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Sankt Goar hatte am 31.12.2025 2.860 Einwohner, der LuchsScore liegt bei 47 von 100.
Zahlen und Kennzahlen zu Sankt Goar
Der Ort ist nach einem Mann benannt, der hier Fremde aufnahm. Goar kam als junger Priester aus Aquitanien an den Rhein und lebte zuerst als Einsiedler in einer Felshöhle; bekannt wurde er für seine Gastfreundschaft, besonders gegenüber den Rheinschiffern. Dort, wo heute die Stadt steht, richtete er später eine Herberge und ein Gotteshaus ein. Nach seinem Tod um 575 wurde sein Grab zur Wallfahrtsstätte, und der Ort trug fortan seinen Namen.
Die Stadt liegt am linken Ufer des Mittelrheins auf 74 Meter Höhe, ihr Gebiet umfasst 23,17 Quadratkilometer. Zum 31. Dezember 2025 zählte sie 2.860 Einwohner. Der Fluss ist hier etwa 250 Meter breit; gegenüber liegt die Schwesterstadt Sankt Goarshausen, flussaufwärts der Loreleyfelsen, und über der Stadt steht die Ruine der Burg Rheinfels. Seit 2002 gehört St. Goar zum Welterbe Oberes Mittelrheintal.

Vor dem Heiligen hieß die Stelle Wochara, nach dem Bach, der hier in den Rhein mündet. Goar wirkte mit Erlaubnis des Bischofs von Trier als Missionar unter der Landbevölkerung, und um seine Gestalt legten sich rasch Legenden. Die eigentliche Leistung war nüchterner: Er richtete an einer gefährlichen Stelle des Stroms eine Herberge ein.
Aus dieser Einrichtung wurde eine kirchliche Institution. Pippin der Jüngere übertrug 765 dem Abt der Benediktinerabtei Prüm Hospiz und Kapelle als persönliches Benefizium; daraus ging das Chorherrenstift Sankt Goar hervor, das gegen Ende des 11. Jahrhunderts bezeugt ist. Das Stift hat die Stadt über Jahrhunderte getragen, und die Grafen von Katzenelnbogen traten ab 1190 als seine Klostervögte auf.
Zwei Kirchen erzählen davon bis heute. Die evangelische Stiftskirche im Zentrum ist ein romanischer und gotischer Bau mit dem Patrozinium des Heiligen Goar; ihre dreischiffige romanische Krypta stammt vom Ende des 11. Jahrhunderts, im gotischen Langhaus haben sich Wandmalereien aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erhalten. Aus dem späten 19. Jahrhundert stammt die neugotische katholische Pfarrkirche; in ihr hängen die spätgotische Grabplatte des Heiligen und ein Altarbild von um 1480.
Die Reformation kam von oben und früh. Am 1. November 1527 begann Adam Krafft im Auftrag des hessischen Landgrafen Philipp, sie hier einzuführen. Ein späterer Landesherr blieb auf andere Weise in Erinnerung: Landgraf Ernst, der von 1649 bis zu seinem Tod 1693 auf Rheinfels residierte, galt als religiös toleranter und wissenschaftlich interessierter Herrscher und trug wesentlich dazu bei, dass sich die Stadt von den Folgen des Dreißigjährigen Krieges erholte.
1183 bekam St. Goar das Stadtrecht. Ab 1190 stand der Ort unter dem militärischen Schutz und der Gerichtsbarkeit der Grafen von Katzenelnbogen, die den Besitz an sich gebracht hatten; 1245 errichtete Graf Diether von Katzenelnbogen über der Stadt die Burg Rheinfels. Mit dem Tod des letzten Grafen fiel die Grafschaft und mit ihr die Stadt 1479 an die Landgrafschaft Hessen.
Zwischen den Kriegen kam die Pest. 1580 starben 175 Menschen, 1598 noch einmal 142, und 1635, mitten im Dreißigjährigen Krieg, mehr als 200.
Die Burg wechselte im 17. Jahrhundert mehrfach die Seite. Im Sommer 1626 ließ Hessen-Darmstadt Burg und Stadt mit kaiserlichen Truppen belagern, was zur Kapitulation und zur Plünderung durch spanische Soldaten führte; 1647 eroberten Truppen der Landgräfin Amalie Elisabeth von Hessen-Kassel beides zurück. Am 14. April 1648 trat Hessen-Darmstadt die Niedergrafschaft Katzenelnbogen förmlich an Hessen-Kassel ab. 1692 hielt die Festung einer Belagerung durch zuletzt 28.000 Franzosen stand, und auch der letzte Sturmversuch wurde abgeschlagen.
Verloren ging sie ohne Kampf. 1794 wurde die Festung kampflos an französische Revolutionstruppen übergeben und 1796 in großen Teilen gesprengt. 1812 verkaufte die französische Verwaltung die Ruine als Staatseigentum an den Kaufmann Peter Glass; das gewonnene Baumaterial ging überwiegend in die Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz.
Gerettet hat die Ruine ein Hohenzollern. 1843 erwarb Prinz Wilhelm von Preußen, der spätere Kaiser, die Anlage und bewahrte sie vor weiterem Abriss; seit 1925 gehört die Burg der Stadt. Heute stehen dort ein Hotel, eine Gaststätte und das Burg- und Heimatmuseum — und wer vom Bahnhof zu Fuß hinaufgeht, braucht je nach Weg zwanzig bis dreißig Minuten.

Einen tiefen Einschnitt brachte die französische Besatzung nach dem Ersten Weltkrieg. Am 9. Mai 1923 entgleiste während der französischen Besatzung ein im Regiebetrieb verkehrender Personenzug und stürzte in den Rhein; mindestens 29 Menschen ertranken, wahrscheinlich mehr, denn die Besatzung ließ über Unfälle solcher Züge grundsätzlich nichts nach außen dringen.
Der Rhein ist hier eng und kurvig, und das hat einen eigenen Berufsstand hervorgebracht. Am Bankeck, bei Stromkilometer 555,43, stand die Station der Lotsen und Wahrschauer; in ihr war lange ein Museum zur Rheinschifffahrt untergebracht, und der Außenbereich mit Gerät aus deren täglicher Arbeit ist bis heute vorhanden. Wahrschauer hießen die Männer, die den Bergfahrern per Signal meldeten, ob die Gegenstrecke frei war. Die Stadt ist bis heute ein Ort der Flussverwaltung. Hier sitzt das Amtsgericht Sankt Goar, das zugleich als Rhein- und als Moselschifffahrtsgericht tätig und dem Obergericht in Köln unterstellt ist; dazu kommt eine Wasserschutzpolizeistation, die den Abschnitt von Bacharach bis Osterspai zwischen Stromkilometer 544 und 575 betreut.
Verkehr und Wirtschaft kamen mit dem Dampf. Ab 1825 brachten die Dampfschifffahrt, ein vergrößerter Rheinhafen und der Bahnbau von 1857 bis 1859 einen Aufschwung, der allerdings durch die Enge des Tals begrenzt blieb.
Über den Fluss kommt man hier weiterhin nur mit dem Schiff. Die Personen- und Autofähre Loreley VI verbindet St. Goar mit Sankt Goarshausen; Pläne für eine Mittelrheinbrücke zwischen beiden Städten gibt es seit Jahren, gebaut ist nichts. Auf rund hundert Kilometern zwischen Koblenz und Wiesbaden führt keine Brücke über den Strom.
Vom Tourismus lebt die Stadt, aber nur zum Teil. Die meisten Gäste kommen mit dem Auto, dem Bus oder dem Ausflugsschiff und fahren am selben Tag wieder ab: Nur einer von sechzehn Besuchern übernachtet auch hier. Wer bleibt, hört abends die Züge auf beiden Seiten des Tals und sieht, wie die Lichter der Fähre zwischen zwei Städten hin- und herpendeln, die keine Brücke verbindet.






Stand des Portraittextes: 2026-09-19.
Belege der kuratierten Auswahl: WH
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