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Idar-Oberstein hatte am 31.12.2025 30.074 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 43 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Idar-Oberstein
Über der Altstadt von Oberstein klemmt eine Kirche in der Felswand. Die Felsenkirche steht nicht auf dem Berg und nicht vor ihm, sondern in einer Nische, die man in den Fels geschlagen hat; darüber ragen zwei Ruinen auf, die Burg Bosselstein und das Schloss Oberstein. Wer die Treppe hinaufsteigt, sieht, warum diese Stadt lang und schmal ist: Das Tal lässt keine andere Form zu.
Die Stadt liegt auf 272 Meter Höhe im Nahetal, ihr Gebiet umfasst 91,58 Quadratkilometer. Zum 31. Dezember 2025 zählte sie 30.074 Einwohner. Sie besteht aus zwei früher getrennten Orten: Oberstein an der Nahe, Idar am Idarbach. Dass sie sich unterschiedlich entwickelt haben, liegt am Wasser — und an Steinen, die man hier seit Jahrhunderten schleift.
Die Böden der Umgebung gaben den Rohstoff her. Weil hier Achat, Jaspis und andere Steine natürlich vorkamen, entstanden früh die Berufe des Achatschleifers und später des Achatbohrers. Um 1660 kamen Goldschmiede hinzu, denn gefasste Achatwaren ließen sich besser verkaufen.
Die Arbeitsteilung folgte den Flüssen, und das ist bis heute im Stadtplan zu sehen. Die Goldschmiede setzten sich ans Obersteiner Naheufer, weil sie für ihre Verfahren Wasser brauchten. Die Schleifer dagegen gingen an den Idarbach: Seine Wasserführung eignete sich besser zum Antrieb der Schleifsteine, während die Nahe regelmäßig Hochwasser führte und die Mühlen überschwemmt hätte.

Wie diese Arbeit aussah, lässt sich an einer erhaltenen Anlage besichtigen. Die Kallwiesweiherschleife zwischen Idar und Tiefenstein, kurz Weiherschleife genannt, ist wieder in Betrieb und war eine von ursprünglich 183 wasserradangetriebenen Achatschleifmühlen im Naheraum. Die Schleifer lagen dabei bäuchlings auf Brettern vor den senkrecht laufenden Sandsteinscheiben — eine Haltung, die Rücken und Lunge ruinierte.

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts ging den Schleifern der heimische Rohstoff aus. Die regionalen Achatvorkommen erschöpften sich, und in Idar verarbeitete man von da an brasilianischen Achat. Damit hing ein Handwerk im Hunsrück an einer Lieferkette über den Atlantik — und die Auswanderer, die in Brasilien Steine suchten, brachten mehr zurück als Ware.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Idar und Oberstein neben Pforzheim, Hanau und Schwäbisch Gmünd zu einem der vier wichtigen Schmuckzentren Deutschlands. Den Anschluss brachte die Eisenbahn: Am 15. Dezember 1859 ging die Strecke von Bad Kreuznach nach Oberstein in Betrieb, und 1865 verlieh Oldenburg beiden Orten förmlich das Stadtrecht. Innerhalb dieses Zentrums gingen die beiden Orte getrennte Wege.
Oberstein ging den Weg des Metalls. Dort wandelte sich das Gewerbe zur Metallwarenherstellung. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden zahlreiche Uhrkettenfabriken, die weit über die Region hinaus lieferten; als im Ersten Weltkrieg die Armbanduhr die Taschenuhr verdrängte, stellte man auf Modeschmuck um. Als scharfe Umweltauflagen und Billigkonkurrenz in den 1970er Jahren zusammenkamen, wurde es für diese Betriebe eng. Im Industriedenkmal Jakob Bengel hat sich eine Schmuckfabrik in ihrem alten Zustand erhalten und kann besichtigt werden.
Idar ging den Weg des Handels. In der Blütezeit arbeiteten für die Idarer Diamantschleifereien rund 7000 Diamantschleifer. Der Stadtteil gehört bis heute zu den Welthandelsplätzen für Edelsteine, neben Antwerpen und Amsterdam, deren Schwerpunkt allerdings im Diamantenhandel liegt. Der Handel hat der Stadt ein Hochhaus hinterlassen. Von 1971 bis 1973 entstand in Idar das Börsenhochhaus, das seither die Silhouette des Stadtteils prägt. Die Deutsche Diamant- und Edelsteinbörse wurde 1974 als kombinierte Börse für Diamanten und Farbedelsteine eröffnet und gehört dem Weltverband der Diamantbörsen an.

Der Wohlstand steckt auch im Wohnungsbestand. Ab 1850 ließen Fabrikanten sowie Diamant-, Edelstein- und Perlenhändler zwischen Oberstein und Idar großbürgerliche Villen bauen; eine davon, 1894 für den Perlenhändler Karl August Purper errichtet, beherbergt heute das Deutsche Edelsteinmuseum mit mehr als 10.000 Exponaten.
Der Stadtteil Oberstein ging aus einer reichsunmittelbaren Herrschaft hervor. Die Herren vom Stein sind erstmals 1075 erwähnt und saßen über der späteren Felsenkirche auf der Burg Bosselstein, die man das Alte Schloss nennt. Mitte des 13. Jahrhunderts spalteten sie sich in zwei verfeindete Linien, und auf einem benachbarten Felssporn entstand ein zweiter Sitz.

Dieses Ensemble ist das Wahrzeichen des Ortes. Die Burg Bosselstein ist seit 1197 dokumentiert, das Schloss Oberstein wurde 1336 erstmals genannt und 1855 durch einen Brand zerstört, die Felsenkirche stammt von 1482. Reste der um 1410 angelegten Stadtmauer stehen noch an zwei Stellen im Aufgang zu den Bauten.
Das übrige Stadtbild stammt aus drei Schichten. Zur ersten gehören die Fabrikbauten an Nahe und Idarbach, zur zweiten die Villen der Händler, zur dritten die Militärbauten: Der Ausbau zur Garnisonsstadt in den Jahren 1936 bis 1938 setzte Kasernen auf die bis dahin unbebauten Bergrücken über Oberstein und in Algenrodt. Dazwischen stehen ein ehemaliges kaiserliches Postamt, ein Bismarckturm und zwei jüdische Friedhöfe.
Neben den Bauten steht eine Gegenwart, in der die Stadt ihr Gewerbe vorführt. Auf dem Deutschen Edelsteinschleifer- und Goldschmiedemarkt führen Diamant-, Facetten- und Achatschleifer ihre Techniken vor, und für jede Amtsperiode wird im Stadttheater eine Deutsche Edelsteinkönigin gekrönt.
Wer heute durch Idar geht, findet Läden voller Steine aus Sambia, Brasilien und Sri Lanka, ein Museum mit Vitrinen bis unter die Decke und ein Besucherbergwerk am Steinkaulenberg, in dem Achatgänge im Gestein stehen. Das Wasserrad an der Weiherschleife dreht sich dabei für Gäste — den Rohstoff, für den es einmal lief, liefert längst ein Frachtbrief.
Seit 2016 nennt sich die Kommune außerdem Nationalparkstadt, weil der Nationalpark Hunsrück-Hochwald an ihr Gebiet reicht.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.
Eines dieser Mitbringsel ist ein Gericht. Der Spießbraten, mit dem die Stadt jeden Anlass begeht, geht auf das südamerikanische Churrasco zurück; mit dem Import von Achatsteinen aus Argentinien und Brasilien übernahm man die Zubereitung von den Gauchos. Ein Handwerk hat hier also nicht nur Berufe geprägt, sondern auch die Sonntagsküche.






