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Kamp-Lintfort hatte am 31.12.2025 38.150 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 51 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Kamp-Lintfort
Der Doppelname dieser Stadt ist kein Verwaltungskompromiss, sondern eine Inhaltsangabe. Kamp kommt vom lateinischen campus, dem Feld; Lintfort stammt aus dem Altfränkischen und bedeutet ungefähr Saum des Moores. Der eine Teil gehört einem Kloster auf einer Anhöhe, der andere einer Zeche in der Ebene. Zwischen beiden liegen achthundert Jahre und ein Kilometer Weg.
Im späteren Lintfort, unten in der Ebene, war bis 1907 wenig. Dann wurde ein Schacht abgeteuft, und binnen weniger Jahrzehnte entstand auf freier Fläche eine Industriegemeinde mit Werkssiedlungen, Ziegelei und eigener Kirchengemeinde. 2012 fuhr die letzte Schicht ein. Was danach kam, ist ungewöhnlich genug, um es genau zu beschreiben: Das Bergwerksgelände wurde zur Landesgartenschau. Ende 2025 zählte die Stadt 38.150 Einwohner.
Die früheste schriftliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 856. Entscheidend wurde aber ein anderes Datum: Am 31. Januar 1123 gründeten Zisterzienser mit Unterstützung des Kölner Erzbischofs Friedrich I. hier ihre Niederlassung — die erste ihres Ordens auf deutschem Boden. Weil das Gebiet ringsum größtenteils Sumpf war, bauten sie nicht wie sonst üblich in die Ebene, sondern auf eine Erhöhung: den Kamper Berg, 45 Meter hoch.

Von dieser Anhöhe aus breitete sich der Orden aus. Etwa hundert weitere Niederlassungen gehen auf Kamp zurück, die weitesten bis ins Baltikum. Das Kloster war damit keine lokale Angelegenheit, sondern ein Ausgangspunkt — ein Umstand, der sich an der Größe der späteren Bauten ablesen lässt.
Der Truchsessische Krieg von 1583 bis 1588 unterbrach das. Der letzte Abt verließ das Kloster; erst 1640 kehrten Zisterzienser zurück und bauten es wieder auf. Zwischen 1695 und 1705 entstanden unter den Äbten Holtmann, Richterich und Norf die barocken Gebäude der Klosterkirche und des Krankenhauses, dazu umfangreiche Konventsgebäude an der Südseite. Von 1742 bis 1747 ließ Abt Daniels die Terrassengartenanlage am Südhang des Berges anlegen und an der Westseite der Kirche ein schlossartiges Prälaturgebäude errichten. Das Kloster hatte inzwischen den Rang einer Prälatur mit eigener Rechtsprechung; dafür wurde auf dem Berg ein Gerichtsgebäude gebaut, das als Denkmal erhalten ist.

Am 1. Mai 1907 fiel der erste Spatenstich für die Zeche Friedrich Heinrich; am 1. Juli 1912 begann die Förderung. Was danach geschah, ist der Normalfall des linken Niederrheins im 20. Jahrhundert, nur besonders kompakt: Werkssiedlungen der Zeche und eine gleichzeitig angelaufene Ziegelei in Kamperbruch wuchsen auf freier Fläche zu einem zusammenhängenden Siedlungsgebiet zusammen.

Mit den Menschen kamen die Gemeinden. Von 1928 bis 1930 entstand die Christuskirche als Hauptkirche der evangelischen Gemeinde Lintfort, die seit 1914 in der Zechensiedlung mit einer Notkirche ausgekommen war. Für die katholische Filialgemeinde wurde von 1931 bis 1934 die Pfarrkirche St. Josef gebaut, ebenfalls als Ersatz für eine Notkirche.

Die Verwaltung zog nach. Zum 1. April 1934 wurden die Ämter Vierquartieren, Camp und Hoerstgen zur Landgemeinde Camp-Lintfort zusammengefasst; kurz darauf änderte man die Schreibweise auf Kamp-Lintfort. Am 12. Februar 1950 erhielt die Großgemeinde die Stadtrechte. Den Doppelnamen machte erst die Zusammenfassung von Klosterort und Zechensiedlung nötig; seitdem gehören beide Geschichten zur Stadt.
Für einen Tag stand der Ort im Zentrum des Krieges. Am 25. März 1945 trafen sich im Neuen Casino der Zeche Friedrich Heinrich die alliierten Befehlshaber: Dwight D. Eisenhower, Winston Churchill und Bernard Montgomery. Wenige Wochen zuvor hatten Bombenangriffe vor allem die zechennahen Teile der Altsiedlung getroffen, und beim alliierten Vormarsch wurde der Bereich um das Kloster stärker beschädigt.
Nach der letzten Schicht blieb ein großes Schachtgelände zurück, und die Stadt machte daraus eine Gartenschau. Vom 17. April bis zum 11. Oktober 2020 war Kamp-Lintfort Veranstaltungsort der Landesgartenschau Nordrhein-Westfalen; wegen der Corona-Pandemie verschob sich die Eröffnung auf den 5. Mai, das Gelände war ab dem 20. April zugänglich. Als Ausstellungsfläche dienten zwei Orte, die sonst nichts miteinander zu tun haben: das hergerichtete Bergwerksgelände der Schachtanlage Friedrich-Heinrich 1/2 und der Klostergarten auf dem Kamper Berg.
Geblieben ist der Zechenpark, der daraus hervorging. Seit März 2021 ist er ein Ankerpunkt der Route der Industriekultur; die Zeche und ihre Altsiedlung gehörten schon zuvor zur Rheinischen Bergbauroute.
Auch jenseits der Zeche hat sich die Stadt in diesen Jahren verändert. Ein Vorgeschmack darauf, wie schnell hier ganze Stadtbilder ausgetauscht werden, waren die Drei Weißen Riesen im Zentrum, ein Hochhausprojekt der späten 1960er Jahre, das zuletzt zu 95 Prozent leer stand. 2009 fielen zwei der drei Türme, am 19. Dezember 2010 wurde der dritte gesprengt; 2012 stand auf dem Areal nach anderthalb Jahren Bauzeit ein Einkaufszentrum.
Auch die Wirtschaft wechselte mehrfach das Gesicht. Bis zum 30. Januar 2007 wurden hier Mobiltelefone gebaut, zuletzt von BenQ Mobile; nach der Insolvenz übernahm das Kommunale Rechenzentrum Niederrhein einen Teil der Hallen, später zog ein Finanzamt ein. Am 28. November 2008 wurde beschlossen, dass die neu gegründete Hochschule Rhein-Waal mit Hauptsitz in Kleve hier eine zweite Adresse bekommt. Auch die Schienen kehren zurück: Während der Gartenschau fuhren an Wochenenden erstmals Personenzüge über die frühere Zechenbahn, und geplant ist, eine Linie ab Ende 2026 dauerhaft bis Kamp-Lintfort zu verlängern; dafür entsteht südlich der Innenstadt ein Bahnhof.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: RIK
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Dann kam der Bruch. 1802, nach der französischen Besetzung, wurde das Kloster säkularisiert und die Mönche vertrieben — bis auf einen, der die Seelsorge des Ortes weiterführte. Die Konventsgebäude wurden abgebrochen; stehen blieben nur die Kirche und das Krankenhaus, das Pfarrhaus wurde. Der Terrassengarten blieb sich selbst überlassen und verwilderte.
Geistlich ist der Berg trotzdem nie ganz verstummt. 1954 zog der Orden der beschuhten Karmeliter mit neun Ordensleuten in die Gebäude ein. Die Abteikirche Kamp steht bis heute; um sie herum liegt mit dem Ortsteil Kamp der historische Kern einer Stadt, deren Schwerpunkt längst woanders liegt.
1957 wurde der neue Förderturm über Schacht 1 eingeweiht, ab 1963 kam auf der Schachtanlage Rossenray weitere Kohle dazu, 1970 ein zweiter weithin sichtbarer Turm. Am Ende arbeiteten anfangs 3500, zuletzt 1500 Beschäftigte im Bergwerk West, wie Friedrich Heinrich zuletzt hieß, und förderten jährlich bis zu drei Millionen Tonnen. Die letzte Förderschicht lief am 21. Dezember 2012. Damit endeten rund hundert Jahre Kohle an diesem Ort.


