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Nördlingen hatte am 31.12.2025 20.442 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 66 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Nördlingen
Als Große Kreisstadt Bayerisch-Schwabens sitzt Nördlingen im Nördlinger Ries, dem Krater eines Meteoriteneinschlags; urkundlich tritt der Ort 898 zum ersten Mal auf, und von seiner Stadterhebung an bis zur Mediatisierung 1802, die ihn dem Kurfürstentum Bayern zuschlug, war er eine selbstständige Reichsstadt des Heiligen Römischen Reichs. Die amtliche Ortshöhe beträgt 441 m, die Stadtfläche 68,09 Quadratkilometer. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 20.442 Einwohner.

Vor 15 Millionen Jahren traf ein Meteorit die Alb und hinterließ jenen Krater, in dem die Stadt heute liegt; 23 bis 25 Kilometer misst er im Durchmesser, sein Rand zeichnet sich ringsum als Hügelkette ab, und die Erforschung des Ries-Ereignisses hat den Namen Nördlingen in alle Welt getragen. Durch das Ries fließen Wörnitz und Eger; die Wörnitz erreicht 30 Kilometer südöstlich die Donau.
Im Rieskrater-Museum lässt sich die erdgeschichtliche Entwicklung der Gegend nachvollziehen, dazu simuliert es den Einschlag vor etwa 15 Millionen Jahren, dem das Ries seine Entstehung verdankt; zu sehen ist dort auch echtes Mondgestein, eine Dauerleihgabe der NASA an die Stadt. Die Raumfahrtbehörde schickte 1970 die Besatzung von Apollo 14 zum Training hierher, weil der Suevit aus den hiesigen Steinbrüchen dem Gestein der Mondoberfläche gleicht: er führt Minerale, die allein bei den extremen Drücken und Temperaturen eines Meteoriteneinschlags entstehen.
In eben diesem Suevit, aus dem weite Teile von Altstadt und Mauer bestehen, stecken winzige Diamanten, die sich wirtschaftlich nicht verwerten lassen; auf 72.000 Tonnen schätzt man die verbaute Menge dieses Edelsteins. Damit dieses erdgeschichtliche Erbe der Öffentlichkeit offener steht als früher, richtete man den Geopark Ries ein. Als Sonne des Rieskrater-Planetenwegs dient der Kuppelhelm der St.-Georgs-Kirche; der Weg zieht sich durch das Ries bis zur Darstellung Plutos kurz vor Harburg.
Vollständig steht die Mauer von 1327 noch: zu ihr gehören fünf Tore mit Tortürmen, elf weitere Türme und zwei Bastionen — die Alte Bastei, in deren zwei Geschossen zehn Geschütze Platz finden, ist erhalten, die Neue Bastei dagegen wurde von 1808 bis 1826 abgetragen. Rundherum verteilen sich die Tore so: im Südwesten das Berger Tor, im Nordwesten das Baldinger, im Nordosten das Löpsinger mit dem Stadtmauermuseum, im Osten das Deininger und im Südosten das Reimlinger Tor. Auf 2,6 km Länge zieht sich der Ring, und weil sein Wehrgang durchgehend begehbar ist, lässt sich die Stadt zu Fuß ganz umrunden.
Als Wahrzeichen gilt der rund 90 Meter hohe Turm der gotischen, evangelisch-lutherischen St.-Georgs-Kirche, die von 1427 bis 1505 gebaut wurde; Daniel heißt er im Volksmund. Einen Blick lohnt ebenso die katholische St.-Salvator-Kirche am südwestlichen Innenstadtrand; die neogotische Friedhofskirche St. Emmeram entstand von 1874 bis 1875, führt aber auf die erste Kirche des Ortes aus dem 9. Jahrhundert zurück, und die Spitalkirche gehört seit dem 13. Jahrhundert zum Heilig-Geist-Spital.

Direkt nördlich der Kirche öffnet sich der Marktplatz, auf dem sich im Mittelalter Jahr für Jahr zehn Tage lang die Messebesucher drängten; ihre Tuche boten die Händler im Brot- und Tanzhaus an, das von 1442 bis 1444 entstand und in dessen Obergeschoss ein Festsaal lag, und zur Messezeit führte eine Brücke hinüber zum Fachwerkhaus Metzig von 1363, in dem sonst die Metzger ihre Stände hatten. Daran grenzt nach Norden das Hohe Haus, das schon 1304 urkundlich vorkommt; gegenüber steht das Gasthaus zur Sonne von 1350, das ab 1405 Fürsten beherbergte.

Unter dem Namen Nordilinga erscheint der Ort 898 erstmals in einer Urkunde, damals als karolingischer Königshof; unter der Herrschaft des Regensburger Bischofs entwickelte er sich zum Markt. Weit früher, um 85 nach Christus, legten die Römer im Süden des heutigen Stadtgebiets ein Kastell samt Siedlung an, das mit der alamannischen Eroberung Süddeutschlands unterging; Septemiacum hieß dieser Ort vermutlich, und das römische Nördlingen ist bis heute kaum untersucht.
Stadtrechte verlieh König Friedrich der Zweite 1215, womit der Ort Reichsstadt wurde; im selben Jahr entstand die erste Mauer, deren Verlauf sich bis heute abzeichnet, und 1219 findet die Pfingstmesse erstmals urkundliche Erwähnung. Weil sich hier zwei große Handelsstraßen kreuzten, wurde der Ort zu einem gewichtigen Umschlagplatz für Getreide, Vieh, Textilien, Pelze und Metallwaren. Ein Feuer legte 1238 einen großen Teil der Stadt nieder, doch sie erholte sich schnell; 1327 entstand der bis heute bestehende Mauerring, der die ummauerte Fläche vervierfachte, und 1427 begannen die Arbeiten an der St.-Georgs-Kirche.

Während des Rintfleisch-Pogroms tötete man 1298 beinahe alle Mitglieder der jüdischen Gemeinde, die seit 1250 bestand; Ende 1348 traf das Pestpogrom die Juden des Ortes, und im Sommer 1384 vernichtete ein weiteres Pogrom die Gemeinde vollends. Gegen eine Zahlung an König Maximilian erlangte die Stadt Ende 1506 das Juden-Ausschaffungs-Privileg; daraufhin wies sie die Juden aus und verkaufte deren Häuser an ihre Bürger. Auf dem Reichstag zu Speyer stand sie 1529 bei der protestantischen Minderheit; endgültig bestätigt wurde die Reformation am Ort 1555.
Gut dokumentiert ist, wie hier Hexen verfolgt wurden: unter Bürgermeister Johannes Pferinger starben von 1590 bis 1598 34 Frauen und ein Mann wegen angeblicher Hexerei auf dem Scheiterhaufen, eine weitere Frau schon in der Haft. In Erinnerung blieben die Prozesse gegen Rebekka Lemp und gegen Maria Holl, die 1594 aus der Haft entlassen wurde; verbrannt wurden die Verurteilten auf der Richtstätte am Galgenberg, und weil dort damals kein Wald stand, waren die Feuer im ganzen Ries zu sehen. Als entschiedener Gegner dieser Verfolgung trat Superintendent Wilhelm Friedrich Lutz auf; schon im Dezember 1589 hielt er zwei scharfe Predigten gegen das Vorgehen des Rates, doch der verbat sich die Einmischung in weltliche Angelegenheiten und behielt die Oberhand.
Der Legende nach scheuerte sich 1440 an einem Abend ein Schwein am offenen Löpsinger Tor. Einer Frau, die gerade vorbeikam, fiel dadurch auf, dass das Tor offen stand; sie alarmierte die Verantwortlichen, und so bewahrte ein Schwein die Stadt mittelbar davor, von den Truppen des Oettinger Grafen genommen zu werden.
Um den Tourismus anzukurbeln, bestellte die Verwaltung in den 2010er Jahren rohe Betonschweine, die bemalt und an verschiedenen Plätzen aufgestellt wurden; seither erinnern sie an die Geschichte.
Schon seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert zieht der mittelalterliche Kern Reisende an, und Fremdenverkehr wie Gastronomie tragen einen wichtigen Teil der örtlichen Wirtschaft. In Betrieben mit mehr als acht Betten registrierte die Verwaltung für 2010 88.521 Übernachtungen; 2007 waren es 70.267 gewesen, wobei ein Drittel der Gäste aus dem Ausland kam, überwiegend aus Italien, Südkorea, den Vereinigten Staaten und Großbritannien. Mehrere Routen berühren den Ort: die Romantische Straße, die Schwäbische Albstraße, der Fernwanderweg vom Main zur Donau sowie der Jakobsweg der Deutschen St.-Jakobus-Gesellschaft.
Alte Feste halten die Stadtgeschichte über das Jahr lebendig. Das Stabenfest geht auf das Jahr 1406 zurück und wird jedes Jahr am Montag nach dem Muttertag mit einem Umzug der Schulkinder gefeiert. Am zweiten Samstag nach Pfingsten beginnt mit einem Festumzug die zehntägige Pfingstmesse, und im Sommer folgt das Scharlachrennen, ein Reitturnier, das auf das Jahr 1438 zurückgeht. Als Filmkulisse diente die Altstadt unter anderem für Charlie und die Schokoladenfabrik.





Stand des Portraittextes: 2026-09-18.
Belege der kuratierten Auswahl: ROM, GEO
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.
Weiter nördlich folgt das Rathaus, für das man — wie für die St.-Georgs-Kirche und manch anderes Haus der Stadt — den porösen Suevit des Rieses verwendete; eine Verkaufsurkunde erwähnt es bereits 1313, ab 1382 hatte die Stadt es gemietet und gebraucht es seither ohne Unterbrechung als Rathaus, um 1500 setzte man das Obergeschoss mit Treppengiebel und Giebelerker auf, 1509 kam der Schatzturm hinzu und 1618 der repräsentative Renaissance-Treppenaufgang. Im großen Versammlungssaal, wo im 16. Jahrhundert die Abgeordneten des Schwäbischen Bundes zusammenkamen, hängt ein umfangreiches, wertvolles Wandfresko von Hans Schäufelin.
Westlich des Tändelmarkts beginnt das Gerberviertel mit seinen kennzeichnenden Gerberhäusern: Fachwerk, weit nach vorn auskragende Trockenböden und Galerien in den oberen Stockwerken; das viele Wasser, das die Gerber brauchten, lieferte der Egerkanal, der mitten hindurchfließt. Um 1200 gegründet und 1233 erstmals urkundlich fassbar, versorgte der Gebäudekomplex des Heilig-Geist-Spitals einst alte und arme Menschen; die Spitalkirche, im Kern bis heute erhalten, wurde um 1340 errichtet und bewahrt wertvolle Wandmalereien des 14. Jahrhunderts, während in den beiden Hauptgebäuden aus dem 15. und 16. Jahrhundert inzwischen das Stadtmuseum untergebracht ist.
Belagerung und Schlacht von 1634 markieren eine Wende im Dreißigjährigen Krieg: hier unterlagen die schwedisch-protestantischen Kräfte zum ersten Mal entscheidend den kaiserlich-habsburgischen Truppen; während und nach der Belagerung verlor die Stadt durch Hunger und Seuchen mehr als die Hälfte ihrer Einwohner. Nach dem Krieg wanderte der Handel zu den Seehäfen ab; weil daraufhin nichts mehr gebaut und umgebaut wurde, hat sich das mittelalterliche Stadtbild gut gehalten. Von 1984 bis 1993 führte die UNESCO den Ort gemeinsam mit Dinkelsbühl und Rothenburg ob der Tauber auf ihrer Tentativliste, also als Anwärter auf den Rang eines Weltkulturerbes.






