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Göttingen hatte am 31.12.2025 130.521 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 51 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Göttingen
Göttingen liegt im Leinetal, dort wo die Leine-Ilme-Senke an den Göttinger Wald stößt. Ende 2025 zählte die Stadt 130.521 Einwohner auf 116,93 Quadratkilometern.
Geprägt hat sie vor allem eine Einrichtung: die Universität, die 1734 den Lehrbetrieb aufnahm und die Stadt bis heute trägt. Die Altstadt überstand den Zweiten Weltkrieg fast unversehrt; große Teile davon verschwanden erst bei den Flächensanierungen der Nachkriegszeit.
Am Anfang standen hier drei Orte, die eine Zeit lang nebeneinander bestanden: ein Dorf, eine Pfalz und eine Kaufmannssiedlung. Zuerst war da ein Dorf, das sich archäologisch bis ins 7. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Urkundlich taucht es 953 als Gutingi auf, als der spätere Kaiser Otto der Erste dem Magdeburger Kloster St. Moritz dortigen Besitz schenkte; es lag auf einem Hügel am Ostrand des Leinetalgrabens, ungefähr dort, wo heute die St.-Albani-Kirche steht. Seinen Namen bezog es von der Gote, einem kleinen Bach, der hindurchfloss.
Zwei Kilometer nordwestlich davon tritt ein zweiter Ort deutlicher hervor: die Pfalz Grona, 915 als neu errichtete Burg beurkundet und später zur Pfalz erweitert. Sie lag gegenüber am südlichen Sporn des Hagenbergs über der Leine und gilt mit 18 bezeugten Aufenthalten von Königen und Kaisern zwischen 941 und 1025 als ottonische Pfalz mittleren Ranges; schwer krank zog sich Kaiser Heinrich der Zweite im Sommer 1024 hierher zurück und starb hier am 13. Juli 1024. Als Pfalz hatte die Anlage später ausgedient, wurde im 13. Jahrhundert für die Herren von Grone zur Burg umgebaut, zwischen 1323 und 1329 von Göttinger Bürgern zerstört und 1387 durch Otto den Quaden abgetragen.
Die eigentliche Stadt entstand daneben. Westlich des Dorfes Gutingi wuchs an der Straße zur Leinefurt allmählich ein Wik, also eine Kaufmannssiedlung; sie führte den Ortsnamen als gotingi weiter und bekam 1230 als Gotingen das Stadtrecht. Nicht das fortan Altes Dorf genannte Gutingi, das der Stadt zunächst den Namen lieh, war deren Keimzelle: es lag außerhalb der ersten Stadtmauer und hebt sich im Stadtgrundriss bis heute als eigener Bereich um die Albanikirche ab. Vermutlich ging die Stadtgründung zwischen 1150 und 1180 auf Heinrich den Löwen zurück; für die Jahre 1201 bis 1208 ist Pfalzgraf Heinrich, ein Bruder Ottos des Vierten, als Stadtherr überliefert.
Reichsstadt war Göttingen nie; es unterstand den welfischen Herzögen von Braunschweig-Lüneburg, deren Statthalter in der Burg residierten, die in der Nordostecke der vor 1250 angelegten ersten Befestigung stand und an die heute noch der Name Burgstraße erinnert. Herzog Otto das Kind bestätigte den Göttingern 1232 urkundlich jene Rechte, die sie schon zur Zeit seiner Onkel gehabt hätten; Namen von Ratsherren nennt erstmals eine Urkunde von 1247. Das befestigte Areal maß höchstens 600 mal 600 m, also etwa 25 Hektar; den Wall zu errichten erlaubte 1362 Herzog Ernst von Braunschweig-Göttingen, und der Bau zog sich über 200 Jahre.
Dann ging es zwei Jahrhunderte lang abwärts. Der Dreißigjährige Krieg beschleunigte den wirtschaftlichen Abstieg: der Ausfuhrhandel mit Tuch und Leinwand brach fast vollständig weg, und die Einwohnerzahl, im Jahre 1400 noch bei 6000, fiel um 1680 unter 3000. Politisch folgte der Abstieg auf dem Fuß: 1690 erreichte Herzog Ernst August mit dem so genannten Stadtrezess, dass der Rat praktisch zu einer fürstlichen Verwaltungsbehörde wurde.
Dem Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, das sich zur Territorialmacht in der Mitte Deutschlands zu entwickeln begann, fehlte bis dahin eine eigene Hochschule; also beschloss man eine Neugründung, die Theologen, Juristen und Ärzte für das Land ausbilden sollte. Für Göttingen sprach unter anderem das Pädagogium, das städtische Gymnasium im ehemaligen Paulinerkloster, dessen Gebäude den Kern der neuen Universität abgeben konnten; parallel dazu baute die Stadt ab 1733 in erheblichem Umfang, um die geplante Hochschule aufnehmen zu können. Unter Georg dem Zweiten August von Großbritannien, der ihr den Namen gab, nahm die Georg-August-Universität 1734 den Lehrbetrieb auf; feierlich eingeweiht wurde sie 1737.

Dass die Gründung so schnell Erfolg hatte, geht wesentlich auf Gerlach Adolph von Münchhausen zurück, den ersten Kurator der Universität. Mit der Universität kam Schwung in die Stadt, die Bevölkerung wuchs, und rege Bautätigkeit veränderte binnen kurzem ihr Aussehen. In ganz Europa und darüber hinaus galt Göttingen bald als Ort der Wissenschaft; zu dem Ansehen trug maßgeblich bei, wie klug die neue Universitätsbibliothek ihre Bestände einkaufte. Hinzu kam 1751 die Königliche Societät der Wissenschaften, aus der die Akademie der Wissenschaften hervorging; sie gab die Göttingischen Anzeigen von Gelehrten Sachen heraus, eine Zeitschrift über wissenschaftliche Neuerungen, die rasch international gelesen wurde.
Das Ansehen der Universität schützte die Stadt sogar im Krieg. Während der Kriege Napoléon Bonapartes besetzten französische Truppen das Kurfürstentum Hannover 1803 kampflos; Göttingen selbst blieb von Einquartierungen und anderen Lasten verschont, was mit dem Ruf der Universität zu tun haben mag. Die Sternwarte der Universität leitete ab 1807 Carl Friedrich Gauß.

Der erste Widerspruch hatte einen Vorläufer auf der Straße: als die Pariser Julirevolution von 1830 nach Deutschland übergriff, kam es im Januar 1831 zur so genannten Göttinger Revolution — unter Johann Ernst Arminius von Rauschenplat bildete sich ein Revolutionsrat, und am 8. Januar 1831 wurde der Magistrat der Stadt aufgelöst. Gefordert wurden vom König eine freie Verfassung für das Königreich Hannover und der Sturz der Regierung; diese blieb hart, schickte Truppen in größerer Zahl gegen die Stadt, und am 16. Januar gaben die Aufrührer auf. Die Universität, am 18. Januar von der Regierung geschlossen, durfte Mitte April wieder öffnen.
1837, hundert Jahre nach Eröffnung der Universität, wurde die Aula als Repräsentations- und Verwaltungsgebäude eingeweiht. Im selben Jahr begann der Konflikt mit König Ernst August dem Ersten, unter dem die 123-jährige Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover endete: gleich zu Amtsantritt setzte er die freiheitliche Verfassung außer Kraft, die sein Vorgänger 1833 erlassen hatte, wogegen sieben Göttinger Professoren Protest erhoben. Am 12. Dezember 1837 entließ er die sieben und wies drei von ihnen aus dem Land.
Die Wirkung reichte weit über das Königreich Hannover hinaus in ganz Deutschland; die Göttinger Sieben, wie man sie nun nannte, galten bald als Märtyrer eines politisch wacher werdenden Bürgertums. Teilweise hatte dessen Widerstand Erfolg: das Landesverfassungsgesetz vom 6. August 1840 gab Hannover wieder eine konstitutionelle Verfassung, beschnitt darin allerdings die Rechte der Stände zugunsten des Monarchen erheblich. Für die Stadt selbst war der Preis hoch — die Universität, die schon seit den 1820er Jahren unter sinkenden Studentenzahlen litt, büßte weiter an Ruf ein, und die drei ausgewiesenen Professoren durften erst 1848 zurückkehren.

Hundertzwanzig Jahre später wiederholte sich die Figur. Erneut meldeten sich Göttinger Gelehrte am 12. April 1957 mit einer Göttinger Erklärung zu Wort: 18 Fachleute der Atom- und Kernphysik aus Deutschland, unter ihnen die Nobelpreisträger Max Born und Otto Hahn sowie Werner Heisenberg und Max von Laue, wandten sich unter Federführung von Carl Friedrich von Weizsäcker gegen taktische Atomwaffen für die Bundeswehr, wie Konrad Adenauer, der Kanzler der jungen Bundesrepublik, sie damals erwogen hatte. Die Göttinger Achtzehn, die sich ausdrücklich in die Nachfolge der Göttinger Sieben stellten, hatten Erfolg: Adenauers Pläne waren von da an erledigt.
Die jüdische Gemeinde, in Göttingen seit dem 16. Jahrhundert nachweisbar, wurde im Nationalsozialismus zerstört. Während der Novemberpogrome 1938 verbrannten SA- und SS-Angehörige die Synagoge in der Maschstraße. Vor 1933 hatten fast 500 Jüdinnen und Juden in Göttingen gelebt, 1938 waren es noch etwa 220. Die letzten 140 Mitglieder der Gemeinde wurden 1942 in die Vernichtungslager deportiert. An der Stelle der Synagoge steht seit 1973 ein Mahnmal von Corrado Cagli; ein neues Gemeindezentrum wurde Anfang 2004 eingeweiht.
Die Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs hinterließen in Göttingen verglichen mit anderen Städten wenig: acht Angriffe zählte die Stadt, der erste am 7. Juli 1944, und sie galten überwiegend den Bahnanlagen. Weitgehend unzerstört überstand die historische Altstadt den Krieg; schwere Schäden trugen die Paulinerkirche, die Universitätsbibliothek und das Zoologische Institut davon. Zu beklagen waren 107 Tote, dazu 235 vollständig zerstörte Wohnungen.
Bombenflüchtlinge füllten die Stadt, die unter anderem wegen ihrer gut ausgestatteten Krankenhäuser im Lauf des Krieges zur Lazarettstadt geworden war; bei Kriegsende lagen hier 3000 bis 4000 verwundete Soldaten. Darauf nahm General Otto Hitzfeld Rücksicht: er erklärte Göttingen zur Offenen Stadt, alle Kampfeinheiten verließen sie vor den anrückenden amerikanischen Truppen, und so wurde sie am 8. April 1945 ohne größere Kämpfe befreit. Zerstört wurde die Stadt im Zweiten Weltkrieg nur zu 2,1 Prozent.
Danach lag die Stadt an einem Dreieck. Die Briten nahmen sie nach dem Krieg in ihre Besatzungszone, womit sie im Zonendreieck lag: das benachbarte Thüringen gehörte zur sowjetischen, Kassel im Süden zur amerikanischen Zone. Weil die Stadt weitgehend intakt geblieben war und so günstig lag, wurde sie Anlaufstelle für Interzonenwanderer und Flüchtlinge; ihre Universität nahm als erste in Deutschland zum Wintersemester 1945 den Lehrbetrieb wieder auf.
Die heutige Stadtgestalt ist ein Verwaltungsakt: das Göttingen-Gesetz vom 1. Juli 1964 gliederte zum 4. Juli 1964 die Gemeinden Geismar, Grone, Nikolausberg und Weende ein und die Stadt selbst zugleich in den Landkreis Göttingen, wobei sie eine Sonderstellung behielt, weil für sie weiterhin die Vorschriften für kreisfreie Städte gelten. Auf 7371 Hektar mehr als verdoppelte sich damit das Stadtgebiet, und die Einwohnerzahl stieg um 31 Prozent von 83.000 auf 109.000. Ihre Randlage verlor die Stadt mit der Grenzöffnung 1989 und dem Beitritt der ostdeutschen Bundesländer 1990.
Bei einer Nachinventarisierung der Kulturdenkmale von 2008 bis 2010 kam der gesamte Bereich innerhalb des mittelalterlichen Walls bis zum äußeren Wallfuß als Baukulturensemble Innenstadt Göttingen ins Denkmalverzeichnis, als geschützte Gruppe baulicher Anlagen; 179 Bauwerke darin sind Einzelbaudenkmale, weitere 819 Gebäude gelten, in 90 Gruppen gefasst, als konstituierende Bestandteile. In der Innenstadt innerhalb des Walles liegen acht Kirchen. Leicht erhöht im Osten, auf dem Gebiet des ursprünglichen Gutingi und damit der Keimzelle der Stadt, steht St. Albani; St. Jacobi ragt mit 72 Metern weithin sichtbar auf und birgt einen wertvollen Flügelaltar von 1402.
St. Johannis, die zweitürmige Markt- und Ratskirche, ist im Lauf ihrer Geschichte oft umgestaltet worden; am 23. Januar 2005 brannte ihr Nordturm nach einer Brandstiftung aus. Zur ehemaligen Deutschordenskommende gehört St. Marien, St. Michael reiht sich wie ein Bürgerhaus in die Kurze Straße ein, und St. Nikolai ist seit 1820 Universitätskirche und im Eigentum der Universität, nachdem die Studentenschaft 1819 darum ersucht hatte. Die Paulinerkirche wiederum war die Klosterkirche der Dominikaner, denen Albrecht der Feiste 1294 die Gründung eines Klosters im Papendiek erlaubte; geweiht wurde sie 1331. Die achte, die Reformierte Kirche an der Unteren Karspüle, entstand erst nach der Universitätsgründung: Auf Initiative des Universalgelehrten Albrecht von Haller wurde sie 1752/53 gebaut.
Von der alten Befestigung ist wenig geblieben. Zuerst schützten Wälle die Stadt, spätestens vom Ende des 13. Jahrhunderts an Mauern darauf; davon stehen nur noch der Mauerturm in der Turmstraße und ein Stück der Mauer. Der spätere Wall besaß zuletzt eine kräftige Stützmauer mit Brustwehr, einen breiten Festungsgraben aus einer Kette von Teichen, mindestens 30 Türme an seinem Außenrand sowie mehrere Schanzen und Außenbastionen. Nach dem Siebenjährigen Krieg schleifte man die Wälle und gestaltete sie zur Promenade um.

Nicht der Krieg hat hier am meisten weggenommen, sondern die Nachkriegsplanung: bei den Flächensanierungen der Planungsvorhaben aus den 1970er Jahren verschwanden große Teile der im Krieg unversehrt gebliebenen Altstadt vollständig und machten Neubauten, Parkhäusern oder Brachen Platz; besonders einschneidend war 1968 der Abriss des 1735 errichteten universitären Reitstalls in der Weender Straße, gegen den Bürger und Studenten heftig protestierten. Zwischen 1966 und 1975 wurden die innerstädtischen Straßen weitgehend zu Fußgängerzonen umgebaut, und 1978 bezog die Verwaltung ihr Neues Rathaus.






Stand des Portraittextes: 2026-09-18.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT
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Die Zahlen des 20. Jahrhunderts zeigen, wie stark die Hochschule die Stadt trägt: von 4680 Studierenden im Wintersemester 1945 stieg die Zahl bis Anfang der 1990er Jahre auf 30.000 und ging danach wieder zurück. Ab 1964 wuchsen nördlich der Altstadt der heutige Campus und das geisteswissenschaftliche Zentrum auf dem Gelände des früheren Universitätssportzentrums, zwischen Weende und Nikolausberg entstand die Nord-Uni, ab 1973 wurde ein neues Universitätsklinikum gebaut, und 1993 öffnete auf dem Campus der Neubau der Staats- und Universitätsbibliothek.





