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Gotha hatte am 31.12.2025 45.904 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 45 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Gotha
Gotha liegt dort, wo das Thüringer Becken in das Vorland des Thüringer Waldes übergeht. Die Stadt breitet sich auf 69,58 Quadratkilometern aus und liegt auf 300 Metern Höhe; der Krahnberg im Nordwesten ist mit 431 Metern die höchste Erhebung am Rand des bebauten Gebiets, und im Zentrum erhebt sich der Schlossberg mit 331 Metern. Auf ihm steht das Schloss Friedenstein, das weithin sichtbar das Stadtbild beherrscht.
Über Jahrhunderte war Gotha Residenz. Von 1640 bis 1825 regierten hier die Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg, ab 1826 die von Sachsen-Coburg und Gotha. Gegenüber dem benachbarten Weimar, dem anderen Zentrum der ernestinischen Dynastie, suchte Gotha sein eigenes Profil: Weimar wurde das künstlerische Zentrum, Gotha das naturwissenschaftliche Gegenstück, wovon Sternwarte und Naturkundemuseum bis heute zeugen. Hinzu kamen Verlage, Banken und Fabriken, sodass die Stadt später Versicherungsstadt, Verlagsstadt und Fliegerstadt zugleich hieß.

Gotha wird erstmals in einer Urkunde erwähnt, die am 25. Oktober 775 in Düren ausgestellt wurde und heute nur noch in einem Kopialbuch des Klosters Hersfeld erhalten ist. Karl der Große übereignete darin dem Kloster unter anderem den Zehnt von Land, Wald und Wiesen der Villa Gothaha. Dieses Gotha lag allerdings weiter westlich und ist mit der heutigen Stadt nicht identisch. Am 18. Mai 874 erscheinen in einer Schenkungsurkunde die späteren Stadtteile Uelleben und Kindleben als dem Stift Fulda zehntpflichtig. Eine alte Sage wollte dagegen Gotha auf die Goten zurückführen, die um das Jahr 510 im Gefolge einer Prinzessin nach Thüringen gekommen sein sollten; sie schlägt sich noch im Rathausportal nieder, wo Lamm und Lindwurm als Symbole der Goten 1574 angebracht wurden. Schon im 18. Jahrhundert verwarf man diese Theorie.
Die planmäßige Stadtanlage geht auf die Ludowinger zurück. Unter Landgraf Ludwig bekam die Stadt um die Mitte des 12. Jahrhunderts das Eisenacher Stadtrecht; als Stadt in einer landgräflichen Urkunde tritt sie erstmals 1180/89 auf. Ein Stadtbrand richtete 1207 schwere Schäden an. 1223 stifteten Landgraf Ludwig und seine Gattin Elisabeth von Thüringen das Hospital Mariae Magdalenae im Brühl. Waid- und Tuchhandel brachten Wohlstand, und weil es in Gotha keine natürlichen Flüsse gab, legte man 1369 den Leinakanal an, der über mehr als zwölf Kilometer Wasser vom Rand des Thüringer Waldes in die Stadt führte.
Nach einer ersten reformatorischen Predigt 1522 wurde im August 1524 nach dem Gothaer Pfaffensturm Friedrich Myconius als evangelischer Prediger an die Marienkirche berufen. 1526 trafen sich Landgraf Philipp von Hessen und Kurfürst Johann von Sachsen in Gotha zu einer Vereinbarung, die zum Schmalkaldischen Bund führte. Ein Stadtbrand vernichtete 1545 fast die Hälfte der Wohnhäuser, und in den Jahren 1566 und 1567 belagerten kaiserliche Truppen unter Kurfürst August von Sachsen die Stadt und die Burg Grimmenstein.
Im 17. Jahrhundert wurde Gotha unter Herzog Ernst dem Frommen Residenz. Die Herzöge führten die Schulpflicht für Mädchen und Knaben ein, begannen naturwissenschaftliche Sammlungen und richteten das Hoftheater ein, das später nach seinem Mitbegründer Conrad Ekhof benannt wurde. 1663 verwüstete ein Brand über 300 Häuser der Altstadt. Unter Herzog Ernst dem Zweiten wurde die Schlossbefestigung aufgehoben und ein Park nach englischem Vorbild angelegt.

Die vielfältigen Interessen der Herzöge begründeten den Ruf der Stadt als Stätte der Naturwissenschaften und Künste. Bereits 1757 wurde in Gotha Porzellan hergestellt. Herzog Ernst der Zweite finanzierte aus Privatmitteln eine moderne Sternwarte, die nach seinem testamentarischen Wunsch als sein Denkmal erhalten bleiben sollte. 1785 wurde der geographische Verlag Justus Perthes gegründet, in dem bis 1944 der Gothaer Adelskalender erschien; Kartografie blieb später ein Kern der Druckindustrie am Ort.
Die Wirtschaft bekam 1820 einen eigenen Akzent: Der Kaufmann Ernst-Wilhelm Arnoldi begründete in Gotha mit der Gothaer Versicherung das deutsche Versicherungswesen. Das Deutsche Versicherungsmuseum erinnert seit 2009 im früheren Gebäude der Gothaer Lebensversicherungsbank an ihn. 1847 erhielt die Stadt einen Bahnhof an der Strecke Leipzig–Frankfurt, und Maschinenbau, Druckindustrie und die Verarbeitung landwirtschaftlicher Rohstoffe wurden zu wichtigen Standorten.
Auch die Bildung hat bis heute Gewicht. In der DDR war die Stadt Standort von Fachschulen für Finanzen, Bauwesen, Ingenieurpädagogik, Kindergärtnerinnen und Krankenschwestern. Gotha ist Kreisstadt des Landkreises Gotha und Sitz der Thüringer Fachhochschule für öffentliche Verwaltung.
Das Wahrzeichen der Stadt ist Schloss Friedenstein, ein früh barocker Bau mit begehbaren Kasematten. Im Schlosspark liegen die Orangerie, das Schloss Friedrichsthal, das Winterpalais, das Prinzenpalais und das Herzogliche Museum. Der Park selbst geht auf die Zeit Herzog Ernsts des Zweiten zurück, und auf der Begräbnisinsel im Großen Parkteich liegen die letzten Herzöge des Hauses Sachsen-Gotha-Altenburg begraben.
Die Museen im Schloss, das Regionalkundemuseum und das Naturkundemuseum blieben erhalten, doch gingen unter der amerikanischen Besatzung Hunderte Kunstwerke verloren, und 1946 brachte man den Rest der Kunstsammlungen, das Münzkabinett und die Herzogliche Bibliothek als Beutegut in die UdSSR; die Hauptteile kehrten 1958 zurück.
Im Westflügel des Schlosses steht das Ekhof-Theater, ein vollständig erhaltenes barockes Schlosstheater mit originaler Bühnenmaschinerie; von Juni bis August findet hier das Ekhof-Festival mit Aufführungen und Konzerten statt. Das Stadttheater, das nach Entwürfen Schinkels 1839 am heutigen Ekhof-Platz gebaut wurde, brannte am Ende des Zweiten Weltkriegs aus; die Ruine sprengte man 1958, obwohl ein Wiederaufbau möglich gewesen wäre.

Von der Burg Grimmenstein, der einstigen Wettinerburg, blieb nichts als der Name im Stadtplan. Der Weg vom Schloss führt über historisches Pflaster an der Wasserkunst vorbei in die Altstadt, zum Markt mit dem Alten Rathaus. Von den mittelalterlichen Mauern blieb wenig, im 17. Jahrhundert ersetzten Festungsbauten die alte Befestigung, an deren Stelle heute die Ringstraße verläuft. Als Herkunftsort des Prinzen Albert erhielt die Stadt im 19. Jahrhundert eine großzügige städtebauliche Förderung; schlossartige Verwaltungsgebäude, zwei Bahnhöfe und die Rennbahn auf dem Boxberg zeugen davon.

Herzog Ernst der Zweite vertrat die preußische Einigungspolitik und förderte Sänger, Turner, Schützen und Studenten. In Gotha tagte 1849 das Nachparlament, und aus liberaler Überzeugung ließ er eine fortschrittliche Verfassung zu, unter der 1861 der Deutsche Schützenbund gegründet wurde. Im Tivoli gründete sich 1875 die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands, die sich später SPD nannte; die Gaststätte wurde saniert und zeigt heute eine Ausstellung.
Auch der Widerstand gegen den Nationalsozialismus hat Namen: Otto Geithner, sozialistischer Redakteur, wurde 1945 im KZ Buchenwald befreit; der Pfarrer Werner Sylten organisierte Hilfe für jüdische Christen und wurde ermordet. Die Synagoge wurde in der Nacht zum 10. November 1938 von der SA angezündet. Von September 1939 bis April 1945 mussten 6778 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, vor allem in Rüstungsbetrieben, arbeiten, und auf dem Hauptfriedhof wurden 215 Opfer der Zwangsarbeit bestattet. Am 4. April 1945 verhinderte das Kapitulationsangebot des Stadtkommandanten Josef Ritter von Gadolla weitere Schäden; er wurde dafür am folgenden Tag in Weimar erschossen und 2018 vom Stadtrat postum zum Ehrenbürger ernannt.
Die Wende trug hier Freitagsdemonstrationen, die von Friedensgebeten ausgingen. Die erste fand am 27. Oktober 1989 statt, am 4. Dezember 1989 besetzten Bürger friedlich die Kreisdirektion der Staatssicherheit, und am 27. Januar 1990 sprach Willy Brandt auf dem Hauptmarkt vor Tausenden Zuhörern. 2020 nahm die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa Gotha in den Kreis der Reformationsstädte Europas auf.
Die Gothaer Waggonfabrik baute ab 1898 zunächst Straßenbahnwagen und ab 1913 auch Flugzeuge. 1910 entstand am Kleinen Seeberg ein Flugplatz mit Luftschiffhallen, und 1914 überquerte Karl Caspar mit einer Gotha-Taube den Ärmelkanal. Zu DDR-Zeiten hieß das Werk VEB Gothaer Fahrzeugwerk und lieferte Straßenbahnen und Teile für den Wartburg. 1989 hatte es etwa 2150 Beschäftigte, 1992 nur noch 900.
Heute gehören zu den Betrieben Schmitz-Gotha Fahrzeugwerke mit rund 800 Beschäftigten im Gewerbegebiet Gotha-Ost, die Gothaer Fahrzeugtechnik mit etwa 400 Mitarbeitern, die Gothaer Brauerei, die seit dem 1. Januar 2023 zur Paulaner Gruppe gehört, und das Getriebewerk, in dem ZF heute Achsantriebe montiert. Bystronic Maschinenbau beschäftigt am Standort etwa 250 Menschen.
1975 lebten fast 60.000 Menschen in der Stadt. Nach der Wende gingen die Zahlen zurück, seit 2012 übersteigt die Zuwanderung das Geburtendefizit, und die Einwohnerzahl wächst wieder. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 45.904 Einwohner.
Das Gothardusfest wird seit 1999 jährlich am ersten Maiwochenende gefeiert, gewidmet dem Stadtpatron Gotthard. Es setzt eine mittelalterliche Schützentradition fort, die bereits 1442 in einer Schützenordnung beurkundet ist; schon für 1478 ist ein erstes Vogelschießen vor dem Brühler Tor bezeugt.
Seit 2001 lebt am letzten Augustwochenende beim Barockfest die Zeit des Spätbarocks im Schloss Friedenstein wieder auf: Rund 200 Laiendarsteller schlüpfen in Kostüme, der Darsteller Herzog Friedrichs des Dritten nimmt Wachparaden ab und hält Audienzen. Seit 1998 treffen sich im September Schmiede und Metallgestalter zu „Gotha glüht“, und der Silvesterabend gehört dem Bühnenstück „Dar neunzschsde Gebordsdaach“, das seit 2009 in Gothaer Mundart aufgeführt wird und das Winterpalais zum angeblichen Ursprungsort von „Dinner for One“ erklärt. Als Ehrung für Künstlerinnen vergibt die Stadt seit 2008 die Hannah-Höch-Ehrung.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT
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Nicht alles ist erhalten geblieben. Seit der Nachkriegszeit verlor die Stadt viel historische Bausubstanz, besonders in der späten DDR-Zeit: Das Quartier westlich des Marktplatzes wurde abgebrochen. Nach 1990 wurden Schloss, Winterpalais, Rathaus, Kirchen, Wasserkunst und Herzogliches Museum instand gesetzt. 2014 wurde eine Häuserzeile am Brühl abgebrochen, darunter vier Häuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert.



