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Kassel hatte am 31.12.2025 196.799 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 53 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Kassel
In Nordhessen, nahe den Grenzen zu Niedersachsen und Thüringen, liegt Kassel im Kasseler Becken — das geomorphologisch gar kein Becken ist, sondern ein weit ausgedehnter Talkessel, in dem die Fulda vor allem um Karls- und Fuldaaue eine weitläufige Flussniederung bildet. Durch das Stadtgebiet zieht die Fulda, dazu Nebenflüsse und Bäche, die teils noch innerhalb der Stadt in sie münden: Ahne, Drusel, Grunnelbach, Jungfernbach, Losse und Nieste. Die amtliche Ortshöhe beträgt 176 m. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 196.799 Einwohner auf 106,78 Quadratkilometern.
Zwei erhaltene Urkunden von 913 nennen den Königshof Chassalla oder Chassella zum ersten Mal; die früheste davon datiert auf den 18. Februar jenes Jahres, als sich König Konrad der Erste in dem befestigten Hof an der Fulda aufhielt und dort Urkunden ausfertigte. Zur heutigen Stadt haben weder ihr Inhalt noch die in ihnen genannten Personen einen direkten Bezug. Vom lateinischen castellum wollte man den Ortsnamen seit dem 16. Jahrhundert herleiten; dagegen sprechen sprachwissenschaftliche Gründe und der Umstand, dass römische Funde in Kassel nie gemacht wurden, und neuerdings wird der Name als Kompositum gedeutet, aus kas- für Mulde oder Vertiefung und einer Ableitung von sali für Gebäude — was zur ursprünglichen Lage des Stadtkerns passt, dort, wo die Ahne früher in die Fulda mündete.
Seit der Mitte des 12. Jahrhunderts wuchs der Königshof zur Residenz der Grafen von Hessen heran; auf dem Ahnaberg, am Nordrand der damaligen Siedlung, entstand zwischen 1140 und 1148 das Prämonstratenserinnenstift Kloster Ahnaberg. Das Stadtrecht besaß Kassel schon vor 1189; die zugehörige Handfeste ging verloren, doch 1239 wurden die städtischen Rechte erneut bestätigt, und für 1189 ist die Stadt im heutigen Sinne erstmals bezeugt. Zur Hauptresidenz Heinrichs des Ersten, des ersten Landgrafen der neugeschaffenen Landgrafschaft Hessen, wurde die Stadt 1277; aus dieser Zeit stammen die Brüderkirche, das Elisabethhospital und die Martinskirche. Altstadt, Neustadt und Freiheit schlossen sich 1378 zusammen; markante Bauten des Spätmittelalters sind das Rathaus von 1408 und der Druselturm von 1415.
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde Landgraf Philipp zu einer treibenden Kraft der Reformation; militärisch kam Kassel durch den Dreißigjährigen Krieg weitgehend unbeschadet, doch Hungersnöte und eine Pestepidemie dezimierten die Bevölkerung stark. Dauerhaft geprägt wurde das Stadtbild ab dem späten 17. Jahrhundert von Landgraf Karl, der in 53 Regierungsjahren große barocke Vorhaben anstieß — die Karlsaue ebenso wie den Bergpark Wilhelmshöhe mit Herkules und Wasserspielen; Karl nahm zudem Religionsflüchtlinge auf, so dass sich etwa 4000 Hugenotten in der Stadt und im Umland ansiedelten. Unter seinem Nachfolger Wilhelm entstand eine Sammlung niederländischer Malerei mit Werken von Rembrandt und Rubens, aus der später die staatliche Gemäldegalerie hervorging.

1803 war Landgraf Wilhelm der Erste zum Kurfürsten erhoben worden, da rückten 1806 napoleonische Truppen ein und machten die Stadt bis 1813 zur Hauptstadt des neu gegründeten Königreichs Westphalen, Residenz von Napoleons Bruder Jérôme. Aus der Residenzstadt wurde mit der Industrialisierung ein Industriestandort von Gewicht: Georg Christian Carl Henschel gründete 1810 mit seinem Sohn die Gießerei Henschel und Sohn, die ab 1816 Dampfmaschinen und bald Lokomotiven baute, 1848 bekam die Stadt Anschluss an die Eisenbahn, und 1856 stand der Hauptbahnhof fertig. Nach dem Deutschen Krieg von 1866 war es mit der Unabhängigkeit Kurhessens vorbei: Preußen besetzte das Kurfürstentum kampflos, rund 600 Jahre Eigenständigkeit endeten, und Kassel gab die Rolle der Residenzstadt ab, blieb jedoch Sitz des Oberpräsidenten der neuen Provinz. Oberbürgermeister seiner Geburtsstadt war von 1920 bis 1925 Philipp Scheidemann, einer der Ausrufer der Weimarer Republik.

Mehrere Luftangriffe legten im Zweiten Weltkrieg weite Teile der Altstadt und der übrigen Bebauung in Schutt; Ziel waren vor allem die zahlreichen Rüstungsbetriebe — bei Henschel und Sohn liefen neben Lokomotiven auch Panzer und Wehrmachts-Lastwagen vom Band, bei Fieseler Flugzeuge. In der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober 1943 flog die Royal Air Force den schwersten Angriff: 6000 bis 10.000 Menschen starben; in Trümmer sanken über 80 % der Bebauung und, mit ihren mittelalterlichen Fachwerkhäusern, 97 % der historischen Altstadt. Brand- und Phosphorbomben wurden gezielt abgeworfen, und weil die Stadt voller Fachwerkhäuser stand, entwickelte sich daraus ein verheerender Feuersturm. Rund 217.000 Einwohner hatte die Stadt zu Kriegsbeginn, 1945 waren es noch 71.000.
1943 sank die Altstadt im heutigen Stadtteil Mitte weitgehend in Trümmer; ein geschlossenes historisches Stadtbild gibt es seit Zerstörung und Nachkriegsplanung nicht mehr, wohl aber — als Erbe der Residenzzeit — zahlreiche historische Gebäude vieler Epochen, die das Stadtbild bis heute dominieren. In der Innenstadt stehen das Fridericianum mit dem Zwehrenturm, das Ottoneum, der Druselturm und die Martinskirche mit ihren markanten Türmen aus der frühen Nachkriegszeit.

Aufgebaut wurde nach Plänen aus der NS-Zeit und nach dem Leitbild der autogerechten Stadt; so entstand unter anderem der Innenstadtring, ein Straßenring rund um das Zentrum. Am 9. November 1953 wurde die Treppenstraße eröffnet — die erste Fußgängerzone der Bundesrepublik Deutschland —, und zahlreiche Unterführungen kamen hinzu.
Andere deutsche Großstädte wuchsen in den 1970er Jahren per Federstrich, weil die hessische Gebietsreform ihnen Nachbargemeinden zuschlug — Kassel bekam keine; die Stadtgrenzen stammen von 1936, und deshalb bezieht sich der Verlauf der Einwohnerzahl unverfälscht auf immer dasselbe Gebiet. Vom 29. Mai bis zum 1. Juni 1991 wurde der neue Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe eingeweiht — seit Jahrzehnten der erste deutsche Bahnhof, dessen Entwurf aus einem Architekturwettbewerb hervorging, und der erste, den man von vornherein als ICE-Bahnhof plante. Die Unterneustadt, nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg liegen gelassen, wurde ab den 1990er Jahren neu bebaut.
In der Amerikanischen Besatzungszone gelegen, bewarb sich die Stadt 1949 neben Bonn, Frankfurt am Main und Stuttgart um den Rang der Bundeshauptstadt; die Kommission, die eigens zur Prüfung der vier Bewerber gebildet worden war, führte in ihrem Abschlussbericht an den Parlamentarischen Rat vor allem die exponierte Lage nahe der damaligen innerdeutschen Grenze gegen Kassel an. Seit 1953 saßen das Bundesarbeitsgericht und das Bundessozialgericht in Kassel; jenes musste die Stadt 1999 an Erfurt abgeben.
Die documenta rief Arnold Bode 1955 als Begleitprogramm der Bundesgartenschau ins Leben; Bode lehrte damals als Professor an der Kasseler Werkkunstschule, der heutigen Kunsthochschule Kassel. Zunächst fand die Schau in unregelmäßigen Abständen statt, seit 1972 alle fünf Jahre. Ihr erster Jahrgang trat mit dem Anspruch an, jene moderne Kunst wieder öffentlich zu zeigen, die der deutsche Faschismus zwischen 1933 und 1945 als entartet diffamiert hatte. Kunst, Ausstellung und Stadt sind seither eng miteinander verwoben; was die Ausstellungen hinterlassen haben, steckt fest im Stadtbild und in der Gesellschaft.
Alle fünf Jahre ist die Stadt Gastgeberin einer weltweit beachteten Schau zeitgenössischer Kunst; daher führt sie seit dem 19. März 1999 die amtliche Zusatzbezeichnung documenta-Stadt. Zur Universitätsstadt wurde Kassel 1971, als hier die erste Gesamthochschule Deutschlands entstand, die heutige Universität Kassel. Überall im Stadtgebiet stehen Eichen, die Joseph Beuys zwischen 1982 und 1987 als Soziale Plastik an Straßen und Plätzen pflanzen ließ — unter dem Titel 7000 Eichen — Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung.
Um Achim von Arnim, Clemens Brentano und die Brüder Grimm sammelte sich im frühen 19. Jahrhundert ein gewichtiger Kreis von Romantikern; bis 1830 arbeiteten die Grimms als Bibliothekare an der Kasseler Landesbibliothek. Kassel gilt deshalb als Hauptstadt der Märchenstraße: Fast 30 Jahre lebten die Grimms hier und trugen einen Großteil ihrer Kinder- und Hausmärchen zusammen.
Den Brüdern Grimm, die hier ihre längste und produktivste Zeit verbrachten, ist die 2015 eingeweihte Grimmwelt gewidmet. Ausgestellt sind dort die Handoriginale, auf fünf Geschossen, modern und multimedial eingerichtet und unter Mitwirkung internationaler Künstler wie Ai Weiwei und Ecke Bonk entstanden.
Um das literarische Leben der Gegenwart kümmert sich das Literaturhaus Kassel mit Lesungen und anderen Veranstaltungen; seit 2023 vergibt es den Vielfalter-Preis für Diversität in der Kinderliteratur. Das Erbe des Schriftstellerpaares Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner pflegt die Stiftung Brückner-Kühner, die zusammen mit der Stadt den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor und den Förderpreis Komische Literatur vergibt.





Stand des Portraittextes: 2026-09-18.
Belege der kuratierten Auswahl: WH, DZT_MAER
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.

Im Habichtswald, am westlichen Rand des Stadtgebiets, liegt der Bergpark Wilhelmshöhe, seit Juni 2013 als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt; zu ihm gehören das Schloss Wilhelmshöhe, die Löwenburg und der Herkules, das Wahrzeichen der Stadt. Begonnen hatte ihn Landgraf Karl um 1700 als barocke Anlage; im 18. und 19. Jahrhundert wurde er teilweise zum englischen Landschaftsgarten umgeformt, und in den Sommermonaten laufen dort zweimal wöchentlich die Kasseler Wasserspiele. Noch ehe auf Avus und Nürburgring gefahren wurde, traten von 1923 bis 1927 Idole wie Caracciola, Jörns oder Rosenberger im Bergpark zum Bergpreis von Kassel an; von 1951 bis 1954 hielten Motorradrennen die Tradition am Leben, bis die erste hessische Bundesgartenschau 1955 damit Schluss machte.






