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Papenburg hatte am 31.12.2025 36.972 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 58 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Papenburg
Papenburg ist nicht gewachsen, es wurde gegraben. Wo heute Wasser durch die Innenstadt läuft und Klappbrücken die Straßen unterbrechen, lag im 17. Jahrhundert Hochmoor: nass, sauer, unbewohnbar. Wer es urbar machen wollte, musste zuerst entwässern, und wer entwässern wollte, brauchte Kanäle — die dann zugleich den Torf abtransportierten und aus deren flachen Kähnen über zweieinhalb Jahrhunderte ein Schiffbau hervorging, der heute Kreuzfahrtschiffe baut.
Begrenzt wird die Stadt von zwei Wasserstraßen, der Ems und dem Dortmund-Ems-Kanal; Ende 2025 zählte sie 36.972 Einwohner. Ihr Grundriss verrät bis heute, wie sie angelegt wurde: lange schmale Parzellen rechts und links des Hauptkanals, Straßen parallel dazu, Häuser in einer Reihe. Man nennt Papenburg gelegentlich Venedig des Nordens; treffender wäre der Hinweis auf die niederländischen Fehnkolonien, nach deren Vorbild es entworfen wurde.

Der Name stammt von einer Burg: Um das Jahr 1250 entstand auf bischöfliche Anordnung die Wasserburg Papenborch, eine Reiseunterkunft der Münsteraner Bischöfe auf dem Weg nach Ostfriesland. Am 16. Mai 1458 belehnte Bischof Johann von Münster damit Hayo von Haren, den Propst zu Leer; der Lehnrevers darüber gilt als urkundliche Erwähnung Papenburgs. Rund anderthalb Jahrhunderte später war die Anlage verfallen, und ihr Inhaber wollte sie loswerden. Der Emsländer Drost Dietrich von Velen bewarb sich um das Lehen, weil er etwas anderes vorhatte als wohnen: Er wollte das Moor kolonisieren und eine Fehnkolonie nach niederländischem Vorbild anlegen. Belehnt wurde er im April 1631 — dieses Jahr gilt als Gründungsjahr der Stadt.
Am 1. Mai 1631 schloss von Velen mit den Bauern der Bokel-Höfe einen Vertrag, der ihm erlaubte, über ihren Grund einen Kanal zur Ems zu ziehen. Der Kanal entwässerte das Moor und trug zugleich die Torfschiffe. Der Dreißigjährige Krieg unterbrach den Bau ab 1633; 1639 war der Kanal fertig, und die ersten drei Heuerleute siedelten sich an.

Das gewonnene Land wurde in lange, schmale Plaatzen aufgeteilt, jede mit Erbpacht an einen Kolonisten. Entlang des Hauptkanals bauten die Siedler ihre Häuser, quer dazu liefen die Straßen. Dieser Aufbau prägt große Teile der Stadt bis heute. Der Anfang blieb trotzdem zäh. 1661 standen erst fünfzehn Wohnungen in der Kolonie, weshalb von Velens Sohn Mathias am 22. Januar 1661 ein Plakat in Emsland, Ostfriesland und Groningen aushängen ließ, das Rechte und Pflichten der Kolonisten festschrieb und mit günstigen Bedingungen warb. Dieses Blatt gilt als eine Art Verfassungsurkunde der Stadt, und es wirkte.
Zur Stadt wurde die Kolonie erst im 19. Jahrhundert. Die Herrlichkeit endete unspektakulär: Am 30. März 1853 kaufte die Gemeinde der Familie von Landsberg-Velen deren grundherrliche Rechte für 100.000 Reichstaler ab. Am 1. August 1860 genehmigte das hannoversche Innenministerium die Annahme der Städteordnung, und Papenburg wurde Stadt.
Der Wohlstand dieser Jahrzehnte ist an den Bauten ablesbar. Die katholische St.-Antonius-Kirche entstand von 1873 bis 1877 aus rund 12 Millionen Ziegelsteinen, von denen wegen des moorigen Untergrunds die Hälfte im Fundament verschwand; entworfen hat sie der gebürtige Papenburger Alexander Behnes. Die Nikolaikirche kam 1870 hinzu, St. Michael am Obenende von 1908 bis 1911, das neobarocke Rathaus wurde 1913 eingeweiht.
Das Emsland galt in der Weimarer Republik als Hochburg der Zentrumspartei, die sich scharf von der NSDAP abgrenzte; deren wenige Anhänger traten bis zur Reichstagswahl im März 1933 kaum öffentlich auf. Umso schneller ging es danach. Bis November 1933 hatte das Regime auch in Papenburg den hauptamtlichen Bürgermeister aus dem Amt gedrängt.
Am 20. Juni 1933 gab der preußische Innenminister Hermann Göring die Anordnung, für etwa 5000 Schutzhäftlinge drei Lager zu bauen: Börgermoor, Esterwegen und Neusustrum. Acht Tage später wurde in Papenburg die Verwaltungsdirektion der staatlichen Konzentrationslager eingerichtet. Damit war die Stadt bis 1945 Sitz der Zentralverwaltung jener 15 Gefangenen- und Konzentrationslager, die unter dem Namen Emslandlager zusammengefasst wurden. Wer über Papenburg schreibt, kommt an dieser Adresse nicht vorbei: Die Schreibtische standen hier, die Baracken lagen im Umland.
Beim Novemberpogrom 1938 setzten SA-Angehörige Synagoge und Schulgebäude in Brand; die Reste wurden abgeräumt. Wohnungen jüdischer Einwohner wurden verwüstet und geplündert, zehn jüdische Bürger in das KZ Sachsenhausen verschleppt. Die Verbliebenen wurden im Dezember 1941 in das Ghetto Riga und im Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. 1979 wurde neben der ehemaligen Synagoge ein Gedenkstein aufgestellt.
Nach dem Krieg ordnete sich die Stadt neu. Von 1945 bis 1948 gehörte das nördliche Emsland zur polnischen Besatzungszone, einem Sondergebiet innerhalb der britischen Zone. Am 1. Januar 1973 wurde die Nachbarstadt Aschendorf zusammen mit Bokel, Herbrum, Nenndorf und Tunxdorf nach Papenburg eingemeindet. Seit dem 1. Januar 1985 ist Papenburg Selbständige Gemeinde.

Die Wasserwege erzeugten ihren eigenen Wirtschaftszweig: Wer Torf verkaufen wollte, brauchte Schiffe, und wer Schiffe brauchte, baute sie selbst. 1744 arbeitete bereits jeder vierte Papenburger im Schiffbau. Der Siebenjährige Krieg verstärkte das noch, weil die Ems als Nachschubweg diente.
Nach der Fertigstellung des vergrößerten Drostensiels 1771 kam die Seeschifffahrt hinzu — und mit ihr ein politischer Vorteil. Während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges fuhren Papenburger Schiffe unter der Flagge des Hochstifts Münster und galten den englischen Kaperfahrern als neutral, während niederländische und preußische Schiffe angegriffen wurden. Als Frankreich 1794 die Niederlande eroberte, ließen holländische Reeder ihre Ladungen kurzerhand auf Papenburger Kiele umbuchen oder ihre Schiffe als Papenburger deklarieren. Von den Rückfahrten brachte man Bordeauxwein in Eichenfässern mit, den sogenannten Rotspon, und verkaufte ihn an die Hansestädte weiter.
Mitte des 19. Jahrhunderts war Papenburg Heimathafen von 250 Hochseesegelschiffen, und 24 Werften arbeiteten im Ort. 1841 wurde nach Emder Vorbild eine Navigationsschule gegründet, 1856 kam der Anschluss an die Hannoversche Westbahn.
Der Schiffbau überlebte alle Umbrüche, weil er sich vom Segler zum Spezialschiff verlagerte. Heute trägt die Meyer Werft den Namen einer Familie, deren Angehörige zu den Söhnen der Stadt zählen. Von 2002 bis 2008 wurde das Werksgelände noch einmal erweitert und der Autobahnzubringer verlegt. Ein fertiges Schiff im Hafenbecken vor der Werft, zwei Wochen lang öffentlich zu besichtigen, bevor es die Ems hinunterfährt, ist hier ein Ereignis mit Zuschauerrängen.

Ein zweites Standbein liegt im Moor: eine Prüfstrecke für Fahrzeuge, die seit 1998 als Automotive Testing Papenburg firmiert. Ihr Bau war umkämpft. Gegner der geplanten Teststrecke errichteten 1991 das Hüttendorf Anatopia, das 1995 geräumt wurde.





Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT
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