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Höhr-Grenzhausen hatte am 31.12.2025 9.354 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 61 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Höhr-Grenzhausen
Wer hier nach dem Ortsnamen fragt, bekommt eine Berufsbezeichnung zur Antwort. Kannenbäcker heißen die Töpfer nur in einem kleinen Gebiet südlich von Köln und im südlichen Westerwald, und im Kannenbäckerland selbst nennt man sie Euler. Höhr-Grenzhausen ist der Ort, an dem dieser Beruf eine Stadt gemacht hat: Am 1. April 1936 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Höhr, Grenzhausen und Grenzau zusammengelegt und die neue Gemeinde zugleich zur Stadt erhoben. Alle drei waren Töpferorte, und alle drei brannten dieselbe Ware — grau-blaues, salzglasiertes Steinzeug. Seit 2025 trägt die Stadt dafür einen Titel der UNESCO. Heute hat Höhr-Grenzhausen 9.354 Einwohner.

Die Keramik dieser Stadt hat einen datierbaren Anfang. Im Westerwald begann die Steinzeugproduktion im 15. Jahrhundert mit schlichtem Gebrauchsgeschirr, das eine braune Salzglasur trug und sich von den Erzeugnissen anderer rheinischer Töpferorte kaum unterschied. Den Umschwung brachte Zuwanderung: Um 1590 kamen führende Töpfermeister aus Raeren und Siegburg in die Westerwälder Orte, und mit ihnen die Technik, grauen Scherben kobaltblau zu bemalen. Erfunden war diese Glasur schon um 1520 in Köln, ohne sich durchzusetzen — erst die Verbindung mit einem grauen Scherben brachte den wirtschaftlichen Erfolg.
Wer die Technik mitbrachte, lässt sich benennen. Der Siegburger Meister Anno Knütgen verließ nach dem Truchsessischen Krieg mit seinen Söhnen Bertram und Rutger seine Heimatstadt und siedelte sich in Höhr an, wo er kurz darauf starb; ein weiterer Sohn, Hermann, zog im Jahr 1600 nach. Aus Lothringen kam um dieselbe Zeit der Töpfer Peter Remy nach Grenzhausen. Die einheimischen Töpfer stellten weiterhin einfaches braunes Geschirr mit rotem Scherben her, wie es die Zunftordnungen vorschrieben, und daraus wurden offene Zwistigkeiten. Beigelegt werden sollten sie 1643 durch eine neue, amtsbezirksübergreifende Zunftordnung für alle Steinzeugtöpfer des Westerwaldes.
Die Anerkennung der Gegenwart folgt aus dieser Geschichte. Seit 2025 gehört Höhr-Grenzhausen zum weltweiten Netzwerk der UNESCO Creative Cities, aufgenommen als Stadt des Handwerks. Acht deutsche Städte sind in diesem Netzwerk vertreten; die anderen sieben stehen für Musik, Literatur, Design, Medienkunst und Film. Das Programm selbst zielt nicht auf Denkmalpflege, sondern auf Gegenwart: Es soll die internationale Zusammenarbeit stärken und Kreativität als strategischen Faktor für nachhaltige Entwicklung fördern.
Um das Jahr 1600 gehörten die drei Orte, die heute eine Stadt sind, drei verschiedenen Herren. Höhr teilten sich die Grafen zu Sayn-Wittgenstein mit den Kurfürsten von Trier; Grenzhausen gehörte zur Grafschaft Wied, Grenzau zur Grafschaft Isenburg. Grenzhausen ist 1281 erstmals urkundlich erwähnt und erhielt 1346 Stadtrechte; im selben Jahr verlieh Balduin von Luxemburg auch Grenzau Stadtrechte, und zwar nach Frankfurter Recht — angewendet wurden sie nie. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts zog das Gericht von Alsbach nach Grenzhausen, und der Ort bekam damit eine Mittelpunktfunktion für die Umgebung.
Wie klein diese Orte waren, sagen ihre eigenen Zahlen. Überliefert sind für Grenzhausen 33 Häuser im Jahr 1664 und 108 Familien im Jahr 1734, davon 47 Kannenbäcker- und acht Tabakpfeifenmacherfamilien — der Beruf steht also nicht nur im Landschaftsnamen, sondern in fast jeder zweiten Haushaltszeile. Grenzau war noch kleiner: Dort werden für 1787 143 Einwohner genannt, für 1826 dann 193. Die Wirtschaft beschränkte sich dort im 17. Jahrhundert im Wesentlichen auf das Töpfer-, Woll- und Leinenwebergewerbe.
Der Dreißigjährige Krieg kam auch hierher. Nahe Grenzhausen schlugen bayerische Truppen unter Johann von Werth hessische Truppen, die den Ring sprengen wollten, mit dem Werth die französische Besatzung der Festung Ehrenbreitstein eingeschlossen hatte. Am 14. März 1635 steckten Franzosen, die von Ehrenbreitstein herüberkamen, die Burg Grenzau in Brand. Bis aus den drei Dörfern eine Stadt wurde, dauerte es danach noch drei Jahrhunderte.
Über dem Brexbachtal steht die Ruine, der der Stadtteil Grenzau seinen Namen verdankt. Heinrich II. von Isenburg ließ sie um 1210 als Burg Gransioie erbauen, altfranzösisch für Großfreuden, und aus diesem Namen wurden über Gran Joie, Gransoge, Grensawe und La Grange schließlich Grenzau. Aus der Ersterwähnung vom 6. Januar 1213 geht hervor, dass er beim Bau Rechte übergangen hatte, die dem Kloster Laach an dieser Stelle zustanden.
Der Bergfried darüber hat drei Ecken. Der viergeschossige Turm aus der Mitte des 13. Jahrhunderts ist 32 Meter hoch, und für seine Dreiecksform gibt es unter den Burgen des heutigen Deutschland kein zweites Beispiel; erklären lässt sie sich möglicherweise aus der Verbindung des Erbauers zum Grafenhaus Peilstein, das große Besitzungen in Niederösterreich und der Steiermark hatte, wo solche Bauformen verbreitet waren. Erhalten sind daneben ein Torhaus mit kleinem Rundturm an der Südseite und die Ruine des Palas an der Westseite.
Die Burg blieb bewohnt, weil sie an einer Fernstraße lag, die vom Rheintal bei Bendorf nach Osten auf den Westerwald führte. 1346 eroberte Erzbischof Balduin von Trier sie in der Grenzauer Fehde. Als Graf Ernst von Isenburg-Grenzau 1664 starb, fiel das Lehen an Kurtrier zurück, 1793 stürzte das Dach des Schlossturmes ein. 1953 erwarb der Architekt Hans Spiegel die Ruine, sicherte sie und brachte dort seine Sammlung von Keramik des Kannenbäckerlands unter.
Ein zweites Bauwerk erzählt dieselbe Geschichte von innen. In der Stadt steht eines der letzten erhaltenen Brennofengebäude, ein technisches Denkmal, in dem das typische blau-graue salzglasierte Westerwälder Steinzeug einst im offenen Holzfeuer bei 1250 °C gebrannt wurde; heute ist dort eine Töpferei mit Museum untergebracht.
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte dem Westerwälder Steinzeug eine neue Blüte, und sie kam von außen. Nach dem Deutschen Krieg fiel Nassau 1866 an Preußen, und Preußen förderte die Industrialisierung der Töpferbetriebe und die Produktion von altdeutschem Steinzeug; 1884 gab der Bau einer Eisenbahnlinie durch den Westerwald dem Fernhandel wesentliche Impulse. Im selben Zeitraum setzte sich eine Technik durch, mit der sich Gefäße in Gipsformen hochdrehen ließen. Entwickelt hatte sie der böhmische Modelleur Reinhold Hanke, der 1868 in Höhr eine Firma zur Steinzeugproduktion gründete und 1873 Hoflieferant der Kaiserin Augusta wurde.
Womit die Werkstätten arbeiten, liegt unter ihnen. Der im Westerwald anstehende tertiäre feuerfeste Ton ist von gleichmäßig feiner Körnung und arm an Eisenoxid, und weil ihm das Eisen fehlt, brennt er zu einem hellgrauen Scherben — die Voraussetzung für die grau-blaue Ware. Aus derselben Eigenschaft ist die heutige Industrie entstanden: Feuerfest heißt der Ton nicht im Werbetext, sondern im Werkstoffdatenblatt.
Der Arbeitgeber mit den meisten Beschäftigten am Ort ist deshalb kein Töpfer, sondern ein Anlagenbauer. Die Steuler Holding beschäftigt am Standort Höhr-Grenzhausen etwa 600 Menschen und stellt vor allem Spezialkeramiken für Industrie und Anlagenbau her; gegründet hat das Familienunternehmen 1908 Georg Steuler. Daneben sind rund zwanzig kleinere Keramikbetriebe ansässig, meist in Familienhand und überwiegend auf künstlerische Keramik spezialisiert. Zwei weitere Werke stellen dekorierte Trinkgefäße her, vor allem Biergläser: die Firmen Rastal mit 450 Beschäftigten und Sahm mit rund 500 Mitarbeitern im Stammwerk. Und der Verband der Feuerfest-Industrie zieht von Bonn in einen Neubau nahe der Fachhochschule.
Seit 1879 gibt es in Höhr-Grenzhausen eine Fachschule für Keramik; aus ihr wurde später die entsprechende Fachrichtung der Hochschule Koblenz. Dass eine Kleinstadt eine Hochschule hat, hat hier also einen Grund, der die Stadt selbst um mehr als ein halbes Jahrhundert überdauert hat: Die Schule gab es lange vor der Gemeinde, zu der Höhr, Grenzhausen und Grenzau 1936 zusammengelegt wurden.
Der Westerwald-Campus der Hochschule Koblenz ist auf die Fachbereiche Künstlerische Keramik sowie Werkstofftechnik Glas und Keramik spezialisiert und bildet dort Ingenieurinnen und Ingenieure aus. Im Bildungs- und Forschungszentrum Keramik haben sich neben der Fachhochschule sechs weitere Facheinrichtungen zusammengeschlossen, darunter ein Gründerzentrum für keramische Technologien und Werkstoffe, ein Forschungsinstitut für Glas und Keramik und das Institut für Künstlerische Keramik und Glas. Daneben bildet der Ort weiter handwerklich aus, in einer Fachschule für Keramiktechnik und Keramikgestaltung und in einer Berufsschule im Bereich Keramik.
Das Museum dazu steht im selben Verbund. Das 1982 fertiggestellte Keramikmuseum Westerwald zeigt auf etwa 2000 m² über vier Ebenen, wie sich die Keramik entwickelt hat: vom salzglasierten Steinzeug der Anfänge über Prunkstücke der Renaissance und Stücke des Jugendstils bis in die 1990er Jahre. Ein Schwerpunkt der ständigen Sammlung ist das im Kannenbäckerland gefertigte salzglasierte Steinzeug.
Der Ort hat für seinen Beruf ein eigenes Wort und für seine Ware eigene Namen, und beide sind nach außen gewandert. Rheinaufwärts belieferte das Kannenbäckerland traditionell die Frankfurter Gegend mit Apfelwein-Bembeln; rheinabwärts, in den Niederlanden, heißen Tontöpfe im klassischen blauen Dekor bis heute Keulse pot, also Kölner Topf. Die Moselwinzer nahmen ihre Tagesration Wein im braunen Bimmes mit in den Weinberg.
Der Landschaftsname selbst ist dagegen jung. Den Namen Kannenbäckerland trägt die Gegend erst seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert — dabei lässt sich die Töpferei hier ohne Unterbrechung schon ab 1402 nachweisen.
Wohin die Stadt gehört, sagen ihre Partnerschaften. Seit 2024 ist sie mit der belgischen Gemeinde Raeren verbunden, ausdrücklich wegen der gemeinsamen Keramiktradition — also mit jenem Töpferort, aus dem um 1590 die Meister kamen, die das blau-graue Steinzeug hierher brachten.

Stand des Portraittextes: 2026-09-17.
Belege der kuratierten Auswahl: CC
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