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Quedlinburg hatte am 31.12.2025 23.069 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 41 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu QuedlinburgIn der Krypta auf dem Schlossberg stehen zwei Gräber nebeneinander. In dem einen liegt Königin Mathilde, deren steinerner Sarkophag erhalten geblieben ist; das andere, das ihres Gemahls Heinrich I., ist leer. Diese Leerstelle hat die Stadt durch die Jahrhunderte begleitet, bis hin zu einem Totenkult, den die SS in den 1930er Jahren um den König errichtete. Wer heute durch Quedlinburg geht, läuft über einen Grundriss, den zwei Mächte geteilt haben: ein Damenstift, das fast neunhundert Jahre Stadtherr war, und eine Bürgerschaft, die ihm das nicht durchgehen lassen wollte. Zum 31. Dezember 2025 zählte die Stadt 23.069 Einwohner.
Erstmals genannt wird der Ort am 22. April 922, in einer Urkunde König Heinrichs I. — dort als villa quae dicitur Quitilingaburg. Nach seinem Tod 936 in Memleben wurde sein Leichnam hierher überführt und in einer Kapelle auf dem Schlossberg bestattet. Seine Witwe Mathilde ließ sich von ihrem Sohn Otto I. die Gründung eines Damenstifts mit der Aufgabe des Totengedenkens bestätigen und stand ihm fast dreißig Jahre selbst vor, ohne je Äbtissin zu sein. Die Stadt wurde damit zu dem Ort, an dem die ottonischen Herrscher das Osterfest feierten, und zu dem Ort, an dem die Schwestern des Kaisers lebten.
Das war keine ruhige Familienangelegenheit. Im Jahr 941 versuchte sein jüngerer Bruder Heinrich hier, Otto I. zu ermorden; der Anschlag scheiterte knapp. Als 966 der Oster-Hoftag zusammentrat, übernahm Ottos Tochter Mathilde die Leitung des Stiftes; zwei Jahre später, am 14. März 968, starb ihre Großmutter und wurde neben ihrem Gemahl bestattet. Als 983 Otto II. starb, war sein Sohn Otto III. erst drei Jahre alt, und sein Onkel Heinrich der Zänker wollte sich hier selbst zum König erheben und entführte das Kind. Erst das Eingreifen der Großmutter Adelheid und der Mutter Theophanu zwang ihn zum Aufgeben.
Der Hoftag von 973 war der Höhepunkt dieser Reihe: Unter den angereisten Teilnehmern waren Mieszko von den Polanen und Boleslav von Böhmen; beide leisteten dem Kaiser den Treueeid. Kurz darauf starb Otto I. Sein Enkel Otto III. verlieh dem Stift 994 das Markt-, Münz- und Zollrecht und schuf damit die Voraussetzung dafür, dass neben dem Stift auch eine Stadt entstehen konnte.
Wie stark dieser Ort an das Reich gebunden war, lässt sich zählen: Für die Zeit vom 10. bis zum 12. Jahrhundert sind 69 urkundlich nachweisbare Aufenthalte eines Königs oder Kaisers belegt. Aus derselben Zeit stammen die hier verfassten Quedlinburger Annalen, die im Jahr 1009 mit Litua zum ersten Mal in einer schriftlichen Quelle den Namen Litauens verzeichnen.
Das Damenstift, das 936 aus dem Totengedenken für Heinrich I. hervorging, war keine Klostergemeinschaft im gewöhnlichen Sinn. Seine Kanonissen legten keine Mönchsgelübde ab, seine Äbtissin war zugleich Stadtherrin, und ihr Besitz wuchs rasch über den Harz hinaus: Schon in den ersten Jahrzehnten kamen Orte wie Duderstadt, Potsdam und Gera dazu; Otto I. überließ dem Stift 48 Orte, unter Otto II. kamen elf hinzu, unter Otto III. zehn, und spätere Herrscher steuerten rund 150 weitere bei.
Die Reformation änderte die Form, nicht die Existenz: 1539 wurde sie in Quedlinburg durchgesetzt und das Stift in ein evangelisches freies weltliches Stift umgewandelt. Erst 1802, im Zuge der Säkularisation, wurde es aufgelöst, und die Gebäude auf dem Schlossberg gingen an den preußischen Staat. Von den vier Klöstern der Stadt, dem Prämonstratenserstift St. Wiperti, dem Benediktinerinnenkloster St. Marien auf dem Münzenberg, dem Franziskanerkloster der Altstadt und dem Augustinerkloster der Neustadt, war da schon nicht mehr viel übrig: Sie wurden im Bauernkrieg zerstört.
Eine Stadt, deren Grundherrin in der Kirche auf dem Berg sitzt, hat ein dauerhaftes Problem mit ihrer eigenen Freiheit. Quedlinburg löste es erst mit Bündnissen: 1326 schloss es sich mit Halberstadt und Aschersleben zum Halberstädter Dreistädtebund zusammen, der 150 Jahre hielt. Um 1330 erhielt die Altstadt die Neustadt zu Lehen, eine Gründung des 12. Jahrhunderts; fortan traten beide gemeinsam als Stadt auf. Der eigentliche Machtgewinn kam 1336, als die Stadt in einem Konflikt zwischen dem Halberstädter Bischof und dem Grafen von Regenstein den Grafen gefangensetzen konnte; sie erlangte größere Unabhängigkeit von der Äbtissin und durfte ihre Verteidigungsanlagen ausbauen.
Ihr Zeichen dafür stellten die Bürger um 1435 vor dem Haus der Gewandschneider auf dem Marktplatz auf: einen Roland, das Symbol der Marktfreiheit. Vierzig Jahre später ging der Streit schlecht aus. Der Plan des Rates, sich von den Befugnissen der Äbtissin Hedwig von Sachsen zu lösen, mündete 1477 in Gewalt; die Quedlinburger versuchten, sie mit Waffen aus der Stadt zu vertreiben. Hedwig bat ihre Brüder, die Wettiner Herzöge Ernst und Albrecht, um Hilfe, deren Truppen die Stadt ohne eigene Verluste stürmten, während 80 Quedlinburger fielen.
Die Bürgerschaft unterwarf sich, schied aus allen Bündnissen aus, und der Roland wurde gestürzt und zerschlagen. Die Figur blieb trotzdem im Gedächtnis der Stadt: 1569 ließ der Rat sie im Hof des Ratskellers wieder aufstellen, 1869 kamen die Bruchstücke vor das Rathaus zurück, und 2013 wurde sie gesäubert und ergänzt. Ein Symbol städtischer Selbstbehauptung, das zerschlagen, versteckt und dreihundert Jahre später wieder öffentlich aufgestellt wurde, erzählt mehr über das Verhältnis von Stift und Stadt als jede Urkunde.
Auf diese Frage gibt es keine einzelne Antwort, und das ist kein Mangel, sondern eine Frage der Zählweise. Die UNESCO nennt über 1.300 gut erhaltene Fachwerkhäuser aus sechs Jahrhunderten. Früh datiert sind das Fachwerkmuseum Ständerbau, dessen Hölzer im Jahr 1325 gefällt wurden, sowie Gebäudeteile am Klink 6/7 von 1289 und in der Breiten Straße 12/13 von 1330.
Eine örtliche Besonderheit steht an den Häusern selbst: Auf etwa 400 Fachwerkhäusern sind Inschriften angebracht, die neben den Bauherren auch die ausführenden Handwerker nennen. In den 1960er Jahren war geplant, die historische Altstadt vollständig abzureißen und durch einen zentralen Platz und Plattenbauten zu ersetzen; der Plan scheiterte am Geldmangel.
Am 17. Dezember 1994 kamen große Teile der Altstadt und der Königshofkomplex auf die Welterbeliste, und zwar nach Kriterium IV: als herausragendes Beispiel eines Typus von Gebäuden oder architektonischen Ensembles, die bedeutsame Abschnitte in der menschlichen Geschichte darstellen. Seit dem 29. März 2015 trägt die Stadt amtlich den Beinamen Welterbestadt.
Was das Stift an Kunst gesammelt hatte, ist nach 1945 verschwunden. Zwölf Teile des Domschatzes wurden damals geraubt; zehn davon kehrten 1993 aus den Vereinigten Staaten in die Quedlinburger Domschatzkammer zurück. Zwei Stücke bleiben verschollen. Die Krypta der Stiftskirche ist nach mehrjähriger Restaurierung seit März 2009 wieder zugänglich, die Krypta der Marienkirche auf dem Münzenberg seit dem Frühjahr 2015.
Der Wohlstand, den man den Jugendstilvillen am Rand der Altstadt ansieht, stammt nicht aus dem Mittelalter, sondern aus Samentüten. Im 18. und besonders im 19. Jahrhundert entwickelte sich in Quedlinburg die Pflanzenzucht und Saatgutvermehrung zu einem Wirtschaftszweig eigener Art. Als 1834 die erste Zuckerfabrik des Regierungsbezirks Magdeburg hier eingerichtet wurde, zogen landwirtschaftliche Zulieferbetriebe nach; dazu kamen der Anschluss an das Eisenbahnnetz und die Separation der Feldflur zwischen 1834 und 1858.
Aus dem Ackerbau wurde ein Exportgeschäft. Vor dem Ersten Weltkrieg stammten 60 Prozent der Welterzeugung von Blumensamen, besonders von Sommerastern, aus Quedlinburger Saatgutbetrieben, und die Stadt hieß deshalb Blumenstadt — so nennt sie schon ein Brief Theodor Fontanes aus dem Jahr 1882. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts kam die Gemüsezüchtung dazu, vor allem bei Bohnen und Erbsen. Die Firmen Gebrüder Dippe, Heinrich Mette und David Sachs prägten im frühen 20. Jahrhundert den Arbeitsmarkt der Stadt; 1907 hielt Rosa Luxemburg hier eine Rede vor 800 Beschäftigten der Saatzucht.
Nach 1945 wurden alle großen Saatzuchtfirmen enteignet und verstaatlicht, und ab 1963 saß in Quedlinburg die VVB Saat- und Pflanzgut, die von hier aus nahezu die gesamte Versorgung der DDR mit Saat- und Pflanzgut steuerte. Mit der Privatisierung und mehreren Insolvenzen nach 1990 kam diese Geschichte zu einem vorläufigen Ende. Geblieben ist die Bode, geblieben sind die Villen — und geblieben ist ein Ortsname, der in Saatgutkatalogen noch immer etwas bedeutet.
Für eine Stadt dieser Größe hat Quedlinburg auffällig viele Biographien hervorgebracht, die anderswo weiterliefen. Dorothea Christiane Erxleben, geborene Leporin, wurde am 13. November 1715 hier geboren und legte 1754 mit Genehmigung des preußischen Königs an der Universität Halle ihre Promotion ab; sie war damit die erste promovierte deutsche Ärztin. Gestorben ist sie 1762 in ihrer Heimatstadt.
Im Klopstockhaus, das 1570 erbaut wurde, kam 1724 Friedrich Gottlieb Klopstock zur Welt, den seine Wirkung zu einem Begründer der klassischen deutschen Literatur machte; das Gebäude ist heute Museum mit Bibliothek und Archiv. Johann Christoph Friedrich GutsMuths wurde am 9. August 1759 als Sohn eines Rotgerbers geboren und gilt als Mitbegründer des Turnens. Sein Schüler in Schnepfenthal war ab 1785 Carl Ritter, geboren am 7. August 1779 in Quedlinburg, der neben Alexander von Humboldt als Begründer der wissenschaftlichen Geographie gilt.
Eine jüngere Geschichte hängt an einem Namen, der hier nicht geboren wurde. Die 1986 eröffnete Lyonel-Feininger-Galerie zeigt Werke des Bauhaus-Künstlers Lyonel Feininger, die der Quedlinburger Hermann Klumpp, selbst Schüler des Bauhauses, vor der Vernichtung durch die Nationalsozialisten bewahrt hatte. Die Sammlung dokumentiert Feiningers Schaffensperioden von 1906 bis 1937.
Stand des Portraittextes: 2026-09-17.
Belege der kuratierten Auswahl: WH, DZT_FW, FW
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