Kommst du über den Empfehlungslink einer Partnerin oder eines Partners zu uns, möchten wir dessen Kurzkennung 60 Tage lang im Cookie „ll_ref" speichern, damit eine spätere Registrierung richtig zugeordnet werden kann. Für die Nutzung von LageLuchs ist das nicht erforderlich — du kannst ohne Nachteil ablehnen und deine Entscheidung jederzeit über „Cookie-Einstellungen" im Seitenfuß ändern.
Leer (Ostfriesland) hatte am 31.12.2025 34.277 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 55 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Leer (Ostfriesland)
Leer liegt dort, wo die Leda in die Ems mündet. Eine Stadt an einer Flussmündung hat zwei Möglichkeiten: Sie wird Umschlagplatz, oder sie wird übersehen. Leer wurde beides, nacheinander und mehrfach. Ende 2025 zählte die Stadt 34.277 Einwohner.
Die Stadtgeschichte folgt drei Linien. Die erste ist die Politik, vom kurzen Moment der Größe im 15. Jahrhundert, als hier für drei Jahre die Macht über Ostfriesland lag, bis zu Verfolgung und Zerstörung in der NS-Zeit. Die zweite ist die Zuwanderung: Reformierte und Mennoniten aus den Niederlanden brachten Geld, Weberei und Handelsverbindungen mit. Die dritte ist ein Markt, der seit dem frühen 16. Jahrhundert jeden Herbst stattfindet und den die Stadt bis heute Gallimarkt nennt.

Besiedelt war die Gegend lange vor der Stadt. In Logabirum liegen die Reste eines Großsteingrabes mit Funden aus der Zeit von 2900 bis 2700 vor unserer Zeitrechnung, und im Westerhammrich lag im 2. und 3. Jahrhundert eine wohlhabende Handwerkersiedlung mit Brunnen, Vorratsgruben und Bronzeschmelzen. Der eigentliche Siedlungskern der Stadt entstand später als Warft im Bereich des reformierten Friedhofs. Im Jahr 791 kam der Friesenapostel Liudger und gründete am Westrand der Siedlung eine hölzerne Kapelle. Im 11. Jahrhundert prägte man hier Münzen, und um 1200 begann der Bau der romanischen St.-Liudger-Kirche, die den Holzbau ersetzte. Die wirtschaftliche Entwicklung blieb gebremst, weil Emden um 1400 den Stapelzwang durchsetzte: Waren mussten dort angeboten werden, ehe sie weiterreisen durften.
Dann kam Focko Ukena. Der aus Neermoor stammende Häuptling nannte sich fortan Häuptling von Leer, baute den Ort zum Zentrum seines Machtbereichs aus und errichtete um 1421 die Fockenburg. 1427 besiegte er mit Hilfe verbündeter Seeräuber die tom Brok, das bis dahin mächtigste Häuptlingsgeschlecht Ostfrieslands — und begann sofort, an deren Stelle eine eigene Landesherrschaft zu errichten. Von 1427 bis 1430 war Leer Hauptort Ostfrieslands. Dann stellte sich der Freiheitsbund der Sieben Ostfrieslande unter den Cirksena gegen ihn, belagerte die Burg und zwang Ukena zur Flucht nach Emden; die Fockenburg wurde anschließend geschleift.
Was danach kam, war Fremdherrschaft mit Hamburger Beteiligung. Die Hansestadt, der die ostfriesische Duldung von Seeräubern seit langem missfiel, errichtete ab 1435 im heutigen Stadtteil Leerort eine Burg. 1453 verkaufte sie ihren gesamten ostfriesischen Besitz einschließlich dieser Festung für 10.000 Mark an Ulrich Cirksena. Leerort wurde Sitz des gräflichen Drosten und zur Festung ausgebaut. Wie ernst das gemeint war, zeigte sich 1514: Während der Sächsischen Fehde belagerte Heinrich I. von Braunschweig-Wolfenbüttel die nur schwach verteidigte Anlage und wurde am 23. Juni durch einen gezielten Kanonenschuss getötet, worauf sein Heer abzog.
Politisch war die Stadt früh unruhig. 1848 richteten ihre Einwohner eine Petition an den hannoverschen König und forderten Gleichberechtigung, Wahlrechtsreform, Abschaffung der Zensur und ein deutsches Nationalparlament; König Ernst August schrieb daraufhin, die Stimmung in Ostfriesland sei beinahe die schlechteste im ganzen Land. 1891 gründete der Korbmacher Georg Bartels hier einen sozialdemokratischen Arbeiterverein.
Die NS-Zeit traf die Stadt hart. Bürgermeister Erich vom Bruch, den die NSDAP wegen der städtischen Verschuldung verfolgte, erschoss sich am 7. Mai 1934 in seiner Dienstwohnung im Rathaus, nachdem das Landgericht Aurich ihn entlastet hatte. Die Synagoge, von 1883 bis 1885 erbaut, wurde beim Novemberpogrom 1938 zerstört; 43 jüdische Männer kamen am 11. November in das KZ Sachsenhausen. Von den jüdischen Leeranern, 1925 noch 289 Personen, wurden etwa 90 Prozent ermordet. Im April 1945 ließ der Stadtkommandant die Brücken über Ems und Leda sprengen; der kanadische Gegenbeschuss zerstörte 210 Häuser und kostete 400 Zivilisten das Leben.
Der Aufstieg der Stadt begann mit Menschen, die vertrieben wurden. Kurz nach der Plünderung von 1533 ließen sich Mennoniten nieder, ab der Mitte des 16. Jahrhunderts vergrößerten niederländische Zuwanderer die seit langem betriebene Leinenweberei und verlagerten sie aus den Stuben in größere Manufakturen. Dazu kamen reformierte Glaubensflüchtlinge aus den Ommelanden und aus Groningen, unter ihnen wohlhabende und adelige Familien. 1580 lebten etwa 160 Flüchtlinge im Ort; um 1600 hatte er zwischen 3000 und 3500 Einwohner in 500 bis 550 Häusern.
Mit den Zuwanderern kamen Schule und Konfessionsstreit. Graf Johann gründete 1584 eine Lateinschule, die von 1588 bis 1594 Ubbo Emmius leitete; das heutige Gymnasium der Stadt trägt seinen Namen. Konfessionell blieb es bewegt: Zuerst standen Lutheraner und Reformierte nebeneinander, dann setzten sich die Reformierten durch und verwalteten den Marktflecken, die Lutheraner wichen aus und kehrten erst um die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück.

Die Zugewanderten erkannten den Wert des Hafens und bauten ihn zum Standort ihrer Reedereien aus; 1570 verlegte man die Waage an die Leda. Wirtschaftlich entscheidend war der Abbau des Emder Stapelzwangs, der in Schritten ab 1749 erfolgte. Damit fielen dem Hafen die Schranken weg: Zwischen 1766 und 1770 liefen 430 Schiffe ein, davon 76 unter Leeraner Flagge, und es entwickelte sich ein Butterhandel mit England. Zeitweise übertraf der Seehandel den Emder. Von diesem Handel erzählen bis heute die Alte Waage, das Haus Samson mit seinem Museum, der Kulturspeicher von 1778 und das Zollhaus, in dem heute Konzerte und Kabarett stattfinden.
Im 19. Jahrhundert wurde aus dem Marktflecken ein Verkehrsknoten: 1823 verlieh König Georg IV. die Stadtrechte, 1856 kam der Bahnhof an der Hannoverschen Westbahn, und bis 1861 entstand daneben das tideunabhängige Georgsdock. Am 6. August 1861 verlieh Georg V. der Stadt ihr Stadtwappen. Es folgten die Strecke nach Oldenburg von 1867 bis 1869, 1876 die Verbindung zur niederländischen Grenze und 1900 die Kleinbahn nach Aurich und Wittmund; damit lief Schiene in fünf Richtungen. Von 1900 bis 1903 wurde der Hafen tidefrei gemacht, indem man die Ledaschleife abtrennte und über eine Seeschleuse anband; die Einweihung war am 19. September 1903. Bezahlt hat das die Stadt selbst über Anleihen — anders als in Emden, wo Preußen den Hafen übernahm. Aus derselben Zeit stammen das Rathaus, das nach fünf Jahren Bauzeit am 29. Oktober 1894 nach Entwürfen von Karl Henrici eingeweiht wurde, sowie Wasserturm, Amtsgericht und Bahnhof.
Der Markt, der Leer bis heute prägt, entstand aus Konkurrenzdenken. Weil Graf Edzard I. ein Gegengewicht zum Handelszentrum Groningen brauchte, verlieh er dem Ort 1508 das Marktrecht am Sankt-Gallus-Tag und legte damit den Grund für einen Flachsmarkt — und für die Tuchproduktion, deren Rohstoff der Flachs war. 1528 kamen ein Kreuzmarkt am 14. September und ein wöchentlicher Markttag am Donnerstag hinzu.
Heute findet der Gallimarkt jeden Herbst als großer Jahrmarkt statt. Der angeschlossene Galliviehmarkt wird in der Ostfrieslandhalle mit 3000 Plätzen abgehalten, und alle zwei Jahre kommt die Ostfrieslandschau hinzu, eine Messe für Unternehmen und Vereine aus der Region.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.






