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Naumburg (Saale) hatte am 31.12.2025 31.617 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 43 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Naumburg (Saale)
Naumburg an der Saale ist eine Mittelstadt im Süden Sachsen-Anhalts und Verwaltungssitz des Burgenlandkreises; die Stadt ist geprägt durch eine reichhaltige, fast tausendjährige Geschichte, insbesondere als historischer Sitz des Bistums Naumburg, und Wahrzeichen ist der Naumburger Dom in der mittelalterlichen Altstadt. Im Spätmittelalter war sie zudem eine Messestadt an der Via Regia. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 31.617 Einwohner.
Naumburg wurde erstmals 1012 urkundlich erwähnt; damals entstand dort, wo zwei Handelsstraßen einander schnitten, die neue Burg der Ekkehardiner, die als Markgrafen von Meißen amtierten. Im Jahr 1021 wird in der Merseburger Bischofschronik festgehalten, an der Stelle des späteren Doms sei kurz zuvor eine Propstei neu gegründet worden. Auf Betreiben der Ekkehardiner gab Papst Johannes der Neunzehnte 1028 grünes Licht dafür, den Bischofssitz von Zeitz hierher zu verlegen — begründet wurde das damit, dass Zeitz unsicher sei; ein Kollegiatstift blieb dort zurück. Auf das Jahr 1030 datiert ist die Gründung der Domschule, und von 1144 an führte Naumburg die Bezeichnung Stadt.
Im Spätmittelalter war Naumburg ein bedeutender Handelsplatz an der Via Regia — vor allem wegen jener Messen, die 1278 zum ersten Mal erwähnt sind. Der Aufstieg Leipzigs zur Messestadt seit 1500 setzte der wirtschaftlichen Blüte Naumburgs zu, und der Dreißigjährige Krieg beendete sie vollends. Am Ursulatag 1517 kam es zu einem katastrophalen Stadtbrand; ihm fiel auch die Stadtkirche zum Opfer, die erst wenige Monate zuvor fertig geworden war, und der Stadtchronist hielt fest, man habe danach vom Marktplatz aus durch die Stadttore hindurchsehen können.
Bis zum Ende des Spätmittelalters lebten Juden in der Bischofsstadt Naumburg; ihre Adresse war die mitten im Ort gelegene Jüdengasse, die es noch heute gibt. Im Jahr 1494 sagte Bischof Johann der Dritte von Schönberg den beiden Bischofsstädten zu, die ansässigen Juden nach Ablauf ihrer Geleite und Verschreibungen zu entlassen, sie aus sämtlichen Gebieten fortzuweisen und künftig keine mehr aufzunehmen; noch im selben Jahr mussten alle Juden Naumburg verlassen, 1517 dann auch Zeitz. Eine im 21. Jahrhundert angebrachte bronzene Gedenktafel am Zugang zur Jüdengasse vom Markt her erinnert an die einstigen Bewohner und an ihre Vertreibung.
Die Geschichte Naumburgs ist eng mit Martin Luther und der Reformation verwoben; zum ersten Mal predigte Luther hier 1521, unterwegs zum Wormser Reichstag. Am 18. Januar 1542 bezog Luther Quartier am Markt 3, bei der Witwe des Stadtschreibers Ambrosius Dörffer, und mit ihm kamen Philipp Melanchthon, Spalatin sowie Nikolaus von Amsdorf; noch am selben Abend tagte der Rat — eine der schwierigsten Sitzungen der Stadtgeschichte —, und man verständigte sich gemeinsam mit dem Kurfürsten darauf, Nikolaus von Amsdorf als Bischof einzusetzen. Am 20. Januar 1542 weihte Luther ihn im Ostchor des Doms zum ersten evangelischen Bischof; jene Jahre sind als Naumburger Bischofsexperiment in die Literatur eingegangen. Die prägende reformatorische Persönlichkeit Naumburgs war Nikolaus Medler, der 1536 die Stelle des Superintendenten in der Stadtkirche Sankt Wenzel antrat und die Aufsicht über 32 Kirchen erhielt; 1568 hatte sich die Reformation in Naumburg endgültig durchgesetzt.
Das Territorium des 1562 säkularisierten Bistums fiel an die Kurfürsten von Sachsen; verwaltet wurde es von einer eigenen Stiftsregierung in Naumburg, und später stellten die Kurfürsten auch die Administratoren. Nach dem Tod des Herzogs Johann Georg des Ersten von Sachsen einigten sich dessen vier Söhne am 22. April 1657 in Dresden auf den Freundbrüderlichen Hauptvergleich; danach kam das Naumburger Stiftsgebiet zur Sekundogenitur Sachsen-Zeitz, die der jüngste Sohn Moritz erhielt. Bis 1718 gehörte Naumburg zum Herzogtum Sachsen-Zeitz; in jenem Jahr starb dessen letzter protestantischer Herzog, und Sachsen-Zeitz fiel an die Dresdner Kurlinie zurück — einige Behörden aber behielten ihren Sitz bis 1815 in Naumburg, darunter das Konsistorium des Stiftes Naumburg-Zeitz.
Der heute evangelische Naumburger Dom St. Peter und Paul war einmal die Kathedrale des Bistums Naumburg; der Bestand stammt überwiegend aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, der Bau gehört zur Straße der Romanik und trägt seit 2018 den Titel eines UNESCO-Weltkulturerbes. Mit dem Bau dieser dreischiffigen, zweichörigen Basilika, die vier Türme und einen Kreuzgang hat, wurde vor 1213 angefangen; der frühgotische Westchor entstand nach neueren Forschungen ab etwa 1240, und in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erweiterte man den Ostchor im hochgotischen Stil. Die romanische Krypta unter dem Ostchor geht auf einen Vorgängerbau zurück und dürfte um 1170 entstanden sein; von 1466 stammt die Kanzel, und der Südwestturm wurde erst 1884 fertig.
Der Naumburger Dom ist eine Doppelchoranlage, hat also an beiden Schmalseiten je einen Chor; der westliche entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und zählt mit seinem Lettner und den Stifterfiguren aus der Werkstatt des Naumburger Meisters zu den wichtigen Bauten der Frühgotik. Die zwölf Stifterfiguren im Westchor entstanden nach 1250; sie sind sämtlich lebensgroß und aus Kalkstein gehauen, und zu ihnen gehören auf der Nordseite Uta und Ekkehard, ihnen gegenüber auf der Südseite Regelindis und Herrmann. Nach der Reformation wurde 1542 mit Nikolaus von Amsdorf im Reich zum ersten Mal ein evangelischer Bischof eingesetzt; als Julius von Pflug, der letzte Bischof, 1564 starb, löste man das Bistum auf, es fiel an Kursachsen, und die Kirche war nicht länger Bischofssitz.
Der Weg zum Welterbe war lang: Seit 1998 stand der Dom auf der deutschen Tentativliste, doch Anträge, die auch die umgebende Herrschaftslandschaft an Saale und Unstrut einschlossen, wies das Welterbekomitee 2015 und danach ein zweites Mal zurück. Auch für den dritten, auf den Dom allein beschränkten Antrag riet der Internationale Rat für Denkmalpflege von einer Aufnahme ab; dass es am 1. Juli 2018 dennoch dazu kam, lag an einem Änderungsantrag von St. Kitts und Nevis, der eine Mehrheit fand. Am 21. Oktober 2018 wurde die Urkunde in einem Festakt im Dom übergeben.
Außer dem Dom prägt die spätgotische Stadtkirche St. Wenzel mit ihrem hohen Uhrenturm die Silhouette Naumburgs. Die erste urkundliche Erwähnung der Wenzelskirche fällt in das Jahr 1228; rund zweihundert Jahre stand der Vorgängerbau, bis der Rat 1426 beschloss, am Topfmarkt unmittelbar südlich des Marktplatzes die heutige dreischiffige Hallenkirche zu errichten — geweiht 1511, fertig aber erst 1517. In der Kirche befindet sich die Hildebrandt-Orgel von 1746, geprüft von Johann Sebastian Bach und Gottfried Silbermann; nach mehreren Umbauten im 19. und 20. Jahrhundert hat man sie ab 1993 auf den Zustand von 1746 zurückgeführt.

Weil der Turm der Stadtkirche, der sogenannte Wenzelsturm, nicht bloß deren Glocken trug, sondern zugleich als wichtigster Wachturm der Stadt diente, unterstand er vom Spätmittelalter an dem städtischen Magistrat; in dessen Dienst standen die Türmer, Hausmänner genannt, bis 1892. Im 1521 errichteten Glockenstuhl hängt ein bedeutendes Dreiergeläut, 1518 von Martin Hilliger in Freiberg gegossen; heute ist der 72 Meter hohe Wenzelsturm mit seiner Plattform über der in 45 m Höhe gelegenen Türmerstube ein beliebter Aussichtspunkt. Auf der Westseite des Marktplatzes steht das Renaissance-Rathaus, zwischen 1517 und 1528 erbaut und bis heute Sitz der Stadtverwaltung.

Jährlich am letzten Juni-Wochenende, zur Zeit der Süßkirschenernte, begeht Naumburg das Hussiten-Kirschfest; dazu gehören die Vogelwiese genannte Festwiese mit 15 Zelten, die Vereine bewirtschaften, ein Hussiten-Lager mit mittelalterlichem Markttreiben, Musik und Schaukampf, ein großer Festumzug, das Weindörfchen und zahllose Attraktionen an weiteren Plätzen der Stadt. Das Fest hat eine lange Tradition, denn bereits im 16. Jahrhundert weisen Ratsrechnungen Ausgaben für ein Schulfest aus.
Seit dem 17. Jahrhundert wird das Fest mit einer sagenhaften Belagerung der Stadt durch die Hussiten im Jahre 1432 zusammengebracht: ein Lehrer soll mit Kindern in weißen Büßerhemdchen vor die Tore gezogen sein, um beim Hussiten-Feldherrn Andreas Prokop um Gnade zu bitten, und der habe das Gesuch nicht nur erhört, sondern den Kindern obendrein Kirschen geschenkt. Auf dieser Sage ruht heute der Kern des Volksfestes; seit einigen Jahren wird der Ereignisse dort mit einer szenischen Darstellung gedacht. Einen weiteren Höhepunkt bildet am Sonntag die Peter-Pauls-Messe: Naumburg stand als Messestadt einst in Konkurrenz zu Leipzig, und wie damals zeigen traditionelle Handwerker hier ihr Können und ihre Waren.
Jährlich findet im Januar und im Februar an jedem zweiten Samstag der traditionelle Taubenmarkt statt; dazu reisen Züchter und Händler aus ganz Deutschland an, teils auch aus den Nachbarländern. Naumburg liegt im Weinanbaugebiet Saale-Unstrut; in der Stadt und ringsum arbeiten zahlreiche Winzer, und mehrere Weinfeste gehören zum Jahreslauf — die Naumburger Weinwoche mit Weinmesse und Jungweinprobe, die Saale-Weinmeile zu Pfingsten und das Weinfest Naumburg am letzten Augustwochenende.





Stand des Portraittextes: 2026-09-18.
Belege der kuratierten Auswahl: WH
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.
Rund um die Altstadt befinden sich Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung — Graben und Mauer —, und erhalten ist ein Turm des 15. Jahrhunderts, den man später zur Wasserkunst umbaute. Von den ehemals fünf Stadttoren steht nur noch das Marientor; die übrigen — Viehtor, Salztor, Jakobstor und Herrentor — sind in den letzten fünfhundert Jahren abgebrochen worden. Das Marientor hat seinen Namen von der nahen Maria-Magdalenen-Kirche; Turm und Torhaus stammen aus dem späten 14. Jahrhundert, die Barbakane kam Mitte des 15. Jahrhunderts hinzu, und die Räume, die über die Jahrhunderte abwechselnd Gefängniszellen und Armenwohnungen beherbergten, gehören seit 2001 zum Stadtmuseum.

Ein Baudenkmal der jüngeren Vergangenheit steht an der Bad Kösener Straße: die ehemalige preußische Kadettenanstalt, kurz die Kadette genannt; ihr weitläufiger Backsteinbau besteht aus einem zentralen Hauptgebäude und zwei Seitenflügeln der Neorenaissance. Die Anstalt wurde 1920 in eine Staatliche Bildungseinrichtung umgewandelt und 1933 in eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt; von 1949 bis 1955 saß in dem Komplex eine Offiziersschule der Kasernierten Volkspolizei, von 1956 bis 1960 die Kadettenschule der Nationalen Volksarmee, und aus dieser ging 1976 das Institut für Fremdsprachenausbildung hervor. Weithin sichtbar und ebenfalls ein Baudenkmal von Rang ist das Oberlandesgericht Naumburg; der repräsentative Neobarockbau entstand zwischen 1914 und 1917 an der Stelle, wo zuvor die Burg der Markgrafen von Meißen stand.







