügte sich stilistisch ein, war aber schlichter — die Wirtschaftslage gab nicht mehr her. So entstand das geschlossene Stadtbild, das man heute sieht: die Planstadt der Gründer, gefüllt mit schlichteren Häusern des Wiederaufbaus.
Die Planstadt umfasst etwa 17 Hektar und folgt einem Schachbrettmuster. Zwei Kanäle durchziehen sie: Der Fürstenburggraben liegt im Süden, der Mittelburggraben trennt die Vorderstadt mit ihren quadratischen Parzellen von der nördlichen Hinterstadt mit rechteckigen. Eine dritte Gracht, die Norderburggracht, wurde bereits 1705 zugeschüttet. Insgesamt zählt der Ort 18 Brücken. Die auffälligste liegt am Marktplatz: Die Große Brücke aus Granit entstand vermutlich 1773 und ist bis heute das beliebteste Motiv des Malerwinkels.
Gebaut wurde mit importiertem Material. Aus Holland kamen die Moppen — Backsteine, die kleiner sind als die üblichen deutschen —, dazu fertige Sandsteingiebel, Kaminpfeiler, gelbe und grüne Kacheln und sogar Bretter. Eine eigene Ziegelei gab es zwar seit 1622 in der Stadt, sie konnte den Bedarf aber nicht decken. An der Westseite des Marktplatzes stehen noch neun Treppengiebel aus der Gründungszeit, hoch und schmal nach holländischem Muster.
Ein Merkmal, das man anderswo kaum findet, sind die Hausmarken oder Gevelstene: farbig gefasste Reliefs über den Eingangstüren, die auf frühere Erbauer oder Bewohner verweisen. Viele stammen aus der Gründungszeit; das früheste dieser Zeichen zeigt eine Taube mit Ölzweig und trägt die Jahreszahl 1622. Von zerstörten Häusern wurden sie gerettet und an den Neubauten wieder angebracht, und auch heute kommen neue dazu.
Der historische Stadtkern steht als Ganzes unter Denkmalschutz, und am Marktplatz lässt sich das am besten ablesen: am Rathaus, an der steinernen und der grünen Hälfte des Platzes und am Brunnenhäuschen mit seiner Pumpe. Im Neberhaus wohnte 1796 für einige Monate ein Hauslehrer namens De Vries — in Wahrheit der spätere französische Bürgerkönig Ludwig Philipp auf der Flucht vor der Revolution.
Wie viel Substanz bewahrt ist, zeigt sich bis ins Innere der Häuser. Die Werkstatt der Tischlerei Hansen ist im Zustand der Zwischenkriegszeit erhalten, weil ihr Meister aus Platzmangel weder Werkzeug nachkaufte noch aussortierte; heute arbeitet dort ein Restaurator.
Die Glaubensfreiheit war das Gründungsversprechen, und sie wirkte. Zuerst kamen die Remonstranten, eine Abspaltung der reformierten Kirchen der Niederlande, deren Versammlungen dort 1619 verboten worden waren. Zahlenmäßig blieben sie eine kleine Gruppe, politisch und wirtschaftlich waren sie mächtig, weil sie aus Händlern bestanden. Ihre Gemeinde besteht bis heute und zählt 150 bis 200 Mitglieder; der Prediger reist aus den Niederlanden an.
Fast gleichzeitig kamen die Mennoniten, angeworben von Willem van den Hove, der den Herzog vor Ort vertrat. Sie bildeten zunächst vier eigene Gemeinden, die sich 1708 zusammenschlossen, die Alte Münze kauften und dort Kirche und Friedhof einrichteten. Heute leben noch etwa 30 Mennoniten in der Stadt, die dreimal im Jahr Gottesdienst feiern können.

Auch den Katholiken wurde etwas zugestanden, was im lutherischen Schleswig ungewöhnlich war: Am 24. Februar 1624 gewährte Friedrich III. ihnen eine eingeschränkte Religionsfreiheit — auch, um den Handel mit spanischen Kaufleuten zu fördern. Eine Kirche durften sie bauen, aber ohne Turm, und öffentlich feiern durften sie nicht. Die deutschen Lutheraner stellten zwar die meisten Mitglieder, waren aber arm: Ihre St.-Christophorus-Kirche konnten sie erst 1643 in Angriff nehmen, 22 Jahre nach der Stadtgründung. Ihr Altargemälde von 1675 stammt von Jürgen Ovens, einem Rembrandt-Schüler, der lange hier lebte und Hofmaler des Herzogs war.
Die jüdische Gemeinde entstand 1675, als deutsche Juden angeworben wurden. Sie wuchs von 187 Mitgliedern im Jahr 1803 auf 500 im Jahr 1850 und stellte zeitweise bis zu einem Fünftel der Einwohner. Ihre Synagoge von 1845 wurde 1938 in der Reichspogromnacht in Brand gesetzt, danach zum Wohnhaus umgebaut und dient seit einer Restaurierung 2003 als Kulturzentrum. Geblieben sind außerdem zwei Friedhöfe und 25 Stolpersteine.






Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: FW
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.

Nicht alle Gruppen durften bleiben. Die Quäker, deren Gemeinde hier ab 1663 bestand, wurden 1673 per herzoglichem Edikt ausgewiesen; vollstreckt wurde es nie, aber 1727 löste sich die Gemeinde wegen Mitgliederschwunds selbst auf. Die polnischen Unitarier mussten die Stadt nach anderthalb Jahren wieder verlassen.






