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Mühlhausen/Thüringen hatte am 31.12.2025 36.155 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 39 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Mühlhausen/Thüringen
Mühlhausen liegt an der Unstrut im Nordwesten des Thüringer Beckens, rund 55 Kilometer nordwestlich von Erfurt. Im Westen grenzt der Hainich an das Stadtgebiet, im Norden das Obereichsfeld. Die Stadt liegt auf 216 Metern über dem Meeresspiegel und umfasst 150,53 Quadratkilometer. Sie ist Kreisstadt des Unstrut-Hainich-Kreises und übernimmt im Land Thüringen die Aufgaben eines Mittelzentrums mit Teilfunktionen eines Oberzentrums.
Wer hier ankommt, begegnet zuerst einem Mauerring mit Wehrgang und zwei mächtigen Kirchen mit Doppeltürmen, und das ist kein Zufall. Mühlhausen war bis 1802 Reichsstadt, und im Spätmittelalter gehörte es mit Erfurt und Nordhausen zu den machtvollen Städten Thüringens. Auf dieser Vergangenheit ruht das Bild, das die Stadt heute von sich zeichnet: Thomas Müntzer, der 1525 hier den Bauernkrieg mitprägte, und Johann Sebastian Bach, der als junger Organist an Divi Blasii spielte.

Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 36.155 Einwohner. Ihr Name verweist auf die Mühlen an Unstrut und Bächen, und das Mühleisen im Wappen tut es ebenfalls; ein Mühlrad im engeren Sinn dreht sich heute freilich kaum noch.
Mühlhausen taucht 967 erstmals in einer Urkunde auf, unter dem Namen mulinhuson, ausgestellt von Kaiser Otto dem Zweiten. Der Ort war Mittelpunkt eines Reichsgutbezirks mit befestigtem Königshof. 1135 versöhnte sich Kaiser Lothar in der Königsstadt mit Konrad von Staufen, und im selben Jahr erhielt der Ort die Stadtrechte. Um 1200 wurde die Innenstadt mit einer Mauer umgeben: 2,7 Kilometer lang, mit sieben Doppeltoren und 38 Wehr- und Kanzeltürmen, 49 Hektar Fläche umschließend.
Um 1220 zeichnete man das Mühlhäuser Reichsrechtsbuch auf, ein Stadtrechtsbuch in deutscher Sprache, das auch in Nordhausen galt. Die Reichsstadt gehörte seit 1286 zur Hanse, und mit Erfurt und Nordhausen verband sie seit 1310 der Thüringer Dreistädtebund. Woran sich die Ingenieure des Mittelalters versuchten, zeigt ein Bauwerk von 1292: Damals wurde die Breitsülze, ein Bach an der Stadt, in einem künstlichen Lauf in die Oberstadt geleitet. Der Graben war 5350 Meter lang und fiel nur 0,33 Millimeter je Meter ab. Die Pläne stammen der Sage nach von einem Mönch, der einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben soll.

Reich wurde die Stadt mit Tuch und Waid. Schon 1247 liefen Mühlhäuser Tuche durch den Hamburger Zoll, und Zuwanderer aus Flandern und der Wallonie brachten Kenntnisse der Wollweberei mit; „Mühlhäuser Laken“ wurden ein Begriff. Im Jahr 1430 trat die Stadt zusammen mit Erfurt und Nordhausen dem Goslarer Bund innerhalb der Hanse bei.
1525 wurde Mühlhausen im Bauernkrieg zum Zentrum der radikalreformatorischen Bewegung des Predigers Thomas Müntzer und seines Mitstreiters Heinrich Pfeiffer. Ihr Programm war der Satz, die Macht solle dem gemeinen Volk gehören; mit den elf Artikeln und einem Ewigen Rat sollte die Herrschaft der Patrizier und des Adels enden. Bürger der Stadt nahmen 1525 auch an der Schlacht bei Frankenhausen teil. Nach der Niederlage der Bauern wurde Müntzer vor den Toren der Stadt hingerichtet; am Frauentor erinnert heute ein Denkmal an ihn.
Dass die Stadt im Dreißigjährigen Krieg nicht zerstört wurde, kostete sie 1,75 Millionen Gulden. Steuern stiegen, Verarmung folgte, und die Bevölkerung halbierte sich. Johann Sebastian Bach wirkte 1707 und 1708 als Organist an der Hauptkirche Divi Blasii; zum Ratswechsel im Februar 1708 entstand seine Kantate „Gott ist mein König“. Am 5. August 1802 endete die Reichsfreiheit, als preußische Truppen einrückten. 1807 gehörte die Stadt zum Königreich Westphalen, das Napoleon geschaffen hatte, und 1815 kam sie zurück zu Preußen, als Teil der Provinz Sachsen. Über Thüringen hinaus bekannt wurde ein Sohn der Stadt: Johann August Röbling verließ Mühlhausen 1831 in Richtung USA und entwarf dort die Brooklyn Bridge in New York. Ausgeführt wurde sie von 1870 bis 1883 durch seinen Sohn Washington Augustus Roebling.
Vierzehn Kirchen soll die Reichsstadt einst gebaut haben, und viele davon stehen noch. Die Marienkirche, eine fünfschiffige gotische Hallenkirche, bestimmt das Stadtbild schon von weitem. Mit ihrem Bau begann man 1317; man wollte einen Bau, der dem Erfurter Dom ebenbürtig sein sollte. Nach einem Streit zwischen den Bürgern und dem Deutschen Orden ruhte er kurz und wurde im frühen 15. Jahrhundert beendet. Sie ist seit 1517, dem Beginn der Reformation, evangelisch-lutherisch, und im Bauernkrieg diente sie Müntzer als Podium. Heute zeigt sie die Müntzer-Gedenkstätte. Im Jahr 1900 wurde die Marienkirche mit kaiserlicher Unterstützung durch den Bau ihres hohen Turms vollendet.
Die Divi-Blasii-Kirche am Untermarkt ist eine dreischiffige, kreuzförmige Hallenkirche, die der Deutsche Orden um 1276 zu bauen begann. Im Nordquerhaus sitzt eine Maßwerkrose, halb so groß wie die von Notre-Dame in Paris. Die Schuke-Orgel auf der Westempore wurde 1959 eingeweiht und setzt die Orgeldisposition um, die Bach vorschwebte. Vor der Kirche steht seit dem 9. August 2009 ein Bronzedenkmal für den Komponisten.
Andere Kirchen haben ein zweites Leben. Die Jakobikirche, mit zwei Haupttürmen wie Divi Blasii, beherbergt seit 2004 die Stadtbibliothek. Die Kilianikirche wurde 2002 zum Theater umgebaut, die Kornmarktkirche dient als Bauernkriegsmuseum, und die Petrikirche geht auf eine Kapelle von 1250 zurück. Die Synagoge in der Jüdenstraße wurde 1998 als Begegnungsstätte wieder eingeweiht; sie erinnert an die jüdische Gemeinde der Stadt.
Das Rathaus mit Rathaushalle, Ratsstube und dem Reichsstädtischen Archiv hat einen gotischen Kern und mehrere jüngere Anbauten; seine Wand- und Deckenmalereien stehen unter Denkmalschutz. Das Popperöder Brunnenhaus, ein Renaissance-Fachwerkbau, wurde ab 1614 auf Veranlassung des Bürgermeisters Gregorius Fleischhauer errichtet; die Quelle selbst ist schon für 1199 belegt, und nach Schäden im Dreißigjährigen Krieg erneuerte man die Anlage 1715. Frauentor und Rabenturm gehören zum Mauerring; am Rabenturm lag im Mittelalter der Friedhof für Pestkranke. Auch die Windmühle und der Peterhof, ein Gasthof an der Wanfrieder Landstraße, stehen unter Schutz.

Um 1800 arbeiteten im engeren Stadtgebiet 19 Wassermühlen, und das Frischwasser trug auch Woll-, Tuch- und Lederverarbeitung. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es rund 50 Manufakturen, die Leder verarbeiteten. Aus Kleinunternehmen wurden Fabriken: Stephan stellte Fahrradsättel und Schulranzen her, Claes und Flentje Nähmaschinen, Strickmaschinen und Fahrräder.
Die Zukunft kam mit Schienen und Strom. 1870 wurde die Bahnstrecke Gotha–Leinefelde eröffnet, 1898 nahm ein Elektrizitätswerk den Betrieb auf, und die Straßenbahn fuhr erstmals; sie wurde 1969 stillgelegt.
Nach dem Krieg entstanden zwischen 1952 und 1972 aus Verstaatlichungen mehrere Volkseigene Betriebe, von Textilwerken bis zu Möve, dem Zulieferer für Fahrzeugtechnik. Eine besondere Rolle spielte das 1952 gegründete Röhrenwerk, das 1971 in VEB Mikroelektronik „Wilhelm Pieck“ Mühlhausen umbenannt wurde. Seit Beginn der 1980er Jahre baute der Betrieb Taschenrechner, darunter den einheitlichen Schultaschenrechner SR1, später kam die Heimcomputer-Reihe KC 85/2-4 hinzu.
Dieses Erbe ist heute weitgehend abgetragen. Der Geburtenrückgang seit der Wende, die Deindustrialisierung, der Abzug der Militärs und die Abwanderung nennt die Stadtgeschichte als ihre großen Probleme. Geblieben ist die Rolle als Versorgungs- und Dienstleistungszentrum mit hoher Einzelhandelsdichte; im Osten der Stadt entstanden vier Gewerbegebiete mit zusammen 154,39 Hektar, in denen Zulieferer für Automobil und Schienenfahrzeuge sowie Betriebe der Elektro- und Leichtindustrie sitzen.
Die Mühlhäuser Kirmes gehört zum Selbstverständnis der Stadt. Jährlich wird sie mit 27 Kirmesgemeinden eine Woche lang gefeiert, und zum ersten Mal fand sie 1877 statt. Die Spielleute prägen dann das Stadtbild; der 1960 gegründete Spielleuteverein wurde sieben Jahre später Dritter unter den besten Klangkörpern der DDR und errang viele republikweite Meistertitel.
Im Jahreslauf folgen weitere Termine: Ende Mai das Bauernkriegsspektakel mit einem Historienspiel zu Müntzer und einem mittelalterlichen Markt, zu Pfingsten die Pflaumenblüte, die seit 2014 das frühere Stadtfest ersetzt, im Sommer das Brunnenfest an der Popperöder Quelle. Im Herbst findet die Hainichjagd statt, eine große Gemeinschaftsjagd, und um den Martinstag zieht ein ökumenischer Umzug durch die Stadt.
Abseits des Festkalenders ergänzen zwei Spezialmuseen das Kulturangebot: das Bratwurstmuseum und das Fernmeldemuseum.
In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 wurde die Synagoge verwüstet, am Morgen darauf wurden 31 jüdische Männer festgenommen und in das KZ Buchenwald verschleppt. In der Landesheil- und Pflegeanstalt Pfafferode starben zwischen 1939 und 1944 2.841 Patienten, 1.976 von ihnen werden der Aktion T4 zugerechnet. Seit 2000 erinnert im Foyer des heutigen Klinikums ein Gedenkstein an sie. 1944 wurden am Stadtrand die Außenlager „Martha I“ und „Martha II“ des KZ Buchenwald eingerichtet, in denen mehr als 1870 Häftlinge für Rüstungsbetriebe arbeiten mussten. Am 4. April 1945 nahmen US-Truppen die Stadt kampflos ein, am 5. Juli 1945 übergaben sie sie der Roten Armee.
Am 17. Juni 1953 demonstrierten auf dem Marktplatz 3000 Menschen, überwiegend Bauern aus der Umgebung; sie forderten niedrigere Abgabensätze, Ende der Kollektivierung, freie und geheime Wahlen und den Wegfall der Sperrzonen an der innerdeutschen Grenze. 1975 erhielt die Stadt den amtlichen Namenszusatz „Thomas-Müntzer-Stadt“, den sie 1991 wieder ablegte; Anlass war der Todestag des Predigers. Von Oktober 1989 an gingen von Kirchen ausgehende Demonstrationen durch die Stadt, und schon am 22. Dezember 1989 wurde ein Freundschaftsvertrag mit Eschwege geschlossen, noch vor der Wiedervereinigung.

1991 endete die Zeit als sowjetische Garnison. 2016 ernannte die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa Mühlhausen zur „Reformationsstadt Europas“.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: FW
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Wie wach die Stadt heute mit ihrem Erbe umgeht, zeigt die Wendezeit. Im Juli 1990 beschloss die neu gewählte Stadtverordnetenversammlung, die Abrissarbeiten in der Altstadt sofort zu beenden und sie als Flächendenkmal zu sanieren. 1994 zeichnete der Bundeswettbewerb zur Erhaltung historischer Stadträume Mühlhausen mit einer Bronzeplakette aus. Die Fußgängerzone Steinweg wurde neu gestaltet, das Hotel Stadt Mühlhausen, ein Plattenbau am Untermarkt, 1998 abgerissen.






