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Gengenbach hatte am 31.12.2025 11.135 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 52 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Gengenbach
Wer aus Offenburg das Kinzigtal hinauffährt, sieht Gengenbach zuerst als Umriss: zwei Kirchtürme und fünf Türme der alten Befestigung, dahinter ein Berg mit einer Kapelle darauf. Diese Silhouette ist kein Zufall, sondern ein Rest — der Rest einer Stadt, die vierhundert Jahre lang niemandem außer dem Reich unterstand und sich das an ihren Mauern ansehen ließ.
Zwei Dinge halten den Ort bis heute zusammen. Das eine ist gebaut: ein Fachwerkkern, in dem alte Stadtmauerreste als Hauswand weiterleben. Das andere ist ein Brauch, der sich erstaunlich zäh gegen die Obrigkeit behauptet hat — die Fasend, die hier seit dem ausgehenden Mittelalter aktenkundig ist, meist weil sie gerade wieder verboten wurde.
Die Stadt liegt 175 Meter hoch, und mit allen Ortsteilen misst sie 61,91 Quadratkilometer. Die Kernstadt selbst sitzt auf nur 653,25 Hektar; die Gemarkungen der Ortsteile Reichenbach, Bermersbach und Schwaibach sind jede für sich deutlich größer und bestehen zu weiten Teilen aus Wald und Schwarzwaldhöfen. Diese Zweiteilung — dichter Kern, weiter Wald — ist die eigentliche Geografie Gengenbachs. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 11.135 Einwohner.
Der früheste Beleg für Menschen an dieser Stelle ist ein Handwerksbetrieb. 1974 wurde ein Ziegelbrennofen entdeckt, der im 2. Jahrhundert in Betrieb war und wahrscheinlich zu einem römischen Gutshof gehörte; zudem wird hier eine römische Straßenstation vermutet. Die eigentliche Stadt entstand jedoch erst im Umfeld des Benediktinerklosters, aus einer bäuerlichen Ansiedlung mit grundherrschaftlichem Markt. Zum Jahr 1231 ist das oppidum Gengenbach erstmals belegt.
1366 wurde Gengenbach Reichsstadt. Als Landstäbe gehörten die Dörfer Reichenbach, Schwaibach, Ohlsbach und Bermersbach zum reichsstädtischen Gebiet; ab 1500 zählte der Ort zum Schwäbischen Reichskreis. Bis 1803 diente die Martinskirche vor dem Mauerring als Pfarrkirche. Kurz hielt die Reformation Einzug: 1525 wurde die Stadt protestantisch, kehrte aber 1547 zum katholischen Glauben zurück.
Der Dreißigjährige Krieg traf den Ort zweimal. 1634 und 1643 wurde die Stadt bei Belagerungen verwüstet. Am 2. März 1643 begann eine rund 1000 Mann starke Kavallerieeinheit unter Obrist Roßwurm die Belagerung; einen Tag später rückte der Rest der Armee unter General Graf von Guébriant nach und ließ die Wehranlagen beschießen. Nachdem der Kommandant Michael Schöffen unter dem Druck einer Geiselnahme mit seinen 70 Soldaten abgezogen war, gab Guébriant die Stadt seinen schottischen Söldnern zur Plünderung frei; mehrere Türme und Mauerabschnitte wurden gesprengt.
Ein halbes Jahrhundert später kam die nächste Zerstörung. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg legten französische Truppen die Stadt 1689 fast völlig in Schutt. Das folgende Jahrhundert blieb von Kriegen verschont; damals entstand ein großer Teil des heutigen Stadtbilds — auch wenn im Jahr 1789 ein Fastnachtsfeuer noch einmal 50 Häuser vernichtete. 1803 wurde die Stadt dem Kurfürstentum Baden eingegliedert und zunächst Sitz eines eigenen Amtes, das 1872 im Bezirksamt Offenburg aufging.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten kam auch nach Gengenbach die Verfolgung. Am 17. Juni 1933 verbrannte die Hitlerjugend auf dem Marktplatz Bücher und Fahnen der Arbeiterparteien. Am Alten Kaufhaus erinnert seit 1986 eine Gedenktafel an die Jüdische Gemeinde, die hier bis zu ihrer Auslöschung ihre Gottesdienste hielt, und ein Gemeindezentrum trägt den Namen von Hermann Maas, jenem protestantischen Pfarrer aus Gengenbach, der in der NS-Zeit zahlreiche Juden vor der Verfolgung schützte.

Von der Stadtbefestigung des 14. bis 16. Jahrhunderts stehen der Schwedenturm, der Prälatenturm, das Obertor, das Kinzigtor und der Niggelturm. Der Niggelturm ist 36 Meter hoch und trägt neben dem Narrenmuseum eine umlaufende Aussichtsgalerie. Über der Stadt steht die Jakobuskapelle auf dem Bergle, im Kinzigtal weithin sichtbar, und im Kern prägen die Stadtkirche St. Marien mit Resten des ehemaligen Klosters sowie die gotische Martinskirche das Bild.
Die Fachwerkgassen sind das, wofür der Ort auf der Deutschen Fachwerkstraße steht. Bis 1877 hieß die Engelgasse noch Judengasse, weil dort die jüdischen Familien der Stadt wohnten; sie ist eine leicht geschwungene Fachwerkgasse, in der Reste der Stadtmauer den Häusern als Rückwand dienen — dieselbe Lösung findet sich am Färberhaus von 1747, dessen offenes Dachgeschoss zum Trocknen der Stoffe diente.

Zwischen den Fachwerkbauten stehen die Repräsentationsbauten der Reichsstadtzeit und danach. Das Kauf- und Kornhaus stammt von 1699, ebenso die Alte Kanzlei; das Rathaus wurde 1784 von Viktor Kretz als frühklassizistischer Bau errichtet, in dem ein barocker Nachhall noch erkennbar ist. Im Scheffelhaus wohnte Magnus Scheffel, der Großvater des Dichters Victor von Scheffel und letzter Oberschaffner der Benediktinerabtei. Am Zusammenfluss von Reichenbach und Mühlbach steht der sogenannte Tower, eine Turbinenstation: Der Fabrikant Albert Köhler ließ sie 1900 erbauen, und sie versorgte Gengenbach bis 1947 mit Strom.
Die Gengenbacher Fasend ist so alt wie ihre Verbote. Im zwischen 1460 und 1480 entstandenen Stadtbuch wird das Tragen von Fastnachtskleidern am Aschermittwoch bei Strafe untersagt. 1499 holten einige Bürger während der Fasend einen schweren Feuerhaken von der Stadtmauer, bemalten und schmückten ihn und zogen damit vermummt los — die Szene, auf die sich die Zunft bis heute beruft. Offiziell verboten blieb die Fasend bis ins 18. Jahrhundert hinein.
Dann kam das Brauchtum in die Vereine. Erstmals erwähnt wird 1875 der Fidele Narrenverein; 1896 kam der Faschingsverein Humor hinzu, der große Fasendspiele auf die Bühne brachte, etwa am Fasendmontag 1897 ein historisches Festspiel über die Verleihung der bürgerlichen Freiheiten durch Kaiser Karl IV. an die Stadt im Jahr 1347. Aus derselben Zeit stammt der erste Nachweis einer maskierten Gengenbacher Hanselfigur mit spitzer Gugelkappe, erkennbar auf Fotos von 1897.
Die heutigen Figuren sind jünger, als man denkt. Die Narrenzunft Gengenbach wurde 1925 gegründet und trägt die Jahreszahl 1499 im Namen; die Gengenbacher Hexe kam Mitte der 1930er Jahre auf, 1938 gesellte sich der Spättlehansel dazu. Eine Zeit lang durften beide Figuren von Frauen wie Männern verkörpert werden, bis 1957 mit der Eintragung ins Vereinsregister die bis heute geltende Regelung in die Satzung kam: die Hexe den Männern, der Spättlehansel den Frauen. 2014 waren 180 Hexen und 162 Spättle aktiv.

Was die Masken tun, hat einen eigenen Namen. An den Abenden von Fasendsamstag und -sonntag ziehen Hexen und Spättle durch die Wirtshäuser und lesen den unvermummten Narren mit verstellter, hoher Stimme die Leviten — das Schnurren —, um ihnen anschließend etwas vom Teller oder aus dem Glas zu stehlen, das Schnaigen. Neu aufgenommene Hexen laufen beim Umzug am Fasendsonntag als Lumbehund mit, einer maskenlosen, mit Stroh ausgestopften Figur, die als besonders alte Gengenbacher Fasendsgestalt gilt. Im Niggelturm verteilt sich das Narrenmuseum über sieben Stockwerke mit Masken, Narrenkleidern und Dokumenten.






Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: FW
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Neben dem Brauch steht der Wein. Gengenbach ist Weinbauort; die Lagen gehören zur Weinbauregion Ortenau im Anbaugebiet Baden, angebaut werden unter anderem Spätburgunder, Müller-Thurgau, Riesling und Grauer Burgunder. Wer sich fragt, warum eine Kleinstadt von dieser Größe ein so festes Selbstbild hat, findet die Antwort weniger in den Zahlen als in einem Feuerhaken von 1499.






