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Lingen (Ems) hatte am 31.12.2025 56.539 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 62 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Lingen (Ems)
Lingen liegt im Süden des Emslands, überwiegend am östlichen Ufer der Ems, nahe der niederländischen Grenze. Ende 2025 zählte die Stadt 56.539 Einwohner.

Meppen, Nordhorn und Rheine sind die nächsten größeren Städte; Lingen ist als Mittelzentrum mit Teilfunktionen eines Oberzentrums eingestuft.
Wer hier nach Geschichte sucht, findet Grenzlage und Wechsel: Grafen, Spanier, Oranier, Preußen und Franzosen haben Lingen regiert, und mit jedem Herrn wechselte zeitweise auch das Bekenntnis. Später kamen Öl, Erdgas und Kernenergie.
Im Heberegister der Abtei Werden taucht Lingen als „Linga“ im Jahr 975 auf. 1227 hatte der Ort bereits stadtähnlichen Charakter: Die Bischöfe von Osnabrück und Münster wollten nach einer Eroberung die Einkünfte aus Zoll, Münze und Gericht teilen.
Das Marktrecht von 1314 diente als Vorbild für den Markt in Friesoythe. Ein Stadtrecht wird 1366 erstmals erwähnt und wurde 1401 durch den Tecklenburger Grafen bestätigt. 1372 gründeten Jünglinge die Bürgerwehr der Kivelinge.
Die Grafschaft Lingen entstand 1493 aus der Teilung der Grafschaft Tecklenburg. Der Graf führte 1543 die Reformation ein, doch 1548 musste er Lingen an Kaiser Karl V. abtreten, und die Stadt wurde wieder katholisch.

Danach wechselte der Glaube weiter: Prinz Moritz von Oranien eroberte Lingen 1597 für die Utrechter Union, und die Stadt wurde calvinistisch. 1605 nahm der spanische Feldherr Spinola die Festung ein und machte sie wieder katholisch. Im Juni 1672 eroberte der Fürstbischof von Münster die Stadt und führte erneut den katholischen Glauben ein.
1697 gründete Wilhelm III. von Oranien in Lingen eine Universität, das Gymnasium academicum.

Den Weg für die Industrie bereiteten die Verkehrswege. Nach 1856 kam die Bahn, 1899 der Dortmund-Ems-Kanal, der aus dem Ems-Hase-Kanal ausgebaut wurde.
Mit Mitteln des Marshallplans begann 1950 der Bau der Raffinerie Emsland; 1953 ging sie in Betrieb. Sie verarbeitet Rohöl aus dem Emsland und darüber hinaus.

Im Jahr 1968 nahm der Versorger VEW in der damaligen Gemeinde Darme das Kernkraftwerk Lingen in Betrieb. 1988 folgte das Kernkraftwerk Emsland mit einer Leistung von 1400 Megawatt. Am 15. April 2023 ging es infolge des Atomausstiegs vom Netz. Zur Energie kommt Stahl: Im Industriepark Lingen-Süd produziert Benteler in einem Elektrostahlwerk aus Schrott jährlich bis zu 560.000 Tonnen.
Wie sich die Stadt umbaut, zeigt das Gelände des früheren Eisenbahnausbesserungswerks an der Kaiserstraße, das 1944 im Luftkrieg zerstört worden war. Die Stadt erwarb das Areal 1990; heute sind dort fünf restaurierte Hallen bezogen. Seit 1995 haben dort die Hochschule Osnabrück, die Kunsthalle und ein IT-Zentrum ihren Platz, und seit 2000 ist Lingen mit mehreren Instituten dieser Hochschule wieder Hochschulstandort, dreihundert Jahre nach der alten Universität.
Eine jüdische Gemeinde bestand in Lingen seit 1869; 1878 baute sie am damaligen Gertrudenweg eine Synagoge und ein Schulhaus. SA-Männer steckten in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 die Synagoge der Stadt in Brand. An die Gemeinde erinnert heute der Lern- und Gedenkort Jüdische Schule.
Militärisch war Lingen seit 1934 Garnisonsstadt, mit Kasernen im Stadtteil Reuschberge, und im Krieg Standort eines Reservelazaretts der Wehrmacht, zu dem auch Lazarette für die Kriegsgefangenen der Emslandlager gehörten. Im Jahr 1944 zerstörten zwei Luftangriffe das Eisenbahnausbesserungswerk und Teile der Stadt. Im April 1945 nahmen britische Truppen Lingen nach schweren Häuserkämpfen in der Innenstadt ein. Die britische Militärverwaltung richtete danach ein Lager für Displaced Persons ein, befreite Zwangsarbeiter aus den Emslandlagern und politische Flüchtlinge.
Die Nachkriegszeit brachte die Stadt in eine neue Verwaltungsordnung. Im Jahr 1977 verlor Lingen mit der niedersächsischen Kreisreform den Kreissitz, wurde aber große selbständige Stadt; Kreisstadt des Emslandes ist Meppen. Ende 2007 wurde der Bundeswehrstandort geschlossen.





Stand des Portraittextes: 2026-09-20.
Belege der kuratierten Auswahl: IKE
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