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Markgröningen hatte am 31.12.2025 14.052 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 55 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Markgröningen
Einmal im Jahr, am letzten Augustwochenende, rennen in Markgröningen Schäferinnen und Schäfer barfuß über ein Stoppelfeld. Das klingt nach Folklore für Besucher, ist aber der sichtbarste Rest einer Ordnung, die über Jahrhunderte das Leben der württembergischen Schäfer bestimmt hat. Wer verstehen will, warum eine Kleinstadt mit 14.052 Einwohnern oberhalb des Glemstals ein solches Fest trägt, muss in ihre Zeit als Reichs-, Residenz- und Amtsstadt zurückgehen.
Unter dem Namen Gruoninga erscheint der Ort 779 in einer Urkunde des Klosters Fulda. Seine eigentliche Bedeutung gewann er, als 1336 die Stadt samt der Reichssturmfahne endgültig an die Grafen von Württemberg überging; in der Urkunde dazu wurde erstmals schriftlich festgehalten, dass das Banner in Grüningen aufbewahrt werden sollte.

In den folgenden Jahrhunderten war die Stadt Nebenresidenz und Verwaltungssitz. Aus dieser Blütezeit stammt das Rathaus, mit dessen Bau 1441 begonnen wurde und das bis heute den Marktplatz prägt, dazu der Wimpelinhof und die Untere Kelter. Das Ende dieser Rolle kam mit einer Neugründung ganz in der Nähe: Ludwigsburg, auf Grüninger Amtsgebiet angelegt, schied am 3. September 1718 aus dem Oberamt Markgröningen aus und bekam ein eigenes. Markgröningen musste seine Funktionen als Residenz, Oberamtsstadt und Hüterin der Sturmfahne nach und nach an die neue Nachbarin abgeben.

Geblieben sind eine gut erhaltene Altstadt mit dem Oberen Tor, Kirchen wie die Bartholomäuskirche, die Heilig-Geist-Kirche und die Leonhardskapelle sowie mehrere Mühlen an der Glems, die sich hier 281 Meter über dem Meeresspiegel tief in den Muschelkalk eingeschnitten hat: die Bruckmühle, die Obere Mühle, die Spitalmühle und die Papiermühle. An den sonnigen Hängen des Tals wird Wein angebaut. Seit 1973 gehört auch Unterriexingen mit seinem Schloss und der Frauenkirche zur Stadt.

Der Buchdrucker Hans Grüninger trug den Namen seiner Heimatstadt in die Druckgeschichte. Bis ins französische Saint-Martin-de-Crau, die Partnerstadt, reicht heute eine Verbindung, die wieder mit Schafen zu tun hat.
Der Schäferlauf ist eng mit der Schäferzunft verbunden. Seit dem 14. Jahrhundert wird diese Tradition in Markgröningen, Bad Urach und Wildberg gepflegt. Die württembergischen Schäfer mussten sich einmal im Jahr versammeln, um Streitigkeiten zu schlichten und die Angelegenheiten ihres Berufsstandes zu regeln. Dieser Zunfttag fiel mit dem Markt zu Bartholomäus am 24. August zusammen, und aus beidem entstand im Lauf der Zeit ein Fest. Eine erste schriftliche Spur des Marktes stammt von 1445, als ein Bruder des Grüninger Heilig-Geist-Spitals notierte, was er auf dem Bartholomäusmarkt gekauft hatte; von einem Lauf ist in dieser Notiz nicht die Rede. Das Wort Schäferlauf selbst ist erst 1593 belegt.
Die Überlieferung kennt eine schönere Erklärung: Ein Schäfer namens Barthel soll einem verkleideten Grafen gegenüber treu geblieben sein, und zum Dank sei ihm zu Ehren an seinem Namenstag ein Fest gestiftet worden. Belegt ist diese Geschichte nicht, erzählt wird sie trotzdem.
Eine feste Ordnung gab Herzog Eberhard III. der Zunft mit der Schäferzunftordnung, die Aufgaben und Ablauf des Treffens regelte; in seiner heutigen Form findet der Schäferlauf seit 1651 statt. Als die Zunft 1828 aufgelöst wurde, übernahmen die Städte die Ausrichtung. Zum Programm gehören der Festzug durch die Altstadt, der Schäfertanz, ein Wettbewerb im Wassertragen und das Leistungshüten, bei dem Schäfer zeigen, wie sie eine Herde führen. Zum Ritual gehört außerdem die Übergabe der im Rathaus verwahrten Schäferfahne und der Zunftlade. Höhepunkt bleibt der Lauf barfuß über das Stoppelfeld, nach dem ein Schäferkönigspaar gekrönt wird.

Im Jahr 2018 wurde die Tradition des Schäferlaufs und des Schäferhandwerks in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen, gemeinsam mit Bad Urach und Wildberg. Die Aufnahme würdigt nicht nur das Fest. Sie verweist auch darauf, dass das Handwerk selbst sich gewandelt hat: Früher zählte vor allem die Wollwirtschaft, heute stehen neben der Fleischproduktion der Erhalt gewachsener Kulturlandschaften und der Naturschutz im Vordergrund.





Stand des Portraittextes: 2026-09-17.
Belege der kuratierten Auswahl: IKE
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