Kommst du über den Empfehlungslink einer Partnerin oder eines Partners zu uns, möchten wir dessen Kurzkennung 60 Tage lang im Cookie „ll_ref" speichern, damit eine spätere Registrierung richtig zugeordnet werden kann. Für die Nutzung von LageLuchs ist das nicht erforderlich — du kannst ohne Nachteil ablehnen und deine Entscheidung jederzeit über „Cookie-Einstellungen" im Seitenfuß ändern.
Osterode am Harz hatte am 31.12.2025 21.474 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 39 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Osterode am Harz
Der Name sagt, was hier geschah: Eine Rodung war es, und zwar die östliche. Auf welchen westlich gelegenen Ort sich diese Richtungsangabe bezog, weiß niemand mehr. Die gelegentlich angebotene Herleitung von einer germanischen Göttin Ostara wird in der Fachliteratur abgelehnt.
Die Stadt liegt in einem Tal zwischen dem Harz und den Höhen seines Vorlands, dort wo der Fels als Gips zutage tritt. Aus dieser Lage folgt fast alles: der Karst mit seinen Höhlen und Erdfällen, der Bergbau ringsum, der Getreidespeicher für die Gruben, die Talsperre gegen das Hochwasser — und im Krieg ein unterirdisches Bauvorhaben, für das Häftlinge Gipsbrüche erweitern mussten. Ende 2025 zählte die Stadt 21.474 Einwohner.
Wann die Siedlung entstand, ist nicht überliefert. Die Endung auf -rode weist auf die Rodungszeit am Übergang vom Früh- zum Hochmittelalter. Über die erste schriftliche Nennung streitet die Literatur bis heute: Die Chronik des Erfurter Petersklosters berichtet zu 1152 von der Zerstörung einer opulentissima villa Osterroth in einer Fehde, und eine angeblich von Kaiser Lothar am 7. Oktober 1136 ausgestellte Urkunde nennt Osterrode ebenfalls — nur handelt es sich bei ihr um eine Fälschung vom Ende des 12. Jahrhunderts. Fest steht die Abfolge der Rechte. 1234 ist erstmals von einer Stadtmauer die Rede, 1238 von Rat, Bürgerschaft und einer Neustadt, 1261 von einem Stadtsiegel. Der Altstadt gewährte Herzog Otto das Kind 1239 Freiheiten, darunter die Zollbefreiung in Braunschweig; das Goslarer Stadtrecht kam erst 1293 hinzu. Die Neustadt ist im Grundriss bis heute als Plansiedlung zu erkennen und hatte ihren eigenen Markt. Besiedelt wurde sie vor allem von Menschen aus wüst gefallenen Dörfern der Umgebung, unter ihnen Besingen.
Von 1289 bis 1596 gehörte Osterode zur Linie Braunschweig-Grubenhagen, deren Fürsten auf der Burg über der Stadt residierten, bis diese im frühen 16. Jahrhundert aufgegeben wurde; ihre Ruine, die Alte Burg, steht noch. Das 1561 aufgehobene Jungfrauenstift St. Jacobi wurde zum Schloss umgebaut. Die Stadt trat der Hanse bei, besaß eine Münzstätte und übernahm 1420 die frühere Klosterschule als städtische Lateinschule. Wohlstand brachten Handel, Bergbau und Eisenverhüttung in der Umgebung.
Rückschläge kamen regelmäßig und von allen Seiten: Stadtbrände, darunter 1545, Zerstörungen im Dreißigjährigen und im Siebenjährigen Krieg, eine Pestepidemie von 1625 bis 1627 und immer wieder Hochwasser. Dennoch war die Stadt bis ins 19. Jahrhundert ein Platz der Tuchmacher und Gewerbetreibenden. 1807 bis 1813 gehörte sie zum Departement des Harzes im Königreich Westphalen, 1814 wieder zum Königreich Hannover und nach dessen Annexion 1866 zu Preußen. Am 22. und 23. Juli 1865 besuchte König Georg V. die Stadt und wohnte in der Schachtrupp-Villa, die heute als Bücherei vorgesehen ist.
Im Zweiten Weltkrieg war Osterode Standort von Rüstungsbetrieben, deren Produktion überwiegend auf Zwangsarbeit beruhte. Ab Herbst 1944 sollten in den Gipsbrüchen unter dem Decknamen Dachs IV die Räume für eine unterirdische Erdölraffinerie ausgebrochen werden; im Dezember 1944 arbeiteten dort nach dem Bericht der Bauleitung 430 ausländische Arbeitskräfte und 72 KZ-Häftlinge, Ende Februar 1945 waren es 665 Bauhäftlinge. Fertig wurde das Werk nie, das Außenkommando wurde am 27. März 1945 aufgelöst. Ein zweites Außenkommando arbeitete in einer Maschinenfabrik für die Luftwaffe. Insgesamt wurden im Krieg zwölf Häuser der Stadt zerstört — der Altstadtkern blieb erhalten.
Der Stadtkern ist bis heute von Fachwerkhäusern unter Ziegeldächern geprägt. Gemeinsam mit Duderstadt, Einbeck, Northeim und Münden bildet Osterode das sogenannte Fachwerk5Eck — fünf südniedersächsische Städte, deren Altstädte denselben Bauformen folgen und die sich deshalb gemeinsam bewerben.
Das auffälligste Gebäude ist kein Rathaus gewesen, sondern ein Speicher. Das Harzkornmagazin entstand zwischen 1719 und 1722, um die Bergbauorte des Oberharzes mit Getreide zu versorgen; die Gruben brauchten Menschen, die Menschen brauchten Brot, und oben wuchs nichts. Nach einem Umbau dient der Bau seit 1989 als Rathaus. Ein zweiter großer Bau ist die Eulenburg, bis in die 1960er Jahre Sitz einer Textilfabrikation.

Die Kirchen verteilen sich über Alt- und Neustadt: die Marktkirche St. Aegidien in der Mitte, die Jacobikirche am Schloss, die Marienkirche in der Marienvorstadt und die Kreuzkirche am nördlichen Rand. Die katholische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer entstand ab 1902. Weiter draußen stehen die Reste der Burg Lichtenstein und auf dem Ührder Berg ein mittelalterlicher Wartturm.

Auch die kleinen Zeugnisse sind erfasst: der Kornmarkt, auf dem zweimal die Woche Wochenmarkt ist, die Ratswaage, das Osteroder Lichtspielhaus, das Paul-Schneider-Haus. Zum Stadtleben gehört eine Tradition von 1905: An Heiligabend ziehen die Osteroder Weihnachtssänger in schwarzen Kutten durch die Innenstadt.
Im Südosten der Stadt liegt ein sumpfiges Gebiet mit teils natürlichen, teils angelegten Teichen; in den Ortsteilen Petershütte und Katzenstein fallen die Höhen steil ab und zeigen Gipsklippen. Das ist die Landschaft, in der Wasser den Fels von innen auflöst, und sie hat zwei berühmte Hohlräume hervorgebracht.
Die Lichtensteinhöhle wurde durch Skelettfunde der Bronzezeit bekannt, an denen sich Verwandtschaftsverhältnisse über Jahrtausende hinweg nachweisen ließen. Die Jettenhöhle liegt nicht weit davon. Beide stehen unter Denkmalschutz, ebenso die vorgeschichtliche Wallanlage der Pipinsburg. Durch das Stadtgebiet führt der Karstwanderweg, und Osterode ist Ausgangspunkt des rund 100 Kilometer langen Harzer Hexenstiegs nach Thale.

Der Fluss, der die Stadt durchquert, hieß den Osterodern lange vor allem eines: gefährlich. Etwa fünf Kilometer vor der Stadt staut ihn seit 1931 die Sösetalsperre, die 25,5 Millionen Kubikmeter fasst. Gebaut wurde sie zwischen 1928 und 1932 gegen die Hochwasser — heute liefert sie über die Harzwasserwerke Trinkwasser bis nach Bremen. Damit hängt eine Großstadt an der Küste an einem Tal im Südharz.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: FW
Die Kennzahlen zu diesem Ort — LuchsScore, Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Immobilien — stehen mit Jahrgang und Herkunft auf der Datenseite.
Die jüngste Veränderung ist eine Verwaltungsfrage. Den Kreissitz verlor Osterode 2016: Am 1. November ging der Landkreis im Landkreis Göttingen auf.
An die jüdische Gemeinde der Stadt erinnern die Synagoge und zwei jüdische Friedhöfe, ein alter und ein neuer; alle drei stehen unter Denkmalschutz.




