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Reutlingen hatte am 31.12.2025 119.040 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 58 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Reutlingen
Über Reutlingen steht ein Kegel: die Achalm, ein dem Albtrauf vorgelagerter Zeugenberg, 706,5 Meter hoch, mit einem Aussichtsturm auf den Grundmauern einer abgetragenen Burg. Wer dort oben steht, sieht eine Stadt, die im Echaztal liegt, auf einer bis zu zwölf Meter starken Schotterterrasse, und die sich dem Flusslauf entlang ins Vorland geschoben hat.

Zwei Dinge haben diese Stadt gemacht. Das eine ist ein Rechtsstatus: Reutlingen war Reichsstadt, mit einer Zunftverfassung, die dem Patriziat früh die Vorherrschaft nahm, und mit einem kaiserlichen Asylrecht für Totschläger, von dem bis 1804 fast 2500 Menschen Gebrauch machten. Das andere ist ein Brand, der 1726 vier Fünftel der Wohnhäuser vernichtete — und dessen Folgen man in einer Gasse bis heute abmessen kann. 1988 überschritt die Stadt die Grenze von 100.000 Einwohnern, zum 31. Dezember 2025 zählte sie 119.040 Einwohner. Die Stadt misst 87,04 Quadratkilometer und liegt 382 Meter hoch.
Die frühesten Siedlungsspuren auf dem Stadtgebiet stammen aus der Spätsteinzeit, gefunden im Stadtteil Mittelstadt. Auf der Achalm, wo seit den 1970er Jahren gegraben wird, weisen die Funde auf dauerhafte Besiedlung in vorrömischer Zeit: Am Südhang, beim Rappenplatz, wurde in der späten Urnenfelderzeit und in keltischer Zeit gesiedelt. In Betzingen und Sickenhausen belegen Ausgrabungen, dass zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert Römer hier waren.
Um 1030 ließ Graf Egino auf dem Gipfel der Achalm eine Burg beginnen, die sein Bruder Rudolf vollendete. Sie zerfiel ab dem 15. Jahrhundert, wurde im Dreißigjährigen Krieg geschleift und um 1650 abgerissen; viele ihrer Steine wanderten in Stadthäuser. 1822 ließ König Wilhelm I. auf den Grundmauern des alten Turms einen Bergfried als Aussichtsturm errichten.
Der Ort selbst erscheint zuerst in einem Erbvergleich. Der Bempflinger Vertrag, datiert auf 1089, hält eine Einigung zwischen den Achalmgrafen Kuno und Liutold und ihrem Neffen Werner von Grüningen fest; überliefert ist er in den Zwiefalter Chroniken des Mönchs Ortlieb, und als Zeuge erscheint dort ein Ruodolfus de Rutelingin. Zur Stadterhebung selbst sind keine zeitgenössischen Quellen erhalten; gesichert ist nur, dass Reutlingen spätestens um 1240 zur Reichsstadt erhoben wurde.
Die Reichsfreiheit war zunächst dünn. Rechtlich wie wirtschaftlich hing die Stadt am Achalmvogt, dem sie Zoll, Steuern und städtische Einkünfte zu entrichten hatte und der den Schultheißen ernannte. Im Jahr 1262 gab Konradin, der letzte Staufer, diese Rechte als Pfand an Graf Ulrich I. von Württemberg. Erst 1337 übertrug Kaiser Ludwig IV. mit dem privilegium fori die Gerichtsbarkeit vom Rottweiler Hofgericht auf die Stadt. Die Hochgerichtsbarkeit ging erst im Lauf des 15. Jahrhunderts an die Reichsstadt über.
Politisch war Reutlingen früh zünftisch. Die erste städtische Verfassung von 1343 sicherte den in Zünften organisierten Handwerkern weitgehende Mitbestimmung; die Verfassung von 1374 beendete die Vorherrschaft des Patriziats endgültig. Nur zwischen 1552 und 1576 kehrte die Oligarchie kurz zurück, nachdem Karl V. den Stadträten einen auf Lebenszeit bestellten Kleinen Rat übergeordnet hatte — den sogenannten Hasenrat, der in den 1570er Jahren mit kaiserlicher Genehmigung wieder abgeschafft wurde. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts verlieh Kaiser Maximilian I. der Stadt ein Asylrecht für Totschläger ohne Vorsatz; 1495 erteilt, machten davon bis 1804 nahezu 2500 Menschen Gebrauch. Der Marktbrunnen mit einer Statue Maximilians II., errichtet um 1570, erinnert an die Verleihung und Festigung dieser Rechte.
Das Wahrzeichen der Stadt ist die Marienkirche, und ihre Entstehung hängt an einer Belagerung: An Pfingsten 1247 belagerten Anhänger des Gegenkönigs Heinrich Raspe die staufertreue Stadt vergeblich. Der Überlieferung nach begannen die Reutlinger aus Dankbarkeit mit dem Bau der Kirche und nahmen für die Länge des Kirchenschiffs Maß an einem über dreißig Meter langen Rammbock, den die Belagerer zurückgelassen hatten. 1343 war die Kirche fertig; eine Nachbildung des Rammbocks steht heute neben dem Südturm, und seit September 2018 erinnert eine Stauferstele in der Zeughausstraße an die Belagerung.

Am 23. September 1726 brannte die Stadt. Innerhalb von 38 Stunden vernichtete das Feuer rund 80 Prozent der Wohnhäuser und die meisten öffentlichen Gebäude; etwa 1200 Familien verloren ihr Zuhause, Todesopfer gab es fast keine, und auch die Marienkirche wurde schwer beschädigt. Eine Straße erzählt bis heute davon. Aus dem Wiederaufbau danach stammt die Spreuerhofstraße, benannt nach dem Spreuerhof, einem früheren Getreidelager des Reutlinger Spitals. Sie misst im Durchschnitt etwa 40 Zentimeter und an ihrer schmalsten Stelle 31 Zentimeter.
Das nächste Umbruchsjahr war politischer Natur. 1802 endete die Reichsstadtzeit gegen den Willen der Stadt. Die Stadt kam an das Herzogtum, ab 1806 Königreich Württemberg, und wurde 1803 Sitz des Oberamts Reutlingen; die reichsstädtischen Dörfer Betzingen, Wannweil, Bronnweiler, Ohmenhausen, Stockach und Ziegelhausen wurden selbständige Gemeinden. Gomaringen mit Hinterweiler hatte die nach dem Dreißigjährigen Krieg überschuldete Stadt schon 1648 an Württemberg verkauft.
Mit der Reichsfreiheit verschwand auch das alte Stadtbild. Nach der Reichsstadt-Ära riss man die in der Stauferzeit errichteten und später verstärkten Stadtmauern und -türme ein und füllte die Gräben auf; erhalten blieben das Gartentor an der Mauerstraße, der Zwingerturm und der Kesselturm am Zeughausplatz, dazu Stadtmauerhäuser und der Eisturm, der von 1877 bis 1906 als städtischer Eiskeller diente, dazu das Tübinger Tor.
Die Industrialisierung begann hier am Wasser. In den 1830er Jahren setzte die maschinelle Papierherstellung an der Echaz ein: Nach einem Brand in der Reutlinger Papierfabrik kaufte deren Inhaber Gottlob Christian Braun eine moderne Papiermaschine aus England, die schneller und produktiver arbeitete. Der Preis dafür war das Wissen der Fachleute, die Papier zuvor von Hand geschöpft hatten — es wurde nicht mehr gebraucht.
Die Textilproduktion ist älter und reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück; zunächst geschah sie in Heimarbeit. 1878 kam die erste Handstrickmaschine nach Reutlingen, anfangs von einem Verleger an Heimarbeiterinnen verliehen. Das hielt nicht lange, denn die Nachfrage nach der Boertlinsware, dem sogenannten Reutlinger Artikel, war stark gestiegen — aus der Heimarbeit wurde Fabrikarbeit.
Aus der Textilverarbeitung wuchs der Maschinenbau. Georg Heinrich Stoll, Strickmaschinenbauer, gründete seine Firma 1873 in Riedlingen und verlegte sie fünf Jahre darauf nach Reutlingen; ihre Links-Links-Strickmaschine brachte mehr Arbeitssicherheit und höhere Präzision, und das Unternehmen exportiert bis heute von hier aus. Emil Adolff verlegte seinen Betrieb 1877 hierher und stellte Hartpapierspulen her. 1888 gründeten Louis Burkhardt und Johannes Weber eine Maschinenfabrik, die zunächst Stockflinten und Nähmaschinen baute und heute Bearbeitungszentren und Dieselmotoren fertigt.
Ein Kopf dieser Umbruchszeit stammt aus der Stadt selbst. Friedrich List, in Reutlingen geboren, war ein Vorkämpfer für den Freihandel und vertrat später im amerikanischen Exil die These, dass eine dauerhafte industrielle Entwicklung Deutschlands ohne Schutzzoll nicht eintreten könne. Ein Denkmal nach einem Entwurf von Gustav Adolph Kietz, 1854 in Bronze gegossen von Georg Ferdinand Howaldt, erinnert an ihn.

Sozial hatte die Industriestadt ihre eigene Antwort. 1840 kam Gustav Werner nach Reutlingen und eröffnete eine Rettungsanstalt für bedürftige Kinder und Waisen, aus der 1881 die Gustav-Werner-Stiftung hervorging. Auch die Ausbildung folgte der Textilindustrie. Die 1855 als Webschule gegründete Einrichtung wurde später Königliches Technikum, dann Staatliche Ingenieurschule und ist seit 1971 Fachhochschule.






Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: DZT
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