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Hameln hatte am 31.12.2025 58.152 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 47 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Hameln
Hameln liegt an der Oberweser im Weserbergland, südwestlich von Hannover; direkt westlich der Stadt erhebt sich der Berg Klüt mit dem Aussichtsturm Klütturm. Ende 2025 zählte die Stadt 58.152 Einwohner.

Bekannt ist Hameln vor allem durch eine Sage, die hier zur Stadtgeschichte gehört: den Rattenfänger. Daneben prägen die Bauten der Weserrenaissance die Altstadt, und über Jahrhunderte war der Ort eine Festung.
Bis in die Steinzeit reichen erste Siedlungsspuren im heutigen Stadtgebiet zurück; unklar bleibt, wann sich auf dem Boden der heutigen Altstadt dörfliche Strukturen bildeten. Um das Jahr 790 erhielt der damals etwa 50-jährige Fuldaer Benediktinermönch Erkanbert das Bischofsamt für den eben eroberten Missionsbezirk, der zwischen Oberweser und Leine lag; er wirkte zunächst vom Romanuskloster in Hameln aus, ehe er den Bischofssitz nach Minden verlegte. Der sächsische Graf Bernhard und seine Frau Christina errichteten im Jahre 802 oder 812 auf ihrem Gut eine Eigenkirche im Tilithigau; als beide im Jahre 826 kinderlos starben, fiel der Besitz an die Reichsabtei Fulda, die am günstig gelegenen Weserübergang im Jahr 851 ein Benediktinerkloster gründete. Als Hamela oder Hameloa erscheint der Ort in den frühesten Namensformen.
Vor dem Kloster, das man in ein Kollegiatstift umgewandelt hatte, wuchs mit der Zeit eine Marktsiedlung, die um 1200 als Stadt genannt wird; im Jahr 1209 ist erstmals eine Stiftsmühle bezeugt. Im 12. und 13. Jahrhundert lag die Stadthoheit bei der Abtei Fulda beziehungsweise ihren Stiftsvögten, den Grafen von Everstein, die geistliche Oberhoheit beim Bischof von Minden. Als der Abt von Fulda seine Rechte an der Stadt 1259 an das Hochstift Minden verkaufte, wollte das Hamelner Bürgerheer das nicht hinnehmen, unterlag dem Bischof von Minden aber im Jahre 1260 in der Schlacht bei Sedemünder. Herzog Albrecht der Erste erwarb im Verlauf weiterer Auseinandersetzungen 1268 die Vogtei und bestätigte der Stadt im Jahr 1277 mit einem Privileg ihre bis dahin vorbehaltenen Rechte.
Vermutlich im 13. Jahrhundert legte man um die Stadt eine etwa 9 Meter hohe Mauer mit Türmen und Toren, die vor Angriffen schützen sollte; als äußerer Ring kam im 14. Jahrhundert die Hamelner Landwehr hinzu. Der Hanse gehörte Hameln von 1426 bis 1572 an, und 1540 wurde die Reformation eingeführt. Wirtschaftlich ging es im 16. Jahrhundert aufwärts, bis der Dreißigjährige Krieg dem ein Ende setzte: im Wettstreit zwischen reicher Kaufmannschaft und Landadel entstanden damals die prächtigen Bauten der Weserrenaissance, die die Altstadt bis heute schmücken.
Der Krieg wechselte hier zweimal die Besatzung. Im Mai 1625 nahm die Stadt während des Dreißigjährigen Krieges zunächst nur eine kleine Truppe König Christians des Vierten von Dänemark auf; als sich die Lage gegenüber den ligistischen Truppen zuspitzte, rückte Christian am 14. Juli 1625 selbst ein, stürzte aber eine Woche später vom Pferd und verließ überstürzt mit allen Truppen die Stadt. Bereits am 2. August zog der kaiserliche Feldherr Tilly ein, nachdem er mit dem Rat der Stadt eine Kapitulationserklärung vereinbart hatte; die kaiserliche Besatzung hielt bis 1633, als Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg und schwedische Truppen ab März jenes Jahres die Stadt belagerten.
Bekannt wurde Hameln durch die Rattenfängersage, die auf den Auszug der Hämelschen Kinder im Jahre 1284 zurückgeht. Historisch ist anzunehmen, dass junge Bürger der Stadt von adligen Territorialherren oder Lokatoren für die Ostkolonisation angeworben wurden; daraus formte sich später die Sage. Dass das Jahr 1284 genannt wird, ist eine Festlegung des Spätmittelalters — der früheste Bericht darüber stammt aus den Jahren zwischen 1430 und 1450.

Die Sage selbst ist in Hameln längst Infrastruktur. Rund 70 Darsteller wirken beim wöchentlichen Rattenfänger-Freilichtspiel mit; der Stadtauszug kommt zudem im dreimal täglichen Figurenspiel am Westgiebel des historischen Hochzeitshauses vor und wird im Musical Rats in Szene gesetzt. Die Stadt nennt sich offiziell Rattenfängerstadt Hameln, und die Sage bestimmt ihr kulturelles Leben mit; als Ort dieser Symbolfigur liegt sie außerdem an der Deutschen Märchenstraße.
An den Hauptstraßen steht ein fast geschlossenes historisches Stadtbild mit vielen prachtvollen Fachwerk- und Steinhäusern, etliche davon aus der Renaissance; Osterstraße und Pferdemarkt bilden den repräsentativen Mittelpunkt der Altstadt. Reichen Figurenschmuck an den Fachwerkkonsolen trägt das Stiftsherrenhaus von 1558, eines der wenigen Häuser, die nicht mit dem Giebel, sondern traufseitig zur Straße stehen. In feinsten Renaissanceformen steht das Leisthaus von 1585 bis 1589 mit einem Relieffries der sieben Tugenden und Lukretia im Erkergiebel; heute ist darin das Museum Hameln untergebracht.
Das Rattenfängerhaus trägt einen reich verzierten Renaissancegiebel von 1603 und eine gut gegliederte Fassade mit Erker. Der spätere Bürgermeister Tobias von Dempter ließ das Dempter-Haus von 1607 bis 1608 errichten: die beiden unteren Etagen bestehen aus Stein mit Utlucht, darüber folgt Fachwerk mit einer Überfülle an Renaissanceschmuck. Das Hochzeitshaus, monumentales Fest- und Feierhaus der Stadt, entstand von 1610 bis 1617 im Stil der Weserrenaissance und trägt ein Glockenspiel, das fünfmal täglich mit Figurenumlauf spielt.

Von der Befestigung sind zwei Mauertürme erhalten, der Haspelmathturm und der Pulverturm, dazu ein rekonstruiertes Stück Stadtmauer. Die Münsterkirche St. Bonifatius, eine dreischiffige gotische Hallenkirche mit achteckigem Vierungsturm und romanischer Krypta, wurde nach zweckfremder Nutzung von 1870 bis 1875 wiederhergestellt; die Marktkirche St. Nicolai entstand vor 1200, wurde 1945 zerstört und von 1957 bis 1959 unter Wiederverwendung romanischer und gotischer Teile neu aufgebaut.

Von 1933 bis 1937 fand auf dem Bückeberg bei Hameln regelmäßig das Reichserntedankfest statt, eine Massenveranstaltung mit bis zu einer Million Teilnehmern aus ganz Deutschland; angereist kamen vor allem Menschen aus der Bauernschaft sowie führende Nationalsozialisten. Beim Novemberpogrom 1938 steckten Männer der Hamelner SA und SS die Synagoge in Brand, und 101 jüdische Bürger wurden aus der Stadt deportiert und später ermordet.
Ein Ort der Verfolgung lag mitten in der Stadt. Ab 1933 sperrte man im Gefängnis Hameln so genannte Politische ein, überwiegend Kommunisten und Sozialdemokraten, daneben Homosexuelle und Juden; später kamen politische Gefangene aus Frankreich und Dänemark hinzu. Aus der Strafanstalt wurde 1935 ein Zuchthaus, und während des Zweiten Weltkriegs führten die unmenschlichen Haftbedingungen zu etwa 300 Todesfällen; zum Kriegsende im April 1945 räumte man das Gefängnis teilweise, und es kam zu Todesmärschen.
Die Stadt selbst kam vergleichsweise glimpflich davon. Gegen Kriegsende traf am 14. März 1945 ein alliierter Bombenangriff die Stadt; 177 Menschen starben, 93 wurden verletzt, über 700 verloren ihr Zuhause. Am 5. April 1945 stand die zweite US-Panzerdivision in Groß-Berkel; als ein Stoßtrupp auf Hameln vorstieß, sprengten deutsche Soldaten die Weserbrücke, und Artilleriebeschuss zerstörte Marktkirche, Werdermühle, Rathaus und mehrere Häuser. Am 7. April 1945 rückte von Tündern aus das britische 117. Regiment in die Stadt; am folgenden 8. April traf der britische Stab ein, um die Übernahme vorzubereiten.
Nach dem Krieg bekam dasselbe Gefängnis eine neue Aufgabe: ab dem 13. Dezember 1945 nutzte es die britische Besatzungsmacht bis 1949 als Hinrichtungsstätte, 201 Menschen wurden hier hingerichtet, davon 156 als Kriegsverbrecher; 82 von ihnen hatten die Hamburger Curiohaus-Prozesse verurteilt. Unter ihnen waren Verurteilte des Bergen-Belsen-Prozesses: der Lagerkommandant Josef Kramer, der KZ-Arzt Fritz Klein sowie die KZ-Aufseherinnen Irma Grese, Elisabeth Volkenrath und Johanna Bormann. Die letzte Hinrichtung erfolgte am 6. Dezember 1949.
Wie mit diesen Toten umzugehen sei, beschäftigte die Stadt noch Jahrzehnte. Bestattet wurden die Leichen zunächst anonym auf dem Zuchthausgelände, ab Mitte 1947 auf dem Friedhof Am Wehl; Rechtsradikale machten daraus einen Wallfahrtsort — im November 1985 hielt dort die Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei eine Gedenkstunde ab, und 2015 legten Mitglieder einer Neonazi-Frauengruppe Zweige, Kerzen und Steine mit den Namen Hingerichteter nieder. Eine NPD-gestützte Bürgerinitiative verhinderte 1974 die Auflösung des Gräberfeldes; eingeebnet wurde es 1986, nachdem es auf dem Friedhof zu tätlichen Auseinandersetzungen gekommen war.
Wirtschaftlich hatte Hameln schon vor dem Ersten Weltkrieg auf das Automobil gesetzt. Im Industriegebiet südlich des Bahnhofs gründete Hans Hartmann 1907 die Norddeutschen Automobilwerke, und 1908 lief dort die Fertigung des Personenkraftwagens Colibri aus der unteren Mittelklasse an. Ab 1911 kam das Modell Sperber dazu, das in zahlreiche Länder ging: nach Russland, in baltische und skandinavische Staaten, nach Österreich und Großbritannien sowie in Übersee nach Südafrika und Neuseeland. Im Ersten Weltkrieg stockte die Produktion, gefertigt wurden nur noch Rüstungsgüter wie Lastkraftwagen.
Ein zweites Hamelner Auto kam dagegen nie in Serie. Die Firma Selve aus dem Sauerland übernahm 1917 die Norddeutschen Automobilwerke, stellte die Produktion aber 1929 infolge der Weltwirtschaftskrise ein; zu Beginn der nationalsozialistischen Zeit lief das Werk als Deutsche Automobilwerke AG wieder an. Der Konstrukteur Robert Mederer entwarf dort einen Wagen mit einem neuartigen Motor, der 2300 Reichsmark kosten sollte — der Regierung war das zu viel. Sie vergab den Großauftrag zum Aufbau einer Automobilindustrie nach Wolfsburg, wo für den nur 990 Reichsmark teuren KdF-Wagen die Volkswagen-Werke entstehen sollten, und damit war die Hamelner Automobilindustrie am Ende.
Nach dem Krieg half der geringe Zerstörungsgrad der Stadt beim Neuanfang. Weil der Krieg die Stadt bis auf wenige Ausnahmen verschont hatte, kamen ab Ende der 1940er Jahre größere Betriebe hierher, die anderswo ihren Standort verloren hatten. Mit den aufgenommenen Flüchtlingen wuchs die Bevölkerung bis zum Jahr 1950 auf über 51.000 Personen; die meisten Heimatvertriebenen kamen aus Schlesien. Ein Zeugnis der älteren Industrie steht bis heute: der Hefehof, 1890 als Werksgebäude der Bremer Zucker-Raffinerie im Gründerzeitstil errichtet, wurde im Jahre 2000 umgebaut; heute sind dort Läden, das Technologie- und Gründerzentrum der Stadt Hameln und Räume für Kulturveranstaltungen untergebracht.






Stand des Portraittextes: 2026-09-18.
Belege der kuratierten Auswahl: IKE, DZT_MAER
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.
Zur welfischen Haupt- und Prinzipalfestung wurde die Stadt ab 1664 ausgebaut; der erste Bauabschnitt der Festung Hameln galt 1684 als abgeschlossen, und von 1664 bis 1668 legte man sternförmige Bastionen um die Stadt. Nach dem Tod König Georgs des Zweiten von Großbritannien-Hannover 1760 verstärkte sein Nachfolger die Festung noch während des Siebenjährigen Krieges um Anlagen auf dem Klüt: von 1760 bis 1763 entstand dort das Fort George, von 1774 bis 1784 kamen zwei weitere Forts hinzu. Nach der Schlacht bei Jena übergab General Le Coq die Stadt am 20. November 1806 fast ohne Gegenwehr an die zahlenmäßig schwächeren französischen Truppen unter General Savary; dass Napoléon 1808 die Schleifung der Befestigung bis auf zwei Stadttürme anordnete, schuf Platz für das weitere Wachstum der Stadt.
Verloren ging dennoch einiges, und zwar erst nach dem Krieg. Obwohl der Krieg wenig beschädigt hatte, gingen danach denkmalgeschützte Bauten mutwillig verloren: den 1646 von Justus von Kiepe errichteten Kiepehof ließ der Rat 1971 abtragen, obwohl er noch intakt war, und das Siechenhaus in Wangelist, erstmals 1431 erwähnt, musste 1969 der Bundesstraße 1 weichen. Erst gegen Ende der 1960er Jahre kam der Verfall des Fachwerks in der Altstadt zum Stillstand; die anschließende Sanierung veränderte das Stadtbild dann erheblich.





