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Ilmenau hatte am 31.12.2025 38.695 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 45 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Ilmenau
Ilmenau liegt im Tal der Ilm am nordöstlichen Rand des Thüringer Waldes, etwa 33 Kilometer südsüdwestlich von Erfurt. Der Talkessel der Kernstadt liegt auf rund 500 Metern Höhe, ringsum steigen Pörlitzer Höhe, Sturmheide, Lindenberg und Ehrenberg an, im Süden erhebt sich der Kickelhahn mit 861 Metern als höchster Punkt des Stadtgebiets. Das Stadtgebiet umfasst 168,18 Quadratkilometer, und fast zwei Drittel davon, gut 120 Quadratkilometer, sind unbesiedelte Waldflächen.

Drei Dinge haben die Stadt geprägt. Da ist zuerst Goethe, der hier zwischen 1776 und 1831 als Minister ein Bergwerk retten wollte und bei dem Versuch auch Wandrers Nachtlied schrieb. Da ist zweitens die Industrie, die Porzellan und Glas herstellte, darunter Messgeräte wie Thermometer. Und da ist drittens die Technische Universität, die die Stadt seit der Nachkriegszeit prägt und sie zu einem Ort der Ingenieure macht.
Die Stadt wird 1273 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und gehörte damals zur Grafschaft Kevernburg. Die Stadtrechte erhielt sie 1341, und 1343 wurden die Grafen von Henneberg ihre neuen Herren. Damals spielte der Bergbau auf Silber und Kupfer eine wichtige Rolle; abgebaut wurden später auch Mangan. Nach dem Aussterben der Henneberger 1583 fiel Ilmenau an das Gesamthaus Sachsen, 1661 kam es zu Sachsen-Weimar.
Immer wieder brannte die Stadt. Der letzte große Brand zerstörte 1752 fast die ganze Stadt, davor waren schon 1603 und 1624 Brände ausgebrochen. Was danach aufgebaut wurde, gibt der Innenstadt bis heute ihr Gesicht, mit spätbarocken Bauten, die zwischen 1753 und 1786 entstanden. Die Porzellanherstellung begann 1777, die durchgängige Glasproduktion seit 1852.
Die Bedeutung der Stadt wuchs erst mit der Industrialisierung nach der Reichsgründung 1871. 1879 bekam Ilmenau mit der Bahnstrecke Erfurt–Ilmenau einen Eisenbahnanschluss, und 1894 wurde das Thüringische Technikum gegründet, der Grundstein der heutigen Universität. Seit 1920 gehörte Ilmenau zum Land Thüringen, und von 1922 bis 1952 lag es im Landkreis Arnstadt.
Kurz nachdem er in den Dienst des Herzogtums Sachsen-Weimar getreten war, erhielt Johann Wolfgang von Goethe 1776 von Herzog Karl August einen Auftrag, der ihn mit Ilmenau verband. Er sollte die Ursachen für einen schweren Stadtbrand untersuchen und die verfallenen Bergwerksanlagen daraufhin prüfen, ob sie sich wieder in Gang setzen ließen. Bis zu seinem Lebensende kam er 26-mal in die Stadt.
Zu seinen Aufgaben gehörte auch, das Steuerwesen zu reformieren; 1768 hatte es in Ilmenau wegen Korruption und Misswirtschaft die „Ilmenauer Empörung“ gegeben. Bei den Steuern erzielte er Verbesserungen, bei der Wiederbelebung des Bergbaus nur vorübergehend. 1784 konnte zwar der Schacht „Neuer Johannes“ den Betrieb aufnehmen, doch ein Wassereinbruch 1796 beendete die Arbeiten. Das schmerzte den Dichter so sehr, dass er die Stadt bis 1813 nicht mehr besuchte.
Nebenbei diente Ilmenau ihm als Zuflucht vor dem Weimarer Hof. 1779 beendete er hier seine Iphigenie auf Tauris. Am 6. September 1780 schrieb er auf einer Wanderung zum Kickelhahn an die Wand eines Bretterhäuschens das berühmte Gedicht Wandrers Nachtlied (Über allen Gipfeln ist Ruh). 1783 widmete er der Stadt zum Geburtstag Karl Augusts ein eigenes Gedicht mit dem Titel Ilmenau, in 191 Versen, und seinen letzten Geburtstag feierte er 1831 hier.
Das GoetheStadtMuseum im Amtshaus am Markt erinnert an diese Verbindung. Es wurde am 29. November 2008 nach einem Umbau neu eröffnet und zeigt neben Goethe auch Bergbau, Glas und Porzellan; in einem Leseraum kann man Experimente zu Goethes Farbenlehre machen. Auf dem Marktplatz sitzt seit 1996 eine lebensgroße Bronzefigur des Dichters auf einer Bank, geschaffen von dem Bildhauer Klaus Gutting aus Homburg, einer der Partnerstädte. Auch das Jagdhaus Gabelbach südlich der Stadt zeigt eine Ausstellung zur Zeit Goethes.
Im 18. Jahrhundert prägte noch der Erzbergbau die Wirtschaft. Danach entstanden zwei Industriezweige, die den Namen der Stadt in die Welt trugen. 1777 begann die Porzellanherstellung, und das Porzellanwerk Henneberg AG beschäftigte 1930 rund 2.000 und 1980 sogar 3.000 Menschen. Nach 1990 wurde die Produktion unrentabel, und das Werk schloss 2002; auf dem alten Gelände siedelten sich später wieder kleinere porzellanproduzierende Betriebe an.
Der zweite Zweig ist das Glas. Seit 1852 wird in Ilmenau ohne Unterbrechung Glas hergestellt, spezialisiert auf Messgeräte wie Thermometer, Labortechnik und industrielle Glasinstrumente. Die erste Thermometerfabrik wurde 1865 als Alexander Küchler und Söhne gegründet, 1874 kam die Thüringische Glasinstrumentenfabrik Alt, Eberhardt und Jäger hinzu. 1973 gingen viele Glashersteller der Umgebung im VEB Werk für Technisches Glas Ilmenau auf, der im Stammwerk am Vogelherd zeitweise über 5.000 Menschen beschäftigte. Die Fischerhütte, eine ehemalige, vollständig erhaltene Glashütte, erinnert daran und dient heute für Veranstaltungen.

Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es zusätzlich eine Spielzeugindustrie mit 2.000 Beschäftigten, die nach 1929 der Konkurrenz aus Franken nicht mehr standhielt. Heute besteht die Industrie vor allem aus Betrieben im Gewerbegebiet am Vogelherd, das seit 1973 als Industriegebiet besteht; die Technischen Glaswerke, aus dem früheren Glaswerk entstanden, beschäftigten dort bis zu ihrer Insolvenz 2014 etwa 250 Menschen. Im Jahr 2015 gab es 28 Betriebe im verarbeitenden Gewerbe mit mehr als 20 Beschäftigten, zusammen mit 1.475 Mitarbeitern, und zum 30. Juni 2015 standen 8.899 Ilmenauern 9.956 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in der Stadt gegenüber.

Jüdische Einwohner werden in Ilmenau erstmals 1428 genannt; 1492 zerstörten Schwarzburger Soldaten ihre Synagoge, und 1560 vertrieb man alle Juden aus der Grafschaft Henneberg. Erst um 1700 ließen sich wieder Juden nieder, 1891 gründeten sie eine eigene Gemeinde, die bis 1930 auf etwa 90 Mitglieder wuchs; eine Synagoge besaß sie nie, nur eine Betstube.
Nach 1933 wanderten etwa 60 von ihnen aus, vor allem nach Südamerika. Beim Novemberpogrom am 10. November 1938 wurden der Betsaal geschändet und geplündert und jüdische Geschäfte verwüstet, zwei Männer verschleppte die Polizei in das KZ Buchenwald. Ab 1942 wurden die Verbliebenen in die Ghettos Bełżyce und Theresienstadt deportiert: Von den 33 Ilmenauer Juden wurden 27 ermordet, 6 wurden befreit. Im Stadtpark, der 1932 angelegt wurde, erinnert ein Denkmal von 1971 an die Opfer des Faschismus.
Aus dem 1894 gegründeten Thüringischen Technikum ging die Technische Universität hervor. Nach dem Krieg lief es als Ingenieurschule und ab 1950 als Fachschule für Elektrotechnik und Maschinenbau. 1953 nahm die Hochschule für Elektrotechnik ihren Betrieb auf, die ersten Lehr- und Wohngebäude entstanden am Ehrenberg. 1963 wurde sie zur Technischen Hochschule, und 1992 folgte die Umbenennung in Technische Universität, mit der man den Ausbau in Wirtschafts- und Medienwissenschaften abbildete. Im Wintersemester 2025/26 zählt sie rund 4000 Studierende.
In ihrem Umfeld sitzen Forschungsinstitute wie das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie, dessen Leiter Karlheinz Brandenburg zu den Miterfindern des MP3-Formats zählt, das Institut für Mikroelektronik und Mechatroniksysteme und das 1991 gegründete Technologie- und Gründerzentrum. Die Universitätsbibliothek verwahrt etwa 677.000 Bände und sitzt im achteckigen Leibniz-Bau. Die Nelson-Mandela-Brücke, eine Fuß- und Radwegbrücke, verbindet seit 2010 Altstadt und Campus, ihren Namen trägt sie seit 2015; ihr Pylon ist etwa 30 Meter hoch. Alle zwei Jahre treffen sich Studierende aus aller Welt zur Internationalen Studierendenwoche.
Die Feste der Stadt spiegeln Studenten und Tradition zugleich. Im Juni findet das Altstadtfest statt, Ende August das Kickelhahnfest, und seit 1972 laufen im April die Jazztage. Das Neuschülerfest wird schon seit dem 17. Jahrhundert begangen: Die Erstklässler werden festlich gekleidet und ziehen durch die Innenstadt. Das Ilmpuls Festival im Stadtpark, seit 2018 dabei, zählte 2019 weit über 1.000 Besucher.
1952 wurde Ilmenau Kreisstadt eines neuen Kreises, der 1994 mit dem Kreis Arnstadt vereinigt wurde; damit verlor die Stadt den Status als Kreisstadt. Nach 1990 wandelte sie sich von einer Industrie- zu einer Dienstleistungsstadt. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 38.695 Einwohner. Sie ist keine Kreisstadt, sondern große kreisangehörige Stadt und Mittelzentrum für den südlichen Teil des Ilm-Kreises.
Nach dem Brand von 1752 wurde die Stadt neu aufgebaut, und spätbarocke Bauten prägen sie bis heute. Die Stadtkirche St. Jakobus wurde zwischen 1760 und 1761 erbaut; ihre Walcker-Orgel mit 65 Registern wurde 1911 eingeweiht. Der Luther-Kandelaber auf dem Kirchplatz erinnert seit 1894 an den 375. Jahrestag der Einführung der Reformation in Henneberg.

Am Marktplatz stehen das Rathaus, ein zweigeschossiger Walmdachbau mit Mansardendach von 1768 bis 1786, und das Amtshaus von 1753 bis 1756, das den Herzögen von Weimar als Residenz diente, wenn sie in der Stadt waren. Das Rathaus, erstmals 1426 erwähnt, war seit 1691 auch Sitz des Bergamtes, und Goethe wirkte hier als Geheimer Bergrat. In der Mitte des Platzes steht der Hennebrunnen mit einer wasserspeienden Henne, 1732 errichtet; anders als andere Brunnen der Stadt überstand er den Brand von 1752.
Östlich des Amtshauses liegt die Ruine der Wasserburg, die die Handelsroute Lübeck–Erfurt–Nürnberg–Venedig kontrollierte; ihre Reste wurden Ende der 1990er-Jahre bei Bauarbeiten entdeckt und freigelegt und sind teilweise im Erdgeschoss des neuen Finanzamtes zu sehen. Seit 1887 steht am Apothekerbrunnen der Hotelbau Sächsischer Hof.
An zwei Landschaftstypen hat die Stadt Anteil: Im Süden und Westen türmen sich die Berge des Thüringer Waldes mit ihren tiefen Tälern, im Norden und Osten liegen sanfte Hügel mit Kiefern und Laubwald. Der Rennsteig durchquert das Stadtgebiet und bildet die Hauptwasserscheide zwischen Elbe und Weser. Ein Teil der Kernzone des Biosphärenreservates Vessertal-Thüringer Wald reicht im Schortetal in das Stadtgebiet hinein, mit 443 Hektar im Gebiet Marktal und Morast und 21 Hektar am Erbskopf.
Im 19. Jahrhundert war die Stadt Luftkurort; aus dieser Zeit stammen der Alte Kurpark und der Lessingpark. 1880 wurde in Ilmenau der Thüringerwald-Verein gegründet, der zeitweise etwa 16.000 Mitglieder in über 100 Vereinen hatte und Wanderwege und Aussichtspunkte anlegte. Zur Landschaft gehört auch das Teichgebiet im Osten, das den Campus von der Altstadt trennt; ein Naturlehrpfad führt hindurch.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT_GOETHE
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