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Husum, Stadt hatte am 31.12.2025 23.976 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 56 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Husum, Stadt
Ein Gedicht hat dieser Stadt ihren Beinamen gegeben. Theodor Storms Die Stadt machte Husum zur grauen Stadt am Meer — und das ist, je nach Wetter, entweder eine Beleidigung oder eine sehr genaue Beschreibung.
Tatsächlich verdankt der Ort seine Existenz als Hafen einer Katastrophe. Vor der großen Sturmflut des 14. Jahrhunderts lag das Zentrum der Gegend im Nachbarort Mildstedt; danach hatte Husum plötzlich direkten Zugang zum Meer, richtete einen Marktplatz ein und wuchs. Heute ist es Kreisstadt Nordfrieslands, hat ein Schloss, einen Binnenhafen bis fast an den Markt und im Frühjahr einen Park voller Krokusse.
Die Zweite Marcellusflut, in der Überlieferung Grote Mandränke genannt, zerriss die Küste, ließ Inseln und den Ort Rungholt versinken und setzte ganze Landstriche dauerhaft unter Wasser. Für Husum war dieselbe Flut ein Glücksfall: Der Ort lag danach am Wasser. Waren konnten auf dem Seeweg direkt angeliefert werden, und der Markt blühte auf. Bis 1372 hatte die Bevölkerung stark zugenommen, bis 1398 war die Siedlung so gewachsen, dass zwei Dörfer daraus wurden, die bis 1431 Oster- und Westerhusum hießen.
Der Aufstieg folgte dann der großen Politik. Anfang des 15. Jahrhunderts sperrten Kriegsschiffe der Hanse mehrfach den Sund für Schiffe, die nicht aus Hansestädten kamen; der dänische König ließ die Waren daraufhin in Husum anlanden und von dort über Land nach Flensburg bringen. 1409 taucht der Ortsname zum ersten Mal auf, 1421 bekam Husum die Gerechtigkeit als Flecken, und mit der Einweihung der ersten eigenen Kirche 1507 war die Loslösung vom Kirchspiel Mildstedt vollzogen. Die Stadt zählte damals gut 3000 Einwohner.
Dass diese Entwicklung nicht geradlinig verlief, zeigt das Jahr 1472. Die Husumer hatten sich an einem Aufstand gegen König Christian I. beteiligt, der den Ort daraufhin einnehmen ließ. Die Zerstörung wurde zwar abgewendet, aber Brandschatzung, der Entzug aller Privilegien und die Hinrichtung von rund 70 Bürgern vernichteten die Blüte des Fleckens. Erst am 20. April 1603 verlieh Herzog Johann Adolf der Stadt das Stadtrecht.
Das Wasser blieb ein Thema. 1634 zerschlug die Burchardiflut die benachbarte Insel Alt-Nordstrand; Husum selbst kam glimpflich davon, verlor aber viele der Bauern, die zum Markt gekommen waren. Später wurde die Verbindung zur See technisch geregelt: 1904 entstand am Ort der Seeschleuse von 1858 eine neue Schleuse mit einer Öffnungsbreite von 12,0 m, und 1912 baute der Hamburger Ingenieur Emil Pein im Porrenkoog eine Versuchsanlage, die Strom aus den Gezeiten gewinnen sollte.
Neben den Hafen trat im 19. Jahrhundert die Eisenbahn: 1854 kam die Strecke Flensburg–Husum–Tönning, 1887 folgte der Anschluss an die Marschbahn. Daraus entstand ein Viehmarkt, der Lebendvieh bis nach Hamburg verlud. Vom maritimen Husum sind der Binnenhafen, das Gelände der ehemaligen Werft, ein Trockendock und der alte Bahnhof von 1854 als Denkmale geblieben. Den Viehmarkt schloss man 1970, und auf dem frei gewordenen Gelände am Nordrand steht heute die Kreisverwaltung. Aus dem Flecken mit gut 3000 Einwohnern ist so eine Kreisstadt mit 23.976 Einwohnern geworden, Stand Ende 2025.

Theodor Storm kam in Husum zur Welt, und die Stadt hat ihn nie wieder losgelassen. Sein Wohnhaus in der Wasserreihe, einer schmalen Gasse mit kleinen Fischerhäusern nahe dem Binnenhafen, war zwischen 1866 und 1880 sein Zuhause; hier entstanden mehrere seiner Novellen. Heute ist es Museum und zeigt Räume, die teils im Original erhalten sind.
Der Ort taucht in seinem Werk nicht als Kulisse auf, sondern als Klima. Der Schimmelreiter, seine meistgelesene Novelle, spielt an den Deichen dieser Küste; verfilmt wurde sie 1934 unter der Regie von Hans Deppe und Curt Oertel, und Husum selbst diente als Drehort. Aus einer anderen Novelle stammt der Name eines Festivals: Die Pole-Poppenspäler-Tage bringen jedes Jahr im Spätsommer Figurentheater in die Stadt.
Auch andere literarische Namen stammen aus Husum: Hier wurden die Schriftstellerin Franziska zu Reventlow und die Romanautorin Dörte Hansen geboren.
An den Dichter erinnern in der Stadt ein eigenes Denkmal und die Storm-Woldsen-Gruft auf dem St.-Jürgen-Friedhof. Wer die Stadt lesen will, wie ihr Dichter sie sah, braucht beides: das Hafenbecken, das fast an den Markt heranreicht, und die grauen Tage, an denen das Meer näher wirkt, als es ist.
Das auffälligste Bauwerk der Stadt entstand aus einem Kloster. Herzog Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf, der ab 1544 in den gottorfschen Anteilen des Herzogtums regierte, ließ sich ab 1577 an der Westküste eine Residenz errichten; gebaut wurde das Schloss vor Husum an der Stelle einer aufgelassenen Klosteranlage und bis 1582 fertiggestellt. Im 17. Jahrhundert diente es vor allem als Witwensitz, 1750/51 wurde es umgestaltet.
Um das Schloss liegt der Schlosspark, der 1994 als Gartendenkmal in das Denkmalbuch des Landes aufgenommen wurde. Bekannt ist er für die Husumer Krokusblüte im Frühjahr: rund fünf Millionen Krokusse, die weit über die Stadtgrenzen hinaus Besucher anziehen. Seit 2008 gibt es auf der Schlossinsel zusätzlich den Herzoginnengarten.

Der zweite Mittelpunkt ist der Marktplatz mit seiner geschlossenen Randbebauung. Dort stehen das Alte Rathaus und die Marienkirche, deren Vorgängerbau — eine gotische Kirche mit einem fast 100 m hohen Turm — 1807 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde; der Abbruch gilt bis heute als schwerer Verlust für die Architekturgeschichte des Landes. Der heutige klassizistische Bau nach Plänen von Christian Frederik Hansen wurde 1833 eingeweiht. In derselben Kirche stand einst ein Werk des Bildschnitzers Hans Brüggemann, der von 1512 bis 1521 in Husum arbeitete und von hier aus den Bordesholmer Altar schuf.

Auf dem Markt steht außerdem das Asmussen-Woldsen-Denkmal, ein Brunnen des in Husum geborenen Bildhauers Adolf Brütt, benannt nach zwei Wohltätern der Stadt. Die Bronzefigur zeigt eine junge Fischersfrau mit Kopftuch, Holzschuhen und Ruder; im Volksmund heißt sie Tine, und der Brunnen gilt als Wahrzeichen Husums. Was aus der Stadt am Wasser wirtschaftlich geworden ist, steht in den Kennzahlen der Datenseite.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT_SEA
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