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Michelstadt hatte am 31.12.2025 15.197 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 49 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Michelstadt
Michelstadt liegt im Talzug der Mümling, ungefähr in der Mitte zwischen Aschaffenburg und Heidelberg, und misst vom Rathaus bis zur bayerischen Landesgrenze auf der Höhe nur wenige Kilometer. Die Stadt erstreckt sich über 86,98 Quadratkilometer; die Stadtteile im Osten liegen deutlich höher als der Talgrund, die Kernstadt selbst auf 376 m. Am 31. Dezember 2025 lebten 15.197 Einwohner in der Stadt.
Wer den Ort kennt, kennt meist ein Bild: das Fachwerkrathaus mit den drei spitzen Erkertürmchen über offenen Bögen. Es ist nicht das erste Bauwerk am Platz. Ein paar hundert Meter weiter erhebt sich ein Turm aus der Zeit um 950, und im Stadtteil Steinbach steht eine Kirche aus karolingischer Zeit.
Michelstadt ist deshalb kein reiner Fachwerkort, sondern ein Ort mit mehreren Schichten: fränkischer Gutshof, Grafensitz, Industriestädtchen, und dazwischen eine jüdische Gemeinde, deren Betsaal bis heute steht.
Vor den Franken waren die Römer hier. Bei Würzberg stehen mitten auf einer Lichtung die Reste eines Kastells, das um das Jahr 100 als Teil des Neckar-Odenwald-Limes gebaut und rund sechzig Jahre lang benutzt wurde, bevor die Grenzlinie nach Osten wanderte. Das Badehaus daneben war für eine Besatzung von etwa 120 Mann gedacht und ist teilweise wiederhergestellt. Über das Stadtgebiet verteilt sind zudem zahlreiche Limeswachtürme als Bodendenkmale erfasst.
Die Geschichte des Ortes selbst beginnt mit einer Schenkung. Im Jahr 815 ging die Mark Michlinstat an Einhard, den Vertrauten am Hof Karls des Großen; Ludwig der Fromme übergab ihm den Hauptort und alles Land im Umkreis von zwei Leugen als freies Eigentum. Vier Jahre später, 819, vermachte Einhard seinen Odenwälder Besitz dem Kloster Lorsch und beschrieb dabei ziemlich genau, wo die Grenzen der Mark verliefen. Am 14. März 840 wurde dieser Besitz dem Kloster förmlich übertragen.
Aus einem fränkischen Gutshof entstand die Ortsburg, die man so ausbaute, dass die Menschen der Umgebung darin Schutz finden konnten. Später lag Michelstadt in der Grafschaft Erbach und war dort Sitz eines Amtes; ab der Mitte des 18. Jahrhunderts gehörte es zur Teilgrafschaft Erbach-Fürstenau, die 1806 mit der Mediatisierung an das Großherzogtum Hessen fiel. Ab 1822 zählte der Ort zum Landratsbezirk Erbach, ab 1852 zum Kreis Erbach, der seit 1972 Odenwaldkreis heißt.
Den wirtschaftlichen Umbruch brachte die Schiene. Als der Bau der Odenwaldbahn 1881 Michelstadt erreichte, wurde aus dem Ackerbürgerstädtchen mit seinen Handwerkern und Händlern ein Ort mit Industriebetrieben. Die Grundlage war längst gelegt, denn Eisen wurde hier seit Jahrhunderten verarbeitet. Aus der Tuchweber- und Färberzunft wurde eine Tuchfabrik, aus Eisenhütten wurden Maschinenfabriken, und aus der Elfenbeinschnitzerei entwickelten sich Betriebe für Souvenirs und Kunststoffverarbeitung.

Das Fachwerkrathaus entstand 1484 im Stil der Spätgotik. Unten war von Beginn an ein Marktgeschoss; seine Ostwand ruht auf der früheren Friedhofsmauer, die man kurzerhand als Auflager weiterbenutzte. Der Baumeister ist unbekannt.
Die Kellerei, wie die Burg auch heißt, war ursprünglich fränkisch und wurde vor allem im 16. Jahrhundert überbaut; sie steckt bis heute im Ring der Stadtmauer. Ihr westlicher Turm entstand um das Jahr 950 und diente seit etwa 1312 als Gefängnis — daher der Name Diebsturm.

Die Stadtkirche wurde 1490 fertiggestellt, als Ersatz für eine Steinkirche, die in karolingischer Zeit an der Stelle eines Holzbaus errichtet worden war. Die Nordwand des Vorchors ist noch karolingisch. Im Glockenturm lagerte bis in die 1970er Jahre die Büchersammlung des aus Michelstadt stammenden Speyerer Domherrn Nicolaus Matz; sie umfasst über tausend Bände und steht heute in einem umgebauten Lagerhaus der Michelstädter Poststation derer von Thurn und Taxis.
Im Stadtteil Steinbach steht die Einhardsbasilika, errichtet zwischen 824 und 827. Die Reliquien der Heiligen Petrus und Marcellinus, die Einhards notarius Ratleik in Rom gestohlen hatte, wurden in ihrer Krypta aufbewahrt. Als diese begannen, Blut zu schwitzen, und Einhards Diener entsprechende Alpträume hatten, zog Einhard den Schluss, dass die Gebeine sich hier nicht wohlfühlten, und verlegte sie mit seinem Sitz nach Ober-Mulinheim am Main, dem heutigen Seligenstadt. Die Basilika wurde danach umgebaut, umgewidmet, diente als Hospital und später als Scheune; erst 1873 erkannte man sie wieder als karolingisch. Seit 1967 gehört sie nicht mehr den Grafen zu Erbach-Fürstenau, sondern dem Land Hessen.

In der Mauerstraße steht ein spätbarocker Bau von 1791, der keine Kirche ist. Die Michelstädter Synagoge gehört zu den wenigen Synagogen in Südhessen, die die nationalsozialistische Judenverfolgung zwischen 1933 und 1945 äußerlich überstanden haben.
Hier wurde 1768 Seckel Löb Wormser geboren, in der Überlieferung der Baal Schem von Michelstadt genannt, ein Kabbalist, dem weit über den Odenwald hinaus Heilkräfte zugeschrieben wurden. Sein Grab auf dem jüdischen Friedhof ist bis heute Ziel von Besuchern.
Das Ende der Gemeinde ist genau erfasst. Wem zwischen 1938 und 1943 die Auswanderung nicht mehr gelang, den verschleppte man über die Sammelstelle Gießen in den Tod; es waren etwa 65 Menschen. Seit dem Jahr 2000 erinnern 59 Stolpersteine mit ihren Namen im Straßenpflaster vor ihren früheren Wohnhäusern an sie, dazu Gedenktafeln im Synagogengebäude, das heute als Museum dient.
Jüdisches Leben ist dennoch in die Stadt zurückgekehrt. Die orthodoxe jüdische Gemeinde Michelstadt besteht seit 2005 wieder. Neben ihr prägen heute evangelische und katholische Gemeinden, mehrere Freikirchen sowie eine muslimische und eine alevitische Gemeinde das religiöse Leben.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: FW, GEO
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.
Eine Frage der Gegenwart ist das Verhältnis zur südlichen Nachbarin. Wie eng beide verflochten sind, zeigte ein Beschluss von 2007: Michelstadt und Erbach sollten zur neuen Stadt Erbach-Michelstadt verschmelzen, um mit 31.000 Einwohnern politisch mehr Gewicht zu haben und Kosten zu sparen. Ein Bürgerentscheid stoppte das Vorhaben; in Michelstadt stimmten 54,9 Prozent dagegen.
Daneben liegt das Schlossensemble Fürstenau, eine Aneinanderreihung von Baustilen: Reste einer kurmainzischen Wasserburg von etwa 1300, gotische Steinmetzarbeit, ein Renaissance-Torbogen von 1588 zwischen den westlichen Ecktürmen, eine Schlossmühle, die einmal Münzprägestätte war, ein barockes Kavaliershaus an der Mümling, der klassizistische Wohntrakt Neues Palais und eine spätbarocke Orangerie im englisch gestalteten Park. Bewohnt wird das Schloss bis heute von Nachkommen der Familie Erbach-Fürstenau; die ehemals kurmainzische Wehranlage kam 1355 in den Besitz der Schenken zu Erbach. Im Osten des Stadtgebiets liegt außerdem der Eulbacher Park, ein englischer Landschaftspark neben einem Jagdschloss.







