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Kiel hatte am 31.12.2025 251.842 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 58 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Kiel
Kiel liegt an einer Meeresbucht, die sich weit ins Land hineinschiebt, und trägt deren Namen: Das niederdeutsche Wort für Keil dürfte genau diese Form meinen. Die Förde ist der Grund, warum es diese Stadt gibt, und sie ist auch der Grund, warum sie im 20. Jahrhundert zweimal fast unterging.
Drei Schichten liegen hier übereinander. Zuunterst liegt eine mittelalterliche Handelsstadt, die es in der Hanse nie weit brachte. Die zweite ist eine Universität aus dem 17. Jahrhundert, aus der später eine Forschungslandschaft rund um das Meer wurde. Die dritte ist der Kriegshafen, den Preußen ab 1865 hier anlegte — mit Werften, Kasernen, Arbeitervierteln und am Ende mit einem Aufstand, der die Monarchie beendete.
Gegründet wurde die Stadt zwischen 1233 und 1242 von Graf Adolf IV. von Holstein, der die Grafschaft kurz zuvor zurückgewonnen hatte. Der Ort war keine beliebige Wahl: Nördlich lag dänisches, östlich slawisches Gebiet, und nur hier reichte das holsteinische Land an die Ostsee. 1242 bekam Kiel das Lübische Stadtrecht. Ab 1329 umgab eine steinerne Mauer die kleine Altstadt, in der es neben dem Franziskanerkloster lange nur eine Kirche gab.
Im Fernhandel blieb Kiel hinter Lübeck, Stralsund und Rostock zurück. Die Stadt war zwar 1259 Gründungsmitglied des Wendischen Städtebundes und wurde 1283/1284 in die Hanse aufgenommen, konnte deren Privilegien aber kaum nutzen, weil der Landesherr zu stark mitredete; 1554 folgte der Ausschluss aus dem Bund. Wirtschaftlich wichtiger war ohnehin der Kieler Umschlag, ein Termin für Geldgeschäfte des Adels und der Kaufleute, der 1469 zum ersten Mal erwähnt wird und heute als Volksfest weiterlebt.
Der Wendepunkt kam mit dem Dampf und mit Preußen. 1838 entstand die Maschinenbauanstalt Schweffel und Howaldt, aus der später eine der großen Werften hervorging, und 1844 verband eine Bahnstrecke nach Altona den Ostseehafen mit Elbe und Nordsee. 1865 ließ der preußische König die Marinestation der Ostsee von Danzig nach Kiel verlegen, 1867 wurde die Stadt Kriegshafen. Von da an wuchs sie rasend: Werften, Torpedowerkstatt, Kasernen und Arbeitersiedlungen entstanden innerhalb weniger Jahrzehnte.
Am 20. Juni 1895 wurde der Kaiser-Wilhelm-Kanal eröffnet, der heutige Nord-Ostsee-Kanal, und Kiel wurde zum Haupthafen der deutschen Kriegsflotte.

Der Preis dieser Entwicklung wurde zwischen dem 2. Juli 1940 und dem 3. Mai 1945 bezahlt. Als Stützpunkt der Kriegsmarine und Standort dreier Großwerften wurde die Stadt durch Luftangriffe zu weit über 80 Prozent zerstört. Was übrig blieb, liegt verstreut: die Festung Friedrichsort, der Flandernbunker, der Leuchtturm Holtenau am Kanaleingang, der Wasserturm in Kiel-Wik und das Maschinenmuseum im selben Stadtteil. Aus der Zeit vor dem Kriegshafen ist in der Altstadt der Warleberger Hof erhalten geblieben, ein Adelshof aus dem Jahr 1616, in dem heute das Stadtmuseum untergebracht ist.
Im Jahr 1665 gründete Herzog Christian Albrecht von Gottorf im Gebäude des ehemaligen Klosters eine Universität. Die Bürger waren zunächst wenig erfreut: Schon um 1700 lebten über 300 Studenten in einer Stadt mit knapp 4000 Einwohnern, sie unterstanden nicht der städtischen Gerichtsbarkeit, und die Dozenten zahlten keine Steuern. Wirtschaftlich zahlte sich die Hochschule dennoch aus.

Unter dänischer Verwaltung erlebte die Universität dann einen Aufschwung; 1803 wurde in Kiel ein Botanischer Garten eröffnet, dessen ältere Anlage heute unter Denkmalschutz steht.

Politisch war die Hochschule alles andere als ruhig. Ihr Absolvent Uwe Jens Lornsen veröffentlichte 1830 in Kiel seine Schrift über das Verfassungswerk in Schleswigholstein, eine der wirkungsvollsten Streitschriften des Vormärz; eine Schule der Stadt trägt bis heute seinen Namen.
Aus der Universität der Hafenstadt ist ein Forschungsstandort geworden, der das Wasser vor der Tür zum Gegenstand hat. Die Christian-Albrechts-Universität zählt heute über 27.000 Studenten, daneben bilden die Fachhochschule, gegründet 1969, und die Muthesius Kunsthochschule, gegründet 1907, in der Stadt aus. Teilweise mit der Universität verbunden arbeiten hier das GEOMAR, ein Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, und eine Forschungsanstalt der Bundeswehr, die sich mit Wasserschall und Geophysik befasst — die Förde, an der Kiel gegründet wurde, ist damit auch Gegenstand der Wissenschaft.
Am 3. November 1918 erhoben sich in Kiel die Matrosen der Hochseeflotte. Nach einem Gefecht mit regierungstreuen Truppen gründeten sie am 4. November den ersten Arbeiter- und Soldatenrat in Deutschland. Damit begann die Novemberrevolution, die binnen weniger Tage das ganze Land erfasste und den Grundstein für die Weimarer Republik legte. Dass ausgerechnet dieser Hafen der Ausgangspunkt war, hatte einen Grund: Nirgends sonst standen so viele Matrosen und Werftarbeiter so dicht beieinander.
Organisiert war diese Arbeiterschaft früh. Bereits 1873 gründeten Kieler Werftarbeiter einen Schiffszimmerer-Verein, 1893 entstand das Kieler Gewerkschaftskartell mit anfangs 2900 Mitgliedern. Die Stadt war damit eine Hochburg der Sozialdemokratie — und wurde entsprechend behandelt, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen.
Am 11. März 1933 besetzten sie das Rathaus, und in der Nacht darauf wurde der Rechtsanwalt Wilhelm Spiegel in seinem Haus von Männern in SA- und SS-Uniform ermordet. Die Ermittlungen dienten als Vorwand, den SPD-Ortsverein zu zerschlagen. Ein Denkmal erinnert nicht an diese Tat, wohl aber ein Gebäude: das Wilhelm-Spiegel-Haus. Auch das Kieler Rathaus mit seinem hohen Turm steht unter Denkmalschutz.

Nach dem Krieg wurde aus der zerstörten Stadt eine Landeshauptstadt: Schleswig-Holstein wurde 1949 Bundesland, und Kiel blieb sein politisches Zentrum. Ende 2025 zählte die Landeshauptstadt 251.842 Einwohner. Was sie heute ausmacht, ist eine Mischung aus Landesverwaltung, Meeresforschung, Fährverkehr und den Resten des Schiffbaus. Wie sich die Stadt wirtschaftlich entwickelt, zeigt die Datenseite mit ihren Kennzahlen.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT_SEA
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.
Aus der Kaiserzeit stammt auch ein ziviles Ereignis, das den Krieg überdauert hat und die Stadt bis heute prägt: Die erste Kieler Woche fand 1882 statt, ab 1885 als Verbindung von Schiffsparade, Regatten und Volksfest. Zweimal war Kiel Austragungsort olympischer Segelwettbewerbe, 1936 und 1972, zuletzt im neuen Olympiazentrum Schilksee.






