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Maulbronn hatte am 31.12.2025 6.371 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 58 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Maulbronn
Maulbronn liegt im Enzkreis zwischen Vaihingen an der Enz und Bretten, am Südwestrand des Strombergs, auf 251 Metern Höhe und 25,44 Quadratkilometern. Die Stadt besteht aus den drei Stadtteilen Maulbronn, Schmie und Zaisersweiher. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 6.371 Einwohner.

Ihr Zentrum ist kein Marktplatz, sondern ein Klosterhof. Das ehemalige Zisterzienserkloster steht seit 1993 auf der Welterbeliste der UNESCO; in seiner Mauer liegen heute Restaurants, die Polizei, Verwaltungsämter und das Rathaus. Wer hier durchs Tor geht, betritt nicht eine Sehenswürdigkeit neben der Stadt, sondern ihren Kern.

Die Gründung war zunächst ein Fehlschlag. Der Edelfreie Walter von Lomersheim stiftete sein Erbgut Eckenweiher zwischen Mühlacker und Lienzingen für ein Zisterzienserkloster; am 24. März 1138 traf Abt Dieter dort ein. Das Gelände taugte jedoch nicht — vermutlich fehlte Wasser. Um 1146 erklärte der Speyerer Bischof Günther von Henneberg den Ort für untauglich und schenkte dem Konvent das Bischofslehen zu Mulenbrunnen in einem abgelegenen Waldtal der Salzach. Vermutlich im Sommer 1147 zog das Kloster dorthin um.
Danach ging es schnell. Die Anlage wurde ein wirtschaftliches, gesellschaftliches und politisches Zentrum der Region; ab 1156 stand sie unter der Schirmvogtei Kaiser Friedrichs I. Die Vogtei blieb ein Streitpunkt: Nachdem der Konvent den Bischof von Speyer zum Beschützer gewählt hatte, gelangte sie als Untervogtei an die Herren von Enzberg, die ab 1236 als Schirmer fassbar werden und über Jahrzehnte gewaltsam versuchten, daraus eigene Macht zu ziehen. Ab 1325 lag die Schirmvogtei bei den Pfalzgrafen bei Rhein.
Der Besitz wuchs durch Schenkungen und planmäßige Käufe zu einem geschlossenen Territorium mit über zwanzig Dörfern. Bewirtschaftet wurden neben dem Elfinger Hof rund 2500 Hektar Wald, verteilt auf etwa 25 Ortschaften; sieben Pfleghöfe verwalteten die Einkünfte. Wie viel dabei zusammenkam, lässt sich am erhaltenen Fruchtkasten ablesen, dem Klosterspeicher, der 1580 auf alten Fundamenten seine heutige Größe erhielt.
Das Ende des Konvents kam mit der Reformation. 1504 hatte Herzog Ulrich von Württemberg das Kloster nach siebentägiger Belagerung eingenommen; 1525 plünderten es aufständische Bauern, wobei die Gebäude erhalten blieben, weil sich die Aufständischen nicht einigen konnten, ob sie verbrannt, abgerissen oder verkauft werden sollten. 1537 übersiedelten Abt und Konvent in ihr Priorat Pairis im Elsass. 1556 erließ der Herzog die Klosterordnung — der Grundstein für ein geregeltes Schulwesen in den verbliebenen Männerklöstern Württembergs.
Aus dem Kloster wurde damit eine Schule, die es bis heute gibt. Zu ihren Absolventen gehören Johannes Kepler, Friedrich Hölderlin und Hermann Hesse, der der Anlage in Narziß und Goldmund und in Unterm Rad ein literarisches Denkmal setzte. 1807 wurde die Schule in ein evangelisch-theologisches Seminar umgewandelt; heute ist sie ein staatliches Gymnasium mit Internat, in dem etwa 100 Schülerinnen und Schüler leben.

Die Klosterkirche ist eine dreischiffige Basilika, die von 1147 bis 1178 zunächst romanisch erbaut wurde. Wie andere Zisterzienserkirchen vereinigt das langgestreckte Gebäude zwei Kirchen in sich: die Laienkirche, hier Bruderchor genannt, und die Mönchskirche, den Herrenchor. Ein romanischer Lettner trennt beide. Davor steht ein monumentales Kruzifix, das Conrat Seyfer 1473 aus einem Steinblock meißelte — Kreuz und Körper aus demselben Stück.
Die Vorhalle heißt Paradies, weil man solche Vorräume mit der Geschichte des Sündenfalls auszumalen pflegte; die letzte Bemalung stammt von 1522 und ist bis auf Reste abgefallen. Baugeschichtlich markiert dieser Raum den Übergang von der Romanik zur Gotik: hohe, lichte Fenster und weite Gewölbe wirken gotisch, die Fenster tragen aber noch romanische Rundbögen, teils in Kombination mit Spitzbögen. Der Baumeister ist namentlich unbekannt und heißt nach seinem Werk der Paradies-Baumeister.
Der Klosterhof davor ist geschlossen erhalten. Gleich hinter dem Tor stand die Klosterherberge, daneben das Frühmesserhaus; die gegenüberliegende Torkapelle ermöglichte Frauen, die das Kloster nicht betreten durften, die Teilnahme am Gottesdienst. Vor dem Renaissance-Rathaus steht eine alte Linde, in der Mitte des Platzes die alte Klosterverwaltung in Fachwerk. Am Klostertor sind an der Westfront des Torturms noch die Öffnungen zu sehen, durch die einst die Ketten der hölzernen Zugbrücke liefen.
Der Grund, weshalb das Kloster hierher verlegt wurde, ist zugleich eine bemerkenswerte technische Leistung. Das Gelände wird von der Salzach unterquert; um die Wasserversorgung und die Klostermühle zu sichern und Fische zu züchten, legten die Mönche zahlreiche Seen an. Oberhalb lagen Speicherseen wie der Tiefe See, der Roßweiher und der Hohenackersee, unterhalb weitere, von denen heute nur der Aalkistensee geblieben ist. Wassergräben überquerten teilweise Wasserscheiden und vergrößerten so das kleine Einzugsgebiet der Salzach.
Dieses System ist kein Beiwerk. Dass es erhalten blieb, war einer der Gründe für die Aufnahme des Klosters in die Welterbeliste — nicht die Kirche allein, sondern die Landschaft, die sie versorgte.
Ebenso alt ist der Weinbau. Teile der künstlich angelegten Fischgewässer und Weinberge sind erhalten; die Lage Maulbronner Eilfingerberg wurde vor etwa 850 Jahren von Zisterziensermönchen angelegt. Ihren Namen erklärt eine Klostergeschichte: In der Fastenzeit durften die Mönche keinen Wein trinken und tauchten deshalb nur die Finger hinein, um sie abzulecken — mancher habe sich dabei elf statt zehn Finger gewünscht. Maulbronn liegt heute an der Württemberger Weinstraße; seine Lagen gehören zur Großlage Stromberg.
Nach dem Kloster kam die Stadt, und mit ihr ein zweites Standbein: der Stein. Den Maulbronner Schilfsandstein brachen schon die Zisterzienser; die ab etwa 1871 einsetzende Bauperiode verschaffte dem Ort damit einen raschen Aufschwung, der Stein wurde weit über die Region hinaus verkauft und mehrere Steinhauerbetriebe blühten auf. Heute spielt er nur noch eine Nebenrolle. Die Gemeinde selbst entstand erst 1838 aus der Siedlung um das Kloster, 1886 wurde sie zur Stadt erhoben. Kloster, Seen und Stadt sind hier bis heute ineinander verwoben.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: WH
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