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Königswinter hatte am 31.12.2025 40.458 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 52 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Königswinter
Der Berg war zuerst Material, dann Motiv. Am Drachenfels brachen schon römische Steinhauer Gestein und verschifften es rheinabwärts; anderthalb Jahrtausende später kamen die Engländer und dichteten über denselben Felsen. Dazwischen liegt ein Ortswechsel, den kaum eine Gemeinde so sauber vorführt: vom Rohstoff zur Aussicht.
Die Altstadt liegt auf einer schmalen Terrasse bei 57 Metern über dem Meeresspiegel, eingeklemmt zwischen Fluss und Steilhang; das Stadtgebiet steigt auf 76,17 Quadratkilometern bis zum Gipfel des Großen Ölbergs auf 461 Meter an. Diese wenigen hundert Höhenmeter enthalten fast die gesamte Wirtschaftsgeschichte des Ortes: unten der Verladeplatz, in der Mitte die Hotels, oben der Aussichtspunkt. Ende 2025 zählte die Stadt 40.458 Einwohner. Seine heutige Gestalt bekam Königswinter am 1. August 1969, als die kommunale Neugliederung des Raumes Bonn die Stadt mit mehreren Landgemeinden zusammenführte.
Das Siebengebirge ist vulkanischen Ursprungs, und seine Kuppen sind das, was von den Schloten übrig blieb. Am Weilberg bei Heisterbacherrott, der als Steinbruch genutzt wurde, lässt sich die Erdgeschichte etwa 30 Millionen Jahre zurückverfolgen — ein Aufschluss, der nur deshalb existiert, weil hier jemand Steine brauchte.

Gebraucht wurden sie früh. Spuren römischer Steinbrucharbeit am Drachenfels sind belegt, und das Gestein steckt in römischen Bauten der Orte rheinabwärts. Später wurde daraus ein Gewerbe mit eigenem Berufsstand: Anfang des 19. Jahrhunderts nennt die Überlieferung Weinanbau, Forstwirtschaft, Steinbruch und eine Mine als die Arbeitgeber des Ortes.
Wer Stein verkauft, braucht einen Hafen. Das Rheinufer war entsprechend kein Spazierweg, sondern ein Werk- und Verladeplatz der Königswinterer Steinhauer und Backofenbauer. Erst 1895 wurde der Umbau zu einer Promenade mit Lindenallee samt neuer Ufermauer abgeschlossen — der Moment, in dem die Stadt sich vom Stein ab- und dem Besucher zuwandte.
Über dem Tal steht das Ergebnis in Ruinen. Die Burg Drachenfels entstand 1138, die Wolkenburg und die Burgruine Rosenau liegen auf benachbarten Kuppen. Dass der Drachenfelsgipfel heute eine Ruine trägt und keinen ganzen Bergrücken mehr, hat mit dem Steinbruch selbst zu tun — irgendwann wurde der Abbau so weit getrieben, dass der Berg in Gefahr geriet. Die Rebflächen an den Südhängen gehören bis heute zum Anbaugebiet Mittelrhein. Eine spätere, ganz andere Nutzung fanden die Ofenkaulen, ein weitläufiges Stollensystem: Ab Ende Februar 1945 zogen Ausweichkrankenhäuser aus Köln hinein, und als der Artilleriebeschuss zunahm, flüchteten im März zahlreiche Menschen dorthin.
Erwähnt wird der Ort in einer Urkunde von 1015, damals in der Form Winetre; erst 1342 erscheint der Name Kuoningwinteren. Eine Stadt war Königswinter lange nicht: Er hatte zwar eine Stadtmauer, aber kein Stadtrecht und galt deshalb als Flecken. 1689 brannten fast alle Gebäude ab, als französische Soldaten den Ort plünderten. Die Stadtrechte kamen erst 1889.
Berühmt wurde vorher der Berg. Lord Byrons Gedicht über den Drachenfels machte ihn zum festen Programmpunkt britischer Reisender auf ihrer Grande Tour, und Karl Simrock verknüpfte in seiner Übersetzung der Nibelungensage die Drachentötung Siegfrieds mit eben diesem Felsen. Damit hatte der Ort etwas, das sich nicht abbauen lässt: eine Geschichte. Der Berg blieb derselbe, sein Wert war plötzlich ein anderer, und verkauft wurde von nun an die Aussicht statt des Materials.
Die Technik lieferte den Rest. 1827 nahm die Dampfschifffahrt auf dem Rhein den Betrieb auf, 1833 gab es auf dem Drachenfels bereits ein Gasthaus, und am 17. Juli 1883 wurde die Drachenfelsbahn eröffnet; 1889 folgte die Petersbergbahn als zweite Zahnradbahn. Mit den Bahnen kam der Massentourismus, und der Ort begann, sich darauf einzurichten. Am Rheinufer entstanden in dichter Reihe Hotelbauten — der Düsseldorfer Hof, der Kölner Hof und weitere —, die den Maßstab einer Kleinstadt sprengten.

Der Bahnhof Königswinter, das Gasthaus zur Krone und der Alte Friedhof gehören zu den Zeugen dieser Jahrzehnte, ebenso das Brückenhofmuseum und die Hirschburg. Nicht alles hielt: Der Tagestourismus nahm spätestens seit den 1990er Jahren ab, Hotels und Tanzlokale wurden geschlossen oder abgerissen, und die Altstadt wurde 2004 als Sanierungsgebiet ausgewiesen. Die Restaurierung von Schloss Drachenburg samt Park zog sich von 1995 bis 2011.

Der Nationalsozialismus hat in Königswinter sichtbare Spuren hinterlassen, weil er den Ort als Erholungsgebiet nutzte. Die Deutsche Arbeitsfront kaufte Hotels, plante ein Heim für Tausende Betten, ließ dafür ab der zweiten Hälfte der 1930er Jahre Villen abreißen — und stellte den Bau bei Kriegsbeginn wieder ein. Schloss Drachenburg fiel 1940 an dieselbe Organisation und diente ab 1942 als Schulungsstätte. Am jüdischen Friedhof der Stadt ist das andere Ende dieser Geschichte dokumentiert. Am 22. April 1944 traf der schwerste Luftangriff im Siebengebirgsraum die Stadt; er galt vermutlich der Felgenfabrik, die Johann Lemmerz 1919 gegründet hatte, und kostete 55 Menschenleben.
Nach dem Krieg bekam der zweite Berg eine Rolle. Während der Drachenfels Ausflügler anzog, wurde der Petersberg politisch. Ab 1949 residierte auf dem Petersberg die Alliierte Hohe Kommission. Das dort ausgehandelte Petersberger Abkommen gilt als erster Schritt der jungen Bundesrepublik zur Eigenständigkeit. Die Stadt selbst gehörte von 1949 bis 1955 zur Enklave Bonn, einem Sondergebiet um den Regierungssitz, das der Kommission unterstand. Für die Kommissionsangehörigen war sogar die Rheinfähre nach Mehlem zur Hälfte reserviert, und sie fuhren kostenlos. Das Gästehaus blieb danach ein Ort der Politik: Der Bund kaufte es 1979, ließ es von 1985 bis 1990 umbauen, und 2001 und 2002 tagte dort die Afghanistan-Konferenz.
Auch die Parteiengeschichte hat hier eine Adresse. Am 11. Mai 1950 entstand hier die CDU als Bundespartei — in einem Haus, das vorher ein gewerkschaftliches Erholungsheim war und heute als Adam-Stegerwald-Haus unter Denkmalschutz steht. Dasselbe Gebäude hatten die Nationalsozialisten zur Landesführerschule umfunktioniert; wenige Räume, drei Regime.






Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT
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