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Fritzlar hatte am 31.12.2025 14.503 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 60 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Fritzlar
Fritzlar liegt im nordhessischen Bergland etwa 25 km südwestlich von Kassel, am Südrand der Fritzlarer Börde und oberhalb des Nordufers der Eder. Ende 2025 zählte die Stadt 14.503 Einwohner. Ringsum liegen fruchtbare Ackerböden und bewaldete Basaltkuppen, viele davon von Burgen oder Burgruinen gekrönt.
Der Name bedeutet Ort des Friedens — Fritzlar ist abgeleitet von Friedeslar. Ausgerechnet dieser Ort war über Jahrhunderte umkämpft: Er lag zwischen fränkischem und sächsischem Gebiet, später als mainzische Enklave in hessischem Land, und wurde belagert, erobert und mehrfach niedergebrannt.
Zwei Ereignisse haben ihn über die Region hinaus bekannt gemacht. Das eine ist eine gefällte Eiche, das andere eine Königswahl. Seit dem 24. November 2001 trägt die Stadt die amtliche Zusatzbezeichnung Dom- und Kaiserstadt.
Am Anfang steht ein Baum. Nach der Bonifatius-Vita des Willibald von Mainz ließ Bonifatius um 723 in der Nähe von Geismar, heute ein Stadtteil, die Donareiche fällen; er wollte den Chatten damit die Überlegenheit des christlichen Gottes vorführen und ließ aus dem Holz ein dem heiligen Petrus geweihtes Bethaus errichten. Dieselbe Vita erwähnt um 732 in Friedeslar den Bau einer Peterskirche und eines Klosters unter Abt Wigbert. Wo genau die Eiche stand, ist unbekannt; da der Ort Frideslar erst nach dem Bau des Bethauses entstand und bei Geismar liegt, geht die Forschung mehrheitlich davon aus, dass sich die beiden überlieferten Ortsangaben auf dieselbe Stelle beziehen — den heutigen Domhügel. Aus dem Kloster wurde ein Zentrum kirchlicher und weltlicher Gelehrsamkeit. Bischof Lullus von Mainz trug es nach der Zerstörung durch die Sachsen im Jahr 774 Karl dem Großen an, aus dessen Zeit auch die erste Kaiserpfalz stammt; der König gab ihm Reichsschutz und viel Land, und als es 782 zur Reichsabtei erhoben wurde, wuchs die umliegende Siedlung rasch zur Stadt. Spätestens 1005 wurde das Kloster in ein Kollegiatstift umgewandelt, dessen Herren nicht mehr gemeinsam lebten, sondern in eigenen Häusern, den Kurien; einige dieser Gebäude aus dem 14. Jahrhundert stehen bis heute, und 1803 wurde das Stift aufgelöst.
Weil hier wichtige frühmittelalterliche Straßen zusammenliefen, hielten sich die deutschen Könige und Kaiser in Hessen mit Vorliebe in Fritzlar auf, besonders im 10. und 11. Jahrhundert. Der wohl wichtigste Reichstag war der von 919: Am 12. Mai wurde Heinrich der Erste, Herzog von Sachsen, zum König des Ostfränkischen Reichs gewählt. König Konrad der Erste war im Dezember 918 ohne Sohn gestorben und hatte seinem Bruder Eberhard aufgetragen, Heinrich die Krone anzutragen, weil nur dieser den Streit zwischen Franken und Sachsen beilegen könne; Herzog Arnulf von Bayern unterwarf sich allerdings erst, als Heinrich 921 mit einem Heer einmarschierte. Auch danach war die Stadt mehrfach Ort von Reichs- und Fürstentagen, und bis 1145 hielten die Kaiser hier mindestens 15 Mal Hof, Rat und Gericht. Hinzu kamen drei Synoden in den Jahren 1118, 1244 und 1259.
Dann wurde sie Zankapfel. Zwischen 1066 und 1079 schenkte Kaiser Heinrich der Vierte Stift, Amt, Pfalz und Stadt Schritt für Schritt den Mainzer Erzbischöfen; aus königlichem Besitz wurde erzbischöflicher, und die Rolle in der Reichspolitik war bald dahin. Die Zugehörigkeit zu Mainz endete erst 1803 — daran erinnert bis heute das doppelte rote Mainzer Rad im Stadtwappen. Zuvor hatte der Streit Heinrichs des Vierten mit Rom schlimmere Folgen: Ein sächsisches Heer griff ihn im Sommer 1079 in Fritzlar an; er konnte fliehen, die Stadt wurde erobert und verwüstet und lag laut Erzbischof Wezilo noch 1085 praktisch wüst.
Was Fritzlar ausmacht, ist ein Ring. Die Stadtmauer, die den mittelalterlichen Kern umzieht, ist 2,7 km lang und weithin intakt; sie war 7,5 bis 10 m hoch, an der Basis im Mittel 3 m dick, an strategischen Stellen mit Türmen bewehrt und an mindestens fünf Stellen durch Hurden verstärkt. Im Siebenjährigen Krieg ließen französische Besatzungstruppen sie auf etwa zwei Drittel ihrer Höhe schleifen.
Zehn von einst 23 Wehrtürmen stehen noch. Der Graue Turm, 1274 zum ersten Mal erwähnt, misst 38,5 m; nur an ihm ist ein kurzes Stück Mauerkrone mit Wehrgang zu sehen, das in den 1980er Jahren wiederhergerichtet wurde. Von anderen Türmen sind nur Stümpfe geblieben, etwa vom Steingossenturm. Die meisten Stadttore fielen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dem Verkehr zum Opfer, zuerst das Hospitaltor 1823.

Außerhalb stehen noch fünf von ursprünglich sieben Warten, errichtet in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts beziehungsweise 1425 im Fall der Galbächer Warte. Sie dienten als Wachposten und mit ihren Ringmauern als Zufluchtsorte und waren teilweise durch Landwehren verbunden.
Im Zentrum steht der Dom, Ausgangspunkt der ganzen Stadtentwicklung. Sein Vorgängerbau, die Kloster- und Stiftskirche St. Peter, wurde im 8. Jahrhundert errichtet; das heutige Gebäude wuchs in zwei romanischen Bauphasen vom späten 11. bis ins frühe 13. Jahrhundert und überragt alles ringsum. Das Rathaus wurde 1109 urkundlich erwähnt und dient bis heute als Amtshaus; es zeigt ein Steinrelief des Stadtheiligen Martin von 1441. Viele Häuser, besonders um den Markt, stammen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert und sind sorgsam restauriert.
Ein Rückblick in die Frühzeit führt auf die Höhe über der Stadt. Dort liegt die Büraburg, jene Fluchtburg, in der die Fritzlarer 774 vor den Sachsen Schutz suchten. Einnehmen konnten die Sachsen die Burg nicht; sie plünderten stattdessen die Stadt und steckten sie in Brand. Allein Wigberts steinerne Basilika blieb heil — woraus die Legende erwuchs, zwei Engel hätten die Angreifer in die Flucht geschlagen. Bereits 786 tagte hier wieder eine Kirchenversammlung; sie wählte Richulf zum dritten Mainzer Erzbischof.
Katholisch und mainzisch blieben nach dem Augsburger Religionsfrieden nur Fritzlar und die Nachbardörfer Ungedanken und Rothhelmshausen; ringsum wurde das Land protestantisch. Daraus erwuchs eine vollständige konfessionelle und weitgehend auch wirtschaftliche Isolierung der Stadt. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war die Bevölkerung dieser Enklave mit großer Mehrheit katholisch; erst der Zuzug von Verwaltung, Militär und Dienstleistung und nach dem Zweiten Weltkrieg die Aufnahme von Flüchtlingen hoben den protestantischen Anteil auf etwa die Hälfte.
Getragen wurde die katholische Enklave nicht zuletzt von ihren Klöstern. Aus einem 1145 gegründeten Armenhospital ging bis spätestens 1254 ein Augustinerinnenkloster hervor, dessen Kirche der heiligen Katharina geweiht war; das Kloster gab man im 16. Jahrhundert auf, die Kirche steht noch. An seiner Stelle entstand von 1713 bis 1719 das Klostergebäude der Ursulinen, die von Metz aus 1711 ein Kloster gegründet und 1713 den Grundstein zu einer Mädchenschule gelegt hatten; heute dient der Bau als Schule. Im Kulturkampf wurden die Schwestern von 1877 bis 1887 des Landes verwiesen, 1888 aber von Preußen staatlich anerkannt. Unter den Nationalsozialisten musste die Grundschule 1934 und das Lyzeum 1940 schließen, 1941 beschlagnahmte man das Kloster und wies die Nonnen aus; 2003 wurde es mangels Nachwuchs geschlossen.

Die Franziskaner kamen nach der großen Zerstörung: Sie erhielten 1237 die Erlaubnis, ein Kloster zu errichten und aus Platzmangel bis an die Stadtmauer zu bauen; geweiht wurde es 1244. Als Papst Leo der Zehnte 1517 die Spaltung des Ordens anerkannte, schloss sich das Kloster den Minoriten an. 1548 musste es schließen, 1552 mussten die Mönche die Stadt verlassen, als landgräfliche Truppen die Reformation einführten; nach dem Religionsfrieden von 1555 endete die Besetzung, und die Stadt blieb katholisch — auch deshalb, weil ihre Klöster und bald die Jesuiten den Glauben weitertrugen. 1615 kamen Jesuiten und 1619 wieder Minoriten. Nach der Säkularisation wurde das Kloster 1804 auf Aussterbeetat gesetzt und 1811 aufgehoben; seine gotische Kirche, um 1330 fertiggestellt, erwarb 1817 bis 1824 die evangelische Stadtgemeinde und nutzt sie seither als Stadtkirche, während in den übrigen Klosterbauten heute ein Hospital untergebracht ist.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: FW
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Wirtschaftlich brachte die Bindung an Mainz zunächst Gewinn: Freie Kaufleute wurden angesiedelt, in Fritzlar prägte man vor allen anderen hessischen Orten Münzen, und im Handel mit Tuchen, Pelzen und Gewürzen lag die Stadt vor Kassel. Die erste Stadtmauer entstand zwischen 1184 und 1196, ab 1280 kam die Neustadt hinzu, die eine eigene Mauer bekam und lange rechtlich selbständig blieb, und hölzerne Rohrleitungen pumpten Wasser aus Eder und Mühlengraben in Brunnen und Speicher auf Markt- und Domplatz.

Dann kam der schwerste Rückschlag. Am 15. September 1232 eroberte Konrad von Thüringen die Stadt nach dreimonatiger Belagerung; sie wurde geplündert, eingeäschert und ein Großteil der Einwohner getötet. Den päpstlichen Bann handelte sich Konrad damit ein; er ging zur Abbitte nach Rom, wurde 1234 Mitglied des Deutschen Ordens und stand am 29. Juni 1238 wieder in Fritzlar, um öffentlich Kirchenbuße zu tun und den Wiederaufbau der Stiftskirche zu bezahlen.
Die Pest von 1483 überlebten von etwa 2200 Einwohnern nur rund 600; bis die Stadt wieder 2000 zählte, verging die Zeit bis um 1740. Bei Kriegsende 1648 war die Bevölkerung von 2400 im Jahr 1618 auf 400 gesunken, und es dauerte siebzig Jahre, bis Stadt und Stift die Kriegsschulden abgetragen hatten. Der Siebenjährige Krieg brachte noch schwerere Verwüstungen: Vom 12. bis 15. Februar 1761 kämpften rund 1.000 französische und irische Soldaten unter General Narbonne gegen eine Belagerungsarmee des Erbprinzen von Braunschweig-Wolfenbüttel; nach Artilleriebeschuss und Brandgeschossen kapitulierte Narbonne am 15. Februar, und ein Jahr darauf setzten die Franzosen die Zerstörung der Wehranlagen fort.
Die Hexenverfolgung ist in Fritzlar aktenkundig, wenn auch bis heute nicht umfassend dargestellt. Bekannt sind Verfahren aus den Jahren 1596, 1616 und von 1626 bis 1631; im Grauen Turm nennt eine Informationstafel 62 namentlich bekannte Opfer — für eine Gemeinde von damals weniger als 2000 Einwohnern eine erhebliche Zahl, und die tatsächliche dürfte höher liegen. Kurz nach einer Pestepidemie brannten im Dreißigjährigen Krieg zwischen 1627 und 1629 sieben Männer und 25 Frauen als angebliche Hexen und Hexenmeister auf dem Scheiterhaufen. Noch 1656 erkundigte sich die Mainzer Regierung bei ihrem Oberamtmann nach dem Verbleib von Geldern, die der Kammer aus Fritzlarer Hexenprozessen hätten zufließen müssen.
Die jüdische Gemeinde bestand seit etwa 1100 und wurde in der Judenverfolgung der Pestzeit um 1348 vernichtet. Eine neue Gemeinde bildete sich gegen Ende des 14. Jahrhunderts; laut einer Urkunde von 1393 sollten die Juden weiterhin als Mitbürger gelten, wie es seit Alters her der Fall war. Nach 1469 verließen die meisten jüdischen Familien die Stadt, noch bevor Erzbischof Adolf der Zweite im Jahr darauf alle Juden aus seinem Erzstift auswies. Im 19. Jahrhundert entstand wieder eine Gemeinde, die um 1860 mit 139 Personen ihren höchsten Stand erreichte. Die am 30. Juni 1897 eingeweihte neue Synagoge wurde in den Novemberpogromen 1938 zerstört, wobei sich vor allem SS-Leute aus Arolsen und herbeigekarrte Männer aus den Nachbardörfern hervortaten. Viele jüdische Einwohner kamen nach der Deportation um, darunter Gustav Kron, der zuletzt als Vorbeter und Lehrer der Gemeinde wirkte, und seine Frau.







