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Lindau (Bodensee) hatte am 31.12.2025 25.702 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 63 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Lindau (Bodensee)
Auf einer Insel im östlichen Bodensee liegt der historische Kern der einstigen Reichsstadt Lindau, in dessen Mitte die Maximilianstraße verläuft; eine Straßenbrücke und der Lindauer Eisenbahndamm verbinden das Eiland mit den Stadtteilen auf dem Festland. Diese Inselaltstadt misst 0,69 km² und beherbergt ungefähr 2800 Menschen; rechnet man die Gemeindeteile Schachen, Aeschach, Reutin und Zech auf dem Festland hinzu, kommt die Stadt auf mehr als 12 km Seeufer. Die amtliche Ortshöhe beträgt 401 m. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 25.702 Einwohner auf 33,06 Quadratkilometern.

Der Name Lindau ist zuerst sicher in einer Urkunde greifbar, die 882 ein Mönch aus St. Gallen niederschrieb; er meint eine Insel mit Lindenbäumen, und seit dem 13. Jahrhundert führen Wappen und Siegel der Stadt deshalb entweder einen ganzen Lindenbaum oder ein Lindenblatt als Zeichen. In jener St. Galler Schenkungsurkunde von 882 steht der Ort als Lindoua beziehungsweise Lintoua; ein Cunzo oder Kunzo übereignete darin Güter in Tettnang und Haslach ad Lintouam. Gemeint sein kann damit allerdings nur das Damenstift, denn es war seinerzeit die alleinige Rechtsperson auf der Insel.
Über Gründung und Gründer des Stifts gibt allein ein Dokument Auskunft, das sogenannte Ludovicianum: ein teilweise gefälschtes Schriftstück Ludwigs des Frommen, auf das man die Privilegien des Stifts zurückführte — in seinen echten Passagen nennt es Adalbert von Rätien aus dem Geschlecht der Burchardinger als Stifter. Nach Ansicht der örtlichen Geschichtsschreibung rief Adalbert das Kanonissenstift zwischen 810 und 820 ins Leben. Als kirchlicher Mittelpunkt der frühen Insel diente die Peterskirche, die bis 1180 als alleinige Pfarrkirche des Ortes diente; möglicherweise stand sie als Fischerkirche sogar schon vor dem Kloster, aus dem sich die Stadt eigentlich entwickelt hat.

Sein ursprünglicher Platz war das Festland: der Markt lag in Aeschach, wo sich die Wege von Bregenz nach Buchhorn und von Lindau nach Kempten kreuzten — eine Gunstlage, die seit der römischen Landnahme für weitgehend ununterbrochene Besiedlung sorgte. Weil der Investiturstreit die Lage unsicher machte, verlegte man ihn 1079 zum Schutz auf die Insel. Auf den Markt kamen Wein, Edelobst und Gemüse aus den Kulturen des Klosters St. Gallen, dazu Flachs und der für den Schiffbau nötige Hanf; aus dem westlichen Allgäu und dem Bregenzer Wald brachte man Schmalz, Käse und Vieh, die Bauern Oberschwabens fuhren Getreide an, und neben diesen Nahhandel trat bald der Fernhandel mit dem Süden.

Weitgehend unversehrt ist das Stadtbild der Altstadt geblieben, und es erzählt von der Geschichte der einstigen freien Reichsstadt; die Insel als Ganzes steht unter Ensembleschutz, ein zweiter Schwerpunkt liegt bei der Villenkolonie am Schachener Ufer. Als Hauptstraße der Inselaltstadt gehört die Maximilianstraße zur Fußgängerzone; an ihr stehen gut bewahrte Bürger- und Handwerkerhäuser des 16. und 17. Jahrhunderts, mit Laubengängen und Brotlauben, Krangauben, Erkern, den ortstypischen geschnitzten Fenstersäulen und Fachwerkfassaden, die meist überputzt sind — herkömmlich zum Schutz vor Feuer.
Im 12. und 13. Jahrhundert entstand im Kern die Befestigung des bebauten Inselteils; vom Vorgänger, einem engeren System, das wohl schon zum Stift gehörte, dürfte der Heidenturm an der Nordostspitze übrig sein. Schrittweise wuchs die Mauer um die Hauptinsel: den Anfang machte im 12. Jahrhundert die planmäßige Ausdehnung der Bürgerstadt nach Westen bis zum Inselgraben, und entlang der Westmauer zog sich eben dieser Graben, der wohl im frühen 13. Jahrhundert ausgehoben wurde und zugleich die sogenannte Hintere Insel abtrennte. Den Süden mit dem hierher verlegten Hafen deckten vor allem die frühere Vorinsel Auf Burg und der um 1200 errichtete Mangturm; die eigentliche Befestigungsarbeit galt darum dem Westen und dem Norden.
Von 1500 an wurde der Gürtel so erweitert, dass er die damals noch unbebaute westliche Inselhälfte einschloss und sicherte; es entstanden Karlsbastion, Pulverschanze, Sternschanze und Lindenschanze, und 1508 kam der Pulverturm am westlichen Ende der Insel hinzu. Gründlich verstärkt wurde die Anlage zuletzt in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, als weitere Bastionen und Schanzen dazukamen. Ab dem beginnenden 19. Jahrhundert riss man Mauern und Tore bis auf die genannten Reste nieder; die Steine wanderten überwiegend in den Hafen, der 1811 sowie von 1853 bis 1856 vergrößert und erneuert wurde.
Die Hafeneinfahrt fassen zwei Zeichen ein: im Westen der neue Leuchtturm von 1856, im Osten die Statue des Bayerischen Löwen — sechs Meter hoch und bewehrt, auf die Vorderpranken gestützt, auf einem dreistufigen Sockel aus Nagelfluh sitzend, den Blick zum Schweizer Ufer gerichtet. Johann von Halbig schlug ihn vor 1856 in sechs Teilstücken aus einem Block Kelheimer Marmors; rund 70 Tonnen bringt er auf die Waage. Für die alte Hafenmole von 1812 hatte man Blöcke aus Rorschacher Sandstein vom Kloster Mehrerau verbaut; 1986 trug man sie wegen Einsturzgefahr ganz ab und errichtete sie in derselben Gestalt aus Südtiroler Sandstein neu.
Der Reichsdeputationshauptschluss mediatisierte die Stadt 1803: der Rang einer Freien Reichsstadt ging verloren, die Unmittelbarkeit blieb, und das tausendjährige Damenstift wurde säkularisiert. An Fürst Karl August von Bretzenheim waren Stadt und Damenstift gefallen; ein 1803 geschlossener Tauschvertrag brachte Lindau 1804 für kurze Zeit an Österreich. Mit dem Frieden von Pressburg gab Österreich am 26. Dezember 1805 Vorarlberg und mit ihm Lindau an Bayern; 1806 wurde der Ort dem neu ausgerufenen Königreich Bayern einverleibt. Zeitgleich mit den Tiroler Unruhen erhob sich 1809 auch Vorarlberg gegen die bayerische Regierung: im Mai nahmen Vorarlberger Truppen unter Bernhard Riedmiller die Stadt ein und stießen danach bis Konstanz vor, doch schon im Juli desselben Jahres fiel der Aufstand in sich zusammen.
Zum 1. April 1940 kam die Stadt in den gleichnamigen Landkreis. Kurz vor Kriegsende, am 30. April 1945, rückten französische Truppen ohne Kampf ein; Luftangriffe hatten den Ort weitgehend verschont. Als Bayerischer Kreis Lindau fielen Stadt und Landkreis an die Französische Besatzungszone, wurden damit vom übrigen, amerikanisch besetzten Bayern abgeschnitten und bekamen staatsrechtlich eine Sonderstellung.
Ein Kreispräsidium trat 1946 als oberste Verwaltungsinstanz zusammen; ihm standen Befugnisse zu, die sonst Landesbehörden ausüben, und rechtlich war es von den Verwaltungen Bayerns wie Württembergs unabhängig. Die Eingliederung der Stadt in den Landkreis von 1940 machte man am 25. September 1948 rückgängig. Knapp zehn Jahre lang war das Gebiet die Landverbindung zwischen den französischen Zonen in Deutschland und Österreich. Zurück zum Freistaat Bayern ging es erst am 1. September 1955, verfassungsrechtlich mit Wirkung zum 1. Januar 1956; in der Staatskanzlei hatte von 1945 bis 1949 Hans von Herwarth die Rückgliederung zu betreuen.
Obwohl es am Ort keine Hochschule gibt, taucht Lindau seit der Nachkriegszeit regelmäßig mit Wissenschaftsmeldungen in der internationalen Presse auf — dank der jährlichen Nobelpreisträgertagung und der Psychotherapiewochen, die Ernst Speer begründet hat. Zu diesen Wochen reisen Frühjahr für Frühjahr knapp 4000 Therapeuten und Analytiker an den Bodensee.
Seit 1951 finden die Nobelpreisträgertagungen hier Jahr für Jahr statt; sie wollen Preisträger und junge Forschende an einen Tisch bringen und so den Austausch über Generationen, Kulturen und Fächer hinweg befördern. Auf die Idee, deutsche Mediziner und Forscher mit Nobelpreisträgern zusammenzuführen, kamen 1949 zwei Ärzte der Stadt, Franz Karl Hein und Gustav Wilhelm Parade; sie gewannen Graf Lennart Bernadotte af Wisborg — Angehöriger des schwedischen Königshauses und Herr der benachbarten Insel Mainau — dafür, seine Verbindungen zum schwedischen Nobelkomitee einzusetzen und das Vorhaben zu fördern.

Medizin und Physiologie standen 1951 im Mittelpunkt des ersten Treffens, zu dem sieben Nobelpreisträger kamen, unter ihnen Adolf Butenandt und Hans von Euler-Chelpin; weil es gelang, weitete man den Blick und nahm auch Chemie und Physik, die beiden übrigen naturwissenschaftlichen Preisfächer, ins Programm. Neue Forschungsergebnisse vorzustellen ist dabei nicht der Zweck; es geht um den Austausch von Gedanken und um Fragen, die für Forschende weltweit Gewicht haben — honoriert werden die Auftritte der Preisträger nicht, und ihre Vortragsthemen wählen sie selbst.
Die Literatur hat sich vielfach mit dem Ort befasst: Michel de Montaigne, der auf seiner Italienreise von 1580 und 1581 hier Station machte, gab ihm ein Kapitel in seinem Reisetagebuch, und vor allem die Romantik brachte zahlreiche Werke über die Inselstadt hervor — Hölderlin nennt sie in seinem 1801 erschienenen Gedicht Heimkunft glückseliges Lindau. Von Januar bis Oktober 1887 wohnte der schwedische Schriftsteller August Strindberg in der Stadt; hier entstanden sein Schauspiel Der Vater und die Erzählung Die Leute von Hemsö.





Stand des Portraittextes: 2026-09-18.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.
Die Pfarrkirche St. Stephan entstand um 1180, ein Franziskanerkloster kam 1224 hinzu, und als König Rudolf 1274 und 1275 die erworbenen Stadtrechte bekräftigte, trat der Ort als Reichsstadt in Erscheinung. Zu den Gründern des Schwäbischen Städtebundes, der am 4. Juli 1376 entstand und politisch wie militärisch Gewicht bekam, gehörte die Stadt von Anfang an. Maximilian berief den Reichstag für 1496/97 in das hiesige Rathaus; weil er selbst gerade in Italien Krieg führte, schickte er seinen Sohn Philipp als Vertreter. Zwischen dem 15. Jahrhundert und 1826 fuhr der Mailänder Bote, auch Lindauer Bote geheißen, über die Viamala nach Mailand und zurück; wohlhabend geworden durch den Handel mit Korn und Salz und deren Beförderung, wusste die Bürgerschaft die im 13. Jahrhundert erlangten reichsstädtischen Rechte stets zu nutzen und durchzusetzen.
Evangelisch wurde die Stadt 1528, anfangs geprägt vom Konstanzer Reformator Ambrosius Blarer und damit zwinglianisch getönt; 1529 stand sie auf dem Reichstag zu Speyer bei der protestantischen Minderheit, während das Damenstift katholisch blieb und das Franziskanerkloster — Herkunftsort des ersten reformatorischen Predigers — aufgelöst wurde. Im Dreißigjährigen Krieg legten sich die Schweden 1646/47 vor die Stadt, doch bei Nacht und Nebel zerstörten die Verteidiger Teile des Belagerungsgeräts und schlugen sie zurück. Ein schwerer Brand richtete 1728 im Stiftsbezirk und in einem Teil der Altstadt Verwüstung an; am Marktplatz baute man anschließend im Barock der Zeit wieder auf. In Hexenprozessen standen zwischen 1445 und 1761 hier 18 Personen vor Gericht; neun von ihnen starben durch Hinrichtung oder in der Haft, und als letztes Opfer der Verfolgung wurde Maria Madlener am 4. August 1730 hingerichtet. Ihre Eigenständigkeit als Reichsstadt behielt die Stadt bis 1803.






