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Ludwigsburg hatte am 31.12.2025 93.002 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 61 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Ludwigsburg
Ludwigsburg ist nicht über Jahrhunderte gewachsen wie die meisten Städte Europas, sondern Anfang des 18. Jahrhunderts am Reißbrett geplant worden. 1704 ließ Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg außerhalb der alten Hauptstadt Stuttgart ein Schloss errichten, zunächst nur als Jagdsitz. Dass daraus eine Stadt wurde, lag an einem Ehrgeiz: Der Herzog strebte erfolglos die Rangerhöhung zum Kurfürsten an und wollte diesen Anspruch ab 1709 mit der Gründung einer ganzen Stadt unübersehbar machen.

Der Entwurf ist noch heute ablesbar. Das Residenzschloss lag in der Hauptachse, westlich daran schloss die Wohnbebauung an, und ein rechtwinkliges Straßenraster um einen zentralen Marktplatz teilte die Stadt in regelmäßige Blöcke. Die zweigeschossigen Wohnhäuser entstanden nach dem Entwurf des aus Italien stammenden Schlossbaumeisters Donato Giuseppe Frisoni; nach Vorgabe des Herzogs sollten sie ohne Zwischenräume aneinandergereiht werden, damit geschlossene Straßenfluchten entstanden. Alleen lockerten das Bild auf.
Die Stadt liegt auf 293 Metern über dem Meeresspiegel auf einer Hochfläche des Neckarbeckens, etwa zwölf Kilometer nördlich der Stuttgarter Innenstadt. Zum 31. Dezember 2025 zählte sie 93.002 Einwohner.
Am 3. September 1718 erhielt der Ort die Stadtrechte, und der Herzog begann zu werben. Er stellte fünfzehn Jahre Steuerfreiheit in Aussicht, dazu kostenfreies Land und Baumaterial; später kamen Zoll- und Religionsfreiheit hinzu. Trotzdem wuchs Ludwigsburg nur langsam, denn der Herzog suchte sich seine Bürger aus: Wer sich niederlassen wollte, musste über mindestens 1000 Taler verfügen und durfte kein Bauer sein. Von den ersten 21 Bewerbern bekamen zwei die Erlaubnis.
Kirchenbau folgte dem Bevölkerungsbedarf und nicht umgekehrt. 1711 wurde Ludwigsburg eigene Pfarrei, 1718 löste es Markgröningen als Sitz des Dekans ab — ein eigenes Gotteshaus hatte die junge Gemeinde aber erst 1726 mit der evangelischen Stadtkirche. Den zugewanderten Reformierten war ebenfalls eine Kirche versprochen worden; der Bau gegenüber wurde nach seiner Fertigstellung 1781 jedoch als lutherische Garnisonkirche eingeweiht, und 1823 gingen die Reformierten in der Landeskirche auf.
Das Konzept einer wohlhabenden Idealstadt ging nicht auf. Auf der Schlossbaustelle arbeiteten überwiegend mittellose Handwerker, Knechte, Mägde, Tagelöhner und Hofbedienstete, so dass zeitweise die Hälfte der Stadtbevölkerung aus Geringverdienern bestand; wirtschaftlich blieben die Einwohner vom Hof abhängig. 1718 verlegte Eberhard Ludwig außerdem die Hauptstadt Württembergs von Stuttgart hierher und drohte seinen Stuttgarter Beamten mit Entlassung, falls sie ihm nicht folgten. Beim Tod Eberhard Ludwigs zählte Ludwigsburg 6000 Einwohner, halb so viele wie Stuttgart. Sein Ruf war schlecht, und das lag an den Sitten des Hofes: Der Herzog unterhielt hier eine außereheliche Verbindung mit seiner Mätresse Wilhelmine von Grävenitz, während seine Ehefrau in Stuttgart blieb — im Volksmund hieß die Stadt deshalb Lumpenburg. Als Rückzugsort ließ er von 1713 bis 1728 das Jagd- und Lustschloss Favorite bauen und schenkte der Grävenitz 1728 ein eigenes Palais.

Danach wanderte die Hauptstadt hin und her. Carl Alexander verlegte die Residenz 1733 zurück nach Stuttgart, und mehr als die Hälfte der Einwohner zog mit, weil sie vom Hof lebten. Gegen den Niedergang richtete er 1736 das erste württembergische Zucht- und Arbeitshaus ein, in dem Obdachlose, Waisen und Kriminelle, später auch psychisch Kranke gemeinsam untergebracht waren und in einer Tuchmanufaktur arbeiten mussten. In Ludwigsburg lebte damals auch sein Finanzier Joseph Süß Oppenheimer, weil ihm die Stuttgarter Landstände und Beamten feindlich gesinnt waren; sein Vorschlag einer Porzellanmanufaktur wurde erst nach seiner Hinrichtung am 4. Februar 1738 verwirklicht.
Aus dem Jagdsitz von 1704 wurde ein repräsentatives Residenzschloss, und die Gartenanlagen wuchsen mit. Von 1798 bis 1804 ließ Friedrich sie zu einem englischen Landschaftsgarten umgestalten; die Alleen blieben als Gliederungselemente erhalten, im Südgarten entstand bis 1800 ein großes Ovalbassin mit einem auf das Schloss zuführenden Kanal. In den tiefen Graben östlich des Schlosses setzte man die romantische Emichsburg.
Wie sehr der Rang am Bau ablesbar ist, zeigt ein Raum. 1803 wurde der württembergische Herzog zum Kurfürsten aufgewertet, und Friedrich ließ die Rangerhöhung noch im selben Jahr durch Innenarbeiten im Residenzschloss hervorheben; nach der Königserhebung wurde der Ordenssaal zum Thronsaal umgebaut. Der Baldachin des Throns aus Brokat und Seide entstand aus konfiszierten Liturgiestoffen oberschwäbischer Klöster, die Württemberg einverleibt worden waren — die Säkularisation ist dort buchstäblich vernäht.
Die Alleen der Stadt hatten außerdem einen Nebenzweck, an den niemand dachte. Die von 1764 bis 1768 schnurgerade angelegte Solitude-Allee führte vom Südtor des Schlossgartens zum Schloss Solitude westlich von Stuttgart. Für die Landesvermessung Württembergs diente diese Achse 1820 als trigonometrische Basis; damals endete die 13 Kilometer lange Linie noch vor der Stadtgrenze, und ein Gedenkstein an der Kreuzung mit der Köhlstraße bezeichnet ihren Endpunkt.

Technisch hat Ludwigsburg eine Rolle, die man ihm nicht ansieht: 1926 wurde beim Bau der Nord-Süd-Leitung das Umspannwerk Hoheneck errichtet, das bis heute ein zentraler Knotenpunkt im Stromnetz Baden-Württembergs ist, und 1957 ging von dort die erste 380-kV-Leitung Deutschlands in Betrieb.
Zum dreihundertsten Geburtstag des Residenzschlosses eröffneten 2004 die Barockgalerie, das Modemuseum und das Keramikmuseum. Damit schließt sich der Kreis zum Schloss, mit dem die Stadt begann.
In der NS-Zeit wurden auch in Ludwigsburg Menschen verfolgt. Beim Novemberpogrom 1938 zerstörten SA-Männer die 1884 eingeweihte Synagoge; ihr Grundriss wurde 1988 im Pflaster des heutigen Synagogenplatzes nachgebildet, und mindestens 56 jüdische Bewohner wurden Opfer der Shoa. Seit 2008 liegen etwa 100 Stolpersteine im Stadtgebiet.
Militärisch war die Stadt von Anfang an. Weil es zur Zeit Eberhard Ludwigs noch keine Kasernen gab, wurde die 40 Mann starke herzogliche Leibgarde in Bürgerhäusern einquartiert; die eigentliche Garnisonszeit begann 1736 unter Carl Alexander. 1921 wuchs die Garnison so weit an, dass die Stadt den Beinamen Schwäbisches Potsdam bekam. Der Zweite Weltkrieg richtete vergleichsweise geringe Zerstörungen an: 140 Häuser wurden durch Bombenabwürfe völlig zerstört, insgesamt war die Stadt zu 2 Prozent zerstört, und die Bevölkerung hatte 1.500 Tote zu beklagen. Nach dem Krieg blieb die Stadt Militärstandort: Die US-Armee unterhielt etwa 45 Jahre lang am Stadtrand die Garnison Pattonville mit einer eigenen Highschool, die Bundeswehr nahm 1956 die Tradition wieder auf und gab den Standort 1994 auf.
Zwei Einrichtungen prägen das Bild der Stadt nach dem Krieg besonders. Ab 1958 wurde hier die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen aufgebaut. Und am 9. September 1962, am letzten Tag seines Staatsbesuchs, sprach der französische Staatspräsident Charles de Gaulle im Schlosshof vor 5000 Zuhörern zur deutschen Jugend — ein Meilenstein der deutsch-französischen Beziehungen.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT_BAR
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Unter Carl Eugen kam der Hof 1764 noch einmal zurück, nachdem das fast fertige Neue Schloss in Stuttgart 1762 ausgebrannt war. Und unter Friedrich, der Ludwigsburg 1797 zur Sommerresidenz erklärte, wurde die Stadt kurz zum Schauplatz europäischer Politik: Am 2. Oktober 1805 erschien Napoleon mit großem Gefolge vor dem Residenzschloss, und am folgenden Tag handelte er in einem eineinhalbstündigen Gespräch im Konferenzzimmer ein Bündnis zwischen Frankreich und Württemberg aus. Friedrich sagte 8000 bis 10.000 Soldaten zu; am 1. Januar 1806 wurde er auf Napoleons Drängen König. 1812 wurde in Ludwigsburg das württembergische Heer für den Russlandfeldzug aufgestellt — von 15.800 Soldaten kehrten etwa 500 zurück.






