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Marburg hatte am 31.12.2025 73.571 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 61 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Marburg
Marburg liegt an der Lahn in Mittelhessen; über dem Lahntal staffeln sich die Altstadthäuser, bekrönt vom Marburger Schloss, daneben steht die Elisabethkirche, und der Schlossberg erreicht 287 m über Normalnull als Ausläufer des Marburger Rückens, eines Hochlandes aus Buntsandstein. Die amtliche Ortshöhe beträgt 186 m. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 73.571 Einwohner auf 123,91 Quadratkilometern.

Bis ins 9. und 10. Jahrhundert lassen sich die Anfänge der Burganlage zurückverfolgen, urkundlich fassbar wird der Ort erstmals 1138/39; von einer Bürgerschaft der Stadt spricht die Reinhardsbrunner Chronik im Jahr 1222, und deren Angehörige waren vermutlich aus Aldenzhausen, Lamersbach, Walpertshausen, Ibernhausen und Willmannsdorf zugewandert, Orten der Umgebung, die heute wüst liegen. Rings um die Burg entstand früh ein Kranz von Burgmannensitzen; in der Barfüßerstraße hat sich seit 1452 der Dernbacher Hof erhalten, der Burgmannshof der Herren von Dernbach.
Zu Gewicht kam Marburg erst, als sich Landgräfin Elisabeth von Thüringen 1228 die Stadt zum Witwensitz wählte; sie gründete ein Hospital und rieb sich in der Pflege von Kranken und Gebrechlichen auf, und obwohl sie schon 1231 im Alter von 24 Jahren starb, ranken sich bis heute zahlreiche Legenden um sie. Bereits 1235 sprach man sie heilig, und noch im selben Jahr setzte der Deutsche Orden über ihrem Grab den Bau der Elisabethkirche in Gang; Wallfahrer aus ganz Europa suchten das Grab auf und ließen die Stadt aufblühen, ihren Friedhof hatten die Pilger an der St.-Michaels-Kapelle, die Michelchen heißt. Unmittelbar neben der Kirche liegt die Niederlassung des Ordens, das Deutschhaus. Geweiht wurde sie am 1. Mai 1283, 48 Jahre nach dem ersten Spatenstich; bis die beiden Türme standen, vergingen nochmals rund 50 Jahre.
Als 1247 die Landgrafen von Thüringen ausstarben, war die Landgrafschaft zunächst für die Wettiner vorgesehen; Sophie von Brabant jedoch, Tochter der heiligen Elisabeth, ließ im selben Jahr 1247 ihren Sohn Heinrich auf der Mader Heide bei Fritzlar zum Landgrafen ausrufen und nahm 1248 den Marburger Bürgern die Huldigung für sich und ihn ab. Der anschließende hessisch-thüringische Erbfolgekrieg brachte Heinrich durch Sophies Beharrlichkeit die Unabhängigkeit Hessens; als erster Herrscher der neuen Landgrafschaft erhob ihn König Adolf von Nassau 1292 in den erblichen Reichsfürstenstand, womit das Reich die Landgrafschaft Hessen offiziell anerkannte. Von 1248 bis 1604 diente die Stadt, mit einigen Unterbrechungen, den Landgrafen von Hessen-Marburg als Residenz. Wie sehr es um Anerkennung ging, zeigte der Ausbau zur Residenz und Festung: die Stadtmauer wurde um die heutige Oberstadt herumgezogen, und um 1250 bekam die Vorstadt Weidenhausen eine steinerne Brücke über die Lahn, die sie enger an den Kern band. Weil die Stadt weiter wuchs und die Bürgerschaft sich etwas Repräsentativeres wünschte, trat an die Stelle der Kilianskapelle die Pfarrkirche St. Marien — nach Schlosskirche und Elisabethkirche das dritte Gotteshaus der Stadt, dessen gotischer Chor 1297 geweiht wurde. Mit dem Tod Heinrichs des Ersten 1308 zerfiel die Landgrafschaft in Oberhessen und Niederhessen; weil dessen Sohn Johann schon 1311 starb, führte Otto der Erste die beiden Teilfürstentümer wieder zusammen, hielt nun abwechselnd in Kassel und in Marburg Hof — und Marburg verlor entsprechend an Gewicht. Ein großer Brand legte 1319 fast die gesamte Stadt in Asche; kurz nach Ottos Tod entstand unter Heinrich dem Zweiten 1330 der Saalbau des Landgrafenschlosses samt Fürstensaal, und 1348/49 schleppten durchziehende Kriegsheere die Pest ein. Am Ende der Fehde mit dem Sterner-Ritterbund stand dessen Angriff auf Stadt und Schloss, den der Graf von Ziegenhain 1373 anführte und der scheiterte.
Philipp der Erste kam 1504 in Marburg zur Welt; weil sein Vater, Landgraf Wilhelm der Zweite, 1509 starb, trat er mit dreizehn Jahren die Regentschaft an und wurde als Anhänger der protestantischen Lehre zum Vorkämpfer der Reformation im Reich. Auf seine Einladung hin kam 1529 auf dem Marburger Schloss das Religionsgespräch zustande; nachdem das Wormser Edikt erneut bestätigt worden war, sollte ein gemeinsames Vorgehen verabredet werden, und im Mittelpunkt stand der Streit, wie Luther und Zwingli das Abendmahl verstanden.
Als Philipp am 31. März 1567 starb, teilten die altertümlichen Erbregeln des hessischen Fürstenhauses das Land unter seine vier Söhne auf: der nördliche Teil, fortan Hessen-Kassel, ging an Wilhelm, Hessen-Marburg an Ludwig, Hessen-Rheinfels an Philipp und der südliche Landesteil, nun Hessen-Darmstadt, an Georg. Beide starben kinderlos, Philipp 1583 und Ludwig 1604, so dass ihre Gebiete an die Linien in Kassel beziehungsweise Darmstadt zurückfielen und Marburg zur Landgrafschaft Hessen-Kassel kam; in napoleonische Zeit fällt später die Auflösung des Deutschen Ordens vor Ort, der bis dahin immensen Einfluss auf die Stadt ausgeübt hatte.
Eine protestantische Universität stiftete Landgraf Philipp der Großmütige 1527 in der Stadt; seither trägt sie deren Wirtschaft wie keine zweite Einrichtung, bis heute, und zu ihr zählten auch das Gymnasium Philippinum und die Hessische Stipendiatenanstalt. Gemessen an der Einwohnerzahl ist der Anteil von Studierenden und Beschäftigten hoch, und daraus erwuchs der Spruch, andere Städte hätten eine Universität, Marburg dagegen sei eine — er benennt, wie eng die Geschichte beider miteinander verwachsen ist. Mit über 3900 Beschäftigten und mehr als 21.000 Studierenden trägt die Universität die Wirtschaft der Stadt bis heute, und das Universitätsklinikum beschäftigt in Marburg zusätzlich über 4200 Mitarbeiter.
Die Stadt blieb lange klein — zu Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sie lediglich ungefähr 20.000 Einwohner —, doch über die Universität kamen große Persönlichkeiten herein: als Lehrende etwa Emil von Behring und Martin Heidegger, als Studierende die Brüder Grimm.
Das Fächerangebot ist überdurchschnittlich breit und enthält viele außergewöhnliche Studiengänge; die neue Universitätsbibliothek öffnete 2018.
Wer den Grimm-Dich-Pfad in Marburg an der Lahn hinter sich bringen will, braucht durchaus Kondition: 15 Stationen verteilen sich auf zweieinhalb Kilometer, dazu kommen 109 Höhenmeter und 282 Stufen. Für den Pfad gewann die Stadt den hessischen Tourismuspreis, und in der Umgebung liegen die Schauplätze Grimmscher Märchen, die der Maler Otto Ubbelohde illustriert hat.
Die Altstadt ist eng und verschachtelt gebaut, mit alten Fachwerkhäusern und dem steilen Anstieg hinauf zum Schlosshügel mit dem Landgrafenschloss. Die Marburger nennen sie Oberstadt. Ihr Mittelpunkt ist das dreigeschossige Rathaus, das 1512 bis 1513 unter der Leitung eines Wetzlarer Steinmetzes entstand; der Innenausbau war erst 1526 fertig. Dass die Fachwerkbauten ringsum stehen geblieben sind, verdankt die Stadt einem langjährigen, planmäßigen Restaurierungskonzept.
Weithin sichtbar steht das Landgrafenschloss westlich oberhalb der Stadt und des Lahntals, das hier von Norden nach Süden zieht; historisch zählt es als erste Residenz der Landgrafschaft Hessen, kunst- und bauhistorisch vor allem wegen der Bauteile aus dem 11. und 12. Jahrhundert und mehr noch wegen des Schlossbaus aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, der den Gesamteindruck der Anlage bis heute prägt. Als herausragende Leistungen europäischer Burgenarchitektur gelten die Schlosskapelle und der Saalbau mit dem Großen Saal, dem Fürstensaal. Teile des Baus nutzt heute das Marburger Universitätsmuseum für Kulturgeschichte, dessen große Sammlung die Geschichte der Region von der Steinzeit an abdeckt; daneben gibt es hier Theateraufführungen, Konzerte und weitere kulturelle Veranstaltungen bis hin zu mittelalterlichen Märkten, und gern besucht wird das Open-Air-Kino, das von Mai bis September auf der Freiluftbühne im Schlosspark läuft.






Stand des Portraittextes: 2026-09-18.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT_MAER
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Um das Marburger Erbe bekriegten sich Darmstadt und Kassel jahrzehntelang, zeitweise eingebettet in den Dreißigjährigen Krieg, in dem Kassel an der Seite Schwedens, Darmstadt an der des Kaisers stand; Tillys Truppen nahmen 1623 vorübergehend Stadt und Festung, und der Hauptakkord von 1627 sprach das Erbe zwar Darmstadt zu, beendete den Streit aber nicht dauerhaft. Den Hessenkrieg eröffnete 1645 die Kasseler Landgräfin Amalie Elisabeth mit der Belagerung der Stadt; drei Jahre später hatte sie ihn gewonnen: Oberhessen blieb fortan geteilt, Marburg kam an Kassel, Gießen und das Hessische Hinterland mit Biedenkopf dagegen an Darmstadt, und was der Stadt blieb, war die Rolle eines Verwaltungssitzes und militärischen Stützpunkts — ihr Gewicht schwand zusehends. Ab 1807 fielen die Festungsanlagen des Schlosses den Napoleonischen Kriegen zum Opfer und wurden geschleift; 1850 ging die Bahnstrecke von Kassel nach Marburg in Betrieb, ab 1852 führte sie weiter bis Frankfurt am Main. Oberkurhessische Provinzhauptstadt war die Stadt mit Unterbrechungen von 1821 bis 1868 — im Kurfürstentum Hessen, das Preußen 1866 annektierte.
Im 20. Jahrhundert wuchs die Stadt spät, aber deutlich. Im Zweiten Weltkrieg, von Herbst 1939 bis März 1945, wurden in Marburg und seinen heutigen Stadtteilen mindestens 3863 Ausländer zur Zwangsarbeit herangezogen, etwa zu gleichen Teilen zivile Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie Kriegsgefangene. Nach dem Krieg ließ der Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen die Einwohnerzahl bis Ende 1946 um 11.000 Personen auf 39.000 steigen, ein Sprung binnen kurzer Zeit, und mit den Eingemeindungen vom 1. Juli 1974 kam die Stadt auf 70.922 Einwohner.






